Anders.
Wir haben nach Südosten einen begnadeten Blick über die Kleinstadt ins Grüne. Wälder, einige Felder und noch mehr Wälder. Ein vertrauter Anblick, der ein Stück Zuhause bedeutet. Doch seit Donnerstag hat die Landschaft ein anderes Gesicht. Die hier so beliebten Fichten sind reihenweise umgekracht. Kyrill hat sie abgeknickt wie die sprichwörtlichen Streichhölzer.
Nichts ist mehr, wie es war. Die Bergkuppen - und davon gibt es hier angeblich tausend - sind fast kahlrasiert. Einzelne abgebrochene Stämme ragen gespenstisch in den Himmel. Erinnert ein wenig an Korsika damals, im Jahr nach dem schlimmen Waldbrand. Auf der Fahrt in mein Heimatdorf quer durch die Region sehen wir hinter jeder Kurve neue Schäden. Die Waldbauern - und davon gibt es hier sehr viele hauptberufliche - müssen völlig ruiniert sein. Die Arbeit von Jahren - an einem Tag vernichtet. Niedergemäht. Unfassbar. Ein Anblick, an den ich mich gewöhnen muss.
Der Wald 200 Meter von hier, in den Junior mit seiner Waldgruppe aus dem Kindergarten dienstags immer zum Spielen ging, exisitiert nicht mehr. Platt. Alles umgenietet. Die Kinder sind völlig entsetzt. Ihre Hütte aus Ästen und gefundenen Latten ist zerstört. Ihre Baumrutsche ist begraben von umgeknickten Bäumen. Keine Ahnung, wo sie künftig ihre Waldtage verbringen können.
Wir hatten Glück. Zum zweiten Mal. Das letzte große Unwetter war im September. Sturzbachartiger Regen flutete Straßen und Keller. Bei uns ging’s gerade noch mal gut. Nachbarn hatten da erheblich mehr Pech. Ängstlich wie ich bin, habe ich sofort ein Angebot für eine Elementarversicherung angefordert. 100 Euro im Jahr würde die Versicherung mehr kosten als bisher. Wir werden nochmal drüber nachdenken.
Montag, 22 Januar 2007 at 15:10
Ja Kyrill hat volle Arbeit geleistet und wircklich ein Meer von Schäden angerichtet. Mein Mann ist Versicherungskaufmann und seit Donnerstag Nachmittag nur noch am Arbeiten. Freitag, Samstag, Sonntag hat er Schäden über Schäden besichtigt und Fotografiert, damit die Leute den Dachdecker beauftragen können etc. Auch die sind im Dauereinsatz und haben das ganze Wochenende durchgarbeitet. Er steht sowas unter Druck durch Kyrill, hat Alpträume, weil er allen Leuten am liebsten Gleichzeitig ihre Sorgen nehmen will. Aber das geht gar nicht mehr. Es war ein schreckliches Gefühl am Donnerstag im Dunklen im Haus zu sitzen ( wir hatten Stromausfall ) und zu hören, wie sich unsere Dachpfannen verabschiedeten. Die Kinder waren völlig durch den Wind und mein Jüngster klammerte sich nur noch an mich. Das war eine psychische Erfahrung, die ich nie wieder im Leben machen möchte. Und wir sind noch glimpflich davon gekommen, mach anderer steht teilweise vor dem Nichts !
Die Naturgewalten sind unberechenbar und zeigen uns Menschen immer wieder unsere Grenzen. Wir sollten wircklich langsam anfangen das zu begreifen und mehr auf unsere Umwelt und Natur achten !
LG Schnick