Archiv für Oktober, 2007

Es ist erst Mittag …

Mittwoch, 31 Oktober 2007

… und ich frage mich, was dieser Sch…tag noch bringen soll.

Erst hatte ich drei Mails von meinem zukünftigen Ex-Mann in der Mailbox (in einer tritt er noch ordentlich nach, warum auch immer???) und dann erfahre ich heute durch Zufall, dass wir - auf neudeutsch - outgesourct werden sollen. Super. Klasse. Kannichjetzgradrischdisch brauchen!!!

Der Betriebsrat verhandelt ganz munter ohne dass irgendeiner von uns Betroffenen davon weiß, auch sind unsere Wünsche und Forderungen gänzlich unbekannt - hat ja noch keiner danach gefragt. Und wir werden an eine Firma ausgelagert, die es bis jetzt in Deutschland noch gar nicht gibt. Also habe ich keine Ahnung, welche Anschrift, welche Gesellschaftsform mein neuer möglicher Arbeitgeber haben wird, noch wer dann dort mein/e Chef/in wird oder sonst irgendwas.

So langsam habe ich keine Lust mehr. Ich leg mich jetzt auf die faule Haut, haue ab ins Ausland und lass es mir in Goa gut gehen, werde Perlentaucher in der Südsee oder sonst irgendwas. Meine Güte, ich bin jetzt richtig geladen. Faxen dicke. Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr *megasauer*

Das Leben kann mich grad mal kreuzweise!

Französischer Problemfilm mit bengalischem Untertitel

Dienstag, 30 Oktober 2007

Mein Leben kommt mir im Moment vor wie ein Film. Nur ist der nicht gerade wirklich gut und zieht sich … Also, die 1 1/2 Stunden bis zum Happy End schaffe ich sowieso nicht. Und ich glaube auch nicht, dass es ein Happy End in Hollywood-Manier geben wird. Es ist eher so ein französischer Autorenfilm aus der Film-Noir-Periode und die enden irgendwie immer offen, traurig und ganz fürchterlich intellektuell.  Habbisch keine Lust drauf.

Auch so ein kleines bißchen Action wäre mal nicht schlecht - natürlich mit einem coolen Retter und 100%-igen Überlebenschancen. Die männliche Hauptrolle dürften dann Denzel Washington, George Clooney oder auch Johnny Depp übernehmen (ich bin ja gar nicht wählerisch *g* ). Aber wenn ich mir so mein Leben betrachte darf ich mich wie immer selber retten und Hans Meier aus der Nachbarschaft noch mit dazu. Also doch lieber keine Action.

Meine Stimmung schwankt zur Zeit wie ein Lämmerschwanz. Mal geht es mir gut, dann wieder richtig schlecht. Rein sachlich kann ich alles recht gut verarbeiten, aber die Enttäuschung über die letzten Jahre und dass ich alleine an unserer Beziehung gearbeitet habe, dass sie nur mir etwas Wert war um Zeit, Energie und Gefühle zu investieren - das tut weh. Und eigentlich war und ist es ja genau das, was man sich bei einer Hochzeit verspricht. Die Probleme gemeinsam angehen und (hoffentlich) meistern.

Freitag bekam ich eine Mail von ihm. Darin schrieb er unter anderem, dass ich wohl das Gefühl habe, mein Gesicht verloren zu haben. Hmpf, ich frage mich: Wie kommt er darauf? Und kennt er mich tatsächlich soo schlecht, dass er das glaubt? Es gibt keinen Grund, warum ich das Gefühl haben sollte, mein Gesicht verloren zu haben. Ich verstehe das einfach nicht. Außerdem schreibt er, dass ich keinen Fehler gemacht hätte aber das hilft mir nicht wirklich weiter. Natürlich habe ich sicher auch Fehler gemacht. Oder es kam etwas ganz anderes bei ihm an, als ich es meinte. Aber wenn ich das nicht weiß, dann kann ich auch nicht darüber nachdenken und rausfinden, wie es so gekommen ist.

Ich hänge also wie immer in der Luft und warte … und warte … und warte, dass endlich einmal Informationen rüberwachsen. Und nur das will ich im Moment. Ich habe Freitag gemerkt, wie mein Herz gerast hat und die Hände feucht wurden - so kann und will ich ihn nicht sehen, das würde ich noch nicht verkraften. Aber es geht ihm wohl genau so. Er will mich auch nicht sehen und sprechen. Sind wir uns also wenigstens in diesem Punkt einig. 

Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf heute Nachmittag (gehe ich mit einem Arbeitskollegen Kaffee trinken) und heute Abend (gehe ich mit einer Freundin weg) und werde mich dann morgen früh um 04:45 wieder aus dem Bett quälen. Hm, es ist schon komisch: Wenn man so früh anfängt zu Arbeiten, dann hat man am Nachmittag und Abend jede Menge Zeit, um sich zu verabreden. Nur die Nacht wird dann halt arg kurz, aber diese paar Stunden kann ich dann wenigstens auch schlafen da ich dann hundemüde bin.

Naja, um zum Anfang zurück zu kehren: wer also jemanden kennt, der unbedingt in einem etwas langweiligen Film mitspielen will: Das Casting ist eröffnet!

Kleine aber feste Schritte

Donnerstag, 25 Oktober 2007

Es geht vorwärts - nicht zu schnell, aber stetig. Ich bin jetzt auf der Suche nach einer neuen Wohnung und so langsam kristallisiert sich auch heraus, was ich will und worauf ich auch verzichten könnte. Ich hatte Dienstag schon eine Besichtigung und die Wohnung selber gefällt mir sehr gut. Nur das Umfeld ist etwas gewöhnungsbedürftig - ein komplettes Neubaugebiet. In einigen Jahren dürfte es dort aber sicher recht schön werden und Wohnzimmer und Balkon gehen auf eine sehr schön angelegt Grünfläche hinaus. Und Süd-West-Ausrichtung hat sie, also hübsch Sonne in der Bude.

Platz für meinen Werktisch hätte ich dort auch. Und darauf freue ich mich ganz besonders: dass ich wieder Schmuck machen kann, wann immer ich will. Denn mir ist es absolut egal was ich wann und wie esse - das ergibt sich aus meinem Hunger. Aber ich muss dann nicht mehr jeden Abend einkaufen, je nach Lust und Stimmung des Herrn M. und das Essen vorbereiten und dann vor allen Dingen so eeeeewig lange warten, bis er dann endlich nach Hause gekommen ist. Ich habe in unserer Beziehung sehr viel Zeit mit Warten verbracht. Ich habe es gern gemacht, da mir das abendliche gemeinsame Essen sehr wichtig war. Aber es ist oftmals schon arg spät geworden und wenn ich mir vorstelle, dass ich doch das ein oder andere mal schon um 19:00 hätte essen können, wenn er nicht unsere Zahnärztin gepimpert hätte … grrrrrrrrr.

Naja, ich bringe jetzt aber schon fast jeden Tag meine Ideen zu Papier, da kann ich dann nach dem Umzug aus den Vollen schöpfen. Aber bis es so weit ist, wird sicher auch noch einige Zeit vergehen, das nächste Jahr wird es bestimmt. Aber ich freue mich richtig drauf *freu*

Single-Sein ist klasse

Dienstag, 23 Oktober 2007

Puh, wat bin ich unterwegs. Ins Kino, Kaffee trinken, essen gehen, mit Freunden treffen, Spazieren gehen, Wohnungen anschauen … und … und … und. Richtig klasse. Mal schauen, wie lange ich das noch durchhalte, werde ja auch immer älter!

Ach, es ist so wunderschön zu merken, wie viele Freunde man doch hat und wie viel Leute Anteil an meinem Leben und an meinem Seelenheil nehmen. Ich fühle mich immer noch getragen und genieße diese Wochen. Es wird sicher auch wieder ruhiger werden aber alles hat seine Zeit.

Gestern war ich wieder bei der Psychologin und sie fragte mich am Ende der Sitzung, ob ich noch etwas von ihr wolle, noch ein Thema habe. Denn, von ihr aus gesehen, bin ich auf einem guten Weg. Arg viel mehr kann sie mir nicht mehr helfen und entlässt mich gerne in mein neues Leben.

Wir werden das nächste Mal noch über meine berufliche Zukunft sprechen - diese Seite meines Lebens habe ich auf Grund des Kinderwunsches und der Behandlungen in den letzten Jahren brach liegen lassen und jetzt möchte ich wieder durchstarten. Dabei will sie mir noch etwas Unterstützung geben, aber dann heißt es: Ich bin alleine groß. Ich bin mal gespannt, wohin die Reise führt.
Und Arbeit tut tatsächlich gut. In den letzten Wochen ging es auch im Büro heiß her und ich hatte nicht viel Zeit für sinnlose Grübeleien. Inzwischen habe ich nämlich alles in Gedanken durchgespielt und wenn ich nicht mehr Hintergrundinformationen bzw. mehr Anhaltspunkte bekomme drehe ich mich nur noch im Kreis. Das bringt gar nix.

Und erleichtert bin ich - im wahrsten Sinne des Wortes *g* . Die Pfunde purzeln nur und sogar meine Ringe passen mir wieder. Alle ICSI-Kilos sind weg und ich fühle mich sauwohl. Die ersten Flirts habe ich auch schon gehabt und habe es sehr genossen. Aber, wie eine Freundin so schön sagt: Alles unter 500 km Entfernung muss im Moment wirklich nicht sein *ja*

Ich bin unlogisch

Donnerstag, 18 Oktober 2007

Ach, irgendwie fühle ich mich komisch. Ich weiß, dass ein Schlussstrich gezogen ist und ich will auch jetzt mein neues Leben ausbaldowern. Aber die Angst um ihn, die ist immer noch präsent - so unlogisch das auch ist.

Ich will mich nicht mit ihm und seinen Problemen beschäftigen - er ist alleine groß, das braucht er nicht. Aber dass ich gar nichts von ihm höre, dass Leute, die mit ihm beruflich zu tun haben bei mir zu Hause anrufen, weil sie ihn nicht mehr erreichen … das zerrt an den Nerven.

Ich dachte immer, dass wir uns verbunden gewesen wären und von meiner Seite aus war das sicherlich so. Ob es ihm genauso ging, das wage ich nicht mehr zu beurteilen, ich erkenne ihn ja nicht wieder. Aber so, wie ich ihn kannte, würde er mich nie so ohne ein Lebenszeichen hängen lassen - das passt nicht zu dem Mann, den ich kenne.

Aber ich habe mich ja in ihm wohl getäuscht bzw. er hat mich getäuscht. Von daher passt die Funkstille wahrscheinlich doch.

Er muss nicht mit mir reden, aber eine SMS ab und zu, das wäre eine Erleichterung. Ich mache mir nämlich doch die ganze Zeit Gedanken - und seine Freunde und seine Familie auch. Mensch, ist das ein Mist!!!

Ich bin wieder da

Dienstag, 16 Oktober 2007

Ich war über ein verlängertes Wochenende bei meinen Eltern (habe den Samstag frei genommen) und meine Schwester kam auch aus ihrem Schweizer Bergdorf ins schöne Markgräflerland. Dazu hat noch die Sonne mitgespielt und abends wurde es trotzdem hübsch kühl, sodass mein Vater ohne zu Zögern (an allen drei Abenden) den Kamin angemacht hat - ich liebe es.

Außerdem hatte ich gute Gespräche mit meiner Schwester und meinen Eltern und ich durfte auch wieder eine Schmuck-Orgie bei meiner Freundin K. feiern und das zaubert mir ja immer ein Grinsen ins Gesicht.

Außerdem war hat sie mit mir Klartext geredet und gemeint, dass ich froh sein soll dieses feige Weichei los zu sein. Wow, hat sie sich über den Brief empört, war die sauer!!! Und das hat mir auch gut getan.

Außerdem ist es gut für mich zu wissen, dass es keine Überlegungen für ein Zurück gibt. Von seiner Seite nicht (so schreibt er zumindest) aber erst recht nicht von mir aus. Diese Zerrissenheit bleibt mir zum Glück erspart.

Was allerdings ziemlich nervt ist, dass er sich nicht meldet, obwohl er es Sonntag vor einer Woche in einer SMS versprochen hat (und ich hatte ihn nicht darum gebeten, das war seine Idee). Ich will ja gar nicht mit ihm sprechen (ist im Moment nicht nötig), aber erst etwas zusagen und dann nicht halten … kann ich gar nicht leiden. Letzten Mittwoch bekam ich eine SMS, das war’s. Ich hatte ihm daraufhin eine SMS geschickt mit der Information, dass ich ihm noch eine Mail geschickt habe. Er muss ja wissen, dass ich das Auto umgestellt habe und außerdem ein neues Schloss an der Wohnungstüre habe einbauen lassen. Aber es kam nix zurück. So eine feige Socke.

Aber wahrscheinlich gefällt er sich im Moment in der Rolle des edlen, leidenden Helden. Sagte ich eigenlich schon, dass er angeboten hat noch weitere Versuche mit mir durchzuziehen??? Heißer Vorschlag!!! Da ist mir dezent übel geworden aber naja, er weiß es wohl nicht anders. 

Jetzt hat mich der Alltag wieder und in der Arbeit geht es turbulent zu wie eh und je. Und ich bin wesentlich entspannter und nicht so gestresst - gefällt mir auch gut. Und bin fast jeden Abend verabredet und treffe mich mit Leuten, für die wir sonst keine Zeit hatten.

Ich kann im Moment tatsächlich nicht jammern, es gefällt mir so wie es ist. Hoffentlich bleibt es so *beten*

Wenigstens etwas

Freitag, 12 Oktober 2007

Puh, nach einem derart turbulenten Vormittag stand vorhin ein liebes Bankerlein vor mir und sagte: “Ich brauche mein Dokument spätestens um 13:00 zurück.” Ich daraufhin: “Kein Problem!” Er: “Häh?” Ich: “Ja … eeh … oh … Mist, wir haben ja schon 12:00.” Ich habe gerade noch die Artzhelferin bei meinem Frauenarzt erwischt und sie konnte mir sagen, dass der AIDS-Test negativ war - also für mich positiv. Puh!

Aber geärgert habe ich mich schon, dass ich überhaupt diese Welle machen musste.

Jetzt freue ich mich erst einmal aufs Wochenende und werde mir eine richtige Auszeit bei meinen Eltern gönnen. Meine Schwester kommt auch nach Hause und da ich sie gaaaanz selten sehe, wird das ein echtes Highlight, leider aus traurigem Anlass.

Da werde ich hoffentlich etwas zur Ruhe kommen und mal meine Gedanken sortieren können. So richtig bei mir angekommen ist die ganze Geschichte nämlich noch nicht.

Danke an Euch

Donnerstag, 11 Oktober 2007

Ach, Ihr Lieben,

ich muss mich jetzt einfach mal bedanken. Was mir hier an Zuspruch, Trost und Telefonnummern entgegengekommen ist, das ist Wahnsinn *ohnmacht*

Ich will versuchen, Euch allen zu schreiben, aber das kann seine Zeit dauern.

Ich fühle mich im Moment so sehr getragen, von Euch und von guten Freunden. Auch meine Familie hilft mir und seine Eltern haben super reagiert - ich bin nicht alleine. Das weiß ich und das spüre ich.

Ich drück Euch ganz dolle und werde mich sicher noch einige Zeit hier rumtreiben (so schnell werde Ihr mich nicht los *g* ).

Liebe Grüße, Annette

Endgültig aus

Dienstag, 9 Oktober 2007

Sonntag morgen bekam ich endlich eine SMS - nachdem ich 7 Tage fast vergangen bin vor lauter Angst. Er schrieb, dass er mir in der Nacht einen Brief in den Hausbriefkasten gesteckt hätte. Darin schrieb er - auf 18 Seiten - dass er mich verlässt, da er in mir seinen besten Freund geheiratet habe und er seit Anfang letzten Jahres (nach meiner Fehlgeburt) eine sexuelle Beziehung zu einer anderen Frau unterhält. Er will mich nicht mehr sehen und eine Paartherapie will er auch nicht machen.

Es gab viele Seltsamkeiten in diesem Brief - für uns alle nicht verständlich. Weder sein (und auch mein) bester Freund versteht, was er da schreibt, noch seine Eltern oder andere Freunde.

Aber zum Glück werde ich von allen aufgefangen, wobei allerdings der richtige Schock noch auf sich warten lässt. Erst einmal herrscht Erleichterung vor und ich merke, wie die Last der letzten Jahre von meinen Schultern fällt. Ich habe sehr wohl gemerkt, dass was nicht stimmt und hatte immer wieder das Gefühl, ich habe keine Kraft mehr. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ich mich UND ihn durchgezogen habe.

Komischerweise ist seit Sonntag der Kloß im Hals weg, der mich schon so lange Monate geplagt hat. Auch meine Haut juckt nicht mehr - sehr angenehm.

Im Laufe der letzten beiden Tage sind enorm viele Puzzlestückchen an ihren Platz gerutscht. Zum Beispiel, dass unser Telefon seit unserem Urlaub nicht mehr richtig ging. Hinaustelefonieren konnte man, aber angerufen werden, das ging nicht mehr. Nachdem ich (wie immer) einige Zeit gewartet hatte, dass er das erledigt, habe ich mich selber schlau gemacht und wollte ein neues Telefonkabel besorgen. Kann ja sein, dass das alte eine klein Macke hat. Ist auf alle Fälle die billigere Variante, als gleich einen Techniker kommen zu lassen. Und das habe ich ihm vorletztes Wochenende erzählt! Das gekaufte Kabel konnt ich übrigens zurück bringen, ich musste nur in dem ISDN-Kasten den Telefonstecker wieder auf den richtigen Platz setzen - man kann mich also wieder erreichen.

Ach ja: Sagte ich schon, dass es sich bei der anderen Frau um meine Zahnärztin handelt? Die, die mir vor unserem Urlaub noch den Zahn repariert hat? Vermutlich hat sie ihn sich mal geschnappt und gesagt: “Schätzelein, ich will Deine Frau nicht noch einmal auf meinem Behandlungsstuhl haben.” Tja, und dann ist in diesen Wochen die Sache eskaliert.

Mann, mann, mann, dieses wilde Sammelsurium an chaotischen Gedanken, Gefühlen, Halbwahrheiten und Lügen in diesem Brief. Er schmeißt da alles zusammen. Auch das, was nicht zusammen gehört. Sein Alkoholproblem, sein Sexproblem, Probleme mit der Arbeit … Ich vermute mal, dass da irgendwo ein Körnchen Wahrheit drin steckt aber es ist kaum zu entdecken.

Auf alle Fälle habe ich jetzt die Möglichkeit, wieder selbst aktiv zu werden und nicht mein ganzes Leben auf ihn abzustellen. Das tut gut.

Heute Nachmittag werde ich zuallererst zu meiner Frauenärztin gehen und einen Aids-Test machen lassen - irgendwie passt halt in meinen Augen exzessives Vögeln mit jemand anderem nicht mit Kondomen zusammen. Und die Vermieter werden das Schloss an der Wohnungstüre austauschen. Sicher kann er von seinen Sachen abholen, was er will. Aber ich lasse ihn nie wieder in meine Privatsphäre eindringen - er hat mich zu sehr seelisch (und ich hoffe nicht auch körperlich) verletzt. Außerdem ist mein Vertrauen logischerweise gleich null und ich habe keine Ahnung, wie er jetzt tickt.

Ruhe vor dem Sturm?

Freitag, 5 Oktober 2007

Ich bin zur Zeit ganz ruhig. Das ist vielleicht die Ruhe vor dem Sturm. Aufstehen, Kaffee trinken, zur Arbeit fahren, arbeiten, Heimweg, einkaufen, etwas essen, … grübeln, irgendwann ins Bett gehen. Und am nächsten Tag das gleiche.

Ich überlege die ganze Zeit, ob ich morgen arbeiten gehen soll. Müsste ich zwar nicht, weil ich diese Woche schon Montag arbeiten war, aber so ein paar Überstunden und dann natürlich die Ablenkung bzw. der Zwang, sich zusammenzureißen, das ist schon sehr verlockend.

Für nächsten Montag habe ich einen Termin bei einer Psychologin ergattert und das war gar nicht so einfach. Aber ihre Stimme klang mir - als sie mich zurück rief - sympathisch. Hoffentlich verstehen wir uns und sie kann mir helfen. Ich merke ja schon, dass irgend etwas falsch ist - fühle nur noch Watte um mich herum.

Ob ich wegfahre oder nicht - ich weiß es immer noch nicht. Kann mich einfach nicht entscheiden.

Ich merke gerade, dass ich nur von mir spreche. Aber mehr geht auch nicht, ich höre ja nichts von ihm. Und alle Überlegungen was sein könnte, laufen ins Leere. Ich habe mir schon alle möglichen Horrorszenarien überlegt - schlimmer geht’s nicht. Aber damit komme ich nicht weiter, es fehlt einfach sein Teil, das was er mit sich herumträgt. Das, womit er kämpft.

Am schlimmsten sind die Anrufe von Freunden oder Bekannten, die irgendwas wissen wollen, eine Frage haben oder ob wir am Wochenende schon was vorhaben. Meine Eltern rufe ich fast jeden Abend an. Einfach um zu verhindern, dass sie mich anrufen und mich in einem Scheißmoment erwischen. Ich will ihnen nichts erzählen. Mein Vater ist schon sehr alt und gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe und wenn es einer seiner Töchter schlecht geht, verfällt er ins Grübeln - besonders jetzt im Herbst. Und meine Mutter war gerade für ein paar Tage in Rom - etwas, das sie sich schon ein Leben lang gewünscht hat und es war wohl eine wunderbare Reise. Sie sagt: Das Schönste, was sie je in ihrem Leben erlebt hat - das will ich ihr nicht verderben. Außerdem wohnen sie zu weit weg, um einfach mal bei mir vorbei kommen zu können.

Hier sehe ich es ganz deutlich: Über meine Eltern kann ich schreiben, sie sprechen ja auch mit mir.

Über meinen Mann kann ich auch viel schreiben aber eben nicht, was ihn aktuell bewegt. Er hat nicht mehr mit mir gesprochen und das tut weh.