Geschenkt.
Sonntag, 29 April 2007R. ist nicht so der romantische Typ. Ein einziges Mal habe ich ihn zu Beginn unser Beziehung gebeten, mir “etwas Schönes” aus der Stadt mitzubringen. Einmal. Nie wieder. Ich hätte “etwas Schönes” genauer definieren sollen. Er kam mit einem Pümpel zurück, so einem Teil, mit dem man durch Unterdruck verstopfte Abflüsse reinigen kann. Holzstiel, unten rotes Gummiteil. Funktioniert hervorragend. Begleitet uns auch all die Jahre durch diverse Behausungen. Aber es traf nicht ganz genau das, was ich mir so vorgestellt hatte.
Vorletztes Weihnachten bekam ich ein riesiges Geschenk. Der Karton war so monströs, dass Junior schon stinkbeleidigt war, dass nicht sein Name drauf stand. Was darin war, hätte ich niemals erwartet. Eine Reserveradabdeckung für mein Auto. Praktisch, auch hübsch anzusehen, wenn sie drauf ist. Ja. Was soll ich sagen. Ich wär jetzt nicht grad sofort darauf gekommen, wenn mich jemand nach meinen Wünschen gefragt hätte.
Mein Geburtstag naht. Immer ein heikles Thema. Nicht dass ich nicht in Würde altern wollte. Aber die Geschenke. Die sind nicht immer würdevoll. Aber ganz oft hinreißend auf eine ganz eigene Art. Zum 30. Geburtstag schenkte mir R. einen Lenkdrachen. Ich gestehe, es war einer meiner geheimsten Wünsche. Ich habe mich gefreut wie eine Schneekönigin. Außer mir hat den Wert dieses Geschenks ganz sicher niemand zu würdigen gewusst. Zum 40. beglückte R. mich mit einem Laptop. Göttlich. Nutze ich täglich.
Diesmal musste er mir schon vorher verraten, was er sich ausgedacht hat. Ich bekomme einen Fahnenmast. 7 Meter hoch. Dazu eine riesige Schalke-Fahne. Und weil man das Monstrum ja noch im Garten einbetonieren muss, also den Masten, nicht die Fahne, muss er schon vor meinem Geburtstag mit dem Buddeln beginnen. R.s Geschenkidee klingt erst mal völlig beknackt. Aber sie ist wieder mal ein Volltreffer. Denn ich möchte ein wenig mehr Romantik im Garten. Und da ist diese grässlich helle Straßenlampe, die unsere gesamte Terrasse und einen großen Teil des Gartens in derart grelles Licht taucht, dass es keine lauen Abende mehr draußen gibt. Die Lampe lockt gnadenlos alle Mücken an - und die fallen allesamt traditionsgemäß über mich her. Meine Familie braucht nie einen Mückenschutz, wenn ich dabei bin. Denn ich ziehe die Viecher an wie nichts.
Wir haben schon länger überlegt, wie wir diese Lampe unschädlich machen können. Ein gezielter Schuss mit der Steinschleuder käme in frage. Doch die Idee haben wir verworfen. Bei der Schussrichtung wüsste jeder gleich, wo der Übeltäter hockt. R. wollte einen Schalter an die städtische Lampe bauen, damit wir sie bei Bedarf außer Gefecht setzen könnten. Aber das macht auch keinen schlanken Fuß, wenn sich bei ausgeschalteter Laterne jemand auf die Nase legt auf der Straße.
Nun hatte er eine geniale Idee. Er postiert den Fahnenmasten ganz nah an der Lampe. Der ist etwa einen Meter höher als die Straßenlampe. Und die Fahne mit Ausleger oben schirmt zumindest einen Teil des Gartens und der Terrasse ab. Ist er nicht süß? Der ganze Aufwand, damit ich abends wieder draußen sitzen und die warmen Sommerabende genießen kann. Wenn ich ihn nicht schon längst geheiratet hätte, würde ich es spätestens jetzt tun.
Und als Hommage an meine Kindheit entzückende Strohblumen - also nicht strohig, sondern die lebendigen Pflanzen.
Danach waren wir pleite, aber hochzufrieden.

