Märchen.
Dienstag, 31 Oktober 2006Junior macht ein Märchenprojekt im Kindergarten. Aus gegebenem Anlass habe ich mein altes Grimms-Märchen-Buch hervorgekramt. Man will ja Vorbild sein und dem Kind brav Märchen vorlesen. Da fällt mir auf: Es gibt sehr viele Eltern mit langjährigem Kinderwunsch in Märchen. Mindestens so viele wie Stiefmütter. Die Kinderwunsch-Paare bekommen dann nach langem, sehnlichem Warten doch noch ein Kind. Aber immer hat die Geschichte einen Haken. Entweder ist das Kind ganz mickrig. Wie bei “Daumesdick”. Oder die Eltern haben einen Sockenschuss. Die geben ihr Baby einfach weg. Also nicht einfach. Aber weg. Bei “Rapunzel” ist es so.
Und der arme “Daumesdick” ist gleich doppelt geschlagen. Mickrig und von seinen intellektuell wenig erhellten Eltern weggegeben. Mal ehrlich. Wer würde auf einen kleinen Jungen hören, der vorschlägt, man solle ihn an zwei Schurken verkaufen? Da muss man als Bauer schon sehr dicke Kartoffeln ernten.
Offenbar hatten die Gebrüder Grimm ein gestörtes Verhältnis zu Ehepaaren mit unerfülltem Kinderwunsch. Vielleicht sollte ich mal forschen, ob da Freud im Hintergrund mitmischte.