Wo ist mein Kind?
Heute war die Karte von meinem Patenkind im Briefkasten. Diese Dinger mit Foto, die man halt verschickt, wenn man ein Baby bekommt. Fraglich, ob ich auch mal für so etwas Briefmarken kleben darf… Ich bin sonst relativ schmerzfrei, was mein Patenkind angeht. Immer gefasst und der Kleine ist ja auch einfach so süß, dass Wehmut gar nicht erst aufkommt. Aber dieser Text auf der Karte ruft gerade meine tiefsten existentiellen Ängste hervor.
Dich zu malen fehlen die Farben, Dich zu beschreiben fehlt das Wort. Uns fehlt die Sprache Dir zu sagen, was Du uns bist und so weiter und so fort. Und je mehr wir das begreifen, desto größer wird der Drang Dir zu erklären, dass wir bezweifeln, dass wir Dich je entbehren können. Es auszusprechen fehlt der Leichtsinn, Dich zu zeichnen fehlt der Stift. Uns fehlt der Geist um zu begreifen, wie wundervoll Du bist. Und je mehr wir das verstehen, desto mehr wollen wir mitteilen, das Du das Beste bist im Leben. Bevor Du kamst waren wir allein. Dich zu besingen fehlen die Töne, es aufzuschreiben fehlt das Blatt. Wie es ist das unbeschreiblich Schöne festzuhalten das wir haben. Und je mehr wir an Dich denken, desto deutlicher wird klar, dass seitdem wir Dich kennen, nichts mehr ist, wie es mal war.
Ich fühle mich so betrogen vom Schicksal. Ich möchte auch die wichtigste und intimste Erfahrung des Lebens machen. Das Wissen, das ich eines Tages ein Kind haben werde, hat mich mein Leben lang begleitet. Wenn eins klar war, dann das ich mal ein Kind haben möchte. Wieso wird mir das einzigste genommen, das ich mir wirklich vom Leben wünsche?
Ich liebe mein Kind bereits tief und innig. Es ist nur nicht bei mir… und ich glaube, das ist das Schlimmste. Ich fühle, dass mein Kind stirbt. Jeden Tag ein Stückchen mehr.
Montag, 23 Oktober 2006 um 4:03 nachmittags
Liebe ina,
lass Dich einfach feste in den Arm nehmen, das Leben ist einfach nur doof und ungerecht!!
Montag, 23 Oktober 2006 um 4:37 nachmittags
Ich fühle mit dir. Genau das gleiche habe ich auch schon in mein Tagebuch geschrieben und es tut unendlich weh: Alles, was man je wollte, war ein Kind, immer wieder hat man es sich vorgestellt und wenn dann auch noch so eine Karte kommt.
Klar tut der Spruch weh, aber man muss auch sagen: Wir haben auch viel ohne ein Kind. Wir sind tolle Frauen und haben trotz unseres Schicksals immer wieder Stärke und können auf uns stolz sein.
Bitte gib nicht auf. Du bist eine tolle Frau!!
Montag, 23 Oktober 2006 um 10:02 nachmittags
achja.. seufz…
ja das stimmt ich fühle mich auch so oft vom Schicksal betrogen..
ja ich finde das stände uns auch zu.. warum nur dürfen wir es nicht haben??
das werde ich nie verstehen..
liebe Grüße helga