Paracetamol: Vergiftungsgefahr durch niedrigere Dosen als angenommen
Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Essen deckte auf, dass Paracetamol eine der häufigsten Ursache für ein akutes, unter Umständen tödlich endendes Leberversagen ist. Die betroffenen Patienten (in dieser Studie Erwachsene) hatten das Medikament entweder versehentlich oder aber in Selbstmordabsicht überdosiert. Einige von ihnen hatten nur 4 Gramm innerhalb 24 Stunden eingenommen, was der Tageshöchstdosis für Erwachsene entspricht, die in der Packungsbeilage genannt wird. Früher ging man davon aus, dass erst Mengen ab 7,5 bis 10 Gramm zu einer Vergiftung führen. Der Gesetzgeber hat bereits reagiert und ab April 2009 werden Packungen, die mehr als 10 Gramm Paracetamol enthalten, verschreibungspflichtig werden.
Bei Kindern liegt die Tageshöchstdosis natürlich niedriger. Für Säuglinge wird eine Gefahr ab Dosen über 0,5 Gramm angenommen, ab dem Kleinkindalter liegt die tödliche Dosis bei etwa 2 Gramm.
Wenn Sie Ihrem Kind bei fieberhaften Erkrankungen oder bei Schmerzen gelegentlich ein Zäpfchen Paracetamol geben, besteht noch keine Gefahr! Wichtig ist, dass Sie
- das Medikament keinesfalls höher dosieren, als in der Packungsbeilage angegeben ist,
- die empfohlenen Abstände von mindestens 6 Stunden zwischen den einzelnen Gaben nicht unterschreiten und
- das Mittel nicht länger als drei Tage ohne ärztlichen Rat geben.
Paracetamol braucht etwa eine Stunde, bis es wirkt (Wirkmaximum nach 3 Stunden). Der häufigste Grund für eine Paracetamol-Vergiftung bei Kindern ist elterliche Ungeduld! Denn werden mehrere Portionen zu kurz hintereinander gegeben, ist die Überdosis schnell erreicht.
Achtung: Wenn Sie stillen, sollten Sie möglichst keine Paracetamol-haltigen Präparate einnehmen (bei zwingender Notwendigkeit nur nach Rücksprache mit dem Arzt!), denn der Wirkstoff geht auch in die Muttermilch über!
Aufgrund der erhöhten Vergiftungsgefahr sehen manche Experten Paracetamol inzwischen sehr kritisch, so der Arzt und Pharmakologe Professor Kay Brune (Universität Erlangen). Seiner Meinung nach hat Paracetamol als Schmerzmittel ausgedient. Andere Ärzte oder Apotheker empfehlen es weiterhin – auch für Kinder – , so lange die Höchstdosis beachtet wird.
Die Alternative: Ibuprofen
Grundsätzlich gilt: Fieber erhöht die Schlagkraft der körpereigenen Abwehr und muss nicht sofort gesenkt werden. Bei Temperaturen über 39 °Grad ist es jedoch oft angebracht. Versuchen Sie als erstes Wadenwickel, die belasten Ihr Kind am wenigsten. Reicht das jedoch nicht aus, können Sie als Alternative Ibuprofen geben.
Dieser Wirkstoff ist für Kinder ab drei Monaten zugelassen und steht rezeptfrei als Fieberzäpfchen oder -saft zur Verfügung (z. B. Nurofen® Junior Fiebersaft oder Nurofen® Junior Zäpfchen 60 mg oder 125 mg). Ibuprofen gilt als sicher und zuverlässig und hat den Vorteil, schneller und länger zu wirken. Nach einer Studie britischer Wissenschaftler, die Paracetamol und Ibuprofen an 156 Kindern zwischen sechs Monaten und sechs Jahren getestet hatten, waren die kleinen Patienten unter Ibuprofen 2 Stunden (pro 24 Stunden) länger fieberfrei als unter Paracetamol.
Ibuprofen kann als Nebenwirkung den Magen angreifen und bei längerfristiger Gabe zu Blutungen der Magenschleimhaut führen. Deshalb sollte auch dieses Fiebermittel so niedrig wie möglich dosiert und so selten wie möglich angewendet werden. Tödliche Vergiftungsfälle gibt es damit jedoch nicht, denn dazu müsste tausendfach überdosiert werden!
(Quelle: Newsletter von elternwissen.com)
Ein Kommentar zu “Paracetamol: Vergiftungsgefahr durch niedrigere Dosen als angenommen”
Hinterlassen Sie einen Kommentar
Vielen Dank! Sehr interessant!!! Und vor allem Hilfreich!
LG
Tina