Essen mit Freunden

Geschrieben am Samstag 22 November 2008 von Carolyn

Gestern abend waren wir bei Freunden zum Essen eingeladen. Eigentlich nur Bekannte, mit denen wir im Sommer mal ausgemacht hatten, dass wir zusammen essen wollen, weil wir gemeinsam einen Fresskorb gewonnen hatten. Gestern abend haben wir es dann endlich geschafft, mal alle zusammen zu kommen. 3 Paare unter einen Hut zu bekommen ist gar nicht so einfach.

Wir hatten unseren Babysitter engagiert, der auch pünktlich kam, mein Mann kam auch so rechtzeitig nach Hause, dass wir - oh Wunder - Punkt acht vor der Tür der Gastgeber standen. Die Antipasti standen schon auf dem Tisch und das erste Glas Prosecco hatten wir schnell in der Hand. Da das dritte Paar noch nicht da war, wurde aus einem auch gleich 2 Glas Prosecco. Und dann fingen wir mit dem Rotwein an. Die erste Flasche war bei 12% - ein gesitteter Tafelwein. Die Antipasti waren prima, 2 Gläser Rotwein später waren auch die anderen eingetroffen. Die zweite Flasche Rotwein hatte dann schon 13 %. Es folgten herrliche Nudeln, das Glas war irgendwie immer voll. Nach den Nudeln kam das Dessert, eine feine Panna Cotta. Und was trinkt man zum Dessert? Natürlich ein Likörchen. Zur Disposition stand ein (von mir selbstgemachter, als Gastgeschenk mitgebrachter) Lemoncello, ein Ramazotti und ein aus dem Ausland importierter Selbstgebrannter. Wir vermuten, dass das Kloster, wo er hergestellt wird, nur von Mönchen mit weißen Stöcken und gelben Armbinden bewohnt ist, da alle nach Genuß des eigenen Gebrannten spontan erblindet sind.

Die nächste Flasche Rotwein - war das die dritte oder die vierte? - lag bei 14,5 Prozent und kam aus Chile. Hervorragend. Leider etwas später, so richtig schätzen konnten wir ihn nicht mehr. Aber geknallt hat er trotzdem, keine Frage. Gegen 1.00 h hingen dann doch die Damen etwas in den Seilen. In Anbetracht der Großwetterlage machten wir uns also auf den Heimweg. Leichter Schneefall, Frost und böige Winde sorgten dafür, dass wir ein dem Alkoholspiegel angepaßtes Tempo fuhren. Babysitter bezahlen, raus aus den Klamotten, rein ins Bett.

Das Erwachen heute morgen meinerseits war mehr als übel. Ich frage mich, wo der Fehler lag? War es die Zusammenstellung, das Essen, die Mischung oder schlicht die Menge? Mir ging es hundeelend. Erste Diagnose: Kein Training mehr. Früher, in meiner wilden Jugend, war sowas kein Thema. Aber Saufen und nur 4 h Schlaf geht irgendwann nicht mehr so gut. Bei mir. Mein Mann war fit. Aber der trainiert auch öfter. Mich warf ein heftiger Migräneanfall verursacht durch Alkoholmißbrauch nieder. Die Migräne war gekoppelt mit den üblichen unerfreulichen Begleiterscheinungen wie Durchfall, Erbrechen und Kreislaufniederbruch. Ich wanderte nur von Toilette zu Toilette, bis ich schlußendlich auf der Couch nochmal einschlief. Nach 3 h Schlaf sah die Welt dann besser aus. Und wieder einmal schwöre ich mir unter heftigem Sodbrennen: Nie wieder Alkohol! Bis zum nächsten Essen mit Freunden. Das beste wird sein, dass ich das nächste Mal wieder den Chauffeur mache - dann darf ich nichts trinken.

Der Größte

Geschrieben am Montag 20 Oktober 2008 von Carolyn

Es ist zwar schon eine Weile her, aber es war so schön, dass ich es einfach niederschreiben muss.

Wir sind im Urlaub in Italien, es ist später Nachmittag, wir sitzen am Pool auf der Liege, Noah und ich. Noah ist nackt, weil er gerade im Wasser war und inspiziert sich.

N: “Mama, was ist das?”
I: “Das ist dein Hodensack.”
N: “Da sind Kügelchen drin.”
I: “Ja, das stimmt. Das sind die Hoden.”
N: “Das sind zwei.”
I: “Ja richtig.
N: “Hat der Mann da hinten auch so was?”
I: “Ja, der Mann hat auch so was.”
N: “Hat der Papa auch so was?”
I: “Ja, der Papa hat auch so was.”
N: “Aber der Papa, der hat doch bestimmt fünf davon.”
I: “Nein, der Papa hat auch nur zwei.”
N (denkt nach): “Aber die sind größer als meine.”
I: “Ja, die sind größer.”
N: “Werden meine auch mal so groß wie die vom Papa?”
I: “Ja, ich denke schon.”
N: “Wann?”
I: “Wenn die Mia Busen bekommt.”

Die Frau neben uns ist fast gestorben vor unterdrücktem Lachen.

Spielplatz

Geschrieben am Samstag 11 Oktober 2008 von Carolyn

Wenn ich mich auf eins wirklich freue, ist es die Zeit, wo ich mit den Kindern nicht mehr auf den Spielplatz muss. Seit 7 Jahren treibe ich mich jetzt auf Spielplätzen herum und ich befürchte, ein paar Jahre habe ich noch vor mir. Ja, wir haben einen Garten, aber der ist klein. Und wenn da 3 Kinder spielen wollen, womöglich auch noch Fußball, dann wird es einfach zu eng. Alternativ gibt es nur den Spielplatz, zumal sie da auch Freunde treffen.

Leider trifft man auf einem Spielplatz nicht nur Freunde und Bekannte. So ein Spielplatz ist ja ein öffentlicher Raum und viele andere Mütter nutzen ihn auch. Im Moment habe ich den Eindruck, ein sei eine neue Generation von Müttern mit torkelnden Ein- und schreienden Zweijährigen auf den Spielplatz unserer Wahl eingefallen. Was diese Mütter von mir unterscheidet, ist eindeutig. Während ich mich auf eine Bank setze, dort als feste Anlaufstelle für meine Kinder sitze, die Essensvorräte verwalte und verteile und mich ansonsten der Lektüre einer netten Zeitschrift oder eines Buches widme, sitzen oder stehen diese Mütter die ganze Zeit neben ihren Kindern. Sie bewachen die Kinder und das mitgebrachte Spielzeug mit Argusaugen, damit auch ja nichts und niemand es wagt, sich an der wertvollen Nachkommenschaft oder deren Eigentum zu vergreifen. Sie sitzen gemeinsam mit ihren Kindern im Sandkasten, sie laufen neben ihnen über den Spielplatz und sie behüten sie auf Schritt und Tritt.

In ihren Augen bin ich eine unverantwortliche Rabenmutter, die auf ihre Kinder nicht aufpaßt und sie wild wüten lässt. Ein Einfall der Hunnen oder die Invasion in der Normandie ist nichts gegen das Erscheinen meiner Kinder auf dem Spielplatz. Denn diese Kinder tun genau das, was man von Kindern in ihrem Alter erwartet: Sie spielen, sie schreien, sie werfen mit Sand, sie jagen sich gegenseitig, sie nehmen in Besitz, sie sind lebhaft und bewegungsfreudig. Der Große spielt Fußball mit allem, was er hat. Klar, da fliegt auch schon mal ein Ball von der Fußballwiese auf den Spielbereich. Die protektiven Jungmütter sehen darin natürlich sofort einen Anschlag auf Wohl und Leben ihres Nachwuchses. Der Ball hätte das Kind ja treffen können. Ungezogener Rabauke. Den muss man doch gleich beschimpfen.

Die Kleinen haben das Spielhäuschen erobert und spielen dort “Vater-Mutter-Kind”. Das Spielhäuschen steht auf Stelzen, da die kleine Rutschbahn daran befestigt ist. Das Spielhäuschen muss natürlich erst mit Laub gefegt werden. Der Sand fliegt weit, denn gefegt wird mit Elan und Begeisterung. Leider trifft er dabei das ziellos umherschweifende Kleinkind. Wieder folgen wilde Beschimpfungen: “Du böses Kind, siehst du nicht, dass da ein kleines Kind läuft?” Da das böse Kind sich nicht angesprochen fühlt und sich auch keiner Schuld bewusst ist, kommt man zu mir. “Ist das ihr Kind?” Kurzer Kontrollblick: “Ja.” “IHR Kind wirft mit Sand.” Wenn sie gesagt hätte, es hätte eine Atombombe gezündet, wäre der Ton genauso aufgebracht gewesen. “Ach ja?” “Es bewirft die anderen Kinder.” Ich würde ihr gerne sagen, dass mich das nicht die Bohne interessiert. Es steht ihr ja frei, ihre Brut aus der Reichweite des Sandes zu befördern. Aber nein, hier geht es ums Prinzip. “Dein Kind hat mein Kind was auch immer”. Ich habe keine Lust, mich auf diese Diskussionen einzulassen. Leider ist es mir nicht möglich, 3 Kinder ständig und ununterbrochen im Auge zu behalten. Für dieses Kunststück bräuchte ich nämlich 3 Augen, die wie bei einem Chamäleon unabhängig voneinander beweglich sind. Und so lange keins meiner Kinder schreit, sehe ich keinen Handlungsbedarf. Ich sage zu den Kleinen, sie sollten doch bitte etwas weniger heftig kehren. Da unten wäre ein kleines Kind. Für die aufgebrachte Jungmutter viel zu lasch. Angesichts des schweren Vergehens wären in ihren Augen strengere Sanktionen angebracht gewesen. Ich vertiefe mich wieder in meinen Lesestoff.

Als ich kurze Zeit später den Blick hebe, sehe ich, dass mehrere Mütter sich zusammengerottet haben und der lebhaften Gestik, die abwechselnd in Richtung meiner Kinder und mir schwenkt, entnehme ich, dass sie sich gerade über mich auslassen. Wahrscheinlich werde ich demnächst in einer konzertierten Aktion des Spielplatzes verwiesen. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich sowieso schon entseelt von der Bank gesunken oder meine fein gemahlenen Fragmente würden jetzt auch ihre Kinder bestäuben. Aber das Glück ist mir hold. Andere Mütter nahen mit Kindern im Alter meiner Kinder. Großes Hallo. Nun ist diese Altersgruppe in der Überzahl. Die Jungmütter ziehen sich zurück. Sie merken, dass sie nun keine Chance mehr haben.

Packstation

Geschrieben am Donnerstag 18 September 2008 von Carolyn

Habt ihr auch schon dieses innovative Teil der Deutsche Post AG, das sich Packstation nennt, bei euch am Ort? Damit soll ja Personal gespart werden, es soll die Abholung einfacher machen, da es Tag und Nacht zur Verfügung steht. Heute hatte ich eine Begegnung der besonderen Art mit diesem Gerät.

Normalerweise hat es immer prima geklappt mit der Abholung. Unser Paketbote der Post kommt ja grundsätzlich immer zu Zeiten, wo ich nicht zuhause bin. Merkwürdigerweise habe ich aber auch dann eine Benachrichtigung um Briefkasten, wenn ich zuhause war. Aber das ist ein anderes Thema und es liegt bestimmt auch nur daran, dass ich die Klingel nicht höre. Man nimmt also seinen grünen Zettel, dackelt zur Packstation, tippt, scannt, unterschreibt und erhält - oh Wunder - sein Paket. Meistens.

Mein lieber Mann hatte Leo ja im Urlaub ein neues Fussballtrikot versprochen. Da es uns nicht gelungen ist, ein Torwart-Trikot (bevorzugt Buffon) in Italien in seiner Größe zu erwerben, konnten wir ihn mit einiger Mühe dazu überreden, sich doch für ein Torwart-Trikot von Rensing (Bayern München) zu erwärmen. Mit seinem Namen drauf. Und passender Hose. Diese Bestellung wird natürlich sehnlichst erwartet. Am Dienstag war die Benachrichtigung in der Mail, dass das Paket unterwegs ist. Am Mittwoch war dann der besagte grüne Zettel im Briefkasten. Ich mußte versprechen, sofort zur Post zu fahren. Am Abend, als ich dort das erste Mal vorstellig wurde, war da leider kein Paket. Na ja, wahrscheinlich hat der Paketbote es nicht mehr geschafft, den Automaten zu bestücken. Komme ich halt morgen früh wieder.

Heute morgen steuere ich wohlgemut die Packstation an. “In dieser Packstation ist kein Paket für Sie hinterlegt.” Kann ja wohl nicht sein. Ich prüfe den Zettel: Es ist kein alter, der ist tatsächlich von gestern. Ich gehe zur Post rein. Der Schalterbeamte ist freundlich, aber nicht zuständig. Er weist mich darauf hin, dass man an der Packstation direkt mit der Hotline telefonieren kann, wenn was nicht klappt. Ich stapfe wieder hinaus. “In dieser Packstation ist kein Paket für Sie hinterlegt.” Ah ja, da oben ist Button. Es klingelt. Jemand meldet sich. Ich erkläre mein Anliegen. “Wie bitte? Ich kann Sie nicht verstehen.” Tja, wo ist denn hier der Lautsprecher. Ah, da ist er ja. Etwa in Brusthöhe befindet sich das kleine Gitter. Damit die Dame auf der anderen Seite einen versteht, ist allerdings eine leicht gebückte Haltung notwendig.

Man stelle sich dieses Bild vor: Auf dem Bürgersteig an der Straße steht eine Frau in gebückter Haltung und spricht mit einer Packstation. Ich kam mir sehr blöd vor. Vor allem, als die Dame mich fragte, ob ich auch alles richtig gemacht hätte. Klar, ich bin doch nicht doof. Ich habe die drei Punkte: Ich kann lesen, schreiben und telefonieren. Sie bittet mich, noch mal meinen Zettel einzuscannen. Mache ich doch gerne. Habe ich ja bisher erst 5 mal gemacht. “An dieser Packstation ist kein Paket für Sie hinterlegt.” Sie erklärt mir, dann läge wohl ein Defekt bei der Station vor. Sie bräuchte jetzt meine Telefon-Nummer, man würde mich anrufen, wenn das Paket in der Packstation verfügbar sei. Klasse. Ein Paket, drei mal zur Packstation fahren und wann es da ist, ist ungewiss. Ob die Dame mal meinem Sohn erklärt, dass die Post zu blöd ist, ein Paket zuzustellen?

Zwölfter Urlaubstag und so weiter

Geschrieben am Montag 15 September 2008 von Carolyn

Je mehr der Urlaub fortschreitet, umso weniger Lust habe ich, noch was zu schreiben. Nicht, weil es nichts zu schreiben gibt. Sondern weil ich irgendwie von der Angst verfolgt werde, dass es dadurch schneller zu Ende geht.
Heute ist Freitag und unser definitiv letzter Tag hier. Die anderen Tage kann ich in Stichworten kurz zusammen fassen.
- Nach Civitavecchia gefahren in ein Einkaufszentrum. Viele tolle Sachen eingekauft, die es hier ganz einfach gibt und bei uns teurer sind oder in so nicht zu haben.
- Leo Fußballhandschuhe gekauft. Das von ihm gewünschten Buffon-Trikot gab es nicht.
- Mit Leo zusammen einen Ausritt gemacht. Er zeigt Talent und Begeisterung fürs Reiten
- Mia macht einen einfachen Salto ins Wasser und taucht schon ohne Schwimmflügel, macht Schwimmbewegungen
- Unser Tischgrill funktioniert und wir sind froh, dass wir ihn mitgenommen haben, denn wir haben wirklich 2 mal gegrillt
- Leo bekommt immer mehr Interesse an Italienisch und fragt gezielt nach Phrasen und Worten
- Noah ist tief in der intensivsten „Warum-Phase“
- Mia ist eine Gesellschaftslöwin und umgibt sich gerne mit älteren Mädchen, von denen sie sich hemmungslos umsorgen läßt
- Im Nachbar-Bungalow wohnt eine italienische Familie mit 4 Kindern, die total leise und ruhig ist – auch die gibt es.
- In der Bar ist die Schokosauce ausgegangen, wodurch der Espressino eigentlich besser schmeckt. Natürlich kaufen sie keine mehr, denn nächste Woche ist hier alles dicht
- Abendessen gehen mit 4jährigen, die keinen Mittagsschlaf gemacht haben, ist sehr anstrengend, ermüdend und in keinster Weise ein Genuss

Laut Wetterbericht im Internet nähert sich vom Atlantik her ein Riesentief und ab Sonntag werden hier die Temperaturen drastisch sinken. Also ist unsere Abreise zeitlich gut getimt, auch wenn es mich in keinster Weise in das –ebenfalls laut Wetterbericht – kalte und herbstliche München zurück zieht. Da sollen jetzt 14° sein. Wenn ich daran denke, stört mich die Tatsache, dass es hier bei 33° leider bedeckt und sehr feucht ist, überhaupt nicht. Immerhin konnten wir heute noch den ganzen Tag am Pool liegen und die Kinder haben das noch mal richtig ausgenutzt und den ganzen Tag gebadet und geplantscht. Das wird ihnen fehlen. Morgen wollen wir noch nach Rom fahren, um Leo seinen Traum vom Trikot zu erfüllen und damit ich mir auch noch was mitbringen kann. Und dann wird es Richtung Heimat gehen. Am Montag geht es für meinen lieben Mann und die Zwillinge wieder los und am Dienstag für Leo. Dann wird es wahrscheinlich für alle einen harten Aufschlag geben, nachdem wir hier keinen Tag vor 9.00 h und oft erst gegen 10.00 h oder gar 11.00 h aufgestanden sind. Aber auch der schönste Urlaub ist mal vorbei. Leider.

Elfter Urlaubstag - ich fahre nie in Italien mit meinem Auto

Geschrieben am Mittwoch 10 September 2008 von Carolyn

Montag und heute hat definitiv die zweite Woche angefangen. Wir müssen einkaufen und während wir uns durch Montalto arbeiten, wundere ich mich mal wieder über das Verkehrsgewusel, das hier in Italien eigentlich überall herrscht und bei dem doch so viel weniger zu passieren scheint als bei uns.
Meiner Meinung liegt es vor allem daran, dass die Leute viel gelassener sind. Da wird mal eben angehalten, mit Bekannten gequatscht, ein kurzer Plausch gemacht. Und dahinter wird deshalb nicht gleich gehupt, vor allem zeigt nicht sofort der Hintermann einen Vogel oder gar einen Stinkefinger, was scheinbar in Deutschland seit Kurzem zum guten Ton zu gehören scheint. Bei uns wird sofort höchst erregt das eigene Auto verlassen, weil jemand vor einem zweimal rangieren muss, um in einen Parkplatz zu fahren. Dazu kommen übelste Beschimpfungen. Das geht dann los vom Anzweifeln des Geisteszustands bis hin zu wüsten Beschimpfungen unter der Gürtellinie – und das alles nur, weil man eben mal 24,7 Sekunden warten musste.
Aber so regellos, wie es uns auf den ersten Blick erscheint, ist es gar nicht auf italienischen Straßen. Erstens hat man auch dort eine Straßenverkehrsordnung, an die man sich landestypisch mehr oder weniger hält. Aber keine Frage: Man fährt anders. Nach einem anderem System. Das geht mehr oder weniger so: Der italienische Fahrer orientiert sich nach vorne. Vorne spielt die Musik, vorne lauert die Gefahr. Vorfahrt hat der, wer weiter vorne ist. Zwar nicht bei jeder Geschwindigkeit, aber Innerorts sehr sehr oft. Auch beim Einbiegen oder Einordnen: Wessen Stoßstange weiter vorne ist, hat Vorfahrt. Je weiter südlich, desto mehr werden Ampeln zu einem guten Ratschlag. Zweitens, da sich alle an diese Regel hatten, gibt es kein Kräftemessen oder Aufrücken, damit keiner dazwischen kommt. Dadurch entsteht schon mal viel weniger Gerangel. Die Lichthupe, die manchmal verwendet wird, hat nicht so sehr den beleidigenden oder belehrenden Charakter wie bei uns, sondern soll den anderen Fahrer unterstützen, keine groben Fehler zu machen.
An Fahrbahnmarkierungen halten sich wenige. Man ordnet sich da ein, wo man die besten Chancen sieht, möglichst schnell und flüssig weiter zu kommen. Da kann es vorkommen, dass sich auf einer dreispurigen Straße (laut Fahrbahnmarkierungen) an einer Ampel plötzlich 4 oder gar 5 Spuren bilden. Platz und Raum sind rar und sollten ganz sorgfältig ausgenutzt werden.
Doch auch Italien ist ein Land des Fortschritts, man will modern sein und die EU tut ihr Übriges. Die Strafen sind drastisch, wenn man erwischt wird. Viel höher als bei uns.

Spruch des Tages: Immer langsam nach vorne rollen und berechenbar bleiben, dann muss einer anhalten. Nur keine abrupten Bewegungen, sonst wird`s gefährlich. (Mein Mann, beim Einbiegen in eine stark befahrene Straße wo keiner uns reinlassen wollte)

Zehnter Urlaubstag – Genuss trotz Pünktlichkeit

Geschrieben am Montag 8 September 2008 von Carolyn

Leo hat einen Gleichgesinnten gefunden. Ein Junge aus Nürnberg, 1 Jahr älter als er. Die beiden sind nicht mehr zu trennen. Sie bauen stundenlang gemeinsam Sandburgen, streunen auf dem Gelände herum, kaufen sich gegenseitig Eis, spielen Fußball, ärgern den Bademeister, machen den Pool unsicher und verhalten sich ganz allgemein so, wie man es von Jungen diesen Alters erwartet. Einfach Klasse.
Und ich - ich mache mal was für mich alleine. Ich gehe reiten. Ich kann es kaum erwarten und so bin ich schon 10 Minuten vor der verabredeten Zeit dort. Aber wir sind ja nicht in D, sondern in I. Dort gilt – was ich vergaß - eine verabredete Zeit nur als ungefährer Richtwert. Statt um 18.00 h geht der Ritt um 18.30 h los, was aber eigentlich niemanden wirklich stört. Wir sind eine kleine Gruppe von 4 Leuten inklusive dem Besitzer und da eine der Mitreiterinnen leider ein Neuling ist, reiten wir Schritt.
Reiten ist für mich reine Entspannung. Allein die Bewegung des Pferdes unter mir bringt mich in einen geradezu meditativen Zustand, ich merke, wie viel Anspannung von mir abfällt. Mein Pferd ist ruhig, zuverlässig und nicht schreckhaft, also kann ich mir ganz ruhig die Landschaft ansehen, meine Gedanken schweifen lassen, die Gerüche, Geräusche und Lichteffekte der Landschaft auf mich wirken lassen. La vita é bella. Eine geruhsame Stunde lang reiten wir auf Feldwegen, zwischen Feengras und wildem Fenchel. Wie sehr ich das vermisst habe. Wir sehr ich es genieße. Ich würde gerne wieder regelmäßig reiten.

Ach so Pünktlichkeit: In Italien gilt, wer pünktlich kommt, ist unhöflich, da er die anderen nötigt, pünktlich zu sein. Dies gilt je weiter südlich man kommt. In Mailand aber nicht so ganz, und in Südtirol sind sie ganz sauer, wenn man zu spät kommt. Deshalb fühle ich mich in Süditalien so wohl, da es dort auf eine halbe oder ganze Stunde mehr oder weniger nicht ankommt. Das Leben geht auch so weiter. Und wir, das heißt meine Familie, wir sind leider nicht in der Lage pünktlich zu kommen. Ich könnte ja sagen, bei drei Kindern, da muss wenn alle angezogen sind, immer mal einer auf Klo. Und wenn dieser dann fertig ist, kommt noch einem zweiten die gleiche Idee – und wir unpünktlich. Abner welche Entschuldigung haben meine Schwiegereltern? Die kommen auch nie pünktlich. Wahrscheinlich war das Internet heute wieder mal zu langsam und die Ahnenforschung konnte für den Tag nicht abgeschlossen werden.
Spruch des Tages: Ich bin fertig, wir können gehen (mein Mann nach dem Duschen, noch das Handtuch umgewickelt, während alle anderen schon angezogen auf ihn warten)

Neunter Urlaubstag - die Invasion

Geschrieben am Montag 8 September 2008 von Carolyn

Samstag – Neuankömmlinge. Wir sitzen noch beim Frühstück und haben von hier aus besten Blick auf die neu ankommenden Urlauber. Der wilde Süden wird erobert. Oder es ist eine neue Völkerwanderung in Gang gekommen. Es fallen in Massen ein: ca. 10 holländische Wohnmobile und ca. 10 holländische Wohnwagen. Ein Treck! Holland erobert unbekanntes Land, wie damals die Siedler den wilden Westen. Es ist ein langer Konvoi. Große Wohnmobile, mit allem Komfort ausgerüstet oder dicke Wägen mit noch dickeren, zweiachsigen Wohnwägen hintendran wälzen sich nach und nach hier herein. Am Steuer sitzen ausgemergelte holländische Rentner, neben sich ausgemergelte, teilweise aber auch aus dem Leim gegangene nordische Mumien, wahrscheinlich dadurch für Jahrhunderte haltbar gemacht.
Wie die Zugvögel verlassen sie ihre holländische Heimat und folgen dem Lauf der Sonne, gen Süden, um die kalte Jahreszeit in sonnigen Gefilden zu verbringen. Und um den Status ihres Dörrzustands aufrecht zu erhalten. Die Gruppe bietet Sicherheit vor den Anfeindungen einer fremden Umwelt, die nur deshalb erstrebenswert und gut ist, weil sie bessere Klimaverhältnisse bietet als das eigene Land. So war es schon immer, wenn fremde Völker neuen Lebensraum erobern wollten. Nur waren es früher die Jungen, die Kräftigen, die Fruchtbaren, die in ferne Lande zogen, um hier eine neue Heimat zu finden. Heute sind die Alten diejenigen mit der Zahlungskraft, diejenigen, die genug Zeit und Geld haben, ihr Leben da zu verbringen, wo sie nicht durch Gicht und Rheuma gequält werden wie in ihrem eigenen, ständig von Überflutung gefährdeten Land.

Im Supermarkt auf dem Campingplatz wird eine lange Liste mit Namen abgegeben und die Semmeln, pardon panini, für das morgige Frühstück prenotiert, pardon, vorbestellt. Man sieht, der NL-Rentner ist neben PC mit Drucker auch durch eine große Gemeinschafts-Satellitenantenne technologisch hoch gerüstet.
Sie werden nur wenige Tage hier verbringen. Sich ausruhen oder sonst was tun. Tatsächlich, nach nur einem Tag treibt es sie weiter hinab in den Süden, wo die Sonne noch wärmer als unsere 33 Grad scheint und die Winde wohl milder wehen. Gemeinsam werden sie in ihren Luxus-Wohnmobilen und –wohnwägen sitzen und sich über die armen Daheimgebliebenen amüsieren, die im kalten, stürmischen Holland sitzen, wo heute bereits der eiskalte Wind über den Deich bläst und die frieren müssen.
Spruch des Tages: Sind Holländer auch normale Menschen? (mein Sohn Leo)

Achter Urlaubstag - Camping oder Hotel

Geschrieben am Samstag 6 September 2008 von Carolyn

Wir sind schon eine Woche im Urlaub. Positiv ausgedrückt: Es bleibt uns noch eine Woche, bis wir zurück müssen. Ist das überhaupt positiv zu sehen? Mein lieber Mann schaut sich jeden Tag das Wetter im Internet an und so, wie die Voraussage für Deutschland ist, will ich so bald nicht mehr zurück. Auf jeden Fall nicht, wenn es da regnet oder kalt ist.
Obwohl – auch hier hat heute das schlechte Wetter seine Ausläufer hergesandt. Es ist windig. So windig, dass man nicht am Meer liegen kann. Nicht das die hohen Wellen stören würden – nein, es ist tatsächlich der Wind, der den Sand glatt streicht und vor sich her weht. Der Strand sieht aus wie glattgefegt, so eben scheint er zu sein. Aber alles ist voll Sand, der Wind treibt ihn in alle Ritzen und obwohl wir uns einen Windschutz bauen, mir leider auch in die Augen. Wie sich das in Verbindung mit harten Kontaktlinsen anfühlt, kann sich nur vorstellen, wer selbst welche trägt.
Also kein Meer, sondern nur Pool. Keine Wahl zu haben ist nicht gut. Während ich also am Pool liege, sinne ich wieder einmal über die Dinge des Lebens nach. Camping. Wo liegt der Reiz beim Camping? Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass man als Camper geboren sein muss. Es ist eine Einstellung, die man hat oder nicht hat. So, wie es Roller und Nichtroller gibt, Schmecker und Nichtschmecker, Duscher und Bader, so gibt es auch Camper und Nichtcamper. Wenn ich meine Position bestimmen sollte: Ich bin Nichtroller, Nichtbader und Nichtcamper. Mir erschließt sich nicht die Romantik eines Urlaubs innerhalb von Zeltwänden. Wenn vielleicht noch wirkliche Freiheit damit verbunden wäre, also etwa freier Blick aufs Meer, auf Berge. Aber die Realität ist meist wie folgt: Du sitzt auf der schönen Seite, also unter deinem Vordach oder vor deinem Camper und schaust im besten Fall auf die dreckige Rückseite deines Nachbarn. In 3 Meter Abstand. Schlimmer als auf der Terrasse deines Reihenmittelhauses zu Hause, wo die Nachbarn die Anzahl der Wespen auf deiner nachmitttäglichen Erdbeertorte ohne Fernglas zählen können. Toller Urlaub, so vier Wochen zu verbringen.
Nun, es gibt Nomaden, die darauf stehen, die schönste Zeit des Jahres ohne Komfort zu verbringen. Es muss wohl sexuell inspirierend sein, gemeinsam mit anderen zu duschen, sein Geschirr nach Benutzung zu einer Spülstation zu bringen und es dort zu spülen.
Oder muss wohl zu das Höchste der Gefühle sein, die Chemietoilette gemeinsam mit anderen selbst ausleeren zu müssen?

Fehlt mir etwa das Gefühl der Freiheit, das sich bei anderen wohl einstellen muss, wenn sie sich auf kleinstem Raum zusammenquetschen, dort wo man jede Regung, jeden Pups, quasi jeden Stoß des lustvollen Zusammenseins hört – und genauso gehört wird? Oder ist es so faszinierend, von früh bis spät in hässlicher Badehose, farbenfrohen Hawaii-Kombinationen und Schlappen herumzulaufen, sich ungeschminkt, unfrisiert zu bewegen, sich ungestraft gehen zu lassen?
Kostet da so ein Wohnmobil über € 100.000. Wie oft kann ich für den Preis dieses Wohnmobils in einem 4 oder 5-Sterne Hotel Urlaub machen – überall auf der Welt, mit allem Komfort, Bedienung, Service, dem besten Essen? Denn auch diese teuren Wohnmobile reinigen sich doch nicht selbst, ich muss sie vorher einräumen mit allem, was ich brauche, ich muss doch kochen, waschen, putzen.
Sagen wir mal, 14 Tage Hotelurlaub kosten 2.500 Euro und ein Wohnmobil 100.000. Dafür kann ich 40 Mal Urlaub machen. Und die Unterhaltskosten, die Stellgebühr für den Winter, Reparaturen etc. sind nicht mal eingerechnet.
Ein Hotelzimmer beziehe ich sauber, es wird jeden Tag gereinigt, das Bad wird geputzt, das Zimmer wird aufgeräumt. Wenn ich zum Essen gehe, sehe ich gut gekleidete Menschen, die sich fürs Ausgehen chic gemacht haben, ich habe selbst einen Anlass, mich gut zu kleiden, das Essen wird mir frisch gekocht serviert und nachher wird alles wieder abgeräumt. Je mehr ich darüber nachdenke, umso klarer wird mir: Ich bin definitiv kein Camper. Und ich bin froh, dass mein lieber Mann auch nicht darauf besteht.
Wir haben bisher nur einmal hier am Platz gegessen. Und das war schon einmal zu viel. Ich will wenigstens am Abend keine Sandalenschlurfer um mich haben, deshalb fahren wir mit den Kindern zum Essen in die umliegenden Ortschaften. Dort gibt sehr nette Ristoranti, Trattorie, Locande, in denen wir ganz ohne Touris die Köstlichkeiten, die dieses Land zu bieten hat, für wenig Geld genießen.
Spruch des Tages: Es ist mir egal, wie die Soße heißt, Hauptsache, es ist genug Parmesan drauf (mein Sohn Leo)

Siebter Urlaubstag

Geschrieben am Freitag 5 September 2008 von Carolyn

Mich fasziniert an diesem Teil des Landes, dass wir uns im alten Etruskerland befinden. Ich finde es unglaublich, dass hier schon eine Hochkultur herrschte, als unsere Vorfahren, die sogenannten „alten Germanen“ buchstäblich noch in ihren Sümpfen oder auf den Bäumen hockten. Die Kultur der Etrusker war schon Jahrhunderte alt, bevor die Römer kamen, die vielen von uns ja als Inbegriff von Herrschaft und Stadtkultur im Kopf herumschwirren. Mich fasziniert diese Kultur schon lange, spätestens seit ich von Mika Waltari „Turms der Unsterbliche“ gelesen und in Roselle ein WC mit fließendem Wasser gesehen habe – ein Kulturgut, das bei uns erst nach dem 2. Weltkrieg langsam eingeführt wurde.
Ist es nicht unglaublich, dass die Städte, die von diesem Volk gegründet wurden, immer noch existieren. Vulci, Tarquinia, Tusculum, Volterra – alle diese Orte gibt es noch. Dazu kommen die Gräberfelder mit den unglaublichen Wandmalereien und ausgegrabene Städte wie Roselle, deren immense Stadtmauern heute noch stehen und bei denen man sich nach wie vor nicht erklären kann, mit welchen Hilfsmitteln diese gewaltigen Quader überhaupt bewegt wurden. Vieles, was die Römer als Kulturvolk auszeichnete, basierte auf den Erfindungen und Vorgaben der Etrusker. Wenn man hier durch die Städte geht, kann man heute noch Gesichter erkennen, die einem von den Grabmalereien in Tarquinia bekannt vorkommen. Die gleichen Mandelaugen, die gleichen Gesichtsschnitte. Scheinbar italienisch, aber doch irgendwie anders.
Genauso faszinierend finde ich allerdings das Netz der alten Straßen, das noch auf den Straßen der Römer basiert. Was bei uns so schlichte Namen wie B2 oder B66 hat, ist hier die Via Appia, Via Aurelia, Via Tusculana, Via Nomentana, Via Cassia. Zwar wichen die alten Pflastersteine inzwischen modernem Asphalt. Auch laufen die alten Straßen oft nur noch kurvenreich und unter alten Pinien neben den neuen, modernen Straßen – aber die Namen sind geblieben. So rollen heute die Eroberer aus den Alpenländern und dahinter auf den gleichen Straßen, wie es früher die römischen Heere – gerne auch in die entgegengesetzte Richtung – zu tun pflegten. Und jeder Meter scheint durchtränkt von Kultur und Geschichte. Nur auf der Via Appia Antica in Rom ist alles noch im alten Zustand. Hier hat man das Gefühl, als würde man im nächsten Moment von einem heranstürmenden Wagen, der von zwei Pferden gezogen wird, zur Seite gedrängt, so wie man es aus Kostümfilmen wie Ben Hur kennt.
Faszinierend auch das einzigartige Straßenschild mit den fallenden Pinienzapfen: Attenzione! Rame caduti! - Vor herabfallenden Zapfen wird gewarnt!
Spruch des Tages: Wasch deinen Hintern im Bidet, das spart Klopapier (mein Mann)