So richtig habe ich mich noch nicht mit diesem Tagebuch angefreundet. Aber das wird schon noch. Ich weiß noch nicht richtig, wie ich was einrichten kann und wo ich schreiben muß, damit das auch erscheint, wo ich es haben will. Ja, ich weiß, da gibt es sowas wie “Hilfe” oder auch “Anleitung” genannt. Aber ehrlich, wer will schon Zeit damit vertrödeln, die zu lesen, einfach drauf los schreiben ist doch viel besser!
Wow, es klappt, also weiter.
Seit gestern weiß ich, daß ich nicht krank bin. Zur Info: Ich dachte bis gestern, unter Brustkrebs zu leiden. Alle Anhaltspunkte haben dafür gesprochen (Ultraschallbild, tastbarer Knoten, Ärzte die einem keine weiteren Optionen geben). Gestern dann die erlösende Nachricht, daß ich gesund bin. Ich habe noch nie eine so schöne Nachricht bekommen. Die letze Woche kann ich als die furchtbarste meines Lebens bezeichnen.
In der letzten Woche hat sich viel verändert. Ich bin ein Mensch, der sich immer mit anderen verglichen hat. Freundin A hat einen tollen Job und verdient viel Geld. Freundin B ist intellektueller als ich. Freundin C hat beides und macht dazu noch eine Zusatzausbildung. Freundin D hat ein Baby und ein Haus. Daß Freundin C ihre Mutter sehr früh verloren hat, Freundin A einen total bescheuerten Freund hat der keine Kinder will und Freundin B lange Zeit unter Depressionen gelitten hat, habe ich verdrängt (nur Freundin D, die hat wirklich alles…
Nein, alle haben es besser als ich, alle sind besser als ich. Ich habe keinen tollen Job und viel Geld (aber immerhin einen Job!), bin nicht intellektuell sondern schaue mir gern Soaps im Fernsehen an und ich habe kein Baby. Man, geht es mir schlecht. So habe ich bisher immer gedacht. Seit ich weiß, daß das Leben an einem seidenen Faden hängen kann (eigentlich weiß das ja jeder, aber es zu verinnerlichen ist noch mal eine andere Sache) hat sich etwas verändert, und ich hoffe einfach, daß das so bleibt.
Ich weiß endlich zu schätzen, was ich habe, und das ist nicht wenig. Ich bin dankbar dafür daß meine Mutter lebt und für mich da ist. Dafür, daß ich einen Mann habe der zu mir steht, daß ich lebe und ein Dach über dem Kopf habe. Ich bin dankbar für all die Kleinigkeiten, die das Leben an schönen Dingen parat hält und die ich bisher schon beschert bekommen habe. Ich bin dankbar dafür, daß mein Vater mir gezeigt hat, wie schön es ist auf dem Gipfel eines Berges zu stehen und die absolute Stille zu geniessen.
Das heißt nicht, daß ich nie wieder traurig sein werde, das wird bestimmt auch noch vorkommen. Aber ich habe das erste Mal das Gefühl, mich ehrlich auch über das Glück eines anderen freuen zu können. Und ich selbst freue mich darüber, jeden Tag wach zu werden und gesund zu sein.
Soviel für heute.
Gibt´s hier auch Smileys? Huhu, wo steckt Ihr?
Hi Kira,
was für eine Erleichterung! Du Arme, da durch zu müssen. Habt ihr schon angemessen gefeiert, dass alles gut ist?
Meine beste Freundin hatte diesen Verdacht vor drei Jahren und die Zeit bis zur Biopsie und bis zur erlösenden Nachricht war äußerst quälend.
Viele liebe Grüße,
January
Hi Kira,
ich habe noch etwas vergessen. Ich habe auch keine Lust, die Hilfe zu lesen. Ich öffne mir für die Smilies immer einen zweiten Tab mit dem Forum, klicke bei einem x-beliebigen Beitrag auf antworten, klicke die Smilies an und kopiere sie ins Tagebuch. Es geht bestimmt auch einfacher, aber bis jetzt funktioniert es so ganz gut. (Hinterher gehe ich im Forum einfach auf zurück.)
Liebe Grüße, January