Jetzt möchte ich mich bei Dir bedanken. Dafür, dass Du da in mir bist, dass Du Dich überhaupt zu mir durchgekämpft hast, einfach für die letzten 36 (naja, eher 32) Wochen.
Jetzt wird es so langsam wieder dunkel, der Herbst kommt mit aller Macht und ich werde morgens im Bad an die Situation erinnert, als ich im letzten Winter den SS-Test mehr aus Jux und Dollerei gemacht habe.
Seit diesem Tag hast Du schon mein Leben auf den Kopf gestellt, mir Gefühle beschert, die ich so nicht kannte. Glück, Panik, Angst, Freude – alles in einem wilden Durcheinander in meinem Herz und Kopf. Ich möchte keine einzige Sekunde missen.
Die vielen Fragen “Freust Du Dich?”. Ja, natürlich freue ich mich, aber trotzdem war die Freude die ganze Zeit überdeckt von Vorsicht, Trauer, Unsicherheit … darauf hätte ich gerne verzichtet. Aber auch diese Gefühle gehören zu meinem Leben. Nur so langsam bricht sich das tiefe Glück Bahn und ich genieße die Tage und Stunden mit Dir in meinem Bauch. Eigentlich will ich noch gar nicht, dass Du schon zur Welt kommst, hatten wir doch so wenig Zeit füreinander. Erst seit ich zu Hause bin und nicht mehr äußeren Terminen gerecht werden muss, habe ich Zeit und Muße, mit Dir zu spielen, Dich von außen zu entdecken und Dich in mir drin ganz und gar zu spüren. Da gehe ich sogar manchmal nicht an’s Telefon, so schön ist das mit Dir. Vielleicht hast Du Dich deshalb auch noch nicht gedreht? Weil wir zwei jetzt gerade eine so richtig schöne Gemeinschaft haben?
Ach, ich weiß es nicht. Vielleicht will ich auch nur nicht, dass ich merke, falsche Entscheidungen für Dich getroffen zu haben – es gab und gibt so viele Entscheidungen und Fragen, die zu beantworten sind und ich bin in vielen Dingen sehr unsicher. Vor allem, was Deinen Vater betrifft.
Ich hoffe von ganzem Herzen, dass er und ich Dir gute Eltern sein werden, auch wenn wir nicht im klassischen Sinne zusammen sind. Wir beide wollen auf alle Fälle nur das allerbeste für Dich – nicht ein Deut weniger. Weniger als das Allerbeste hast Du nämlich nicht verdient.
Aber egal was sein wird, eines ist ganz gewiss: Ich habe nur mit der allergrößten Lieben zu Dir gehandelt, drunter ging es nicht.
In Liebe, Deine Mama