Ja, damals habe noch nicht hier im Forum geschrieben, über drei Jahre ist es her.
Nach einigen Clomifen-Behandlungen bei meinem Gyn wurden wir endlich, endlich in eine Kiwu-Praxis überwiesen. Im April 2005 hatten wir unser Erstgespräch und… wir konnten uns vorstellen, das mal zu versuchen. Wir haben gleich eine Überweisung zum Humangenetiker bekommen und bis das dann erledigt war, die Genehmigung der Krankenkassen da war und wir unsere Termine auf die Reihe gebracht hatten, schrieb man schon den Monat August, bis wir starten konnten.
Meine Güte, was erinnere ich mich noch gut an die erste Spritze. Schwung geholt, Millimeter über dem Bein zurückgezuckt. Wieder Schwung geholt … wieder zurückgezuckt … und so weiter. Irgendwann war das wirklich dünne Nädelchen des Gonal-f Pens in meinem Speck verschwunden und oh Wunder: Hat gar nicht weh getan
Da wir damals medizinisch völlig unterbelichtet waren, hatten wir auch keine Alkoholpads oder ähnliches im Haus. Also musste der selbstgebrannte Grappa meines Pappas herhalten (keine Sorge, er darf brennen – nix verbotenes). Das war M.s Aufgabe: Gluckgluckgluck aus der Flasche auf Wattebausch, Wattebausch auf Bauch, Aurifex in Alkoholfahne gehüllt, Nadel rinn, teuren Stoff in den Wanst gehauen, Aurifex in Alkoholfahne ins Bett gehüppt. Da bekam der Ausdruck Ko-Abhängigkeit eine ganz neue Bedeutung – hing an Flasche und Nadel
Aber ich habe gut reagiert. Das einzig schwierige war die Koordination der US-Termine – obwohl sie in der Praxis unheimlich flexibel waren, war’s doch immer kompliziert das mit meinen Arbeits- und Anwesenheitszeiten unter einen Hut zu bringen. Stress pur. Pünktlich am 15. ZT war Punktion (zum Glück, war nämlich mein freier Tag und Vertretung hätte ich ausgerechnet einen Tag vor- oder nachher nicht bekommen) und das war ein Traum. So eine liebe Narkoseärztin, ich habe geschlafen wie ein Baby. Vier Eizellen konnten punktiert werden, wir hatten uns für einen Zweier-Transfer entschieden und tatsächlich, am fünften Tag kam ich in den Raum und auf dem Bildschirm waren zwei runde … ja, was denn, Formen? Figuren? Dinger? … einfach wunderschöne Blastozysten zu sehen. Darauf war ich nicht vorbereitet, das hat mich umgehauen. Ich war verliebt, so ganz ohne Vorwarnung. Und ja, nur mich, bin alleine zum Transfer. M. wollte nicht mit, er hat in unserem Kabäuschen gewartet.
Tja, der Transfer verlief völlig unspektakulär. Rauf auf den Stuhl, Krümel rin in den Katheter, flupp in die Gebärmutter, kurzer US und zwei Pünktchen gesehen (natürlich nur von den Flüssigkeitstropfen) und wieder zurück zu M. Dann habe ich noch eine Spritze bekommen, Rezept für Crinone und wir durften Nach Hause. Das war mein erster Urlaubstag und ich war so frohgemut. Problem erkannt, Lösung vorgeschlagen, akzeptiert von uns, Behandlung durchgeführt. Ergebnis (natürlich positiv – wieso auch nicht) kommt dann in zwei Wochen und ich kann mir schon einmal Gedanken um eine Vertretung während meiner Elternzeit machen. Soweit der Plan.
Also – zwecks Entspannung – sind wir dann in den Urlaub geflogen. Da man ja nach einer Stimulation nicht allzuviel anstellen sollte etc. hatten wir uns für einen Cluburlaub entschieden. Lange Strandspaziergänge für mich, sonstige Möglichkeiten für M. Passt.
Auf einem meiner wunderschönen Spaziergängen habe ich zwei vollkommen intakte Muschelschalen gefunden. Eine in einem traumhaft schillernden Rosa, die andere Hellblau. Da war mir klar: Mensch, gleich ein Pärchen, das hat geklappt und ein Junge und ein Mädchen, cool.
Der Tag des Bluttests kam (aber ich konnte ja nicht gehen, da in Urlaub) und nix hat sich getan. Kein Blut, keine PMS, kein gar nix. Aber immer noch Mörder-Brüste (ich war stolz wie Oskar, mir hat sogar 75 A gepasst
). Ja, wir sollten Eltern werden, meine Güte, war ich glücklich. Abends, nach dem Essen saßen wir noch mit ein paar Leuten an der Bar … und es fing an zu laufen. Bis ich auf dem Zimmer war, war meine Hosen schon komplett durchgeblutet. Ich kam mir vor wie im freien Fall, absolut der Boden unter den Füßen weggezogen, irgendwann konnte ich nicht einmal mehr heulen. An den Rest des Urlaubs erinnere ich mich gar nicht mehr wirklich. Es waren ja nur noch ein paar Tage. Weitermachen oder nicht? Ja, doch, nach einer Woche oder zwei, da war klar, dass wir weitermachen würden. Aber diesen absoluten Optimismus, den hatte ich verloren. Schade eigentlich.