Archiv für Juli, 2007

Alarm.

Freitag, 20 Juli 2007

Alarm bei Aldi. Die Ferienlager-Leute fallen dort in Scharen ein. Heute Morgen in einer ansonsten eher ruhigen Filiale. Zwei Mittzwanziger, noch diskret mit den Folgen der Nacht kämpfend, schlurften durch die Gänge. Jeder schob einen Wagen - das hätte mich warnen sollen. Sie kauften Berge von Nudeln, Käse, Pizza-Zutaten. Und dann der Hammer: 600 kleine Flaschen Mineralwasser. Das sind 100 Pakete. In Worten: Einhundert! Als diese enorme Zahl an mein Ohr drang, mutierte ich spontan zum Wiesel. So flink war ich schon lange nicht mehr an der Kasse. In Überschallgeschwindigkeit das Zeug auf meinem Zettel zusammengerafft - und nix wie in die Schlange an Kasse 1 gestellt. Puh, das war knapp. So war wenigstens nur eine - vermutlich kleinere - Jugendgruppe vor mir. Die hatten zwar auch allerlei Zeug aufs Band gelegt, aber so extrem wie bei den beiden Mittzwanzigern war’s denn doch nicht.

Was lehrt uns das? Keine Ahnung. Aber ich frage mich, was diese Jugendgruppen mit penetranter Hartnäckigkeit ins Mittelgebirge treibt. Was finden die hier, was mir bisher entgangen ist?

Wir ziehen das Meer vor. Und zwar ab morgen. Tschüss!

Faltenfrei.

Donnerstag, 19 Juli 2007

Manche Wörter sind ein Traum. Ein besonderes Exemplar meiner persönlichen Sammlung der Lieblingswörter ist “Eigenfettunterfütterung”. Zugegeben, ein wenig sperrig ist es ja. Man muss sich erst daran gewöhnen. Aber dann zergeht es förmlich auf der Zunge wie ein hauchdünnes Täfelchen Zartbitterschokolade. Ist auch gut für die Mund-Motorik. Eigenfettunterfütterung.

Kennt Ihr nicht? Solltet Ihr aber, wenn Ihr über 40 und, sagen wir mal, ein wenig moppelig seid. Denn: Dank Eigenfettunterfütterung hat man erheblich weniger Falten. Kostet nichts extra. Macht keinen Aufwand. Schmerzt nicht. Wird weder gespritzt, noch geschmiert, noch sonstwie verabreicht. Und bedeutet schlicht, dass der Speck die Haut sozusagen von innen heraus glättet.

Ungeschickt ist nur, dass die Eigenfettunterfütterung nicht immer und ausschließlich an den strategisch wichtigen Stellen erscheint. Am Mund, unter den Augen, auf der Stirn ist Eigenfett nahezu perfekt platziert. Aber wer braucht schon ein zweites Kinn - selbst wenn es noch so faltenfrei ist?

Endspurt.

Montag, 16 Juli 2007

Juniors letzte Woche im Kindergarten. Er behauptet standhaft, er sei froh drüber. Den letzten Montag hat er gut überstanden. Er wollte nicht mal früh abgeholt werden, sondern schickte Papa einfach wieder heim, als der ihn um 16 Uhr in Empfang nehmen wollte. Da gerade die Spritzblume zwecks Zwergendusche ausgepackt wurde, wollte Junior bis 17 Uhr bleiben. Da kam er dann völlig platt die paar Meter allein heim.

Heute Abend haben wir kleine Schultüten für seine Erzieherinnen gebastelt. Da hinein haben wir kleine, gefaltete Zettel gepackt - versehen mit lauter Dankeschöns und guten Wünschen für die Zukunft. Ein bisschen Süßes passte natürlich auch noch mit dazu. Sieht wirklich niedlich aus. Junior bleibt dabei: Er freut sich, dass er bald kein Kindergartenkind mehr ist. Aber er wird zunehmend verlegener, während er das wacker behauptet.

Am Freitag darf er die drei Tüten dann an seine Erzieherinnen aus seiner Stammgruppe überreichen, für alle anderen Erzieherinnen (der Kindergarten hat ein offenes Konzept, er hat also häufig auch mit anderen Erzieherinnen zu tun) gibt’s je eine schöne Rose, die wir am Freitagmorgen noch rasch besorgen werden. Und um 13.30 Uhr ist dann endgültig Schluss mit der schönen Kindergartenzeit.

Im Moment habe ich den Eindruck, dass ich die Einzige sein werde, die das schade findet. Junior jedenfalls freut sich in erster Linie riesig auf die Schule. Dass die Kindergartenzeit so bald vorbei sein wird, hat er offenbar noch gar nicht richtig realisiert. Sein Kommentar heute: “Ich hab schon mit K. (Erzieherin) ausgemacht, dass ich nachmittags und in den Ferien wiederkommen darf.” Wenn er sich da mal nicht falsche Vorstellungen macht…

Pläne.

Samstag, 14 Juli 2007

Junior hat große Pläne. Ein Haus will er bauen. Bei Tchibo gab’s Werbeprospekte für eine Finanzierung. Da hat er sich gleich eins gekrallt. Ja. Sein Holzhaus im Garten war nämlich zu klein. Das hat er vor ein paar Tagen mit Papa zusammen zu Kleinholz verarbeitet. Nun braucht er ja ein größeres Haus. Den Antrag für den Kredit hat er auch schon ausgefüllt. Erst wollte er nur 60 Euro, die er dann in monatlichen Raten von maximal 2500 Euro zurückzahlen möchte, beantragen. Dann hat er nochmal nachgerechnet. Und schwupps, schrieb er 60000 Euro hin. Der Wert der Immobilie soll 90000 Euro betragen. Das hat er schon kapiert, dass der höher sein sollte als der Kredit. Den Rest will er vom Taschengeld - jeden Sonntag 2 Euro - zusammensparen. Ausgezahlt werden soll der Kredit an seinem 18. Geburtstag. Hat er ganz genau berechnet und eingetragen.

Mit dem fertigen Formular winkte er freudig: “Mama, ich hab schon alles eingefüllt.” Ich grinste: “Du meinst, Du hast das Formular ausgefüllt?” “Nein, eingefüllt. Ich hab doch alles hineingeschrieben.” Irgendwie logisch.

Im Moment sind wir ganz zufrieden mit unseren Wohnverhältnissen. Junior an sich auch. Mal sehen, wie sich das in den nächsten zwölf Jahren bis zum Auszahlungstermin seines Kredits ändert. Ob er 2019 aber für 60000 Euro überhaupt noch was bekommt, das auch nur annähernd nach Haus aussieht? Nicht, dass er in einer Gartenhütte hausen muss…

Weibergeschichten.

Freitag, 13 Juli 2007

Junior will am Sonntag bei seiner Freundin übernachten. Ja. Fängt früh an, der Herr. Neulich hatte die Dame ja Geburtstag, da wurde fein auf dem Bauernhof gefeiert. Und - wie berichtet - hatte es ihm dort am besten auf dem Heuboden bei der Strohschlacht gefallen. Ja. Das gibt mir im Nachhinein auch zu denken.

Zwischenzeitlich war er nun wieder mit seiner anderen Herzensdame auf Achse. Das junge Paar hat eine Woche Urlaub gemeinsam an der Ostsee verbracht. Allerdings mit insgesamt sieben weiteren Familienmitgliedern. Da war kein Platz für traute Zweisamkeit. Zurück zu Hause stand dann die Bauernhofparty mit der anderen Lady an. Also wieder alles offen.

Nun will er also am Sonntag ein paar Straßen entfernt von seinen Erzeugern nächtigen. Einiges an Gepäck wird wohl mitreisen müssen. An erster Stelle: die Stillschlange. Dieses riesige Kissen, ursprünglich beim Stillen als Liegeplatz verwendet, benötigt der junge Mann zum Schlafen. Er wickelt sich einmal drumherum, schlingt also Arme und Beine um die unerhört große Schlange. Die muss immer mit. Sogar als wir nach Mallorca flogen, haben wir sie in einen riesigen Sack gepackt und mitgeschleppt. Neulich bei der Schulkinderübernachtung im Kindergarten war’s ihm zu peinlich, das Monstrum mitzunehmen. Aber zu seiner kleinen Freundin muss die Schlange mit. Und Ben, sein kleiner kuscheliger Teddy, darf auch diesmal mit. Ansonsten: nichts Bedeutsames mehr zum Einpacken.

Eben kam eine telefonische Vorwarnung. Das Mädchen hat einen bellenden Husten, der es vor allem nachts quält. Möglicherweise wird es nichts mit der Übernachtung. Junior nimmt’s gelassen: “Ach, wenn’s nur eine Übernachtung ist, die kann man ja mal absagen. Aber wenn’s eine Hochzeit wäre, da wäre ich echt traurig!” Tja, man muss eben Prioritäten setzen. Dann kommt man schon klar in seinem kleinen Leben. An dieser Einstellung sollten sich manche Schwerenöter ein Beispiel nehmen :-)

Krank.

Mittwoch, 11 Juli 2007

Wir mickern hier so vor uns hin. Mit einer Mischung aus Magen-Darm-Virus, Fieber, Kopfschmerzen, depressiver Stimmung und allgemeiner Unlust. Und sowas ausgerechnet in meiner freien Woche :-(

Sonne.

Dienstag, 10 Juli 2007

Die Sonne scheint. Und das ist diesen Sommer so ungewöhnlich, dass es einen eigenen Tagebucheintrag rechtfertigt. Juniors Kumpel kam eben vorbei, die beiden Jungs sind ganz selig abgebratzt.

Ich werde mich jetzt aufraffen und den Wildkräutern nach dem Leben trachten. Zumindest die, die zwischen dem Pflaster wachsen, werden keine Freude am schönen Wetter heute haben. Die anderen bekommen noch mal eine Schonfrist. Man soll es ja nicht gleich übertreiben mit dem Aktivitätsschub.

Nachtrag: Die Wildkräuter haben einen guten Schutzengel. Gerade, als ich meinen Kram zusammengerafft hatte, um ihnen an den Kragen zu gehen, zog ein fettes Gewitter auf. Schade. Da musste ich leider aufgeben…

Glück.

Montag, 9 Juli 2007

Ich habe nicht gewusst, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Glücksgefühlen und Verschmutzungsgrad gibt. Aber es ist die reine Wahrheit: Je dreckiger Junior heimkommt, desto glücklicher strahlt er.

Gerade kam er vom Bauernhof zurück. Kindergeburtstag. Sie haben auf dem Heuboden vier Strohschlachten geschlagen, die Hängebauchschweine gebührend bestaunt, Kuchen gefuttert, die Kühe von der Weide geholt und in den Stall getrieben, erste Melkversuche per Hand gestartet, dem Melkroboter beim Weitermelken zugesehen, frisch gelegte Eier aus den Nestern im Hühnerstall geholt, Stockbrot überm Lagerfeuer gebacken und Würstchen gegrillt. Junior wusste gar nicht, wovon er zuerst schwärmen sollte.

An der Haustür habe ich ihn sofort komplett ausgezogen. Wo er ging und stand, rieselte Stroh aus meinem Jungen. So schmutzig habe ich ihn lange nicht gesehen. Und so glücklich auch nicht. Er strahlte bis hinter die Ohren. Die Augen leuchteten. Und er erzählte und erzählte und erzählte. Und flitzte freiwillig sofort nach oben, um erst mal ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Die Farbe des Wassers war unbeschreiblich. Durchs ganze Haus weht ein laues Landlüftchen. Oder deutlicher: Es riecht dezent nach Kuh.

20 Minuten, nachdem er ins Haus gestürmt kam, liegt er nun schlafend im Bett. Da soll noch einer sagen, Landluft mache nicht müde. Ist das nicht herrlich, dass so ein Paradies wie dieser Bauernhof nur ein paar Kilometer entfernt liegt?

Junior ist sicher: Er will nächstes Jahr seinen Geburtstag nicht im Januar feiern, sondern erst so ab Mai - damit wir auch eine zünftige Bauernhof-Party machen können. Hat doch auch Vorteile - der Dreck ist nach einem zehnminütigen Vollbad komplett weg. Davon kann man bei einem Kindergeburtstag zu Hause mit dann acht Kindern nur träumen. Man muss keine Spiele vorbereiten, nur einen Kuchen backen und Bratwürste besorgen. Um den Rest kümmern sich die Bauern.

Mehr Glück geht kaum in dem Alter. Und mehr Dreck auch nicht.

Nachtrag: Ich wundere mich, dass es so bestialisch stinkt in der Diele. Kein Wunder. Die Gummistiefel sind unten drunter voller Kuhmist. Mein lieber Schwan. Die werden heute Nacht draußen schlafen…

Klatschnass.

Montag, 9 Juli 2007

Hurz, was für ein Wetter. Gerade habe ich Junior beim Kindergeburtstag abgeliefert. Nur zwei Schritte raus aus der Haustür, rein ins Auto, wieder raus, Kind angeschnallt, ums Auto rum und wieder rein - und ich war klatschnass. Dann nochmal beim Geburtstagskind raus ausm Auto, rein ins Haus, wieder zum Auto, Kindersitz geholt und zurückgerannt - und ich war sogar nass bis auf die Haut. So einen Regen habe ich lange nicht erlebt.

Der Kindergeburtstag wird ein wenig problematisch heute: Sie wollen mit insgesamt 8 Kindern auf einen Bauernhof aufm Dorf in der Nähe. Dort kann man nach Herzenslust auf dem Hof toben, in der Scheune, im Stall, im Bauernhaus - aber das ist halt am schönsten, wenn’s nicht schüttet wie aus Eimern. Gummistiefel, Matschhose und Regenjacke hat Junior zwar dabei, doppelte Wechselwäsche auch. Aber sie werden trotzdem mächtig Spaß haben, schätze ich.

Die Eltern des Geburtstagskindes tun mir jetzt schon leid. 8 Kinder ständig an-, aus- und umzuziehen, ist auch keine reine Freude. Bis 19.30 Uhr wollen sie die Kinder bespaßen. Das heißt, die Bauern werden die Kinder bespaßen, denn das Programm kann man buchen. Dann werden sie vermutlich gänzlich geplättet daheim abgeliefert.

Junior freut sich riesig drauf. Sogar beim Melken dürfen sie helfen. Bin mal gespannt, wie’s ihm gefällt. So eine Kuh ist aus der Nähe ja doch recht imposant.

Ich genieße einen freien Nachmittag und vertreibe mir die Zeit damit, Deko für den ersten Schultag zu basteln. Wir haben beschlossen, kein großes Brimborium zu veranstalten. Oma sowie Oma und Opa gehen mit zur Einschulung, das Programm dauert bis gegen 12 Uhr. Danach gehen wir gemeinsam heim und grillen gemütlich. Meine Mutter wird es sich nicht nehmen lassen, eine ihrer leckeren Torten zu backen. Also gibt’s noch Kaffeetrinken zum Abschluss.

Junior wird froh sein, dass er nach Schulschluss zu Hause sofort seine Tüte auspacken darf - und nicht erst noch ins Restaurant geschleppt wird. Das machen hier neuerdings viele Familie - und da sind nicht nur die Großeltern dabei, sondern viel mehr Leute. Was wollen die erst machen, wenn ihre Kinder wirklich etwas geleistet haben? Wir vertrauen mal drauf, dass wenigstens an diesem Tag schönes Wetter sein wird. Wenn nicht, grillen wir halt wieder mal in der Garage *flower*

Und jetzt mache ich mich als bekennende Bastelniete heldenhaft ans Werk. Knapp zwei Wochen habe ich noch, dann fahren wir zwei Wochen in Urlaub, danach ist sofort die Einschulung. Das geht geradezu erschütternd schnell…

Nachtrag: Ich habe es vorgezogen, erst mal den Schrank mit dem Bastelmaterial zu entrümpeln. Unfassbar, was da alles zum Vorschein kommt.

Hier zieht gerade ein Monster-Gewitter auf. Mit diesen schwarzen Wolken haben wir heute garantiert den Hauptgewinn erwischt. Gleich kommt Junior vom Kindergeburtstag zurück. Ich sollte schon mal den Hochdruckreiniger aus der Garage holen.

Bloß nicht.

Sonntag, 8 Juli 2007

Davor habe ich mich immer gefürchtet. Ich muss arbeiten. R. hat Wache an der Talsperre. DLRG-Wache. Junior muss mit hin. Und gerade kommt ein Einsatz: Suche nach einer vermissten Person. R. ist Rettungstaucher. So ein Einsatz ist immer mit einem Riesenwirbel verbunden. Jede Minute zählt. Aber im Grunde ist es fast immer so, dass sie nichts mehr retten, sondern nur noch bergen können. Der Weg bis zum anderen Ende des Sees ist weit. Wer so lange unter Wasser ist… 

Und mein kleiner Spatz hockt ganz verängstigt an der Wache und wartet auf Papa. Den Einsatzort kann er gottlob von dort aus nicht sehen. Wie es für ihn sein wird, wenn Papa auch noch fündig wird, möchte ich gar nicht wissen. Um solche Erlebnisse zu verarbeiten, ist er eindeutig noch zu klein. Ich kann hier nicht weg, um mich um ihn zu kümmern. Es gibt Tage, da hasse ich es, berufstätig sein zu müssen. Meine Hoffnung ist, dass Papa ein Held für ihn sein wird. Egal, wen oder was oder wie er wen findet.

Ich weiß, für den Menschen, der dort in Not ist, für seine Angehörigen ist das alles viel, viel schlimmer. Aber ich weiß auch, wie belastend so ein Erlebnis auch für die Rettungstaucher immer und immer und immer wieder ist. Natürlich spürt das auch Junior.

Nachtrag: Glück gehabt. Der Vermisstenfall entpuppte sich als Missverständnis zwischen Eheleuten. Die wollten eine Radtour um den See machen. Der Mann lud noch sein Rad vom Auto ab, die Frau fuhr los, um eine Toilette zu suchen. Nach 30 Minuten war sie nicht zurück, der Mann alarmierte die Feuerwehr. Die rückte ebenso an wie Polizei, DLRG, DRK-Hundestaffel. Riesenwirbel. Nach 90 Minuten kehrte die Dame zum Parkplatz zurück. Sie war langsam um den See geradelt, weil sie dachte, ihr Mann würde nachkommen. Über die Suchmannschaften soll sie nicht sonderlich erfreut gewesen sein. Bei dem Paar würde ich heute gern Mäuschen spielen…