Bloß nicht.

Davor habe ich mich immer gefürchtet. Ich muss arbeiten. R. hat Wache an der Talsperre. DLRG-Wache. Junior muss mit hin. Und gerade kommt ein Einsatz: Suche nach einer vermissten Person. R. ist Rettungstaucher. So ein Einsatz ist immer mit einem Riesenwirbel verbunden. Jede Minute zählt. Aber im Grunde ist es fast immer so, dass sie nichts mehr retten, sondern nur noch bergen können. Der Weg bis zum anderen Ende des Sees ist weit. Wer so lange unter Wasser ist… 

Und mein kleiner Spatz hockt ganz verängstigt an der Wache und wartet auf Papa. Den Einsatzort kann er gottlob von dort aus nicht sehen. Wie es für ihn sein wird, wenn Papa auch noch fündig wird, möchte ich gar nicht wissen. Um solche Erlebnisse zu verarbeiten, ist er eindeutig noch zu klein. Ich kann hier nicht weg, um mich um ihn zu kümmern. Es gibt Tage, da hasse ich es, berufstätig sein zu müssen. Meine Hoffnung ist, dass Papa ein Held für ihn sein wird. Egal, wen oder was oder wie er wen findet.

Ich weiß, für den Menschen, der dort in Not ist, für seine Angehörigen ist das alles viel, viel schlimmer. Aber ich weiß auch, wie belastend so ein Erlebnis auch für die Rettungstaucher immer und immer und immer wieder ist. Natürlich spürt das auch Junior.

Nachtrag: Glück gehabt. Der Vermisstenfall entpuppte sich als Missverständnis zwischen Eheleuten. Die wollten eine Radtour um den See machen. Der Mann lud noch sein Rad vom Auto ab, die Frau fuhr los, um eine Toilette zu suchen. Nach 30 Minuten war sie nicht zurück, der Mann alarmierte die Feuerwehr. Die rückte ebenso an wie Polizei, DLRG, DRK-Hundestaffel. Riesenwirbel. Nach 90 Minuten kehrte die Dame zum Parkplatz zurück. Sie war langsam um den See geradelt, weil sie dachte, ihr Mann würde nachkommen. Über die Suchmannschaften soll sie nicht sonderlich erfreut gewesen sein. Bei dem Paar würde ich heute gern Mäuschen spielen…


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