Archiv für Februar, 2007

Echt.

Dienstag, 13 Februar 2007

Das erste Taschengeld. Welch ein Ereignis. Junior hatte bei seinem Freund mitbekommen, dass dieser 1,50 Euro die Woche bekommt. Und er? Nichts. Bisher. Seit Sonntag ist unsere Welt wieder in Ordnung. Da tagte der Familienrat auf Antrag eines einzelnen jungen Mannes. Einziger Punkt auf der Tagesordnung: Taschengeld für Junior. Relativ rasch konnte ein Konsens unter allen Beteiligten erzielt werden. Drei von drei Stimmen für Taschengeld.

Die Höhe war auch schnell ausgehandelt: 1,50 Euro wie bei seinem Freund fanden wenig Gegenliebe. “Der ist ja erst 5. Und ich bin schon 6. Da muss ich doch mehr bekommen”, forderte Junior forsch. Also gut. 2 Euro jeden Sonntag. Ein Weilchen hat’s noch gedauert, bis der Knirps kapiert hat, dass 2 Euro zwar nur ein Geldstück, aber trotzdem mehr sind als 1,50 Euro in zwei bis drei Geldstücken. Doch dann herrschte allseits Zufriedenheit.

Am Montag stand der erste Ausflug der angehenden Schulkinder an. Ins Kindertheater in der Nachbargemeinde sollte es gehen. Da man dort vielleicht eine Kleinigkeit zu trinken kaufen müssen könnte, drückte ich Junior seinen Geldbeutel zum Umhängen in die Hand. Darin ruhten seine 2 Euro Taschengeld. Stolz wie Oskar zog er ab.

Auf dem Weg zum Kindergarten trafen wir seinen Kumpel Lukas. Junior rückte ihm ganz nah auf die Pelle und raunte ihm zu: “Du, Lukas, weißt du, was ich heute dabei habe?” Lukas schaute fragend. “Geld!”, verkündete Junior stolz. Lukas überlegte kurz und entschied sich dann für den Gegenangriff. Er gab an wie eine Tüte Mücken: “Ach, ich hab einen Bausparvertrag. Da sind 250 Euro drauf”, trumpfte er auf. Da war er aber bei Junior an der falschen Adresse. “Pah, was ist das schon. Da hast du nur ein Stück Papier”, winkte er ab, “aber ich, ich hab echtes Geld dabei!”

Lecker.

Montag, 12 Februar 2007

Der morgendliche Griff in die Tiefkühltruhe befördert nicht immer das Erwartete ans Licht. Denn was da - in der freien Woche vorgekocht - an Mahlzeiten schlummert, entspricht nicht immer dem Geschmack des damit beglückten Familienmitglieds. Und nicht immer hat man Zeit und/oder Lust, gründlich in den diversen Schubladen zu wühlen, bis man auf ein Leckerli stößt.

Doch was gestern zum Vorschein kam, das war eindeutig der Hauptgewinn in der Mittagessen-Lotterie. Von außen konnte man nichts Zuverlässiges erkennen, der Deckel war auch fest zugefroren. Um so größer war die Überraschung: Tortellini mit einem Sößchen mit Frühlingszwiebeln und Garnelen. Hmmm, göttlich. Da ist der Wochenanfang gerettet.

Dieses kulinarische Juwel muss allerdings schon so lange in der Truhe geschlummert haben, dass sich niemand in der Familie mehr erinnern kann, wer das wann gekocht haben könnte. Aber lecker war’s.

Närrisch.

Sonntag, 11 Februar 2007

Wir haben’s nicht so mit Karneval. Das ist regional bedingt. Trotzdem wird im Kindergarten Karneval gefeiert. Mit Kostümierung und allem Komfort. Junior macht’s uns diesmal leicht: “Ich will Fußballer werden”, verkündete er schon vor Wochen. Er ließ sich bislang nicht überzeugen, das zauberhafte, von mir im vergangenen Jahr höchstpersönlich genähte Piratenkostüm noch einmal zu tragen. Nichts zu machen.

Die Kostümprobe heute fiel eher ernüchternd aus. Der Deutschland-Trainingsanzug ist ein wenig knapp. Größe 116 passt an sich nicht mehr. Aber da muss er halt ein wenig wurstig unters Narrenvolk.

Während Stutzen und Schienbeinschoner brav in der Fußballtasche lagen, blieb das Trikot zunächst verschollen, fand sich dann aber doch noch leicht zerknittert in einer der vielen Taschen in Juniors Kleiderschrank. Das Problem wäre auch gelöst. Für den Kindergarten wird’s reichen.

Einen Vorschlag, wie ich mich kostümieren könnte, hatte Junior auch parat: “Mama, du könntest doch als Model gehen. Du bist doch sowieso so schön!” Ach, ich liebe meinen Sohn. Ein bezauberndes Kind. Und so charmant. Ich werde den nächsten Blick in den Spiegel so lange wie möglich hinauszögern. Dann kann ich die Illusion noch ein wenig bewahren. Und an Karneval gehe ich lieber wie immer: als leicht zauselige, berufstätige Mutter in ständiger Zeitnot.

Notluft.

Donnerstag, 8 Februar 2007

Wir sind für allerlei Notfälle bestens gerüstet. In meinem Auto zum Beispiel liegt in dem Fach in der Tür schon seit Monaten ein papierener Bremsfallschirm an einem langen, gelben Wollfaden. Den hat Junior gebastelt für den Fall, dass mal die Bremsen versagen sollten.

Neuerdings liegt im Kühlschrank eine Plastiktüte. Bei Oma hat Junior das kostbare Stück ergattert. Diese hat nämlich - vermutlich versehentlich - eine Novität erstanden: Gefrierbeutel mit Reißverschluss. Und natürlich bekommt ihr einziger Enkel einen davon. Mehrere Dutzend Male reißt er den Reißverschluss von links nach rechts, von rechts nach links, von links nach rechts. Dann hat er eine geniale Idee: Er pustet soviel Luft wie möglich in die Tüte, verschließt sie eilig. Und freut sich: Die Luft bleibt drin. Das ist an sich noch nicht genial. Aber nun kommt es: Er nimmt die aufgepustete Tüte und legt sie in den Kühlschrank. Begründung: “Das ist unsere Notluft. Die muss im Kühlschrank liegen, damit sie schön frisch und kühl bleibt.” Die Gebrauchsanweisung folgt umgehend: “Wenn wir mal zu wenig Luft haben, nehmen wir den Beutel, halten ihn ganz nah an den Mund, öffnen den Reißverschluss und dann - fffffffffffffffffffff - haben wir wieder genug Luft.”

Unsere Begeisterung über seine putzige Idee spornt Junior nur noch mehr an. Eine Woche später beim nächsten Besuch - die Notlufttüte hat er bei Oma im Kühlschrank liegen lassen, damit Oma immer genug Luft hat - fragt er gleich nach: “Wo ist denn meine Notluft?” Keine Frage. Oma ist brav. Die Tüte liegt unverändert an ihrem Platz im Kühlschrank. Diesmal muss sie aber mit heim. Die Notluft. Nicht die Oma. Die muss künftig mit dem auskommen, was so um sie herum ist. Notluft gibt’s für sie nicht mehr. Muss halt jeder sehen, wo er bleibt.

Im Auto hält er die Tüte wacker fest, bewegt sie ab und an hin und her. “Damit sie schön frisch bleibt und nicht so abgestanden riecht”, meint er. Als ob da nach einer Woche im Kühlschrank zwischen Harzer Roller und Kohlrouladen noch irgendwas nach Veilchen duften könnte. Aber Junior meint es ernst. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit schläft er auf dem 75-minütigen Heimweg abends nicht ein. Nein, er bewacht mit Argusaugen seine Notluft.

So ist die Tüte voller Notluft in unserem Kühlschrank gelandet. Da kann uns jetzt ja kaum noch was passieren. Luft werden wir immer haben. Auch wenn sich inzwischen herausgestellt hat, dass die Tüte nicht ganz dicht ist. Aber das gibt nur leichte Abzüge in der B-Note. Daran feilen wir noch.

Selbstredend.

Dienstag, 6 Februar 2007

Junior hat eine Sprechrolle ergattert. Seine Schulkindergruppe - das sind die Kinder, die im Sommer in die Schule kommen - spielt an Karneval Theater. Nur für die Kindergartenkinder. Aber immerhin. Gegeben wird “Der Froschkönig”. Junior ist der Froschkönig. Das Kostüm hat er schon beim Schulkinderprojekt gebastelt. Nun wird eifrig geprobt.

Ich frage ihn vorsichtig: “Musst du denn auch etwas sagen?” Er nickt strahlend. Er sei das einzige Kind, das etwas sagen muss, erzählt er. Ich strahle zurück. Und platze schon im voraus vor Stolz. Endlich kann mein Kleiner zeigen, was er kann. Sprachlich steckt er die meisten seiner Altersgenossen locker in den Sack. Ich sehe ihn schon auf der Bühne brillieren. Und mich sehe ich in der ersten Reihe davor. Mit Tränen in den Augen. Und der Videokamera im Anschlag. Innerlich rüste ich mich, um mit ihm den Text zu pauken. Eine Sprechrolle! Genial. Ich werde jedes Wort tonlos mitsprechen, das über seine Lippe kommen soll.

Ach, der Junge kommt doch nach mir. Er tritt jetzt schon in meine Fußstapfen. Ich war damals in meinem einzigen Kindergartenjahr die Maria im Krippenspiel. Was habe ich mit meiner Mama den ellenlangen Text geübt. Aber ich habe es hinbekommen. Meine Mutter schwärmt heute noch von diesem Auftritt. Ich habe mich nicht verhaspelt. Ich bin nicht lang hingeschlagen. Das ist ja schon die halbe Miete. Zur Belohnung bekam ich nach der Aufführung einen Filz-Clown mit Glöckchen dran. Den habe ich heute noch. Er hängt in meinem Zimmer. Allerdings hatte ich solche Angst vor dem Nikolaus, dass ich mich außerstande sah, das Geschenk aus seinen Händen in Empfang zu nehmen. Meine Mama musste es abholen. Aber das ist eine andere Geschichte. Wirklich beeindruckend war das Bühnenerlebnis vorher.

Wie schön, dass Junior diese Erfahrung nun auch machen darf. Denke ich noch so und lächele ganz selig. Da fällt mein Blick auf den Kalender. Karneval ist schon bald. Sehr bald. Sollten wir da nicht langsam mal damit beginnen, den Text zu üben? Wird doch höchste Zeit! Ich frage den Jungschauspieler nach seinem Textbuch. Er schaut mich ratlos an. Ich versuche es andersherum: “Sag mal, was musst du denn sagen?” Er holt tief Luft und lacht: “Quak.”

Die Seuche.

Montag, 5 Februar 2007

Auweia. Die Noroviren sind im Kindergarten angekommen. Mehrere Kinder haben Brechdurchfall, bei einem Mädchen aus Juniors Gruppe (ausgerechnet eins, mit dem er häufig spielt) wurden die Viren nachgewiesen. Außerdem sind noch Scharlach und Ringelröteln im Angebot. Ich krieg hier grad die Krise. Was mache ich jetzt? Junior zu Hause halten? Ihn hingehen lassen? Nächste Woche muss er sowieso hingehen, da muss ich arbeiten.

Wir waren gleich heute in der Apotheke und haben ein Mittel zum Händedesinfizieren gekauft. Allesamt waschen wir sehr viel häufiger und intensiver die Hände. Junior habe ich eingeschärft, unbedingt die Hände zu waschen, bevor er etwas isst und nachdem er auf der Toilette war. Öffentliche Toiletten sind völlig verboten zurzeit. Wer auch immer unterwegs war, muss sofort daheim Hände waschen und desinfizieren. Für eine Noroviren-Infektion braucht man nur 100 Viren - zum Vergleich: Bei Salmonellose sind es Zehntausende, die nötig sind, um eine Infektion auszulösen. Die 100 Stück hat man mit einem einzigen Griff auf eine Türklinke, wo sie sich gern sammeln, beisammen. Und schwallartiges Erbrechen und wässrigen Durchfall drei Tage lang müssen wir nicht unbedingt haben.

Das mag panisch klingen, aber wir haben da ein Trauma. Rota-Viren. Als der Junge 11 Monate alt war. An unserem ersten gemeinsamen Heiligabend durften wir mit einem dehydrierten Kind ins Krankenhaus einziehen. Für vier Tage. Das hat mich nachhaltig geprägt. Und an Silvester hat es dann auch mich erwischt. Sowas vergisst man niemals.

Ich darf gar nicht dran denken. R. arbeitet in der Lebensmittelindustrie. So nette Noroviren in der Familie würden ihm umgehend ein paar freie Tage bescheren. Ob das so gelungen wäre, wo doch sein Arbeitsvertrag bis Ende April befristet ist…

Böses Foul.

Sonntag, 4 Februar 2007

Ich hätte es nicht schreiben sollen. Von wegen: Winter beendet. Eben haben wir uns durch die dickste Nebelsuppe heimwärts gekämpft. Temperatur unter Null. Gefrorene Autoscheiben.

R. behauptet, ich sei schuld. Gestern habe ich noch die geniale Idee gehabt, die Abtropfplastikschale für Winterschuhe ins Sommerquartier in der Garage zu verbannen. Vertan, vertan. Schon beim Wegräumen sagte R., das bringe jetzt garantiert eine Riesenladung Schnee vors Haus. Der Wetterfrosch gab ihm heute Abend recht. Leider. Schneeregen, Schnee, Graupel - alles im Angebot in den nächsten Tagen.

Und meine schönen Tulpen, Narzissen und Hyazinthen kriegen kräftig eins auf die Nase. Aus der Traum vom Blütenmeer im Frühling. Jetzt gibt’s wieder nur Eisblumen.

Grillsaison eröffnet.

Samstag, 3 Februar 2007

Für dieses Jahr erkläre ich den Winter für beendet. Der eine Tag letzte Woche hat fürs Schlittenfahren gereicht. Mehr will ich nicht. Nicht, dass mir das Rodeln keinen Spaß gemacht hätte. Hier haben alle noch genug mit den Folgen des Orkans Kyrill zu tun. Da möchte man nicht schon wieder mit Schneeräumen belästigt werden.

Außerdem: Wenn ich mir unseren Garten so ansehe, bin ich bedient vom Winter. Die Krokusse blühen bereits leuchtend gelb. Wie immer sieht man, dass ich die zuletzt gepflanzt habe, es sind ungefähr 30 auf einen Haufen. Okay. Ich schäme mich ein bisschen. Wie jedes Jahr. Die Tulpen - und das sind dieses Jahr hunderte, die gab’s im Herbst günstig im Baumarkt - sind bereits 10 Zentimeter aus der Erde. Die Hyazinthen auch. Die Osterglocken hinken ein wenig hinterher. Die bringen es auf fünf Zentimeter im Durchschnitt.

Dafür haben aber auch schon die Stauden wieder Morgenluft gewittert. Die Kornblumen treiben wie verrückt neue Blätter. Die Lilien schieben auch schon erste grüne Spitzen nach draußen. Wenn all diese schönen Pflänzchen jetzt noch eine Ladung Schnee auf die Nase bekämen, könnten wir den blühenden Garten in diesem Jahr knicken. Also: Ich erkläre den Winter für beendet. Bevor er richtig begonnen hat. Basta. Finito. Erledigt. Das Einzige, was mich stört dabei, ist die Tatsache, dass auch die Wildkräuter keinen Winterschlaf hält. Wenn das so weiter geht, muss ich nächste Woche kräftig jäten. Politisch korrekter Öko-Garten hin oder her. Raus muss das Zeug aus den Beeten. Ob es nun Wildkräuter oder Unkraut heißt.

Bärbel hat mich auf eine Idee gebracht: Wir könnten unseren Grill startklar machen. Heute Abend kommt R.s alter Freund zu Besuch. Ein Hardcore-Griller. Genau der richtige Abend, um die Grillsaison zu eröffnen. Jetzt müssen wir nur noch den Regen stoppen bis 19 Uhr. Ansonsten muss der Tischgrill aus dem Wohnwagen hervorgekramt werden. R. habe ich schon zum Metzger gejagt. Ein Hoch auf das neue Ladenschlussgesetz, jetzt können auch wir hier draußen in den Bergen bis 20 Uhr einkaufen.