Rührend.

Die Seuche hat mich aus den Schuhen gehauen. Magen-Darm-Virus. Wie angeflogen. Eben noch frisch und munter. Und um 9.30 Uhr heute Morgen das völlige Aus. Bis 15 Uhr im Gallopp zwischen Sofa und sanitären Einrichtungen hin und her gespurtet. Danach war der Spuk vorbei. Ein 1-Tages-Virus. Hat mir aber auch so gereicht. Ich hatte fast vergessen, wie übel einem einzelnen Menschen sein kann.

Rührend war mein kleiner Krankenpfleger. R. hat Nachtschicht, der schlief ab 8.30 Uhr tief und fest. Junior und ich waren quasi allein. Und er hat sich großartig um mich gekümmert. Er hat mir eine Wolldecke geholt. Er hat meine Hand gehalten. Ab und zu hat er meine Wange gestreichelt. Mir ein Küsschen auf die Stirn gedrückt. Sogar für sein Mittagessen hat er selbst gesorgt - er hat Omas Lagenkuchen aufgefuttert.

Den ganzen Tag hat er ganz lieb und ganz still gespielt. Lego ohne Ende. Und wie Junior so ist, hat er nicht einfach nur gespielt. Als er feststellte, dass das Legobauen ganz gut klappte, hat er gleich ein Projekt daraus gemacht. Diverse Objekte gebaut. Ein Schild für die Küchentür gemalt: “J.s Lego-Ausstellung”. Einen kleinen improvisierten Verkaufsstand aufgebaut. Preisschilder gebastelt. Alles kostete 1 Euro. Nur das Fußballfeld sollte 5 Euro einbringen. “Weil ich mir damit soviel Mühe gegeben habe”, betonte er. Auf einem Stuhl saß er dann längere Zeit in seinem Laden und wartete auf Kunden. Es kamen leider keine. Wie denn auch. Die Haustür war zu. Die einzige in frage kommende Kundin lag kreidebleich auf dem Sofa in der Küche. Er hat dann noch hochfliegende Pläne geschmiedet, wie er die Öffentlichkeitsarbeit verbessern kann. Dazu kam es nicht mehr. R. wachte gegen 14.30 Uhr auf. Er hat die Werke dann gebührend gewürdigt.


Ein Kommentar zu “Rührend.”

  1. suessesiex schreibt:

    Hallo Sushl,

    ich wünsch Dir gute Besserung. Hatte ich vor einer Woche auch und ich dachte ich muss sterben.

    LG
    suessesiex

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