Gruselkabinett.

Ich mag die Menschen aus dem Ruhrgebiet. Zumindest, wenn sie von der direkten Sorte sind. Da sagt man noch, was man denkt. Da ist kein Platz für schmückendes Geschwafel. Da wird nicht endlos um den heißen Brei gelabert. Blubbern können andere. Der “Pötter” an sich - so nennen wir Ignoranten vom Dorfe die Ureinwohner des Kohlenpotts - ist gerade heraus.

Ein Beispiel von heute. Wir sprachen über abartige Geschenke. Jeder hat doch solche Geschmacksleichen im Keller. Oder in einem staubigen Karton auf dem Dachboden. Oder mumifiziert in der hintersten Schrankecke. “In der Muke”, sagt der schnöde Sauerländer, der auch kein Freund großer Worte ist, dazu. Auf alle Fälle werden sie schamhaft verborgen, diese Ausgeburten bekiffter Designerhirne. Entgleisungen von unbeschreiblicher Güte.

Im Forum wurde heute ein schönes Spiel beschrieben, bei dem man diese Gruseligkeiten elegant und mit viel Spaß loswerden kann: “Schrottjulklapp”. Schönes Wort. Aber mein Gegenüber im Büro, ein junger Mann aus Dortmund, kannte eine noch deutlich treffendere Bezeichnung dafür: “Scheiße-Wichteln”. Ich habe Tränen gelacht. Es kann kein treffenderes Wort dafür geben. Scheiße-Wichteln. Das nehme ich glatt in meine Sammlung von Lieblingswörtern auf. Ich lache noch immer, wenn es mir mal wieder einfällt zwischendurch. Scheiße-Wichteln.

Oooooh, ich hätte da durchaus einige nette Teilchen, die den Gabentisch in ein Gruselkabinett verwandeln würden. Was mich schreckt, ist, dass ich dann ja auch anderer Leute Geschmacksentgleisungen gewinne. Da weiß man nicht, was schlimmer ist. Gräuel-Geschenke, die ich schon verkraftet habe, oder Scheußlichkeiten, deren Wert sich mir erst noch erschließen müsste. Andererseits: Bei Horror-Krempel, den mir jemand geschenkt hat, habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihn in die Tonne kicke. Bei Klumpatsch, den ich beim Scheiße-Wichteln gewonnen habe, wäre das anders.

Aber was grübele ich. “Mach dir kein Kopp”, meint der junge Dortmunder dazu. Recht hat er. Ich lache lieber noch eine Runde übers Scheiße-Wichteln.


3 Kommentare zu “Gruselkabinett.”

  1. suessesiex schreibt:

    Wir könnten hier doch auch Scheiße-Wichteln. Jeder sucht sich eine Tagebuch-Autorin aus und überlegt sich was ganz besonders nettes für sie was der Wicht dann am 24.12. in´s Tagebuch setzt.

    LG
    suessesiex

  2. mausebaer schreibt:

    Das ist ja super, haha, das Wort sollte in den Duden übernommen werden. So Wörter sind echt ein Muss, wenn´s einem mal wieder “scheisse” geht. Ich werde dann in Zukunft ans Scheisse-Wichteln denken. Danke, Dortmund!
    *verneig* P.s. Hab bestimmt auch noch was in der Muke! *lol*
    LG mausebaer

  3. tinaS schreibt:

    Wir machen das regelmäßig bei unserer Instituts-Weihnachtsfeier und nennen es Horrorwichteln. Wenn man clever ist, hebt man das Geschenk vom letzten Jahr einfach auf und schmeißt es erneut in die Runde.
    Aber es gibt auch immer Leutchen, die das Prinzip nicht ganz verstehen, was “Ordentliches” einpacken und sauer sind, daß sie so einen Schrott bekommen haben ;-) .

    lg tinaS

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