Früher wäre ich jetzt um diese Zeit völlig gestreßt vom irren Geschäftstrubel losgehetzt, hätte begonnen, zwei Weihnachtsbäume (einer davon immer 3,40m hoch mit sich drehendem Ständer mit Spieluhr, die ich eigentlich immer erst mal reparieren mußte *fluch*) zu schmücken und die gesamte Bescherung für 13 Menschen plus einige Hunde und Katzen herzurichten… und … und… und.
Ein echter Kraftakt und dann schrecklicher Tumult.
Wie habe ich das jedes Jahr gehaßt !!! Völlig aufgelöst, bleich und zerfetzt zuletzt
.
Wie habe ich gewünscht, dieses unsinnige Theater mal nicht mehr haben zu müssen.
Prima.
Kein Baum, keine Geschenke aufbauen, kein gar nichts.
Die allermeisten sind tot, das Haus des früheren Tumults steht jetzt unbewohnt verlassen und dunkel. Bin ich manchmal ganz selten im Geisterhaus, höre ich, wenn ich gut aufpasse, das Stimmengewirr, Kinderplappern der vier, Hunde-und Katzengequietsche. Ich könnte gehen und es mir dort anhören, aber das werde ich nicht tun.
Wenn ich ganz faul wäre, könnte ich nachher sogar aufhören zu arbeiten und mich eine Stunde schlafen legen bis zu meiner etwas anderen “Bescherung” irgendwann gegen Morgen.
Auch eine Bescherung, genau genommen. Klar, ich bekomme auch ein sehr hübsches Geschenk.
Ich war ja übrigens ein braves, stilles, bescheidenes Kind. Weil es mich nicht hätte geben sollen und ich das von Geburt an spürte. Nie waren mehr als ein oder allerhöchstens zwei Kinder geplant. Also tat ich mein Bestes, gar nicht wirklich bemerkt zu werden, nicht wirklich da zu sein, insgeheim um Vergebung zu bitten, daß ein überflüssiger Esser mehr zur Welt kam, genau genommen habe ich mich für ein Stück Brot immer furchtbar geschämt – ich weiß noch.
Das angeschaffte Spielzeug wie Roller und Fahrrad gab es zweimal. Natürlich. Für meine zwei Schwestern. Als ich soweit war es zu nutzen, war es kaputt und nicht mehr verwendbar – natürlich, nie bat ICH um so etwas, wie hätte ich je können….
Geld war schließlich nie da…. mein Vater….
Ich kam nur drauf wegen der Heiligabende. Doch, auch ich bekam als Kind (relativ kleine) Geschenke und freute mich schrecklich. Am meisten aber über die Kugeln am Baum, in denen ich mich spiegeln konnte. Ja wirklich.
Und jedes Jahr unbändig über das Puppenhaus !
Ja, jedes Jahr wieder. Ich war ja arm *ooooch* und hatte kein eigenes Zimmer.
An Heiligabend aber wurde zur Bescherung das uralte, selbstgebaute Puppenhaus meiner älteren Schwestern vom Dachboden geholt und nur für mich aufgebaut, das meiste daran funktionierte nicht mehr, aber egal – manchmal wurden die Püppchen neu eingekleidet – meist erst nach Weihnachten, weil meine Mutter vorher keine Zeit zum nähen oder häkeln gehabt hatte
.
Das gleiche mit dem alten, selbstgebauten Schaukelpferd. Ich war jedes Jahr wieder wunschlos glücklich, wenn ich die beiden Sachen bekam.
Auch nur zu Weihnachten gab es eine (trockene) Brötchen-Kümmelstange.
Und ich erinnere mich genau an den überschäumend glücklichen Zustand, wie ich, diese knuspernd, selig nach der Bescherung neben dem alten Puppenhaus auf dem alten Schaukelpferd schaukelte und darüber nachsann, was es im Leben für herrliche Dinge gibt.
Sicher, kurz nach Weihnachten wurde all der schöne Spielzeugzauber wieder auf den Dachboden geräumt, weil das Zeug das Wohnzimmer versperrte.
Dafür aber konnte ich mich zum nächsten Weihnachten umso mehr drüber freuen.
Über Dinge, die man nicht ständig hat.
Und schade, noch heute finde ich traurig, daß ich mich dann nicht mehr wirklich über den absoluten Bescherungs-Knüller meiner gesamten Kindheit freuen konnte.
Ein kabelgesteuertes Polizeiauto *wow* – ein Traum und für damalige Begriffe ein Vermögen teuer, das sich meine Oma (damals um 80), mit ihrer Minirente vom Essen abgespart haben mußte.
Nein, ich konnte mich nicht mehr wirklich freuen, nachdem meine Mutter ganz schrecklich mit der Oma schimpfte, da viel zu teuer. Heute begreife ich es, damals nicht……ich war nur traurig und verwirrt.
Was muß man nun gerade auch noch Ave Maria im Radio spielen… das Lied zur Beerdigung meines 1.Kindes (+Vaters) am 23.12.06…..
Es bekäme jedes Polizeiauto der Welt zu Weihnachten, egal wie.
Pah, jetzt wird die auch noch sentimental, ich fasse es nicht. Schluß jetzt.