Wehmut.

Es ist geschafft. Juniors Zimmer ist ausgeräumt. Alle Möbel sind raus, die Tapeten abgerissen, die Fußleisten abgeschraubt. Am Mittwoch wird neu tapeziert. Nächste Woche kommen die neuen Möbel. Ein großes Bett. Ein Schreibtisch. Eben alles, was so ein großer Junge braucht.

Und ich? Mir ist ganz wehmütig ums Herz. Ich weiß noch, mit wieviel Hingabe ich die Maus-Bordüre ausgesucht habe. Nicht irgendeine Maus, sondern die Maus aus der “Sendung mit der Maus” musste es sein. Rundherum aufgeklebt in Baby-Steh-Höhe. In der letzten Woche vor der Entbindung habe ich mühselig aus der restlichen Bordüre noch Mäuse, Elefanten und Enten ausgeschnitten, weil ich die Dachschräge so trist und traurig fand über dem Babybett. Sein Stubenwagen stand nur bis zur Entbindung im Kinderzimmer. Danach war’s mir zu lästig, nachts immer hinüber zu gehen. Tagsüber habe ich ihn dort gestillt. Im Schaukelstuhl. Mit Blick ins Mittelgebirge. Alles Grün. So oft hatte ich davon geträumt. Ach, war das eine schöne Zeit.

Dann der Tag, als er vom Stubenwagen neben meinem Bett in sein eigenes Zimmer umzog. Da war er ein halbes Jahr alt. Wir haben das Bett aufgebaut. Es sah so goldig aus. Mit Kufen darunter zum leichten Schaukeln. Junior durfte einmal kurz probeliegen. Und schlief auf der Stelle ein. Als später der Himmel angebracht war - in Dunkelblau mit gelben und orangefarbenen Sternen -, brach der kleine Kerl in jämmerliches Geschrei aus. Das Dunkle machte ihm Angst. Fortan schlief er in meinem Bett ein und wurde dann schlafend hinüber getragen. Er hat sich irgendwann an den Himmel gewöhnt. Doch das Einschlafritual ist bis heute unverändert. Einschlafen will er nur in meinem Bett.

Jetzt ist er zu groß für das kleine Bett. Bald kommt er in die Schule. Da braucht er sowieso neue Möbel. Die Dekoration fürs Fußballzimmer ist fast komplett. Junior freut sich wie verrückt. Schließlich ist er nun ein großer Junge.

Meine Tränchen, die ich verdrückt habe, als wir noch einige letzte Fotos vom “Babyzimmer” gemacht haben, hat er verstanden. Ganz sacht kam er, drückte mich ganz fest und streichelte mein Gesicht. Mamas dürfen das, meinte er. Gedacht war es so, dass er als Ältester ins andere Kinderzimmer umzieht, wenn das zweite Kind kommt. Nun wird es wohl kein zweites Kind mehr geben. Wir haben aus dem zweiten Kinderzimmer ein buntes Spielzimmer gemacht. Das ist mir schwer gefallen. So wie der Bettabbau heute. Trotzdem ist es gut so, wie es ist. Noch ein Schritt nach vorn.


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