Geizig.

Der alte Mann gräbt tief. Er hält die Schachtel mit weit ausgestrecktem Arm vor sich. Er liest die Zutatenlisten. Kratzt sich am Kopf. Liest noch einmal. Dreht die Verpackung in alle Richtungen. Schaut sich suchend um. Ich drängle mich daneben. Das ist auch mein Lieblingsplatz im Supermarkt. Der Einkaufswagen mit den fast abgelaufenen Molkereiprodukten und sonstigen gekühlten Lebensmitteln. Gemeinsam krempeln wir den Inhalt auf links. Harzer Roller, lactosefreier Joghurt, Butter, Weinkäse, Tortellini, Lachs - alles zum halben Preis. Da lohnt sich das Krempeln. Ich bin bekennender Geizhals - zumindest bei solchen Lebensmitteln. Da kaufe ich doch lieber Bio-Obst und -Gemüse dazu, das sonst den Rahmen zwar nicht sprengen, aber doch weiten würde.

Der alte Mann, geschätzt Ende 70, wird zutraulich. “Das können Sie ruhig kaufen. Das hält bestimmt noch ein Vierteljahr”, sagt er aufmunternd. Beim einträchtigen Wühlen raunt er mir zu: “Wir sind doch alle unserem Geld nicht feind. Heutzutage müssen wir alle auf jeden Cent achten.” Ich werfe einen raschen Blick auf meine Klamotten. Nicht besonders abgerissen. Hausfrauen-Kollektion wie immer in meiner arbeitsfreien Woche. Aber noch in Ordnung und nicht sonderlich zerfetzt. Ich nicke. “Ja, ich schaue hier bei jedem Einkauf”, erzähle ich dem Mann. Er strahlt. “Das ist vernünftig”, lobt er. Ich packe die letzten fünf Päckchen Bärenmarke-Butter für 62 Cent zu den Mini-Mozzarella-Kugeln und dem Camembert mit rotem Etikett in meinen Wagen. “Ist doch alles so teuer geworden”, nickt der grauhaarige Herr verständnisvoll.

Ich möchte gar nicht wissen, was er über unsere finanziellen Verhältnisse denkt. Ich sollte mir mal eine neue Sommerjacke kaufen.


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