Nun habe ich endlich mal Zeit, um einen Bericht zu schreiben. A. ist mit L. in der Schule -zur Adventsfeier.
Ich vermisse P. und Wien ganz schrecklich.
Nachdem wir am Samstag sehr früh am Flughafen waren und ich nach nem typischen, kleineren “geschafft”-Problem, eingecheckt hatte, gingen wir im Flughafen-Restaurant frühstücken. Als wir gerade sassen, stellte P. fest, dass er sein Handy im Auto vergessen hatte und ging, um es zu holen. Kurz nachdem er zurück war, ging das Handy und nachdem P. sein Frühstück beendet hatte, zog er seine Jacke an und setzte sich neben mich.
Ich ahnte, was nun kommen würde, und bemühte mich um Fassung. Er sah mich an und ich bat ihn, mich nicht so anzugucken, wo ich doch krampfhaft versuchte, meine Tränen zurückzuhalten. Es gelang mir nicht.
Wir küssten uns einige Male leidenschaftlich, dann ging er.
Seine plötzliche Flucht, hatte mich ziemlich geschockt -so schnell und überstürzt, hatte ich gar nicht damit gerechnet und dass ich eigentlich mit nach draussen kommen wollte, hat er auch nicht gehört.
Dabei wollte ich nur noch den Schluck Kaffee austrinken, das hab ich auch so gesagt.
Ich bin dann im Flughafengebäude rumgeirrt als wäre ich auf der Flucht. Zwischendurch nach draussen und ne Runde geheult…rumgeirrt…zum Heulen wieder nach draussen. Um 13:32 fielen einige Schneeflocken -mein erster Schnee in diesem Winter…und das ohne P.
Irgendwann ging ich dann wieder ins Restaurant um was zu essen. Kalbsbutterschnitzel.
Es entpuppte sich als ein simples Hacksteak. Naja…typisch. Als ich mir einen Platz gesucht habe, bemerkte ich, dass ich das Besteck vergessen hatte. Anstatt das Tablett abzustellen und mir Messer und Gabel zu besorgen, wollte ich das Tablett mitnehmen…meine Tasche rutschte an meiner Schulter runter und ich machte ne klitzekleine Aufwärtsbewegung mit meiner Schulter -das Tablett wackelte und das Glas kippte um. 0,3 l ergossen sich auf Tablett, meinen Mantel und Boden.
Für andere Leute sehr interessant.
Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken.
Anschliessend ging es dann mit meinem Marathon weiter und immer wieder brach ich in Tränen aus. Irgendwann wagte ich es dann doch, in den Sicherheitsbereich zu gehen. (Neee…ich hab nicht ernsthaft gehofft, dass mein Märchenprinz mich vor dem drohenden Unheil…Abflug, retten würde.
Doch, hatte ich.
) Im Raucherraum setzte ich mich auf einen Hocker und heulte. Irgendwann wurde ich zaghaft nach nem Feuerzeug gefragt. Ich gab es ab und bekam es zurück. Schaute den jungen Mann kurz an und begann wieder, die Wände anzustarren, dabei flossen wieder Tränen…wie auch auf dem kompletten Rückflug.
In Münster angekommen, stellte ich dann fest, dass ich nicht genug Geld für´s Parken hatte und holte, sparsame 10 € ab. Der Wagen sprang nicht an und ich fragte einen Taxifahrer, der das nicht aus Nächstenliebe machen wollte. Klar…
Ich schob das Auto aus der Parklücke und versuchte, es selbst anzuschieben und zu starten -neee…keine Chance, der Untergrund war uneben und soviel Kraft hatte ich definitiv nicht. Kurz nachdem ich P. geschrieben hatte, dass ich im Auto übernachten wollte, kam ein Pkw und ich ging gucken, ob da vielleicht ein Mann drin war, der mir helfen konnte. Neee…eine Frau, scheinbar Putzfrau im Flughafen. Sie meinte, dass ich mich an die Polizei wenden sollte, da die eh nix zu tun hätten. Die Idee war mir auch schon gekommen, ich hatte sie aber schnell verworfen, weil ich nicht sicher war, ob ich freundlich behandelt werden würde.
Der Polizist war jedoch sehr freundlich, auch wenn er nicht seine eigene Muskelkraft zur Verfügung stellen wollte.
Er telefonierte kurz und fragte, ob ich bereit wäre, 20€ zu bezahlen. Mittlerweile war ich soweit, dass ich 100 bezahlt hätte. Ich sollte zur Flughafen-Information gehen, dort sollte alles weitere erledigt werden. Auf dem weg dorthin kam ich am Geldautomaten vorbei -klar, nun brauchte ich schon wieder Geld. Ich holte 20 € ab. An der Info sagte mir die Dame (sehr nett übrigens), dass sie 2 Wochen Urlaub gehabt hatte und es jetzt 26€ kosten würde. “Ganz schöne Inflation bei euch”, erwiderte ich. Toll…ich durfte noch mal zum Automaten.
Sie war ziemlich geschockt, als sie erfuhr, dass ich da schon fast 2 Stunden selbst rumprobiert hatte.
Ich sollte dann zum Parkplatz gehen und auf Hilfe warten…das dauerte noch mal ne Weile und ich befürchtete, da es mittlerweile nach 0 Uhr war -ein neuer Tag- dass ich nachzahlen müsste. Der Helfer kam mit einem Ladegerät, der Wagen sprang trotzdem nicht an. Mehrere Versuche schlugen fehl, dann überbrückte er das Auto an seinem Pkw, er sprang sofort an!! Gott sei Dank!!! Beim Rausfahren, spuckte der Automat an der Schranke meine Karte aus und verlangte, dass ich nachzahlen müsse. War ja klar gewesen. Per Sprechanlage und Kamera, machte der Helfer klar, dass ich nur nachzahlen müsste, weil mein Auto nicht angesprungen war. Ich brauchte nichts nachzahlen. Klar…mittlerweile war es halb 1 und ich hatte meine Karte schon um 22:22 gezahlt. Um kurz nach eins war ich dann zuhause.
Die Hunde haben sich sehr gefreut, L. schlief und A. behauptete, mich vermisst zu haben.
Schon Sonntag, nach dem Aufstehen, war wieder Mord und Totschlag zwischen den beiden. Ich entschied, dass es ein Fehler war, zurückzufliegen. Mann…Mann…Mann…so ein Theater immer.
Seitdem schwelge ich in Erinnerungen. Wien ist wirklich eine tolle Stadt und ich hatte einen sehr guten Fremdenführer -den besten!- der sich bestens um mein geistiges und körperliches Wohl gekümmert hat.
Er weiss genau, wie er mich nehmen muss, damit ich hemmungslos und willenlos werde.
Wie er das allerdings schafft, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht, weil er so phantastisch küssen kann?
Ach hätte er mich doch nur vor dem bösen Land der Deutschen bewahrt.
Es war der schrecklichste Abschied, den ich je erlebt habe. Vorher ist P. immer gefahren und hat mich zurückgelassen. Diesmal musste ich selbst gehen…musste gehen, obwohl ich lieber geblieben wäre und es selbst in der Hand hatte, zu entscheiden, wie es weitergehen sollte.
A. hat in der Zwischenzeit einen entscheidenen Fehler gemacht -er hat seiner Mutter und meinem Vater erzählt, wo ich war. Jetzt ist auch bei denen Holland in Not. Toll!!! Mein Pa meinte: “Ist die schon wieder abgehauen?” Wenn ich´s mal gemacht hätte…