Tiefgründig
Der Schmetterling
Ein Mann entdeckte im Gebüsch seines Gartens eine Schmetterlingspuppe. Jeden Tag kam er nun erwartungsvoll zu der Stelle, um zu sehen ob sich etwas verändert hätte. Tatsächlich erwischte er eines Tages genau den Moment, als der Schmetterling anfing, das enge Gefängnis um sich herum abzustreifen. Mühsam begann er seinen Körper aus der engen Hülle heraus zu zwängen.Der Mann bekam Mitleid mit dem kleinen Insekt, das offenbar große Mühe hatte, den Rest des Kokons abzustreifen und wollte ihm deshalb gerne helfen. Er holte eine kleine Schere, schnitt die Hülle auf, und flugs krabbelte der Schmetterling endgültig in seine neue Freiheit. Fasziniert und stolz auf seine gute Tat wartete der Mann nun, was passieren würde. Doch das Tierchen krabbelte nur langsam und schwerfällig herum, die schlaffen Flügel festgeklebt am viel zu dicken Körper.
Am nächsten Tag fand er es tot am Boden liegen. Was er in seiner gut gemeinten Ungeduld nicht beachtet hatte, war dass diese schrecklich anzusehende Plage des Schmetterlings, sich aus der engen Hülle zu befreien, ein notwendiger Schritt war, um aus dem zu dicken Körper Blut in die Flügel zu pumpen, so dass das Tier fähig sein würde, damit zu fliegen.
Anstrengung ist manchmal genau das was wir brauchen. Wenn Gott uns erlauben würde, ohne jedes Hindernis durchs Leben zu gehen, würden wir nie so stark werden, wie wir es eigentlich sein könnten.
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Arme Leute
Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf einer Farm einer sehr armen Familie.Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater seinen Sohn: Wie war dieser Ausflug? Sehr interessant! antwortete der Sohn. Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?
Oh ja, Vater, das habe ich gesehen.
Was hast du also gelernt? fragte der Vater.
Und der Sohn antwortete: Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Lampen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont.
Der Vater war sprachlos.
Und der Sohn fügte noch hinzu: Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.
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Der SorgensackÂ
Eines Tages wurde einer Frau ihr Sorgensack zu schwer, sie schien fast darunter zu zerbrechen.
Sie wusste nicht mehr, wie sie es schaffen sollte, ihn weiter zu tragen. Irgendwann hatte sie von einer Stelle tief im Wald gehört, an der es eine verschlossene Höhle gab, in der man unter bestimmten Voraussetzungen seinen Sorgensack loswerden konnte.
Heimlich machte sie sich auf den Weg. Nach nicht allzu langer Zeit fand sie den Ort. Vor der Höhle saß ein alter Mann, der sie freundlich willkommen hieß. Ich möchte hier bei dir meinen Sorgensack loswerden, bat sie ihn. Er schaute sie eindringlich an: Das möchten viele, und das können sie hier auch tun. Aber es gibt eine Bedingung: In diesem Raum stehen viele Sorgensäcke und du kannst deinen nur loswerden, wenn du ihn gegen einen anderen umtauscht.Â
Die Frau willigte ein, und der Alte führte sie in ein riesiges Gewölbe. Erleichtert stellte sie ihren Sorgensack ab. Dann versuchte sie, ihn gegen einen passenden einzutauschen. Eilig rannte sie von Sack zu Sack und schaute hinein. Enttäuscht band sie jeden schnell wieder zu. Nach langem Suchen schlich sie zu ihrem Sack zurück, packte ihn wieder auf die Schultern und verließ nachdenklich den Raum. Ihr Sorgensack schien ihr plötzlich so leicht, dass sie ihn gar nicht mehr auf ihren Schultern spürte und sie ging leichtfüßig und guten Mutes davon.
Und jedem, den sein Sorgensack fast zu erdrücken schien, erzählte sie von ihrem Erlebnis.
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Die vier Kerzen
Vier Kerzen brannten. Es war ganz still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.
Die erste Kerze seufzte und sagte: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht.“ Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.
Die zweite Kerze flackerte und sagte: „Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne.“ Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.
Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selber und nicht die anderen, die sie lieben sollten.“ Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht. Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: „Aber ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!“ Und es fing an zu weinen.
Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: „Hab keine Angst! So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden, denn ich heiße Hoffnung.“ Mit einem Streichholz nahm das Kind das Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.
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Die Weisheit des Universums
Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dafür wären. Also entschieden die Götter, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie solange nicht finden würden, bis sie reif genug sein würden.
Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg der Erde zu verstecken. Aber schnell erkannten die Götter, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit dort nicht sicher genug versteckt wäre. Ein anderer schlug vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu verstecken. Aber auch dort sahen die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.
Dann äußerte der weiseste aller Götter seinen Vorschlag: Ich weiß, was zu tun ist. Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird dort erst dann danach suchen, wenn er reif genug ist, denn er muss dazu den Weg in sein Inneres gehen.
Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.
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Eine kleine Geschichte für liebe Menschen
Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen. Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere Engel:Â
„Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen.“Â
In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten,mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut schliefen.Â
Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld.Â
Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können? „Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm“, meinte er anklagend. „Die zweite Familie hatte wenig und du ließest die Kuh sterben“.Â
„Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen“, sagte der ältere Engel.Â
„Als wir im Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glücklichesSchicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er es nicht finden konnte. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen.Â
Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen.“Â
Manchmal ist es genau das, was passiert, wenn die Dinge sich nicht als das entpuppen, was sie sollten. Wenn du Vertrauen hast, musst du dich nur darauf verlassen, dass jedes Ergebnis zu deinem Vorteil ist. Du magst es nicht bemerken, bevor ein bisschen Zeit vergangen ist…Â
Manche Menschen kommen in unser Leben und gehen schnell… Manche Menschen werden Freunde und bleiben ein bisschen… wunderschöne Fußabdrücke auf unseren Herzen hinterlassend… und wir sind ziemlich ähnlich, weil wir eine Freundschaft geschlossen haben!Â
Gestern ist Geschichte. Das Morgen ein Mysterium. Das Heute ist ein Geschenk. Darum heißt es auch Präsent. Ich denke, das ist etwas Besonderes… Lebe und genieße jeden Moment…Â
Dies ist keine Generalprobe!
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Spuren im Sand
Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorüber gezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn: Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?
Da antwortete er: Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.