Archiv für März, 2007

Kraus.

Freitag, 30 März 2007

Der große Tag. Petersilienhochzeit. Ist wohl eher krause Petersilie, wenn ich mir die letzten Jahre so anschaue. Aber wir würden es wieder tun. Da sind wir uns einig.
Der Tag wird eher unspektakulär. Ich habe tatsächlich frei bekommen. R. hat ohnehin Urlaub. Heute Mittag gehen wir zu unserem Lieblingschinesen - natürlich mit Junior. Der hat sich heute morgen schon kaputt gelacht über den Begriff Petersilienhochzeit. Ob wir denn auch nur Petersilie essen dürften, wollte er wissen. Gottseidank nicht. Es wird wohl eher Ente Hongkong. Schön kross mit süß-saurer Soße. Oder Ente a la Malaya mit scharfer Erdnusssoße.
Ansonsten wuseln wir uns im Garten durch die Blumenbeete. Schließlich haben die Nachbarn allesamt schon vorgelegt. Während R. bei herrlichstem Sonnenschein die letzten Tage die Garage ausmisten und aufräumen sowie auf der Terrasse sitzen musste. Aber bitte. An manchen Tagen ist die Petersilie schon sehr kraus.
Ach, wenn ich’s so recht bedenke. Ich nehme dann doch Ente a la Malaya. Mir ist grad so danach.

Halbzeit.

Mittwoch, 28 März 2007

Ui. Noch zwei Mal schlafen. Dann ist der große Tag da. Halbzeit auf dem Weg zur Silberhochzeit. Unfassbar. R. und ich gaben uns am Freitag vor zwölfeinhalb Jahren das Jawort. Wer hätte das gedacht, dass das so lange gut geht.

Wir hatten gruselige Zeiten. Wo die Fetzen täglich nur so flogen. Wo wir beide unzufrieden waren miteinander. Wo das Glück auf der Kippe stand. Wo ich manches Mal kurz davor war, ihn vor die Tür zu setzen.

Wir hatten auch schlechte Zeiten. Voller Trauer. Als wir voller Sehnsucht auf ein Baby warteten. Als dann unser erstes Kind schon in der neunten Schwangerschaftswoche starb. Zeiten, in denen ich dachte, ich komme nie wieder aus dem tiefen Loch der Trauer heraus. Zeiten, in denen er schon wieder pragmatisch den Alltag sortierte. Zeiten, in denen wir einander fast verloren hätten in unserer so verschiedenen Art, mit dem Verlust umzugehen.

Wir hatten und haben gute Zeiten. Jetzt gerade. Wir vertragen uns meistens. Wir haben ein wunderbares Kind. Wir lieben uns immer noch.

Hach, wenn das kein Grund zum Feiern ist. Mit etwas Glück werde ich am Freitag frei haben. R. hat Urlaub. Junior könnte vom Kindergarten zu Hause bleiben. Und wir alle drei könnten den Tag gemeinsam genießen. Ich könnte ein spektakuläres Geschenk organisieren. Vielleicht einen Rundflug mit so einer Minimaschine vom Dorfflugplatz aus mit einem Schlenker über unser Haus. Was mag das wohl kosten? Der März ist kein guter Monat für unser Konto. Vielleicht gehen wir doch lieber schnöde zum Chinesen. Das Mittagsmenü kostet nur die Hälfte. Und Spaß hätten wir auch dran. Aber der Flug, der hätte schon was.

Meine Güte. Ich darf gar nicht drüber nachdenken. Das klingt, als wären wir mindestens 150 Jahre alt. So spießig und gesetzt. In zwölfeinhalb Jahren feiern wir - wenn alles gut geht und der liebe Gott es auch gut mit uns meint - Silberhochzeit. Ich fasse es nicht. Eins weiß ich aber jetzt schon: Wenn mir jemand so einen albernen Lorbeer ans Revers heften sollte, werde ich auf meine alten Tage zum Tier. Dann gehe ich gleich nochmal in die Luft. Dann aber kostenneutral für unser Konto.

Spurt.

Mittwoch, 28 März 2007

Bin schon ganz aufgeregt. Endspurt. Heute soll er kommen. Der 5000. Besucher meines Blogs. Die Bionade - diesmal Ingwer-Orange, Holunder war aus - ist schon kalt gestellt.
Ist schon ein wenig seltsam. So viele Menschen, von denen ich die meisten niemals im richtigen Leben kennenlernen werde, stöbern hier. Freut mich. Aber bremst mich manchmal auch. Wer weiß, wieviele Leute meinem wahren Ich schon auf die Spur gekommen sind…
Noch 7… noch 4… noch 2… geschafft! *freu* *freu*

Hilfe.

Dienstag, 27 März 2007

Im Buchladen meines Vertrauens. Der mir schon seit Jahren bekannte Buchhändler strahlt: “Annette, grüß dich!” Annette? Ich schaue mich um. Hinter mir ist niemand. Ich heiße nicht Annette. Warum auch? Nach all den Jahren habe ich mich an meinen Namen gewöhnt. Und der lautet nicht Annette. Errötend entschuldigt sich der Mann. Ganz in Gedanken sei er gewesen. Er gesteht: Auch er wird alt. Dabei ist der Mann deutlich jünger als ich. Manchmal steht er in seiner Wohnung, dreht sich verwirrt um und überlegt: Was wollte ich hier? Kenne ich. Als Junior noch ganz klein war, hatte ich das auch erstmals. Damals schob ich es auf völlige Übermüdung, das Stillen, die Umstellung aufs Leben mit Baby. Wir nannten die Erscheinung Stillzheimer. Aber es ging nie wieder weg. Es tröstet mich, dass der Buchhändler es auch hat. Wo ich es ohnehin schon befremdlich finde, dass mein Hausarzt und mein Buchhändler jünger sind als ich. Kann das gut gehen?
Aber der Buchhändler setzt noch einen drauf: “Brauchst du Hilfe?” Nein, ich komme noch ohne Pflegedienst ganz gut zurecht. Auch der Treppenlift-Vertreter kann sein Zeug gleich im Auto lassen. Ich schaffe das schon noch. Nur ein Buch könnte er mir empfehlen.
Waren das noch Zeiten, als ich noch jünger und die Verkäufer noch höflicher waren: “Was darf’s sein?” hieß es da brav. Wenn der Buchhändler beim nächsten Mal “junge Frau” zu mir sagt, wird er mich kennen lernen. Denn das ist die schlimmste aller Beleidigungen für Frauen, die eigentlich in Würde altern wollen.

Weg.

Dienstag, 27 März 2007

So ein schöner Beitrag - und weg isser. Auf dem alten Server vergessen worden. Kleben geblieben. Schade.

Zeit.

Dienstag, 20 März 2007

Glück gehabt. In der Süddeutschen Zeitung stand gestern etwas sehr Beruhigendes für das schlechte Gewissen einer berufstätigen Mutter. Demnach hat eine Studie ergeben: “Die Sorge, Ganztagsschulen könnten das Familienleben zerstören, ist offenbar unbegründet. Es gebe kaum Auswirkungen auf das “Familienklima”, berichten die Forscher. Erwartungsgemäß gibt es zwar weniger gemeinsame Mahlzeiten, doch Eltern und Kinder verbringen ähnlich viel (teilweise sogar mehr) Zeit miteinander wie Halbtagsschüler.” Sag ich doch. Wenn wir Zeit miteinander verbringen, dann ist es kostbare Zeit - und die nutzen wir gemeinsam gut. Aber tut gut, wenn’s auch die anderen bemerkt haben.

Der Rest der Geschichte: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/213/106107/

Gebucht.

Montag, 19 März 2007

Hurra. Urlaub gebucht. Spontan alle Pläne umgeworfen. Bodensee gestrichen. Nachdem wir in den letzten Wochen sämtliche verfügbaren Atemwegserkrankungen durchgemacht haben, tun wir etwas für unsere Gesundheit. Also hauptsächlich für Juniors und meine Gesundheit. Denn R. ist weitgehend resistent gegen Bakterien und Viren jeder Art. Die meiden ihn meistens. Manchmal verstehe ich die kleinen Viecher. Aber das ist eine ander Geschichte.

Also: Es geht an die Nordsee. Ostfriesland. Da waren wir noch nie. Wir haben einen Campingplatz direkt am Deich gebucht. Mit Spielplatz und rundherum allerlei netten Angeboten. Camping ist für uns das Allergrößte. Trotz widriger Erfahrungen.

Erst sind R. und ich mit einem Steilwandzelt losgezogen. Wir reisten nach Holland. Das Wetter war lausig. Nachts lagen wir eng umschlungen auf der Riesenluftmatratze. Mein einziger Wunsch: “Schatz, lass mich bloß nicht los, wenn wir gleich wegfliegen!” Nach zwei Tagen tropfte es tagsüber vom Zeltdach. Alles war klamm. Und wir fertig mit den Nerven. Nichts wie heim.

Nach einigen Jahren Campingpause kauften wir günstig einen uralten Faltcaravan. So einen klitzekleinen Anhänger, dessen Aufbau man auseinander klappen muss, Gestänge aufstellen, Zeltplanen drüberziehen. Dann hat man ein sehr großes Zelt. Aber eben mit zwei höher gelegenen Schlafkabinen mit echten Matratzen. Ohne Luftmatratze. Das war mir und meinem Rücken wichtig. Wir reisten nach Fehmarn. Das Wetter war zunächst lausig. Es regnete und stürmte. Nachts tropfte es plötzlich von oben. Der Reißverschluss, mit dem Vorzelt und Hauptzelt verbunden waren, war nicht dicht. Gottlob hatte ich vorsichtshalber eine riesige Notfall-Rettungsplane für 45 Euro gekauft. Da hatte R. noch gelacht. In jener Nacht lachte er nicht mehr. Die Plane war schnell oben drüber gespannt. Aber sie knisterte und flatterte geräuschvoll. Die ganze Nacht. An Schlaf war fast nicht zu denken. Erst am nächsten Tag konnten wir bei ruhigerem Wetter mit zig Abspannleinen für etwas mehr Ruhe sorgen. Der Urlaub war dann doch noch ganz schön. Wenn man davon absieht, dass wir uns beim Auf- und Abbau, der jeweils um die drei Stunden dauerte, fast mit den Stangen die Schädel eingeschlagen hätten. Die anderen Camper hatten sicher viel Spaß an unseren Arbeiten.

Zu Hause wurde ich immer ganz klein, wenn die Rede auf einen weiteren Ausflug mit dem Faltcaravan kam. Wann würde ich wieder mit dem Ding losziehen müssen, grübelte ich nachts ängstlich. Eine Anzeige in der Zeitung hat mir dann diese Sorge genommen: Wir haben einen sehr großen, sehr gut erhaltenen, gebrauchten Wohnwagen gekauft. Göttlich. Keine Schlägerei mehr beim Auf- und Abbau. Einfach nur vier Stützen runterkurbeln, Strom anschließen, fertig. Keine Angst mehr, nachts nass zu werden. Ein Gewitter in Venedig? Kein Problem. Die Platznachbarn mit ihrem sündig teuren Zelt gingen komplett baden. Wir hatten’s gemütlich.

Nun geht’s zum ersten Mal an die Nordsee. Der Campingplatz hat uns Platz 728 zugeteilt. Ein bisschen weit weg vom Deich, fanden wir. Wir wollten näher ans Meer. Also rief ich heute dort an. Weiter vorn? “Oh, das würde ich nicht wollen an Ihrer Stelle. Da sind Sie umzingelt von Hunden. Wollen Sie das wirklich?” Nein, wollen wir natürlich nicht. Wer will schon morgens aus dem Wohnwagen klettern und gleich von kläffenden, nicht angeleinten Vierbeinern begrüßt werden? Wir nicht. Also bleiben wir in der hundefreien Zone. Aber ein Stück näher zum Sanitärgebäude wäre schön. “Oh, bloß nicht! Bei uns ist Ende Juli die Hölle los. Das würde ich an Ihrer Stelle nicht wollen.” Okay. Aber dann näher an den Kinderspielplatz ran. “Oh, das ist aber sehr laut dort. Ehrlich. Das würde mir an Ihrer Stelle nicht gefallen. Und überhaupt, von Platz 728 brauchen Sie doch nur durch die Brandschutzfläche zu gehen bis zum Spielplatz. Und Sie haben dort viel mehr Ruhe. Glauben Sie mir, hier ist was los in der Hauptsaison!” Aber kommen dürfen wir schon? Ein echter Kracher an der Rezeption. Der Mann gefällt mir. Der Urlaub kann kommen. Und wir bleiben bei Platz 728.

Mitgefühl.

Freitag, 16 März 2007

Mein Mann ist ein lieber Kerl. Es sei denn, man stört seinen Schlaf. Dann wird er zum Tier. Heute Nacht, 2. 45 Uhr. Ich huste mir die Seele aus dem Leib. Mein Kopf platzt fast. R. dreht sich um und blökt mich an: “Mensch, kannst du nicht leiser husten?” *ohnmacht* Ich glaub’s nicht. Ich ersticke fast - und er meint, ich soll nicht so einen Lärm machen? *boxen* Wenn ich nicht so müde gewesen wäre, hätte ich eine Schlägerei angezettelt. Aber so habe ich stumm noch mehr Hustenstiller genommen, dem Kind auch noch Hustenstiller verpasst - und bin wieder eingeschlafen.

Heute Morgen behauptete er standhaft, sich an nichts zu erinnern. Auch eine einfache Lösung…

Verseucht.

Samstag, 10 März 2007

Donnerstag war ein guter Tag. Der erste Tag ungefähr seit Oktober, an dem die ganze Familie gesund und munter war. Aber nun hat uns die Seuche wieder fest im Griff. Junior klagte am Freitag über Halsweh. Heute wachte er mit hohem Fieber - 39,2° - auf. Im Gästezimmer bei Oma. Die haben wir nämlich erstmals seit sechs Wochen wieder besucht. Früher ging’s nicht, wir hatten diverse Seuchen. Er nutzte die Gelegenheit, auch mal Oma vorzuführen, wie schnell er ins Bad rasen kann, um sich dortselbst zu übergeben. Unseren Besuch dort haben wir dann spontan verkürzt. Wir traten eilig den Heimweg an. Krank ist man doch am liebsten zu Hause. So ist das auch bei Junior. Einen einzigen Satz gab er während der 75-minütigen Fahrt von sich: “Wann sind wir endlich da?” Den Rest der Strecke schaute er gequält aus dem Fenster.

Heute Abend haben wir das Fieber dank Unterstützung der Pharmaindustrie ein wenig senken können. Dafür wurden die Bauchschmerzen schlimmer. Junior sprang plötzlich auf und raste los. Zu spät. Eine Fontäne ergoss sich im Wohnzimmer über Möbel, Teppich, Wände, Parkett, Junior und mich. Er lief weiter - und traf beim nächsten Schwung Schuhschrank, Fliesen und Wand in der Diele. Der Rest landete dann im Waschbecken in der Vorratskammer. So kam ich um 21.45 Uhr noch zu einem zwar unverhofften. aber ausgiebigen Putzeinsatz. Junior liegt inzwischen schlafend in meinem Bett. Mal abwarten, welche Überraschungen die Nacht noch für uns bereit hält.

Diesen Winter lassen wir aber auch nichts aus. Magen-Darm-Virus? Immer her damit. Grippale Infekte? Aber klar doch. Spastische Bronchitis? Bitte, gerne. Grippe? Ja, wer denn sonst? Ich mag nicht mehr! Ich habe schon den Überblick verloren, wieviele Termine wir abgesagt haben in den letzten Wochen. Jetzt könnten auch mal andere Familien wieder “Hier” schreien bei der Vergabe der Krankheiten. Ja, gibt Schlimmeres, aber uns langt’s grad auch so richtig. 

Murphy, hau ab.

Donnerstag, 8 März 2007

Wenn was schief geht, dann richtig. Es sind die kleinen Tücken des Alltags, die mir gern den Tag vermiesen. Die Momente, in denen ich weiß: Murphy ist immer mit mir.

Heute im Baumarkt. Oder besser: davor. Ich will zwar nichts kaufen, aber einen Einkaufswagen braucht man doch immer. Chip gezückt, gestolpert, Chip verloren - und was macht das blöde Ding? Es rollt unter die anderen Einkaufswagen. Und nicht genug damit. Während ich noch versuche, unter die Einkaufswagen-Reihe zu krabbeln, rollt der Chip weiter und weiter und weiter und plumpst in einen Gulli. Es gibt Schlimmeres. Aber so ein alberner Quatsch passiert immer mir. Und zwar nur mir.

Ich bin Mrs. Ungeschickt. Die Mensch gewordene Peinlichkeit. Immer schon gewesen. Ein Beispiel? Ach was, hunderte Beispiel könnte ich aufzählen.

Eine volle Stadthalle. Ich tappe nach vorn, will ein Foto machen. Und prompt rutsche ich aus und schlage der Länge nach vor der ersten Reihe hin. Ein Brüller. Unvergessen.

An der Fußgängerampel. Es hat geschneit. Ich bin spät dran. Muss zur Arbeit. Es wird grün. Ich haste rüber. Setze einen Fuß auf den gegenüber liegenden Bürgersteig - und zack, liege ich auf dem Bauch im Matsch. Als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, kommt ein alter Mann und fragt ganz besorgt, ob ich mir was getan hätte. Hatte ich nicht. Mit größter Selbstbeherrschung schaffe ich es, auch ihm nicht zu tun. Nur klatschnass bin ich. Und der Depp des Tages, weil es die Kollegen natürlich aus dem Fenster beobachtet haben.

Im Druckzentrum. Riesengroßer Saal voller technischer Mitarbeiter. Eine große, sehr große Besuchergruppe schaut sich alles genau an. Mein Einsatz. Ich habe Spätdienst, muss noch ein letztes Mal die Ausgabe kontrollieren. Schon mit Tasche unterm Arm sause ich ums Eck. Mit Schwung latsche ich in eine klitzekleine Pfütze auf dem glatten Hallenboden. In wildem Bemühen, noch die Balance zu halten, rudere ich mit Armen und Beinen. Die Tasche fliegt meterweit - und ich rutsche auf dem Bauch durch den halben Raum. Welch ein Auftritt! Ich wette, die Leute erinnern sich heute noch daran.

Eine große Modenschau. Ich habe mich in neue Klamotten geworfen, nagelneue Schuhe an meine zierlichen Füßchen gezogen. Und wer fällt wohl in der Pause auf dem Parkettboden aufs Maul? Na klar. Mrs. Ungeschickt. Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich danach nie wieder eingeladen wurde.

Der erste Besuch bei meinem damaligen Freund zu Hause. Die Leute haben einen Schuhladen. Die Mutter zeigt mir die neue Kollektion, will meine Meinung hören. Das war ein Geschmackstest, das habe ich wohl geschnallt. Sie trägt zwei verschiedene Schuhe. Ich denke, sei mal ehrlich. Zeige auf den linken Schuh: “Den finde ich scheußlich.” Es war ihr eigener. Der andere gehörte zur neuen Kollektion. Blöd gelaufen. Unsere Wege trennten sich aber ohnehin sehr bald. Also nicht wegen meines Missgriffs mit Mutters Schuh. Der ganze Kerl war irgendwie ein Missgriff. Wenn ich ihn heute mal sehe, den Herrn Geschäftsmann, bin ich ganz dankbar dafür, dass mich schon seine Mutter nicht mochte.

Mit solchen Peinlichkeiten kann ich ganze Abende bestreiten. Eine Story nach der anderen. Mrs. Ungeschickt trifft es mindestens so gut wie Shusl - denn das ist die von meinem Mann erfundene Abkürzung für Schussel. Auch ein Titel, den ich mir in mühsamer Kleinarbeit redlich verdient habe. Aber das ist eine andere Geschichte…