Unsere KiWu-”Geschichte”

Unsere Krankengeschichte begann im März 2001: Gerd (heute 35) fühlt beim Duschen etwas “komisches”, 24 Stunden später hören wir die Diagnose Hodenkrebs. Eine Woche später wird er operiert, der linke Hoden entnommen. Es folgt die Bestrahlung des hinteren Bauchraums. Anschließend dürften wir ohnehin ein Jahr nicht schwanger werden. Man hat uns vor der OP gesagt, es wäre nicht nötig Sperma zu konservieren, da das Spermiogramm (SG) nach der Operation unverändert wäre. Leider hat man damals vorher den anderen Hoden nicht genauer untersucht, denn der war sehr verkalkt, das Ergebnis war ein niederschmetterndes SG in den nächsten 2 Jahren und ein Arzt der sagte “denken sie daran, wenn es soweit ist: es muss ja nur EIN Sperma schaffen!” Nach fast drei Jahren habe ich (heute 31) Gerd dazu bekommen, zum Andrologen zu gehen. Das Ergebnis war leider wie erwartet schlecht. Vitamin E, Eisen, Diclofenac…. besser wurde es nicht, aber wir begannen Sperma einzufrieren und fingen an uns schon mal mit dem Thema künstliche Befruchtung auseinander zu setzten, bevor Gerd überhaupt bereit für Kinder war….
Im April 2006 hatte Gerd seine letzte offizielle Nachsorge nach fünf Jahren. Ich werde nie vergessen, wie ich mich schon beim Doc verabschiedet habe und Gerd nur noch mit ihm zum Ultraschall gehen wollte, alles schien endlich gut. Ich saß ein paar Minuten draußen, als die Tür wieder aufging und der Arzt mich noch einmal rein bat. Er legte mir die Hand auf die Schulter, um mich weiter zu schieben und es war klar. “Es tut mir leid, wir haben da was gefunden…” Ich ging in den Raum und fand meinen Mann weinend und noch auf der Liege liegend. Wieder eine Woche später wird auch der zweite Hoden operiert. Noch am Morgen der stationären Aufnahme lässt er die letzte Probe einfrieren. Sie finden zwei kleine Seminome, erhalten aber auf Gerds Wunsch hin den Hoden, allerdings ist da nach Aussage der Ärzte “nichts mehr zu holen”. In der OP wird auch gleich noch eine TESE entnommen. Gerd ist grade den ersten Tag wieder daheim, als meine Gyn eine ca. 3cm große Zyste an meinem linken Eierstock findet. Ich bekomme Gestagen. Gerd bekommt zwei Zyklen Chemo mit Carboplatin und anschließen 9 Bestrahlungen des Hodens. Noch während der Bestrahlung wächst meine Zyste von 2,5 cm auf 7 cm in einer Woche und ich komme als Notfall ins Krankenhaus. Am Tag von Gerds letzter Bestrahlung werde ich operiert. Die Zyste wird entfernt und ich bekomme gesagt, dass alles gut sei. Beide Tuben sind durchgängig. Leider folgte mit dem Laborbericht dann doch noch die Diagnose keine “Wasserzyste”, sondern Endometriose und Adenomyose. Ich bekomme drei Monate Dwon-Regulation-Spritzen (DR) und wir machen “nur mal zum Gespräch” einen Termin im IVF-Zentrum aus. Das Gespräch ist sehr frustrierend, da der Arzt nur schlecht Deutsch spricht und Gerd kaum etwas versteht und der Arzt mir auch noch sagt, dass er aufgrund meiner Erbkrankheit erstmal genau nachforsche will, ob ich überhaupt künstlich befruchten darf. Wir erfuhren, dass man vor einer ICSI immer down regulieren müsse und beschlossen deshalb, diese DR zu nutzen, wenn es denn geht. Wir hatten allerdings das Gespräch erst ca. zur Mitte der drei Monate DR, weshalb ein Antrag bei der Ethikkommission (wir waren damals noch nicht verheiratet) nicht mehr in den zeitlichen Rahmen passte. Nach Nächten vorm PC fand ich dann in einem Bericht die Aussage, dass man in Berlin diesen Antrag nicht zu stellen braucht, wenn man unverheiratet ist. Ich habe also nach einer Praxis gesucht, deren HP mir gefiel und habe dem Doc eine Mail geschrieben (nachts um 1Uhr). Am nächsten Morgen um 9Uhr hatte ich die Antwort “Liebe Frau R., wir können ihnen helfen…” Die Praxis hat uns dann nach ein paar Telefonaten eine Stickstoffflasche geschickt, in der wir die konservierten Spermaproben 500 km auf der Rückbank angeschnallt nach Berlin mitnahmen. Dort bekam ich auch gleich meine Stimulationshormone und es folgte unsere erste ICSI. Zwölf EZ wurden entnommen, sechs konnten befruchtet werden, zwei davon wurden transferiert. Zwei Wochen später das Ergebnis: HCG bei 24, die Wahrscheinlichkeit einer intakten Schwangerschaft ist eher gering. Zwei Tage weiter hoffen, dann der neue Bluttest: HCG < 1. Negativ.
Doch wir waren nicht entmutigt und starteten gleich zwei Monate später unseren ersten Kryotransfer, der ebenfalls negativ ausfiel.
Mir zuliebe hat Gerd letztes Jahr noch einmal ein Spermiogramm gemacht. Selbst wenn ich wegen der Endometriose nicht die Pille nähme, wäre eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht mehr möglich, er hat leider gar keine Spermien mehr im Ejakulat.
Unser Kinderwunsch liegt bis jetzt auf Eis. Wir haben beschlossen, nach all der Krankheit erst einmal wieder zu uns zu finden. Letzten Dezember haben wir geheiratet und langsam denken wir auch wieder daran, dass ja noch zwei befruchtete Eizellen ihren Winterschlaf halten, um vielleicht mal unser Wunschkind zu werden.