“Mama, jetzt!!!!!!”

Geschrieben am Mittwoch 1 Juli 2009 von shusl

Schalke hat in unserer kleinemn Stadt gespielt. Junior ist ganz wild darauf, Felix Magath kennenzulernen. Autogramme von Spielern? Nebensache. Felix persönlich muss es sein. In der Halbzeitpause gab der neue Trainer unermüdlich Autogramme, ließ sich fotografieren. Nur mein Kleiner kam nicht durch bis zum großen Zampano.

Ende der Pause schritt Magath zurück zur Ersatzbank. Junior witterte seine Chance. Während die Ordner den Platz räumten, mogelte er sich immer näher zum Trainer hin. Dann hatte er es geschafft: Er stand direkt neben Quälix. Er drehte sich um zu mir und rief: “Mama, jetzt!!!” Ich sollte endlich das ersehnte Foto machen. Er rückte noch ein Stückchen näher ran und wiederholte mehrmals: “Mama, jetzt!!!!” Das hörte auch Felix Magath, drehte sich zu dem kleinen Schreihals um und blickte schmunzelnd auf ihn herab. “Mama, jetzt!!!!!” Und schon hatten wir unser Foto. Sohn ist selig. Ich hab’s ihm gleich als Poster bestellt.

Und hier das Ganze nochmal in Bildern:

Anschleichen:

 

Noch näher ran….

 

und Foto im Sack

Mein erstes Mal.

Geschrieben am Sonntag 28 Juni 2009 von shusl

Über 80000 Mitglieder hat Schalke. Und wieviele waren
heute in der Arena zur Jahreshauptversammlung? Gut 2000
plus Gäste. Beschämend. Alle, die sonst immer gern den
Mund aufmachen, hätten dort die einmalige Gelegenheit
gehabt, das mal am richtigen Ort zu tun. Aber so haben
sich nur ein paar wenige Mitglieder getraut, ihre
Meinung kundzutun. Schade.

Ich war dort. Mein erstes Mal als Mitglied. Ich
sag’s mal so: Aufregend ist anders, aber muss man
mal erlebt haben. Und ich habe mich über offene Worte
gefreut. Felix Magath hat noch einmal klar formuliert,
was das Ziel ist: die Deutsche Meisterschaft - auch
wenn es vielleicht erst in seinem vierten Jahr auf
Schalke klappen sollte. Und harte Arbeit soll künftig
im Training vorherrschen. Dafür nahm sogar Clemens
Tönnies das Wort “Maloche” in den Mund. Kommt
ja immer gut an sowas. Gab auch viel Beifall dafür. Man
darf gespannt sein.

Die Spieler (sie gaben vor der Arena tapfer in extra
aufgebauten Zelten massig Autogramme) nahmen nur kurz
an der Versammlung teil - dann wurden sie ins
Trainingslager verabschiedet. Nicht ohne Häme aus den
Fanreihen… Sogar der Fleischfabrikant ließ sich zu
Spott hinreißen. Dabei hätte er doch die Möglichkeit
gehabt, schon viel früher mal mehr Einsatz
einzufordern. Aber in der Jahreshauptversammlung macht
sich Populismus ja immer gut.

Der Trainer war bester Laune, und - zur Freude der Fans
- er konnte schon das Vereinslied am Ende der
Versammlung mitsingen. Auf dem Weg zur Toilette bin ich
ihm fast in die Arme gelaufen, war aber so perplex,
dass ich vergessen habe, mir ein Autogramm geben zu
lassen, ich Dussel….

Auch sonst war ich in Sachen Autogramme nicht wirklich
erfolgreich. Klug, wie ich bin, dachte ich mir, ich
stiefele in den Fanshop an der Geschäftsstelle, um
Krempel mit 30% Rabatt zu kaufen. Mit dem Gedanken,
dass da sicher weniger Leute sind, weil die ja alle zur
Arena rennen. Soweit die Theorie. Die Praxis sah anders
aus, aber ganz anders: Im Shop an der Geschäftsstelle
war es schwarz vor Menschen - da drängten sich nämlich
all jene, die die 30% nutzen wollten, aber keinen Bock
auf die Versammlung hatten. Die Schlange an der
Hauptkasse, an der es den begehrten Kleinkram gibt, war
schier endlos und bewegte sich im Schneckentempo voran.
Um 9.20 Uhr bin ich rein, um 10.30 Uhr nass geschwitzt
und bepackt mit zwei Tüten wieder raus. Klassischer Anfängerfehler. Die Kenner sind gleich um 9.30 Uhr in die Arena gegangen und haben da in aller Ruhe eingekauft. Pleite gespart
hab ich mich trotzdem.

Dann im Galopp zur Arena - und dort wurde gerade die
Autogrammstunde beendet. Super. Immerhin konnte ich die
Spieler noch aus der Nähe begucken. Naja, einige sahen
aus, als hätten sie sich im Altkleider-Container
eingekleidet, aber einige - allen voran Asamoah, Jones
und Kuranyi - waren schon lecker anzuschauen.

Es gab wie üblich auf Jahreshauptversammlungen viele
mehr oder weniger sinnentleerte Reden. Ausgiebig und
sehr bewegend wurde Charly Neumann gewürdigt. Es gab
Ehrungen, Wahlen, Jahresberichte, Zahlen, Abstimmungen. Eine
Satzungskommission soll gegründet werden - unter
Beteiligung einiger Fans, die eine Satzungsänderung
beantragt haben -, die drei Monate vor der nächsten
Jahreshauptversammlung eine neue Satzung vorstellen
soll.

Es war viel die Rede von einem Neuanfang, der Stunde
Null, Aufbruchstimmung - das war schon sehr
überzeugend. Muss es ja auch. Irgendwie schwebte über
allem unsichtbar die Schale, nach der wir alle schon so
lange gieren. Einig war man sich aber auch, dass das im
ersten Jahr wohl nichts wird, da will man nur in der
Bundesligaspitze mitmischen und auf einem
Europaligaplatz (heißt die jetzt so?) landen.

Ein Fan appellierte an das Wir-Gefühl der Schalker. Er
drückte seine Scham aus über gellende Pfiffe gegen
Engelaar, die dessen Leistung auch nicht gerade
verbessert hätten. Zitat: “Stellt euch vor, ihr
liegt mit eurem Partner im Bett, und der pfeift die
ganze Zeit - da geht doch gar nichts mehr.” Ein
Brüller. Pfeifen, so wurde mehrfach geäußert, könne man
nach dem Spiel immer noch, aber bevor der Spieler auch
nur den Fuß auf dem Rasen habe, gehöre sich das nicht.

Ach ja, allen Gerüchten zum Trotz: Manuel Neuer ist
unverkäuflich - wer das nach dieser Versammlung nicht
glaubt, ist selbst schuld. Er sei “das Gesicht von
Schalke” und werde definitiv nicht verkauft, wurde
immer wieder beteuert von Tönnies und auch von Magath.

Nach der Versammlung gab’s Freibier. Etwas
befremdlich fand ich, dass alkoholfreie Getränke nicht
kostenlos waren. Vielen Dank auch im Namen aller
Autofahrer und Kinder.

Ich packe jetzt mal meine Tüten aus dem Fanshop aus.
Und nächstes Jahr gehe ich wieder hin zur
Jahreshaupversammlung, wenn’s irgendwie geht.

Geschmacksprobe.

Geschrieben am Mittwoch 24 Juni 2009 von shusl

Wir bemühen uns tapfer, unser Kind wenigstens ansatzweise pädagogisch wertvoll zu erziehen. Fernsehen gibt’s nur zwischen 19 und 20 Uhr, der Junge muss bei jedem Wetter draußen spielen, er darf allein in den Wald, aber nicht in die Stadt. Wir besuchen Museen, Ausstellungen, naja und Fußballpiele auf Schalke….

Und natürlich bemühen wir uns auch, Junior gesunde Ernährung zu verpassen. Aber der kleine Schlingel ist eindeutig von Natur aus eine Fleisch fressende Pflanze. Für eine Bratwurst lässt er alles und jeden links liegen. Ich versuche immer, ihm irgendwie unauffällig Gemüse oder Salat unterzujubeln. Heute gab’s Mexikanisches. Tacos. Tacofladen aufn Teller, Salatblätter, Hackfleischsoße und Käse drauf. Den Ersten hat er brav vorschriftsmäßig gegessen. Beim Zweiten ließ er den Salat weg. Begründung: “Mama, du weißt doch, wir Kinder sind neugierig. Ich möchte mal testen, wie das ohne Salat schmeckt!”

Die Welt um 5.40 Uhr.

Geschrieben am Samstag 20 Juni 2009 von shusl

Die Nacht war kurz. Unerwartet kurz. Der Wecker piepste unerbittlich. Ich versuchte noch krampfhaft, das Geräusch in meinen Traum einzubauen. Vergeblich. Mühsam öffnete ich die Augen. 6.15 Uhr sollte dort stehen. Nicht 5.40 Uhr. Augen wieder zu, neuer Versuch. Immer noch nicht 6.15 Uhr. Der laut piepsende Wecker beharrte auf 5.40 Uhr.

Mir dämmerte etwas. Und das war nicht die aufgehende Sonne. Wecker aus, neue Zeit eingestellt. 6.15 Uhr. Aber alles Herumwälzen half nichts. Ich war wach. Hellwach.

Sohn gab kichernd zu, dass er mir diesen Streich gespielt hat. Warum? Ganz einfach: “Ich wollte mal sehen, wie die Welt um 5.40 Uhr aussieht.” Das hat er nun leider versäumt. Äh, versäumt? Ich glaube nicht, dass er etwas versäumt hat. Zumindest nicht beim Blick über unsere kleine Stadt…

Alles neu.

Geschrieben am Sonntag 14 Juni 2009 von shusl

Ich war in der Disco. Mit einer Bekannten. Zum ersten Mal seit 20 Jahren. Ladys Night mit Männerstrip und jeder Menge Six-Pack-Kerlen. Wir haben sehr gelacht. Hat gut getan.

Und beim Sommerfest meines Schalke-Fanclubs war ich auch. Allein. Oh ja. Kein Alk. Aber jede Menge Spaß.

Warum ich allein auf der Rolle war? Meine Männer haben allein Urlaub gemacht. Zum allerersten Mal. Sie waren mit Freunden campen in Norddeutschland. Von Mittwoch bis Sonntag. Bisher war mein Mann noch nie auch nur eine Nacht mit dem Kind allein irgendwo. Das Kind ist 8. Es wurde höchste Zeit. Zeit für ein Papa-Sohn-Wochenende. Und auch sie haben es genossen. Ich glaube, es hat uns allen gut getan. Ich hatte riesig viel Spaß mal mit ganz anderen Leuten als sonst. Und sie hatten riesig viel Spaß miteinander. Wir sollten das wiederholen.

Feindbild.

Geschrieben am Montag 11 Mai 2009 von shusl

Es gibt sie, diese Superweiber, die jede normale Frau in den Wahnsinn treiben. Sie sehen immer aus wie aus dem Ei gepellt. Sie transpirieren nie. Ihnen läuft nie die Nase. Sie haben keine eingerissenen Lippen. Ihre Fingernägel sehen aus, als kämen sie schnurstracks von der Maniküre und nicht von der Gartenarbeit. Sie haben niemals an dem Tag, an dem sie ein hinreißendes Dekollete zur Schau tragen wollen, einen Pickel im Ausschnitt. Sie haben überhaupt niemals Hautunreinheiten. Sie haben nicht hinten an der schwarzen Bluse einen großen Blütenstaubfleck vom Autotürmitdemhinternzudrückenweildiearmevollereinkäufesind. Ihnen klebt auch niemals ein Spinatrest zwischen den Zähnen. Ihr Blazer sieht abends noch aus wie grad vom Bügelbrett genommen. Ihre Hose zieht nicht die Flusen magisch an. Ihre Schuhe blinken stets akkurat gewienert. Und ihr Haar fällt nicht tagsüber zu Zotteln zusammen.

Kann man mit einer solchen Frau befreundet sein? Nein. Niemals. Geht nicht. Bringt das eigene Selbstbewusstsein auf einen historischen Tiefpunkt. In deren Windschatten verblasst das eigene Ego - man wird quasi unsichtbar und fühlt sich wie Aschenputtel. Wer braucht solche Frauen?

Aber noch viel drängender beschäftigt mich eine andere Frage: Wie wird man so? Wie schafft man das? Ich bin wohl ein Chaoshuhn. Meine Unterarme sehen aus, als hätte ich einen Nahkampf mit Nachbars Katze nur knapp überlebt - dabei habe ich  nur die Rosen zurückgeschnitten. Meine Klamotten verrutschen immer im entscheidenden Moment. Ich habe auch gern mal einen Zahncremeflecken auf der frischen Bluse. Und mitten im Supermarkt fällt mir auf, dass die Hose eigentlich einen Tick zu kurz für diese Schuhe ist. Gibt’s für sowas Nachhilfekurse?

Muttertag.

Geschrieben am Montag 11 Mai 2009 von shusl

Muttertag. Leckeres Frühstück. Sogar mit Kerzenlicht. Junior hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Zwei rosafarbene Herzen hat er gefilzt. Okay, an dem kleineren Herzen fehlt der Aufhänger, weil ihn sein Banknachbar abgerissen hat. Aber egal, operieren wir wieder dran. Dann hat er in der Werken-AG eine wunderschöne Sonnenblume aus Holz ausgesägt und bemalt. Sehr gelungen. Mir ist leider auf dem Weg zur Arbeit gestern ein fieses Missgeschick damit passiert: Die Sonnenblume sollte mir bei der Arbeit wenigstens ein bisschen Muttertagsgefühl geben. Dummerweise ist beim Transport in meiner Tasche der Stengel abgebrochen. Knack, ab war er. Ich habe die gesamte Redaktion auf links gekrempelt auf der Suche nach einem geeigneten Kleber. Fehlanzeige. Ich hab’s noch nicht übers Herz gebracht, es ihm zu beichten. Das wird sicher Tränen geben. Aber heute Morgen flitze ich in den Baumarkt und hole Holzleim. Wär doch gelacht, wenn wir den Stengel nicht wieder geheilt bekämen….

Noch ein Geschenk gab’s von meinem kreativen Kind. Einen Gutschein: “2x Frühstückmachen, 100 Cappuccino und 1x Putzfraubezahlen”. Was will ich mehr? Der Junge ist nicht dumm. Statt anzubieten, einmal das Auto zu waschen oder einmal die Küche aufzuräumen, greift er lieber in seine Spardose…

Ein Stern.

Geschrieben am Dienstag 5 Mai 2009 von shusl

Jaaaaa, wir leben noch. Alles ist gut. Oder zumindest auf einem guten Wege.

Junior hatte Erstkommunion. Oh, es war ein sehr entspannter, schöner Tag. Der Gottesdienst war sehr feierlich. Der Knirps war schrecklich aufgeregt, aber die anderen 44 Kinder nicht minder. Es hat alles bestens geklappt - sieht man mal davon ab, dass meine Sippe erst in der falschen Kirche auftauchte und dann einen Hauch zu spät zu unserer Pfarrkirche kam. Aber gut. Sowas passiert. Immer noch besser als Schwiegervater, der bei unserer Hochzeit beim Umziehen im Bulli vor der Kirche feststellte, dass er seine gute Hose vergessen hatte und so mit einer alten Jeans die Trauung seines Sohnes miterleben musste…

Junior hatte 20 Gäste, davon 8 Kinder - und wir hatten keinen Stress vorher und nachher. Ich schätze so etwas sehr. Denn wir haben auswärts gefeiert. Komplett. Mittagessen und Kaffeetrinken. Wunderbar. Würde ich immer wieder so machen. Das Essen war köstlich: Bärlauchsuppe mit Lachsklößchen, Schweinefilet mit Estragonbuttersoße, Kartoffel-Schinken-Muffins, Spargel und Gartengemüse, Kalbsbraten mit Pilzsoße, Spätzle und Salaten, Erdbeer-Vanilleeis-Bombe. Den Kuchen haben Oma und eine russische Nachbarin gebacken - ebenfalls vom Allerleckersten.

Die Lösung im Lokal war genial: Wir hatten einen eigenen Raum mit Zugang zu einer kleinen Terrasse und zur angrenzenden Wiese. Die Kinder waren begeistert, konnten bei herrlichem Wetter draußen herumstrolchen, Blumen pflücken. Wie gesagt, alles sehr entspannt. Und das Allerschönste: Wir kamen heim und hatten nur noch den Kuchen in der Nachbarschaft zu verteilen. Denn den Krümelkaffee am Montag haben wir uns auch gespart. Stattdessen durfte sich Junior einen Ausflug wünschen. Er wollte schon so lange in den Zoom Erlebnispark nach Gelsenkirchen. Und da das Wetter göttlich war, sind wir nach dem Montagsgottesdienst dorthin gefahren.

Die Geschenke sind erwartungsgemäß mehr als üppig ausgefallen. So viele Leute haben an unseren Kleinen gedacht: Bücher, Geld, ein Eisgutschein, viele Karten - er war überglücklich. Ein paar Highlights: Seine Patentante schenkte ihm unter anderem ein Mondgrundstück. Das konnte er gar nicht fassen. Oma beglückte  ihn unter anderem mit einer goldenen Krügerrandmünze, die hütet er wie einen Schatz, erzählt allen, er habe “pures Gold” geschenkt bekommen.

Wir haben lange überlegt, was wir ihm schenken. Ein Laptop wünscht er sich schon lange, weil auf seinem Uralt-Rechner die neuen Spiele nicht laufen. Diesen Wunsch haben wir ihm erfüllt. Aber es sollte auch noch etwas Bleibendes sein. Also wurde am 19.04.2009 ein Stern im Sternbild des Großen Bären auf seinen Namen getauft. Eine Mappe mit Sternenkarten und eine Urkunde mit dem Spruch: “Dieser Stern, der Deinen Namen trägt, soll Dir für immer Hoffnung und Zuversicht geben. Wir lieben Dich. Mama und Papa.” gehörte dazu. Der Junge war sprachlos vor Freude. Ich denke, wir haben das Richtige getan - auch wenn man sich über den wahren Wert eines solchen Geschenks streiten kann, es war ein symbolisches Geschenk und darum für ihn von besonderem Wert.

So. Nun haben wir’s überstanden. Damit ist nochmal ein großer Teil Anspannung abgefallen. Am Ende des Sonntags saß ein strahlendes Kind in unserer Küche: “Das war bisher der schönste Tag in meinem Leben.” Was will man mehr?

Gefeiert.

Geschrieben am Sonntag 5 April 2009 von shusl

Ui, das war mal eine prima Hochzeit. Vor der Trauung hatten wir im Parkhaus die Show im Sack. Wir hatten Junior in Duisburg bei seinem Freund abgeholt, sind dann weiter in die Eifel gebrettert. Abfahrt kurz vor 7, Ankunft kurz nach 10. Trauung 11 Uhr - keine Zeit mehr, erst noch ins Hotel zu fahren zum Umziehen. Aber mehrere Stunden mit den schnieken Klamotten im Auto sitzen wollten wir auch nicht. Also mussten wir uns im Parkhaus umziehen. Junior konnte das dank seiner Körpergröße locker im Auto erledigen. Männe und ich nicht. Mein Gemahl war noch fein raus, der musste nur das Oberhemd wechseln, die Krawatte binden und das Jackett anziehen.

Ich hatte da weniger Glück. Raus aus Shirt und Jeans, rein ins neue Kostümchen samt Top. Öhm. Ja. Das Thema Rock und Hose war geschwind erledigt. Mit den Oberteilen habe ich mich etwas schwerer getan. Aber es half ja nichts. Also gewartet, bis keine Fußgänger in Sichtweite waren und kein Auto im Anmarsch war. Im Affenzahn das Shirt aus- und das Top wieder angezogen. Klappte gut. War auch so schon peinlich genug. Aber egal, muss frau durch. Jacke drüber, Mähne sortiert, Schminke nachgelegt, hochhackige Schuhe an - und fertig.

Die Feier war genial. Sekt floß in Strömen. Es gab eine wirklich gute Live-Band, die auf Kölsch (oder sprechen die in der Eifel was anderes?) abrockte. Der Chef vons Ganze entpuppte sich als Kollege - irgendwie riecht man sich in diesem Job. Wir haben uns nett unterhalten, er hat mir seine Solo-CD geschenkt - und ich hab ihm versprochen, mal zu schauen, ob er mit seinem hochdeutschen Programm nicht in einer der Kneipen meiner neuen beruflichen Heimat auftreten kann.

Danach gab’s Konserve. Junior und ich haben uns die Füße wundgetanzt. Ich habe zwei lebenswichtige Dinge gelernt: Erstens, dass man neue Schuhe niemals zum Tanzen anziehen sollte. Und zweitens, dass man keinen Kater bekommt, wenn man sehr viel Sekt, ab und zu mal ein Bier und ein paar Hochprozentige in sich hineinkippt. Um 2.30 Uhr lag die gesamte Familie im Hotelbett. Junior hat locker durchgehalten und als kleiner Charmeur nicht nur den DJ, sondern auch die weiblichen Gäste bezirzt. Vorgabe war, dass wir sofort ins Hotel abzischen, wenn er schwächelt. Aber er war auch um 2 Uhr noch wie neu - während ich meinen maximalen Füllstand erreicht hatte und schlicht nicht mehr konnte. Mein Mann - unerwarteter Weise mit einer Engelsgeduld ausgestattet - hat sich sogar bei Peter Fox und “Haus am See” auf die Tanzfläche gewagt, vom Alkohol ferngehalten und sein wildes Weib in Schach gehalten…

Seine männliche Konkurrenz war - abgesehen vom Sänger - ohnehin allensfalls mau, wenn nicht gar unakzeptabel. Lauter alte Männer in Grau. Der angeschickerte Schalke-Fan an der Theke war da schon fast ein Lichtblick. Als allerdings sein Kumpel mir nach fünf Minuten zuraunte: “Willst du mich von einem Übel erlösen? Dann heirate ihn, der ist wirklich nett, aber mit 38 immer noch Junggeselle.” Nee, danke. Ich bin seit fast 15 Jahren unter der Haube und werde da auch bleiben…

Als heute Morgen um 7 Uhr die Kirchenglocken Radau schlugen, dachte ich so mit Blick auf die durchfeierte Nacht voller Sorge: “Wenn ich mich jetzt bewege, tut bestimmt irgendwas weh!” Tat es auch. Aber es waren nur meine Füße. Kater? Fehlanzeige. Gottseidank. Nur müde sind wir allesamt…

Kummerplatz.

Geschrieben am Freitag 3 April 2009 von shusl

Drama am Abend. Erquickend und labend. Allabendlich steigert sich Junior in ein neues Szenario hinein.

Erster Akt: Junior wird zu Bett gebracht. Theater ohne Ende, bis er im Bad fertig ist. Mama sauer. Junior schließlich im Bett. Lesen will er noch. Gut. Lesen ist gut. Darf er. Bis 20.30 Uhr. Länger nicht.

Zweiter Akt: 20.40 Uhr. Junior steht in der Wohnzimmertür. Schaut belämmert. “Mama, ich hab Angst vor….” Der Anlass variiert. Je nach Tagesform. Seiner und meiner. Ich drücke ihn und schicke ihn wacker zurück in sein Bett.

Dritter Akt: 20.50 Uhr. Junior steht in der Wohnzimmertür. Presst sich ein paar Tränen heraus. “Mama, ich hab solche Angst vor…” Siehe oben. Ich streichele ihm übers Haar und schicke ihn wacker zurück in sein Bett.

Vierter Akt: 20.55 Uhr. Junior sitzt auf der Treppe. Das, sagt er, sei sein Kummerplatz. Je nach Ausmaß des Kummers sitzt er entweder ganz oben (geringer Kummer), in der Mitte (mittlerer Kummer) oder ganz unten (extrem schlimmer Kummer). Sagt er. Schaut mit großen, traurigen Augen. Ich umarme ihn, schicke ihn zurück in sein Bett.

Fünfter Akt: 21 Uhr. Junior hockt auf der Treppe (Kummerplatz, Treppenstufe siehe oben) und ruft. Er erzählt ausgiebig seinen Kummer. Gestern zum Beispiel hatte er große Angst vor einer schlechten Note in Sport. Basketball. Hat nicht so geklappt, wie er das wollte. “Ist nicht schlimm, du bist ja auch viel kleiner als alle anderen in deiner Klasse”, tröste ich. Und setze noch eins drauf: “Ich war auch nie gut in Sport. Das war meistens meine einzige Vier auf dem Zeugnis.” Er schleicht nach oben - in mein Bett.

Sechster Akt: 21.10 Uhr. Junior ruft von oben aus meinem Bett. Sichtlich müde. Und verweint. Ich decke ihn nochmal zu und verschwinde wieder.

Danach ist Ruhe.

So geht das seit einer Woche. Ich habe keinen blassen Schimmer, wie wir aus der Nummer wieder rauskommen sollen. Er weiß genau, was er anstellen muss, um mich weich zu kochen. Und ich weiß, dass er es weiß. Aber ich will auch, dass er weiß, dass er mit allen Problemen zu mir kommen kann. Seltsam nur, dass diese Probleme immer abends beim Zubettgehen auftauchen. Jetzt sind erst mal Osterferien. Ich werde daran arbeiten. Vielleicht eine Kummersprechstunde vor der Zubettgehzeit einrichten. Denn langsam, aber ganz sicher werde ich unwirsch, weil der kleine Mann mein Mitgefühl schamlos ausnutzt, um länger aufzubleiben.