Archiv für Mai, 2007

Es geht los.

Donnerstag, 31 Mai 2007

Ich sitze hier und strahle bis hinter die Ohren. Ich komm grad vom Elternabend in der Grundschule. Heute wurde die Klasseneinteilung verkündet. Ich glaube, wir haben richtig Glück gehabt. Die Lehrerin ist geschätzte Ende 50, ich kenne und schätze ihren Mann sehr (rein dienstlich!) Sie hat selbst 3 Kinder und ist so der mütterliche Typ. Seine beiden besten Kindergartenfreunde sind in Julians Klasse. Von den Eltern, die heute Abend dort waren, war niemand eingebildet oder abgedreht, die waren alle genauso aufgeregt wie ich :-) Es waren diverse Nationen vertreten (leider auch unsere geliebten Nachbarn mit einem ihrer elf Kinder ;-().
Es gab den üblichen Affenkram wie immer in Kiga oder Schule: Man trug uns eine hübsche Geschichte von einem Baum vor. Ich schätze sowas sehr *flower*
In der Klasse dann verteilte die Klassenlehrerin Memorykarten, jede/r musste den Partner mit der gleichen Karte suchen, man musste 10 Minuten smalltalk machen zum Kennenlernen. Ich hatte Glück: Mein “Partner” war ein Kurde aus der Türkei, sehr nett, sehr freundlich, sehr offen, wir haben über Gott und die Welt gesprochen, unsere Familien, Berufe, unser Umfeld - und festgestellt, dass wir beide Schalke-Fans sind *rofl* . Schön, was man in 10 Minuten alles herausfinden kann über wildfremde Menschen.
Am 7.8. um 9.15 Uhr geht die Schule los - mit einem Gottesdienst für die christlichen Kinder in der Kirche und für die muslimischen Kinder in der Moschee (erstmals!). Und das in unserer streng katholischen, konservativen Gegend. Künftig müssen wir dann ein Ideechen früher aufstehen. Schulbeginn ist um 8.15 Uhr *ohnmacht*
Eine Liste der zu beschaffenden Utensilien haben wir auch bekommen. Die ist nicht so furchterregend, wie sie mir vorher beschrieben wurde. Ich find’s nicht soooo dramatisch, mein Kind mit Anspitzer, Zeichenblock, Schuhkarton & co auszustatten.

Ach, ich bin ganz aufgeregt!

Sprachlos.

Mittwoch, 30 Mai 2007

Es gibt selbst in meinem Leben Momente, da bin ich sprachlos. Da stehe ich mit offenem Mund da. Und mir fällt nichts ein. Kein Wort. Nicht mal ein Geräusch. Nichts. Da reicht ein Satz - und mein Sprachzentrum ist völlig blockiert. Mein Schädel ist wie leer gepustet. Volltreffer.

Um 10.30 Uhr war so ein Moment. Mein Mann bekam einen Anruf vom Autohändler. Sein Wagen ist kaputt. Die Wasserpumpe hat’s zerbröselt. Und dabei ist der Zahnriemen zerfetzt, hat noch einiges an Teilen im Motor zerstört. Schaden: etwa 2000 Euro. Theoretisch hätte das die Versicherung zur Garantieverlängerung bei Gebrauchtwagen übernommen, die R. schlau abgeschlossen hat. Praktisch zahlt diese Versicherung keinen einzigen Cent. Nichts. Niente. Nada. Nix.

Der Grund: R. hat die fällige Inspektion nicht in einer Vertragswerkstatt, sondern bei einem Kumpel vornehmen lassen. Um Geld zu sparen. Guter Trick. Nur ist dadurch die Versicherung raus aus der Nummer. Die Reparatur müssen wir nun selbst bezahlen. 2000 Öcken für nix und wieder nix. Rausgeworfen. Ärgerlich ist ja noch untertrieben. Und was macht R.? Nein, er ist nicht sauer auf sich selbst, auf seinen ausgeprägten Geiz, der uns schon häufiger ein Beinchen gestellt. Nein. Er schimpft auf die Werkstatt, den Autohändler und den Kumpel. Denn sie alle haben ihn nicht an die Klausel im Versicherungsvertrag erinnert. Darum sind SIE schuld, nicht er.

Und das war er. Der Volltreffer in meinem Sprachzentrum. Angesichts solcher Selbstgerechtigkeit war ich sprachlos. Minutenlang habe ich meinen Mann angestarrt, als käme er von einem anderen Stern. Bis es ihm selbst auch auffiel. Und begann, wenigstens ein wenig eigene Beteiligung an diesem äußerst ärgerlichen Umstand einzuräumen. Er hat ein völlig verschobenes Bild der Realität. Anders kann ich mir sein Verhalten nicht erklären. Der Kerl mutiert zu einem teuren Hobby. Ich weiß gar nicht, was ich dazu noch sagen soll. 2000 Euronen einfach so vernichtet. Wir hätten sie in die Ruhr werfen sollen. Dann hätten wir sie wenigstens noch platschen hören.

Ich kaufe fast abgelaufene Lebensmittel zum halben Preis - und er? Er haut’s mit vollen Händen raus. So viel altes Zeug können wir in 10 Jahren nicht essen, dass wir das wieder reinholen. Das muss ich erst mal verdauen. Ich gehe Wildkräuter quälen. Die können was erleben!

Geizig.

Dienstag, 29 Mai 2007

Der alte Mann gräbt tief. Er hält die Schachtel mit weit ausgestrecktem Arm vor sich. Er liest die Zutatenlisten. Kratzt sich am Kopf. Liest noch einmal. Dreht die Verpackung in alle Richtungen. Schaut sich suchend um. Ich drängle mich daneben. Das ist auch mein Lieblingsplatz im Supermarkt. Der Einkaufswagen mit den fast abgelaufenen Molkereiprodukten und sonstigen gekühlten Lebensmitteln. Gemeinsam krempeln wir den Inhalt auf links. Harzer Roller, lactosefreier Joghurt, Butter, Weinkäse, Tortellini, Lachs - alles zum halben Preis. Da lohnt sich das Krempeln. Ich bin bekennender Geizhals - zumindest bei solchen Lebensmitteln. Da kaufe ich doch lieber Bio-Obst und -Gemüse dazu, das sonst den Rahmen zwar nicht sprengen, aber doch weiten würde.

Der alte Mann, geschätzt Ende 70, wird zutraulich. “Das können Sie ruhig kaufen. Das hält bestimmt noch ein Vierteljahr”, sagt er aufmunternd. Beim einträchtigen Wühlen raunt er mir zu: “Wir sind doch alle unserem Geld nicht feind. Heutzutage müssen wir alle auf jeden Cent achten.” Ich werfe einen raschen Blick auf meine Klamotten. Nicht besonders abgerissen. Hausfrauen-Kollektion wie immer in meiner arbeitsfreien Woche. Aber noch in Ordnung und nicht sonderlich zerfetzt. Ich nicke. “Ja, ich schaue hier bei jedem Einkauf”, erzähle ich dem Mann. Er strahlt. “Das ist vernünftig”, lobt er. Ich packe die letzten fünf Päckchen Bärenmarke-Butter für 62 Cent zu den Mini-Mozzarella-Kugeln und dem Camembert mit rotem Etikett in meinen Wagen. “Ist doch alles so teuer geworden”, nickt der grauhaarige Herr verständnisvoll.

Ich möchte gar nicht wissen, was er über unsere finanziellen Verhältnisse denkt. Ich sollte mir mal eine neue Sommerjacke kaufen.

Grau.

Montag, 28 Mai 2007

Nebel wabert über die Berge. Die Spitzen der Fichten, die Kyrill rasierte, ragen bedrohlich ins Grau. Die Wolken hängen tief heute Morgen. Die prallen Rhododendron-Blüten lassen ihre Köpfe hängen. Schwer von den Tropfen. In der  kleinen Pfütze vor der Haustür spiegelt sich durchgängiges Grau. Grau in Grau. Mit einem Hauch Grau darüber.  So viel Grau war lange nicht.

Es ist still. Nur das Prasseln der Tropfen. Ab und zu rauscht ein Auto durch die ausufernde Wasserlache. Nachbars Hund tapst missmutig durch den Regen. Kein Wetter für Spaziergänge. Der Regen fällt schnurgerade. Kein Lüftchen verwirbelt ihn. Das rot-weiße Flatterband im Kirschbaum hängt schlaff nach unten. Die Vögel machen heute Pause. Ein paar reife Walderdbeeren leuchten im Grün. Das Leuchtturm-Windrad neigt sich im aufgeweichten Boden weit nach links. An den grasgrünen Pflaumen hängen dicke Tropfen wie durchsichtige Bärte. Die Kuhle auf dem Dach des Sandkastens an der Stelle, an der Kyrill die Halterung zerschmettert hat, füllt sich mit Wasser. Die leuchtend roten Blüten des Rosenbäumchens sehen aus wie mit flüssigem Zucker übergossen. Einzelne Tropfen halten sich auf den Blütenblättern.

Was für ein Tag. Trüb. Kühl. Grau in allen Schattierungen. Als würde es nie etwas anderes geben als Grau in Grau. Nirgends kann der Himmel so grau sein wie hier. Intensiv. Verheißung von nichts. Als wäre die Hoffnung gestorben. Selten leuchtet das Grün grüner als an einem solchen Tag. So üppig wächst alles.

Die Sonne der letzten Wochen hat uns verwöhnt. Wir könnten ein Feuer im Specksteinofen anfachen. Dann müsste man vorher Holz hacken. Draußen. Die Decke ist auch gemütlich. Ein Tag zum Kuscheln. Voller Dankbarkeit dafür, dass wir ihn gemeinsam mit Junior erleben dürfen. Gemeinsam entdecken wir die wunderschönen Seiten des Regens. Die vielen Grautöne. Und das Grün. Die vom Regen gebeutelten Blüten. Jubelnd begrüßt er jede Schnecke, jeden Regenwurm. Wann ist uns das verloren gegangen? Mit 10 Jahren? Mit 23? Mit 37?

Volltreffer.

Sonntag, 27 Mai 2007

In der chirurgischen Ambulanz des Krankenhauses trifft man lustige Leute. Menschen mit eigenartigen Verletzungen. Seit über fünf Wochen müssen wir mit Juniors Finger jeden zweiten oder dritten Tag dorthin. Nach einigen Terminen trifft man immer wieder dieselben Leute. Man kommt sich näher. Man begrüßt sich freundlich, erkundigt sich nach dem werten Befinden. Man informiert sich gegenseitig über Heilungsfortschritte. Und man beäugt gemeinsam Neuankömmlinge. Wir wissen meist schnell Bescheid, wem was wobei passiert ist. Wie schlimm es ist, was zurückbleiben kann davon. Schmerzen machen gesprächig. Das muss dann mal raus.

Der Mittvierziger mit der Brandverletzung an der linken Wade, die er sich am Hochofen zugezogen hat, klagt nie, hat aber mit Sicherheit heftige Schmerzen. Er muntert immer alle auf, kennt jede Schwester, jeden Pfleger mit Namen.

Der niedliche Schweizer mit dem zauberhaften Akzent ist schüchtern und ein wenig melancholisch. Kyrill sei Dank kam er als Ein-Mann-Lohnunternehmen herbei, um dabei zu helfen, das wegzuräumen, was der Orkan übrig ließ. Und dann hat’s ihm den Fuß zerbröselt. Nun hockt er in einer kleinen Pension. Einsam und allein. Mit einem schmerzenden, gebrochenen Fuß. Keiner zahlt ihm den Verdienstausfall. Schließlich ist er selbstständig. Die lange Fahrt nach Hause schafft er mit der Verletzung noch nicht. Alles kein Grund, in überschäumenden Frohsinn auszubrechen. Trotzdem haut er uns mit dem einen oder anderen trockenen Spruch immer mal wieder aus den Schuhen vor Lachen. Galgenhumor vermutlich.

Gestern kam ein Neuer. Ein Bauer. Keine Frage. Einer, der mit anpackt. Der sich nicht bange macht vor einer Menge Arbeit. Einer, der sich auch nicht anstellt. Vorgestern war er ein Notfall. Nun humpelt er mit einem fröhlichen “Guten Morgen” auf den Lippen ins Wartezimmer. Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd, erzählt gleich von seinem Unfall. Er zeigt auf seinen Fuß: “Da hat mir ne Kuh draufgetreten.” Wir lachen. Aber so lustig war das wohl nicht. Der Fuß ist gebrochen, musste außerdem noch genäht werden. Ein echter Volltreffer. Aber der Bauer bleibt gelassen. Zweimal im Jahr, grinst er, habe er solche Sachen. Na dann. Wahrscheinlich gewöhnt man sich dran.

Die Enddreißigerin hat’s auch nett erwischt. “Mir ist ein Würstchen auf den kleinen Zeh gefallen”, beichtet sie. Und erntet ungläubiges Staunen. Ein Würstchen? War das aus Eisen? Nein, aber gefroren. Und dann hat es durchschlagende Wirkung. Zeh gebrochen. Peng. Noch ein Volltreffer.

Familieneigen.

Donnerstag, 24 Mai 2007

Manche Leute haben Familientraditionen. Oder Familienrezepte. Wir haben familieneigene Wörter. Wörter, die Junior erfunden hat und die jetzt die ganze Familie benutzt.

Mannwurst zum Beispiel. Das ist schnöde Blutwurst. Und weil die bei uns nur die Männer essen, nämlich Junior und R., heißt die bei uns Mannwurst.

Uromawurst ist wieder was ganz Anderes. Das ist eine ganze Schinkenwurst. Und weil Uroma die für Junior immer gekauft hat, heißt die bei uns Uromawurst.

Dann gibt es noch zwei besondere Sorten Jacken: Drinjacken sind Strickjacken oder Sweatshirtjacken, die man auch drinnen trägt. Im Gegensatz dazu stehen Draußenjacken, die man nur draußen trägt.

Jaja, man wird wunderlich, wenn man ein Kind hat. Die Liste könnte ich beliebig verlängern. Aber das alles ist nichts gegen die Frau, die ich neulich im Supermarkt sah. Sie strolchte um die Süßigkeitenregale herum und fragte mehrfach laut: “Wo sind denn nur die Taubentuckalutsa? Wo sind denn nur die Taubentuckalutsa?”

Wörtlich.

Samstag, 19 Mai 2007

Die Kleinen nehmen es mal wieder wörtlich. Meine Cousine sagt: “Mann, der hat aber echt eine Schramme!” Ihre siebenjährige Tochter darauf: “Wo?”

Mein Patenkind (6) war zur Impfung. Am nächsten Tag wollte sie davon im Kindergarten erzählen. Sie sortierte nochmal im Geiste alle Fakten. Und prompt fiel ihr noch eine entscheidende Frage ein: “Mama, wie hieß nochmal die Nuss, die ich gestern beim Arzt bekommen habe?” Es war eine Tetanus-Impfung.

Junior wollte sich gestern auf dem Trödelmarkt etwas kaufen. Sein Taschengeld reichte nicht. Meinen Rat, er müsse dann noch ein wenig sparen, nahm er zum Anlass, aktiv zu werden. Er hatte sich für 2 Euro eine kleine Spieluhr gekauft, die dank Kurbelantrieb “So ein Tag, so wunderschön wie heute” dudelt. Als wir in der Innenstadt vor einem Geschäft auf den Rest der Sippe warteten, saß er plötzlich auf dem Boden, kurbelte seine Spieluhr und hatte seine Kappe vor sich hingelegt. “Ich muss mir doch was zum Taschengeld dazu verdienen”, verkündete er treuherzig. Mein Protest stieß auf wenig Gegenliebe. “Du hast doch gesagt, dass wir nicht genug Geld haben, um alles zu kaufen”, schimpfte er wie ein Rohrspatz. Der Bettelversuch wurde dennoch abrupt abgebrochen.

Seiner Geschäftstüchtigkeit tat das keinen Abbruch. Kaum bei meiner Tante daheim angekommen, verwirklichte er die nächste Idee: Gemeinsam mit den drei Kindern meiner Cousine hatte er auf dem Trödelmarkt kleine Steine gesammelt. Die Vier malten ein großes Plakat - und eröffneten ihren Laden im Vorgarten. Steine für 20 Cent bis 200 Euro wollten sie zu Geld machen. Eine Nachbarin meiner Tante erbarmte sich tatsächlich. Einen Stein kaufte sie. Junior: “Als ich gemerkt habe, dass sie den Stein für 20 Euro nicht haben wollte, bin ich schnell auf 1 Euro runtergegangen.” Clever. Und es hat geklappt. Nachdem sämtliche Familienmitglieder zu Steinkäufen genötigt worden waren, wurde der Laden zwangsweise geschlossen. Natürlich unter Protest - denn: siehe oben. Ich habe schließlich gesagt, dass wir nicht alles kaufen können. Da wolle er doch nur helfen. Leider reichte das Geld immer noch nicht für die Playmobil-Polizeistation, die er erspäht hatte. Ich möchte lieber nicht wissen, was ihm in den nächsten Tagen noch einfällt, um Geld zu organisieren.

Ansonsten ist er gerade der Charmeur schlechthin. Beispiel: “Mama, ich hab dich furchtbar lieb. Ich könnte zehn Mal bis zum Ende der Zahlen zählen mit lauter Herzen - so lieb habe ich dich.” Oder: “Mama, ich hab dich lieb bis zum Ende des Weltalls - und zehn Mal hin und zurück. Das sind so tausend Schritte oder so. Nee, 15000 Schritte. Oder noch mehr?”

Träume.

Mittwoch, 16 Mai 2007

Eine Nachbarin traf ich vor ein paar Minuten auf der Straße. “Du, ich habe heute Nacht von dir geträumt”, sagte sie. Sie habe mich besucht, um zum neuen Baby zu gratulieren. Es sei auch ein Junge gewesen. Sie habe sich noch einmal vergewissert, dass das doch nicht Junior sei. Nein, hätte ich geantwortet, das sei unser neues Baby.

Schnief. Leider war’s nur ein Traum. Aber einer von der Sorte, von denen ich hoffe, dass sie eines Tages doch noch wahr werden. Es ist nicht so, dass ich undankbar wäre. Mir ist jeden Tag bewusst, was für ein unglaubliches Glück wir mit Junior haben. Ich genieße jede Minute mit ihm - auch wenn wir uns streiten. Die schwere Zeit der Kinderwunschbehandlungen mit dem ewigen Bangen und Hoffen, den vielen bitteren Enttäuschungen hat mich sehr geprägt. Das schüttelt man nicht einfach ab. Ich bin von Herzen dankbar, dass wir dieses wunderbare Kind haben. Trotzdem wird man ja wohl mal träumen dürfen…

Schlafstörung.

Dienstag, 15 Mai 2007

Junior kann nicht einschlafen. Seit knapp 90 Minuten liegt er im Bett - und ist unverändert hellwach. Mein erster Vorschlag: “Zähl Schäfchen.” Er mault: “Das kann ich nicht. Weiß nicht, wie das geht.” Ich erkläre es ihm geduldig: “Zähl einfach. Ein Schaf. Zwei Schafe. Drei Schafe. Und das so weit, wie du kannst.” Eine Weile ist Stille. Dann noch mauliger: “Mamaaaaa! Der Quatsch mit den Schafen funktioniert nicht. Gib mir mal einen vernünftigen Rat!” Meine Idee, die Augen zu schließen und an etwas Schönes zu denken, stößt auf wenig Gegenliebe. “Das ist ja das Problem. Wenn man nicht einschlafen kann, kann man sich auch nichts Schönes vorstellen”, protestiert Junior.

Hm. Guter Rat ist teuer. Der Preis: Wenig Platz in dieser Nacht. Denn er hat eine geniale Idee. “Mamaaaaaa.” Das langgezogene a am Ende lässt nichts Gutes ahnen. “Mamaaaaa. In deinem Bett konnte ich immer sehr gut einschlafen. Sofort. Immer. Die Matratze ist gemütlicher. Die Decke ist nicht so schwer. Und das Kissen ist auch viel weicher.” Was soll man da machen? Und der Blick! Kann man solchen Augen widerstehen? Ich nicht. Nun ruht er in meinem Bette. Immer noch hellwach. Und er hat Oberwasser. Kräht doch gerade von oben: “Mama! Krimi gucken verboten! Ich höre das!”

Entspannt.

Dienstag, 15 Mai 2007

Trübes Wetter. Es schüttet immer mal wieder wie aus Eimern. Keine Spur von Sonne. Grauer Himmel. Ich strolche so durchs Haus. Packe hier was ins Köfferchen. Räume dort was um. Waschmaschine und Trockner laufen. Mein derzeit einziges Problem: Was packe ich bei diesem wechselhaften Wetter nur ein? Ein überschaubares Problem, finde ich. Morgen geht’s in die Pfalz. Patentante besuchen bis zum Wochenende. Nur Junior und ich. R. muss zur mehrtägigen Übung als Lebensretter.

Pfalz ist eines unserer kleinen Glanzlichter. Das gönnen wir uns ein paar Mal im Jahr. Wir freuen uns drauf. Ist immer herrlich entspannend dort.

Im Grunde ist es hier auch zurzeit herrlich entspannend. Im Garten kann ich nichts machen. Da würde ich bei jedem Schritt 30 Zentimeter wachsen vor lauter Erde unterm Schuh. Einkaufen lohnt sich nicht vorm Kurzurlaub. Junior ist im Kindergarten. Heute Nachmittag geht er noch mit dem Schulkinderprojekt zur Feuerwehr. Ich muss ihn hinfahren und abholen - und zwischendrin leider gemütlich einen Cappuccino trinken gehen. Ich arme Wurst. Morgen früh gehe ich dann nochmal zum Vorlesen in den Kindergarten. Mittags ist noch Erkunder-Team im Krankenhaus. Da wird Junior der König seiner Kindergarten-Gruppe sein. Die Ärztin hat seinen Termin extra so gelegt, dass die Knirpse alle mit dabei sein können. Niedliche Idee. Zumal der Finger schon wieder ganz gut anzusehen ist.

Danach geht’s ab ins Auto, zu Oma düsen, Oma einpacken - und ab ins Pfalz-Paradies. Dass die halbe Sippe die nächsten Tage dort versammelt sein wird, stört nur unwesentlich. Junior hat wieder seine Mädels zum Spielen - und ich damit auch ganz viel Zeit, um noch entspannter zu werden. *lol* Wo soll das nur hinführen? *huepfen*