Rückblick 2. Versuch
Donnerstag, 4 Dezember 2008Dieser zweite Versuch ist jetzt genau drei Jahre her.
Nachdem wir uns im Spätsommer wieder einigermaßen berappelt hatten, habe ich einen Termin zum Nachgespräch wahrgenommen. Einen Monat lang durfte ich mir wieder die Pille einwerfen. Ganz großes Kino. Zum einen, weil es sich ja wirklich total widerspricht (Kind wollen und Pille nehmen) und dann weil ich das Kroppzeuch einfach nicht vertragen habe. Kopfweh, miese Laune, Pickel, das volle Programm eben.
Kurz bevor die 21 Dingerchen aufgebraucht waren, haben Schmierblutungen eingesetzt. Wann ist denn nun der erste Zyklustag? Großes Rätselraten, also noch schnellschnell einen Termin in der Kiwu-Praxis gemacht, die haben mal wieder meine Ärmchen durchlöchert und festgestellt: Los geht’s mit Spritzen, das war quasi dann der 3. ZT.
Dieses mal sollte ich Gonal-f 300 Einheiten spritzen, damit etwas mehr Eizellen Gas geben können. Haben sich auch brav daran gehalten. Einmal 6 und einmal 4 Follikel, nicht schlecht. Diesmal konnte ich dann auch die “Blähungen” als wachsende Follikel und eifrige Eierstöcke zuordnen, in meinem Bauch hat’s ganz schön gearbeitet.
Auslösen durfte ich dann an einem Donnerstag Abend um 20:00 Uhr. Und genau da sollte das Konzert von Basta beginnen. Diese Gruppe hatte ich zufällig mal im Fernsehen gesehen und war dermaßen begeistert, dass ich gleich recherchiert habe, ob die auch im schönen Hessenland auftreten. Taten sie, ich Karten besorgt und eben just an diesem Tag sollte ich auslösen. Hat dann aber alles geklappt, nur auf meine Frage, ob sie in dieser Stadthalle einen Sanitätsraum oder ähnliches hätten, wurde ich in die Behindertentoilette geführt, die einer Rumpelkammer ähnelte. Geputzt hatte da schon seit Jahrhunderten keiner mehr - eklig.
Dafür war der Abend genial: 2 1/2 Stunden gequietscht, gewackelt, gekeucht vor Lachen - herrlich. Seitdem bin ich dieser Gruppe (guggt mal unter www.basta-online.de) verfallen
Diesmal hatte ich meine Abwesenheit punktgenau organisiert, am ersten Urlaubstag war Punktion, 8 EZ konnten punktiert werden und 6 ließen sich befruchten. Drei waren sogar für’s Eis geeignet, super. Mir ging es auch super, Bauchweh hielt sich in Grenzen, vor der Narkose hatte ich auch keinen Bammel, hatte ich sie doch das letzte Mal wunderbar vertragen. Zwei mal an diesem Tag habe ich herzhaft gelacht. Das erste Mal früh morgens (uaaaahh, dunkel war es noch), als wir in das (diesmal gelbe) Kabäuschen geführt wurden. “Guggemal, mein Schatz” (sagte M.), “die haben hier sogar Schalen für Deinen Schmuck”. “Nee (grinste ich), das ist eine Pappmaché-Schale, falls man die Narkose nicht verträgt.”
Süß, Schale für Schmuck, was haben wir da gelacht. M. meinte nur erstaunt: “Aber Dir wird doch nicht schlecht?” So ein Hasenfuß, aber ich konnte ihn beruhigen.
Das zweite Mal hat er herzhaft grinsen müssen. Nach der Punktion wurde ich wieder in Richtung Kabäuschen geführt und er hörte mich schon von weitem kommen. Ständig hatte ich die Schwester gefragt, ob sie mich auch zum richtigen Mann führen würde, das wäre mir nämlich wichtig. Nicht, dass sie mich einem falschen Mann unterjubeln wolle. Auch die Schwester hatte viel Spaß. Wir waren aber auch die einzigen, die die ganze Zeit gegiggelt haben, als ich wieder einigermaßen wach war. 1,5 Liter Wasser in mich reingeschüttet (für Blutdruck), Schokomuffin für Kreislauf verdrückt, frohe Botschaft der vielen punktierten EZ abgeholt und ab nach Hause.
Der Transfertag war etwas stressig, da ich M. im Büro abholen wollte und in meiner unendlichen Einfalt die Weihnachts-Panik-Käufer nicht auf dem Radar hatte. Im ganzen Städtchen gab es keinen Parkplatz und die Zeit wurde knapp und kanpper. Und dann kam mir M. schon auf der Straße entgegen (nachdem ich endlich eine Minilücke erobert hatte) und hatte einen wunderschönen Blumenstrauß in der Hand. Für mich, damit er mir Glück bringt. Ich habe mich riesig darüber gefreut.
Der Transfer war genau so problemlos wie beim ersten Mal. Nur diesmal sollten drei Krümelchen zu mir kommen und diesmal war ich schon darauf vorbereitet, meine Süßen auf dem Bildschirm zu sehen. Außerdem hatten wir beschlossen, das Kind Maria zu nennen - wenn es denn ein Mädchen würde. War nämlich der 8. Dezember, also Mariä Empfängnis
.
Die Warteschleife verging eigentlich relativ schnell, es gab einiges zu Arbeiten, die letzten Weihnachtsvorbereitungen, Plätzchen backen und … und … und … Und dann durfte ich am 23.12. (ja, die in meiner Praxis sind notorische Spättester) früh morgens zum Blut abnehmen fahren. Diesmal hat alles gut geklappt, innerhalb von 5 Minuten war ich wieder draußen und bin zur Arbeit gefahren. Wie beim vorherigen Versuch keine Blutungen, keine PMS, riesen Dinger vor der Hütte
und es ging mir - abgesehen von der Aufregung - relativ gut.
Mittags um 14:05 (werde ich nie vergessen) erschien dann die Nummer der Praxis im Display des Telefons. Ich habe noch gebrüllt: “Isfürmihich”, aber Kollegin hatte schon abgenommen. Dann wieder zu mir durchgestellt, meine Hände haben gezittert und Ozean-Pfützen auf dem Tisch hinterlassen. Der Doc war dran und sagte: “Gratuliere, ich habe ein Weihnachtsgeschenk für Sie, Sie sind schwanger.”
Ich weiß nicht mehr, ob ich was gesagt, mich ordentlich bedankt habe. Bin dann erst einmal in einen Besprechungsraum und habe M. angerufen. Ich war platt, er wohl auch, aber ganz langsam hat sich so ein giggelndes Gefühl in meinem Magen breit gemacht. Ich war SCHWANGER. Wow. Ich. Verliebt sein ist ein Kinkerlitzchen dagegen, es war einfach nur schön.

