Wildkräuter.
Wir haben’s gern politisch korrekt. Mohrenköpfe heißen in unserem Hause Schokoküsse. Unkraut wird schonend Wildkräuter genannt. Denen kann man dann ja auch getrost ein Plätzchen einräumen im rein biologisch-dynamischen Garten. Wir verwenden weder Dünger noch Gift. Bewässert werden unsere Pflanzen nur durch den hier nicht allzu seltenen Regen, schließlich wollen wir ja kein Wasser verschwenden. Was der Herr wachsen lässt, wird er schon gießen, wenn’s das braucht.
Die Öko-Schiene hatte nun ein wenig reichlich Platz eingenommen in unserer grünen Oase. Die bittere Folge: drei Tage knallharte Gartenarbeit unter sengender Oktobersonne. Egal wie sie heißen, die frechen Pflänzchen, raus müssen sie.
Aber wer beim Ausrupfen von Löwenzahn und Quecke, Moos und Disteln nicht alles so vorbei geschlichen kommt. Unfassbar. Haben die Leute keine eigenen Wildkräuter? Die ganze Nachbarschaft hat mich nach und nach mal wieder auf den neuesten Stand getratscht. Das ewige Plaudern mit der Harke in der einen Hand und dem Wildkräutlein in der anderen Hand hält mehr auf als das Jäten an sich. Ganz nebenbei habe ich einer Nachbarin für ihr zweites Enkelkind noch einen Stapel Winzlings-Klamotten verkauft. Muss sich ja lohnen, so ein Nachmittag zur Förderung des sozialen Miteinanders in der Wohnumgebung.
Schade, dass man beim Bügeln nicht so viele Leute trifft. Denn das ist noch schlimmer als Un… ähm, Wildkräuterzupfen.