Wenn was schief geht, dann richtig. Es sind die kleinen Tücken des Alltags, die mir gern den Tag vermiesen. Die Momente, in denen ich weiß: Murphy ist immer mit mir.
Heute im Baumarkt. Oder besser: davor. Ich will zwar nichts kaufen, aber einen Einkaufswagen braucht man doch immer. Chip gezückt, gestolpert, Chip verloren - und was macht das blöde Ding? Es rollt unter die anderen Einkaufswagen. Und nicht genug damit. Während ich noch versuche, unter die Einkaufswagen-Reihe zu krabbeln, rollt der Chip weiter und weiter und weiter und plumpst in einen Gulli. Es gibt Schlimmeres. Aber so ein alberner Quatsch passiert immer mir. Und zwar nur mir.
Ich bin Mrs. Ungeschickt. Die Mensch gewordene Peinlichkeit. Immer schon gewesen. Ein Beispiel? Ach was, hunderte Beispiel könnte ich aufzählen.
Eine volle Stadthalle. Ich tappe nach vorn, will ein Foto machen. Und prompt rutsche ich aus und schlage der Länge nach vor der ersten Reihe hin. Ein Brüller. Unvergessen.
An der Fußgängerampel. Es hat geschneit. Ich bin spät dran. Muss zur Arbeit. Es wird grün. Ich haste rüber. Setze einen Fuß auf den gegenüber liegenden Bürgersteig - und zack, liege ich auf dem Bauch im Matsch. Als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, kommt ein alter Mann und fragt ganz besorgt, ob ich mir was getan hätte. Hatte ich nicht. Mit größter Selbstbeherrschung schaffe ich es, auch ihm nicht zu tun. Nur klatschnass bin ich. Und der Depp des Tages, weil es die Kollegen natürlich aus dem Fenster beobachtet haben.
Im Druckzentrum. Riesengroßer Saal voller technischer Mitarbeiter. Eine große, sehr große Besuchergruppe schaut sich alles genau an. Mein Einsatz. Ich habe Spätdienst, muss noch ein letztes Mal die Ausgabe kontrollieren. Schon mit Tasche unterm Arm sause ich ums Eck. Mit Schwung latsche ich in eine klitzekleine Pfütze auf dem glatten Hallenboden. In wildem Bemühen, noch die Balance zu halten, rudere ich mit Armen und Beinen. Die Tasche fliegt meterweit - und ich rutsche auf dem Bauch durch den halben Raum. Welch ein Auftritt! Ich wette, die Leute erinnern sich heute noch daran.
Eine große Modenschau. Ich habe mich in neue Klamotten geworfen, nagelneue Schuhe an meine zierlichen Füßchen gezogen. Und wer fällt wohl in der Pause auf dem Parkettboden aufs Maul? Na klar. Mrs. Ungeschickt. Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich danach nie wieder eingeladen wurde.
Der erste Besuch bei meinem damaligen Freund zu Hause. Die Leute haben einen Schuhladen. Die Mutter zeigt mir die neue Kollektion, will meine Meinung hören. Das war ein Geschmackstest, das habe ich wohl geschnallt. Sie trägt zwei verschiedene Schuhe. Ich denke, sei mal ehrlich. Zeige auf den linken Schuh: “Den finde ich scheußlich.” Es war ihr eigener. Der andere gehörte zur neuen Kollektion. Blöd gelaufen. Unsere Wege trennten sich aber ohnehin sehr bald. Also nicht wegen meines Missgriffs mit Mutters Schuh. Der ganze Kerl war irgendwie ein Missgriff. Wenn ich ihn heute mal sehe, den Herrn Geschäftsmann, bin ich ganz dankbar dafür, dass mich schon seine Mutter nicht mochte.
Mit solchen Peinlichkeiten kann ich ganze Abende bestreiten. Eine Story nach der anderen. Mrs. Ungeschickt trifft es mindestens so gut wie Shusl - denn das ist die von meinem Mann erfundene Abkürzung für Schussel. Auch ein Titel, den ich mir in mühsamer Kleinarbeit redlich verdient habe. Aber das ist eine andere Geschichte…