Glückwunsch, meine liebe Gana !

Geschrieben am Freitag 16 Januar 2009 von Annetteellen

Letzten August habe ich sehr mit dir geweint, als du trauernd dein totes Kind tagelang im Arm herumgetragen hast.
Vier Wochen zuvor hatte ich mein nur winzigwinzigkleines Kind trauernd herumgetragen und sagte mir dann bei deinem Leid, ich solle mich nicht so haben, deins ist schlimmer.

Ob Menschen- oder Gorillafrau, unser Instinkt (zur Erhaltung der Art ?) sagt uns, daß lieber wir selbst als unsere Nachkommen sterben sollten.
Wir unterscheiden uns in nichts, wir sind verbunden, liebe Gana.

Jetzt hast du einen positiven SST und im nächsten August wirst du wieder ein Kind haben (so hoffe ich).
Das freut mich sehr !

……….. Und sollte ein kaum noch zu glaubendes Wunder geschehen und ich mein Kind zwei Monate nach deinem zur Welt bringen, lege ich hiermit fest, daß ich dich und dein Kind mit meinem Kind mal in Münster besuchen komme – dann können wir (seelenverwandt) mal etwas über all das tratschen und nachsinnen, welches unserer Kinder nun schöner sein könnte.
Und sicher kannst du mir prima Tips geben, wie man sich das Bündel bei der Arbeit am besten umhängt, denn an euch will ich mir ja von Anfang an ein Beispiel nehmen.
Immer wenn jemand blöde fragte, wie das gehen soll : “Genauso wie bei den Affen im Urwald, die – Kind umgehängt – auch weiter auf Nahrungssuche gehen.” ;-) .
Wow Gana, mir fällt immer mehr ein, was wir zwei gemein haben.

Huch, ein Chippendale in Neonstreifen

Geschrieben am Donnerstag 15 Januar 2009 von Annetteellen

So kann man sich täuschen *g*.
Da warte ich auf meinen pflichtbewußt duckmäuselnden älteren Buchhaltertypen als Bodygard und Hüter meiner hochwichtigen Eisentabletten….
Und wer erscheint da eben mit meinem lebenswichtig kühlpflichtigen Eisen ?
Ein lässig echter Bodygardtyp, offenbar frisch den Chippendales entsprungen, in mächtig gewaltig amtlicher Lederkluft mit Neonstreifen, sicher, das kann mein Eisen schließlich verlangen – die Rundumleuchte mit Martinshorn allerdings konnte ich am Lieferwagen nicht ausmachen.
Der tiefgekühlte Schokokäfer wäre jetzt so passend gewesen wie für Schwarzenegger *rofl*.

Nur blöd, daß ich neuerdings unter schwerer Neonstreifenallergie zu leiden scheine, seit ich selbige neulich in Massen um mein Bett wuseln hatte, zu gar nicht angenehmen Zwecken. Ansonsten hätte ich mir den Chippendale ja eventuell mal genauer angesehen…hätte der mich nicht mit seinen Neonstreifen irgendwie sprachlos geschockt.

Morgen muß mit Rundumleuchte die kühlpflichtige Nachlieferung (lebensnotwendiges Colostrum !) kommen….meinen Tagesablauf und Privatadresse kennt der Chippendale ja nun schon vom Telefonat.
Vielleicht wage ich dann – nun auf die Neonstreifen vorgefaßt – mal einen detaillierteren Blick *g* ?

Da fällt mir zufällig ein, daß ich vor hatte mich wieder sorgfältiger zu stylen und nicht mehr wie zur Arktisexpedition wegen des Heizölsparens.

Gleichberechtigung für die Eisentablette !

Geschrieben am Donnerstag 15 Januar 2009 von Annetteellen

Höchste Priorität besitzt momentan bei einem extrem ehrgeizigen Paketzusteller einer mir völlig unbekannten Versandfirma/ -art mein überaus oberwichtiges Paket !
Ja er reißt sich ein Bein aus, wenn nicht beide.
Meine Billig-Online-Apotheke teilte ja letztens mit, daß sie neuerdings per gekühlten Thermopacks versendet (logisch, wohl der derzeitigen Hitzewelle gezollt).
Also überreichte mir nicht wie üblich die schlichte DHL-Tante wie bisher üblich das Apothekenpaket, nein. Sie überreichte mir die Benachrichtigungskarte des oben genannten Ehrgeizlings, die sie auf der Straße vor meiner Ladentür gefunden hatte.
Drauf vermerkt, der Gute sei vor Geschäftsöffnung da gewesen und dazu seine Handy-Nr. zwecks Absprache, wie er mir die hochnotwichtige “kühlpflichtige Medikamentensendung” zukommen lassen könne.
Ja gut, ich hielt am Telefon den Kopf etwas schief vor Staunen. Momentan isser ja ein paar 100 km entfernt inzwischen, hat aber den nicht auszuredenden Drang, mir schnellstens und noch heute die irre relevante Sendung persönlich zu überbringen, von wann bis wann je wo anzutreffen, alles notiert, er reist mir nach wie eine Zecke, jawoll.
Selbst mein Versuch seiner Beruhigung bzw. Dämpfen des Übereifers blieb absolut erfolglos (die Sache habe gern bis morgen Zeit und sei auch nicht kühlpflichtig…. “Nein, nein, nein, das sähe der Hersteller aber anders !” ).
Sicher, das ist ja irre löblich und ich wäre begeistert, wenn ich so einen Pflichtverfechter z.B. für mein Gonal und Heparin gehabt hätte…. denn da bin ich nicht sicher, ob das Zeug trotz größter Mühe der Guten beim gaaanz dick einmummeln bei Minus 10 °C nicht doch kurz gefroren war über normale DHL mit schon peinlich hohem Expreß- plus Samstagzuschlag.

Dieser pflichbewußte Herr hier aber hütet meinen Nachschub Eisentabletten sowie ein paar Aspirin im horrenden Gesamtbetrag von genau 7,42 Euro vor Hitze und Kälte wie seinen Augapfel (ich hoffe, zumindest der Herzinfarkt vor lauter Anstrengung bleibt ihm erspart) !!!
Solche Menschen braucht das Land – es lebe Recht, Gesetz und Pflicht und die
Gleichberechtigung der Eisentablette ! Jawoll !

Ich schmeiß mich weg *g* *g* *g* *g* *g* !

Land unter

Geschrieben am Mittwoch 14 Januar 2009 von Annetteellen

Komm, Schatz, zu mir, und diesmal lassen wir uns nicht mehr los, bist zu lange fort. Es geht nicht länger, nimm diesen Zug, ich stell` dir mehrere bereit, zur Wahl.
Such` den aus, der dich heil ans Ziel bringt…

Nur wenn du glaubst, in diesem einen glücklich werden zu können, mein Schatz.

” Land unter

Der Wind steht schief
Die Luft aus Eis
Die Möwen kreischen stur
Elemente duellieren sich
Du hältst mich auf Kurs
Hab keine Angst vor’m Untergehn
Gischt schlägt ins Gesicht
Kämpf mich durch zum Horizont
Denn dort treff ich dich

Geleite mich heim
Rauhe Endlosigkeit
Bist zu lange fort
Mach die Feuer an
Damit ich dich finden kann
Steig zu mir an Bord
Übernimm die Wacht
Bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm
Faß mich ganz fest an
Daß ich mich halten kann
Bring mich zum Ende
Laß mich nicht mehr los

Der Himmel heult
Die See geht hoch
Wellen wehren dich
Stürzen mich von Tal zu Tal
Die Gewalten gegen mich
Bist so ozeanweit entfernt
Regen peitscht von vorn
Und ist’s auch sinnlos
soll’s nicht sein
Ich geb dich nie verlorn ”

(H.Grönemeyer)

Peitschende Engel…

Geschrieben am Montag 12 Januar 2009 von Annetteellen

… peitschen und prügeln auf ihr Kind ein, wenn es im Frost erschöpft liegenbleibt und erfrieren wird.
Sicher wäre so ein Engel ein guter Vater.
Endlich hat er akzeptiert, daß ich kein Geld mehr nehme, dafür gibt es wieder tägliche Kontroll- und Coach-Anrufe, Hilfe zur Selbsthilfe. Bist du gestern nach drei Handgriffen umgefallen, schaffst du es heute, ich schicke dir Kraft, du mußt, du wirst wieder funktionieren.
Mein Leben, allein fünf FG`n, sei brutal, er weiß, aber…
Vier Wochen Frist will sein Sturkopf nicht akzeptieren, nein. Er will, daß ich es schaffe.
Einen Sonntag irgendwann kommen will er, helfen will er, seine Forschergang will er einbeziehen. Meine Güte, was soll mir so ein Forscherchen hier schon helfen können *g*.
Warenbestand hab` ich massig, klar. Was hilft mir der, wenn ich nicht mal mehr imstande bin (wie zu nichts), nicht verwackelte Fotos für`s Internet zu knipsen bei Permanentpuls über 100, dem ewigen Vibrieren und Zittern, die Augen plötzlich ausfallen und….müde, einfach todmüde. Kein Gedanke an die Handanfertigungen…
Er kommt und macht die Fotos *g*. Klar, ist ja so einfach und ruckzuck erledigt… Nee.
Er peitscht, verlangt telefonisch tägliche Berichte des Schaffens und flüstert kurz leise für sich zwischendurch, ich bräuchte eigentlich drei Monate frei, geht nicht, klar.
Gott, was tut er mir leid in seiner Hilflosigkeit.
Gestern simse ich, ich möchte bitte heute einfach nur Ruhe und Schlaf mit einem Hauch (!!) Valium. Das aber tangiert einen sturen Engel rein gar nicht. Das erste Klingeln ignoriere ich bewußt im Halbschlaf, das kurz danach…. verdammt… ich mag nicht ständig massig Neonmänner und ausgeheblte Türen in der Villa Kunterbunt….
Logisch, stundenlang Pläne, Konzepte muß ich lallend besprechen und werde gelobt : Schlafen ist gut… zum Erholen. Ja aber warum LÄßT er mich denn dann nicht schlafen !!??*stöhn*
Und warum seltsam kichern über den hörbaren Schüttelfrost – ich müsse Heizöl sparen ? Sicher, und drehte ich die Heizung auf, fröre ich genauso, also egal, Hauptsache, ich habe stattdessen Gonal.

Vielleicht ist es ja nur Eisen, fiel mir heute ein.
Als es mir zuletzt so ging, vor zwei Jahren, nach der 1.FG, habe ich mich irgendwann zur HÄ (die ich eigentlich nicht hatte – eher meine Hilfe bei den bisher Sterbenden) geschleppt und erklärte, ich funktioniere nicht mehr. Die fand wie ich, nach solchen Blutverlusten könnten auch zeitversetzt Organe ausfallen. Gab abends aber telefonisch Entwarnung, es sei nur Eisen /Hb derart im Keller, daß man allein schon dadurch eigentlich nicht mehr stehen kann.
Ich weiß noch, ich fand am Telefon: “Prima, dann kann ich ja wieder versuchen ss zu werden!?” “Naja, bei so extremer Schwäche totaler Wahnsinn, einem Kind schadete das aber nicht.”
“Ja dann – ich bin doch ein robuster Ackergaul.” Sicher, bei dem nicht besonders passenden Vergleich muß jeder, der mich kennt, kichern und das tat sie und befand nur prustend : “Ja dann…”
Hm, eigentlich beginne ich seitdem schon vor sich anbahnenden FG`n mit Eisen (mei, wie routiniert das klingt… ).
Zur letzten aber nicht sehr viel, nicht sehr lange, vielleicht zu wenig…?
Das blutige Opferritual für´ nächste Kind erschien mir extrem wenig blutig… vergleichsweise…
Und ein halbes Jahr danach erst ?? Unwahrscheinlich, sehr unwahrscheinlich.
Aber ich versuch`s mit Eisen.
Heute ist ZT 1, neues (letztes?) Spiel, neues Glück im Russisch Roulette.

Mein Zahnarzt hält mich für eine Masochistin

Geschrieben am Samstag 10 Januar 2009 von Annetteellen

… naja, bin ich zugegeben ja auch.
Letztes Jahr schon hatte ich ihn ja nach langen Weigerungen soweit, mir einen (den ersten) Backenzahn zu ziehen, den ich irgendwie verdächtigte, ja vielleicht eine Entzündung im Körper zu erzeugen, also bloß weg mit unnötigem Ballast.
Ruckediguck, Blut ist im Schuck… bist du erst Königin, brauchst du deine Ferse nicht mehr… Zähne schon gar nicht.
Gestern an ES+14 hielt ich den Zeitpunkt für perfekt, für den nächsten (letzten?) Gigantenzyklus der Waagen noch schnell einen Weisheitszahn zu entsorgen, von dem ich annahm, daß da irgendwas mit der Wurzel nicht stimmen könnte.

Der Gute scheint langsam immunisiert zu sein, denn er führte brav und prompt meinen Befehl aus, nachdem er nur kurz anfragte, ob er mir mal eben die Instrumente holen solle, damit ich das gleich selbst erledige.
Nunja, bei Begutachtung nach dem Ziehen zeigte sich, daß die Wurzel völlig okay ist und ich fürchte, in Pippis Nähe mutiert alles zu kleinen Irren, denn er bot ernsthaft an, mir den Zahn wieder reinzustecken, der wüchse wieder an (vielleicht fand er ja, raus und gleich wieder rein reicht mir als Masochismus auch schon aus) *g*, wobei er auch gleich anmahnte, ausgeschlagene Zähne aus diesem Grunde immer schön aufzuheben… prima zu wissen, da brauche ich ja Schlägereien gar nicht mehr aus dem Weg zu gehen ;-) .
Nunja, er gab mir dann aber doch Recht, daß ich das Ding da hinten doch eh nicht brauche, was soll ich denn damit…
Die Masochismus-Ursache wird er wohl nie erfahren.

Das unmoralische Angebot – abgelehnt

Geschrieben am Mittwoch 7 Januar 2009 von Annetteellen

Nachdem ich ja Heilignacht meine nette Bescherung bekam – “wer reitet so spät durch Nacht und Wind und 500km… und rettet das Kind… oder so…” -, brüllt mir auch heute am so erhofften Karlchen-Geburtstag (Karlchen war meine Mutter) Clearblue ein “Nicht schwanger” entgegen.
Auch wenn theoretisch noch nicht ganz sicher – ich spüre es schon die ganze WS.
Und warf ja, mitunter zu Überdramaturgie neigend, sogar die Frage auf, ob sie mich eigentlich je geliebt hat, auch wenn das nicht in wirklich sinnvollem Zusammenhang mit meinem Clearblue bzw. ihrem Geburtstag stand.

Zwischen 2Uhr 30 und 4Uhr umkreiste mich ja Heilignacht ununterbrochen und gestikulierend der Engel und tat seine – mit Verlaub durchweg unsinnigen (er ist eben kein Geschäftsmann, sondern Wissenschaftler) – flammenden Konzeptideen zur Rettung meines Geschäfts kund, diagnostizierte dann Burnout und wollte mein Silber putzen kommen, der Herr Doktor – aber sicher doch, er macht ja schon rund 3 Stunden später als ich Feierabend, so 3 Uhr nachts.

Ein paar Tage später hatte er dann nachgedacht und gab mir das unmoralische Angebot durch.
Nein, kein Angebot, die Entscheidung, zu der er kam.
Er gibt sein Forschungsinstitut auf, sein Herzblut, das er nie, nie hergeben wollte, läßt sich stattdessen anstellen, verdient somit Geld und kann mir bzw. dem Geschäft zubuttern.
Am 10.Januar, wenn bei mir Ende der Fahnenstange ist -zahlungsunfähig, vorerst(?) – hätte ich ein paar Tausender von ihm auf dem Konto.
Nein, sag ich, ich will nicht noch mehr Geld – das vom Vorjahr habe ich schon in den Sand gesetzt. Nein, INVESTIERT, sagt er.
Wir arbeiten gemeinsam am Projekt, sagt er. (Nur gut, daß ich nicht romantisch bin.)
Er läßt mich nicht untergehen, sagt er.

Ja gut, ein paar Tage dachte ich jämmerlich darüber nach.
Und kam zu meiner Entscheidung, das unmoralische Angebot abzulehnen.
Auch wenn es mich rührt… mein Engel, mein Robert Redford, mein Ritter.
Ich habe nicht das Recht.
Und schon gar keinen Respekt mehr vor mir. Weder bin ich noch fähig, meine hohen Fixkosten zu verdienen noch eins meiner Kinder mal nicht umzubringen, letztens nicht mal mehr nur schwanger zu werden.
Puppe kaputt. Natürliche Auslese, nur die Starken kommen durch. Stark aber WAR ich mal.

Aber….
Vom letzten Geld, bevor das Konto gesperrt wird, kaufte ich noch einmal Gonal für einen letzten gigantischen Versuch mit Pauken und Trompeten vor`m letzten Untergang der Titanic
(wenn mir nichts mehr einfällt oder ein Wunder passiert wie der Immobilienverkauf, und das wäre mittlerweile ein wahres Wunder).
Denn – ich werde ja gern zur gleichen Zeit, taggenau, im nächsten Jahr schwanger – das wäre der nächste Zyklus.
Und schon zu Beginn dieses Vorjahres-Zyklus fand ich mystisch, daß zwei Waagen eine kleine Waage erschaffen würden… daß das klappen MUß.
Und es klappte…. wenn auch wie immer bei mir “nur knapp daneben”.

Falls ich nochmal Hoffnung auf echte Hilfe zur Selbsthilfe haben sollte, Hoffnung darauf, wieder arbeitsfähig wie früher zu werden, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, kreativ, und meine großartigen Ideen auch endlich umsetzen kann und mir nicht mein Körper (der an der Seele hängt) wieder einen Strich durch die Rechnung macht bzw. ich mit einer gewissen Dauerhaftigkeit schwanger würde, was auch ersteres nach sich zöge, könnte ich sein Geld annehmen.
Ansonsten wäre sinnlos, ihn auch noch zu ruinieren, vorallem für die Menschheit sinnvolle, besessene Arbeit zu boykottieren für eine verschwindend geringe Chance, für mich.
Wer bin ich schon, ich Sandkörnchen. Ein unbedeutendes Nichts.
Verpulvertes Geld. Ins Loch ohne Boden.
Dann besser rechtzeitig den Stecker ziehen, wenn noch irgend etwas rechtzeitig sein könnte in dieser Jämmerlichkeit.

Aber so schnell versinkt die allerletzte kleine Mastspitze nicht.
Dieses Kind würde ein so besonderes Kind….

Gläubiger kann man vorerst noch etwas vertrösten, was sind schon vier Wochen für noch einen mystischen Versuch…

Eigentlich habe ich`s gut…

Geschrieben am Mittwoch 24 Dezember 2008 von Annetteellen

Früher wäre ich jetzt um diese Zeit völlig gestreßt vom irren Geschäftstrubel losgehetzt, hätte begonnen, zwei Weihnachtsbäume (einer davon immer 3,40m hoch mit sich drehendem Ständer mit Spieluhr, die ich eigentlich immer erst mal reparieren mußte *fluch*) zu schmücken und die gesamte Bescherung für 13 Menschen plus einige Hunde und Katzen herzurichten… und … und… und.
Ein echter Kraftakt und dann schrecklicher Tumult.
Wie habe ich das jedes Jahr gehaßt !!! Völlig aufgelöst, bleich und zerfetzt zuletzt ;-) .
Wie habe ich gewünscht, dieses unsinnige Theater mal nicht mehr haben zu müssen.
Prima.
Kein Baum, keine Geschenke aufbauen, kein gar nichts.
Die allermeisten sind tot, das Haus des früheren Tumults steht jetzt unbewohnt verlassen und dunkel. Bin ich manchmal ganz selten im Geisterhaus, höre ich, wenn ich gut aufpasse, das Stimmengewirr, Kinderplappern der vier, Hunde-und Katzengequietsche. Ich könnte gehen und es mir dort anhören, aber das werde ich nicht tun.

Wenn ich ganz faul wäre, könnte ich nachher sogar aufhören zu arbeiten und mich eine Stunde schlafen legen bis zu meiner etwas anderen “Bescherung” irgendwann gegen Morgen.
Auch eine Bescherung, genau genommen. Klar, ich bekomme auch ein sehr hübsches Geschenk.

Ich war ja übrigens ein braves, stilles, bescheidenes Kind. Weil es mich nicht hätte geben sollen und ich das von Geburt an spürte. Nie waren mehr als ein oder allerhöchstens zwei Kinder geplant. Also tat ich mein Bestes, gar nicht wirklich bemerkt zu werden, nicht wirklich da zu sein, insgeheim um Vergebung zu bitten, daß ein überflüssiger Esser mehr zur Welt kam, genau genommen habe ich mich für ein Stück Brot immer furchtbar geschämt – ich weiß noch.
Das angeschaffte Spielzeug wie Roller und Fahrrad gab es zweimal. Natürlich. Für meine zwei Schwestern. Als ich soweit war es zu nutzen, war es kaputt und nicht mehr verwendbar – natürlich, nie bat ICH um so etwas, wie hätte ich je können….
Geld war schließlich nie da…. mein Vater….
Ich kam nur drauf wegen der Heiligabende. Doch, auch ich bekam als Kind (relativ kleine) Geschenke und freute mich schrecklich. Am meisten aber über die Kugeln am Baum, in denen ich mich spiegeln konnte. Ja wirklich.

Und jedes Jahr unbändig über das Puppenhaus !
Ja, jedes Jahr wieder. Ich war ja arm *ooooch* und hatte kein eigenes Zimmer.
An Heiligabend aber wurde zur Bescherung das uralte, selbstgebaute Puppenhaus meiner älteren Schwestern vom Dachboden geholt und nur für mich aufgebaut, das meiste daran funktionierte nicht mehr, aber egal – manchmal wurden die Püppchen neu eingekleidet – meist erst nach Weihnachten, weil meine Mutter vorher keine Zeit zum nähen oder häkeln gehabt hatte ;-) .
Das gleiche mit dem alten, selbstgebauten Schaukelpferd. Ich war jedes Jahr wieder wunschlos glücklich, wenn ich die beiden Sachen bekam.
Auch nur zu Weihnachten gab es eine (trockene) Brötchen-Kümmelstange.
Und ich erinnere mich genau an den überschäumend glücklichen Zustand, wie ich, diese knuspernd, selig nach der Bescherung neben dem alten Puppenhaus auf dem alten Schaukelpferd schaukelte und darüber nachsann, was es im Leben für herrliche Dinge gibt.

Sicher, kurz nach Weihnachten wurde all der schöne Spielzeugzauber wieder auf den Dachboden geräumt, weil das Zeug das Wohnzimmer versperrte.
Dafür aber konnte ich mich zum nächsten Weihnachten umso mehr drüber freuen.
Über Dinge, die man nicht ständig hat.

Und schade, noch heute finde ich traurig, daß ich mich dann nicht mehr wirklich über den absoluten Bescherungs-Knüller meiner gesamten Kindheit freuen konnte.
Ein kabelgesteuertes Polizeiauto *wow* – ein Traum und für damalige Begriffe ein Vermögen teuer, das sich meine Oma (damals um 80), mit ihrer Minirente vom Essen abgespart haben mußte.
Nein, ich konnte mich nicht mehr wirklich freuen, nachdem meine Mutter ganz schrecklich mit der Oma schimpfte, da viel zu teuer. Heute begreife ich es, damals nicht……ich war nur traurig und verwirrt.

Was muß man nun gerade auch noch Ave Maria im Radio spielen… das Lied zur Beerdigung meines 1.Kindes (+Vaters) am 23.12.06…..

Es bekäme jedes Polizeiauto der Welt zu Weihnachten, egal wie.

Pah, jetzt wird die auch noch sentimental, ich fasse es nicht. Schluß jetzt.

Bis die letzte Mastspitze versunken ist…

Geschrieben am Mittwoch 24 Dezember 2008 von Annetteellen

… bleibt Frau Käpt`n an Bord.
Es könnte immer noch ein (finanzielles) Wunder geschehen, wer weiß schon……

Sehe ich ein Ei in der Anzeige, kann ich nicht anders als zu versuchen, diesem Kind eine Chance zu geben, plötzlich weiterkämpfen zu wollen.
Schaffte ich 12 SS-Wochen, wäre ich wieder fähig, das Wrack zu heben, wieder zu arbeiten wie früher irgendwann mal….
Die letzte kleine Mastspitze ist genau genommen noch nicht wirklich verschwunden, Gläubiger könnte ich noch ein wenig vertrösten bis…..

Also……………. ich gab Alarm.
Und sicher läßt sich ein panischer Engel nicht von Vorbehalten wegen seines Heiligabends beeindrucken. Das hier sei totaaaal wichtig.
Er sieht zu, kommt abends… irgendwie…. irgendwann….

Gestern noch fand ich lächerlich, als er befand, ich kämpfte wie eine Löwin (und er wie ein Löwe), also weiter, weiter.
Doch ! Ich will wieder die Löwin sein, brüllen um mein Kind !
12 Wochen, nur einmal 12 Wochen und ich wäre nicht mehr gelähmt, könnte Geld organisieren, damit es weitergeht…mit meiner kleinen Muse in mir…
Verdammt – ich will eine Chance, nur eine Chance, dann zeig ich`s euch…

………….. Nachtrag……………….
Ob ich eben beim Telefonat der genauen Absprache (so gegen 1, 2, 3 Uhr wird er wohl wie meist da sein und natürlich bin ich jetzt auch abends noch wie immer im Geschäft bei der Arbeit) etwas seeehr ironisch und unwirsch reagiert habe ?
Als doch selbst der Engel zum Abschluß sagt :
“Ach ja, und…. frohe Weihnacht…”

“Ja sicher doch, halleluja und fröööhhhliche Weihnacht!”

Barbarastrauß

Geschrieben am Mittwoch 24 Dezember 2008 von Annetteellen

Natürlich – er ist nicht aufgeblüht ….
Letztes Zeichen ?

Unter`m nicht vorhandenen Weihnachtsbaum sitzen ausschließlich viele Geister, u.a. die meiner fünf Kinder.

Mit dem praktisch ausgebliebenen Weihnachtsumsatz habe ich das Geschäft nun endgültig in den Sand gesetzt. Aus.

…………. Und mein LH-Test (da ist irgendwie ein Zwang zu testen, egal wie skurril die Lage ist) wird, wie es aussieht, in den nächsten Stunden eindeutig positiv sein…………

Und nun ?
Doch wieder Zwiespalt, ob ich keinen Alarm mehr gebe und ein potentielles Kind für immer im All verpuffen lassen soll …auf den Schwingen des Albatros an den Rand des Lichts…

Barbarastrauß nicht aufgeblüht