10.01.08
geschrieben in Geschichten ,Gedichte... um 8:54 nachmittags von gumpy
Ein lehrreiches Märchen für Erwachsene
Dies ist die Geschichte von einem alten Mann und einem kleinen Jungen, die vor vielen Jahren lebten. Der alte Mann hieß Sartebus und der Junge Kim. Kim war ein Waisenkind und lebte ganz für sich allein. Er zog von Dorf zu Dorf, auf der Suche nach Essen und einem Dach über dem Kopf. Doch es gab noch etwas, nach dem er suchte, etwas, das viel wichtiger war als ein voller Bauch und ein bequemes, trockenes Nachtlager - Kim suchte nach einer Einsicht. “Warum”, fragte er sich, “sind wir ein Leben lang auf der Suche nach etwas, das wir nicht finden können? Warum muss alles so schwer sein? Machen wir es uns selbst schwer, oder soll es einfach so sein, dass wir uns so plagen?”
Das waren weise Gedanken für einen Jungen in Kims Alter. Doch gerade weil er so dachte, traf er auf seinem Weg eines Tages einen alten Mann, der den gleichen Weg ging, und der, so hoffte Kim, ihm vielleicht die eine Antwort geben konnte.
Der alte Mann trug auf seinem Rücken einen großen, zugedeckten, geflochtenen Korb, der sehr schwer zu sein schien, besonders für einen solch alten und müden Mann. Eines Tages machten sie Rast an einem Bach, der neben dem Weg entlangfloss. Der alte Mann stellte erschöpft seinen Korb auf den Boden. Kim hatte den Eindruck, als trage der Mann alle seine irdischen Güter in diesem einen Korb mit sich herum. Er schien so schwer zu sein, dass selbst ein viel jüngerer und stärkerer Mann ihn wahrscheinlich nicht sehr lange hätte tragen können. “Weshalb ist denn dein Korb so schwer?” fragte Kim Sartebus. “Ich würde ihn gerne für dich tragen. Schließlich bin ich jung und stark, und du bist müde.” “Nein, den kannst du nicht für mich tragen”, antwortete der alte Mann. “Den muss ich ganz alleine tragen.” Dann fügte er hinzu: “Eines Tages wirst du deine eigenen Wege gehen und einen Korb tragen, der genauso schwer ist wie dieser hier.”
Viele Tage und Wege gingen Kim und der alte Mann viele Meilen zusammen. Und obwohl Kim dem alten Sartebus viele Fragen darüber, warum Menschen sich so plagen müssen, stellte, bekam er keine Antworten. So sehr er sich auch bemühte, er konnte nicht herausfinden, was für ein schwerer Schatz sich wohl in dem Korb befand, den der alte Mann mit sich führte
Spät in der Nacht, am Ende ihrer langen Tagesreise lag Kim manchmal still da und tat so, als schliefe er. Er lauschte dem alten Mann, der im flackernden Licht des kleinen Feuers in seinem Korb kramte und leise mit sich selbst redete. Doch am nächsten Morgen sagte er, wie immer, kein Wort.
Erst als Sartebus nicht mehr weitergehen konnte und sich ein letztes Mal zur Ruhe legte, erzählte er dem jungen Kim sein Geheimnis. Während der letzten gemeinsamen Stunden gab er Kim nicht nur die Antwort darauf, was es mit dem Korb auf sich hatte, sondern auch, warum die Menschen sich so plagen.
“In diesem Korb”, sagte Sartebus, “sind all die Dinge, die ich von mir selbst glaubte und die nicht stimmten. Es sind die Steine, die meine Reise erschwerten. Auf meinem Rücken habe ich die Last jedes Kieselsteines des Zweifels, jedes Sandkorns der Unsicherheit und jedes Mühlsteines des Irrweges getragen, die ich im Laufe meines Lebens gesammelt habe. Ohne sie hätte ich so viel weiter gehen können. Ich hätte die Träume verwirklichen können, die ich mir so oft ausgemalt habe. Aber mit Ihnen bin ich hier am Ende meiner Reise angelangt”.
Ohne die geflochtenen Kordeln zu öffnen, mit denen der Korb an ihm festgebunden war, schloss der alte Mann die Augen und schlief ruhig zum letzten Mal ein.
Bevor Kim in jener Nacht selbst schlafen ging, löste er jede der Kordeln, die den Korb an den alten Mann banden und stellte den Korb vorsichtig auf den Boden. Danach löste er genauso vorsichtig die Lederriemen, die den geflochtenen Deckel festgehalten hatten, und öffnete den Korb. Vielleicht, weil er nach einer Antwort auf seine Frage gesucht hatte, war er überhaupt nicht erstaunt darüber, was er in dem Korb vorfand. Der Korb, der den alten Sartebus so lange niedergedrückt hatte, war leer.
04.12.07
geschrieben in Alltag, Geschichten ,Gedichte... um 5:46 nachmittags von gumpy
Wer ihn noch nicht kennt,bitte unbedingt mal reinschauen
Die liebe Helga hat sich wieder soooo viel Mühe damit gemacht
Ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle
http://wunschkinder.net/tagebuch/wuki10106/2007/12/03/adventskalender-2/
09.06.07
geschrieben in Geschichten ,Gedichte... um 12:16 nachmittags von gumpy
Wie der Regenbogen entstand
Vor langer Zeit begannen die Farben dieser Welt zu streiten. Jede behauptete von sich, sie sei die Beste, die Wichtigste, die Nützlichste oder die Beliebteste.
GRÜN sagte: “Natürlich bin ich die Wichtigste. Ich bin das Symbol für Leben und Hoffnung. Ich wurde auserwählt für alle Pflanzen, für das Gras, die Bäume und die Blätter. Ohne mich würde alles sterben. Schaut euch nur in der Landschaft um und ihr werdet erkennen, das ich recht habe.”
BLAU unterbrach: “Du denkst nur an die Erde, aber betrachte doch den Himmel und das Meer. Es ist das Wasser, das die Basis für alles Leben darstellt und aus den Tiefen des Meeres in die Wolken steigt. Der Himmel gibt, in seiner Unendlichkeit, Raum für Frieden. Ohne Frieden wäret ihr sehr viel ärmer.”
Da erhob sich PURPUR zu ihrer vollen Größe und sprach: “Ich bin die Farbe der Macht. Fürsten, Könige, Häuptlinge und Bischöfe haben meine Farbe gewählt, weil ich das Symbol für Autorität und Weisheit bin. Niemand zweifelt an mir, man hört zu und gehorcht.”
GELB lachte in sich hinein: “Ihr seid alle so ernst. Ich bringe Lachen, Fröhlichkeit und Wärme in die Welt. Die Sonne ist gelb, der Mond ist gelb, die Sterne sind gelb und eine Sonnenblume bringt die Welt zum Lächeln. Ohne mich gäbe es keine Freude.”
Als nächste begann ORANGE ihr Lob zu singen: “Ich bin die Farbe der Gesundheit und der Erneuerung. Ich mag rar sein, aber kostbar, denn ich diene den Bedürfnissen menschlichen Lebens. Ich überbringe die wichtigsten Vitamine, denkt nur an all die Früchte dieser Welt. Ich bin nicht ständig da und überall, aber wenn ich den Himmel zum Sonnenauf- und Sonnenuntergang einfärbe, ist meine Schönheit so eindrucksvoll, dass niemand einen Gedanken an euch verschwenden wird.”
Schließlich sprach INDIGO, viel leiser, als all die anderen, aber bestimmt: “Denkt an mich. Ich bin die Farbe der Stille. Ihr nehmt mich kaum wahr, aber ohne mich würdet ihr alle oberflächlich sein. Ich repräsentiere Gedanken, Ideen und Betrachtungen, auch Zwischentöne. Ihr braucht mich für das Gleichgewicht und den Kontrast im Leben. Für den Glauben, die stillen Momente und den inneren Frieden.”
ROT konnte sich nicht länger zurückhalten und rief: “Ich bin der Herrscher über alles. Ich bin das Blut und das Leben. Ich bin die Farbe der Gefahr und der Tapferkeit. Ich bin das Feuer. Aber ich bin auch die Farbe der Leidenschaft und der Liebe, der Rose und der Mohnblume. Ohne mich wäre die Erde so trist, wie der Mond.”
Und so fuhren die Farben fort zu prahlen, jede von ihrer eigenen Erhabenheit überzeugt. Ihr Streit wurde immer lauter. Plötzlich war da ein heller Blitz und grollender Donner. Regen prasselte schonungslos auf sie nieder. Die Farben drückten sich voller Furcht aneinander, um sich zu schützen.
Der REGEN wandte sich nun an die still gewordenen Farben und sah dabei jede einzelne an: “Ihr dummen Farben streitet untereinander und versucht den anderen zu übertrumpfen. Wisst ihr nicht, dass jede von euch für einen ganz bestimmten Zweck geschaffen wurde? Jede Farbe ist einzigartig auf dieser Welt und etwas ganz besonderes. Reicht euch die Hände und kommt zu mir.”
Sie taten, wie ihnen geheißen. Sie kamen zusammen und reichten sich die Hände. Der Regen fuhr fort: “Von nun an, wenn es regnet, erstreckt sich jede von euch in einem Bogen über den Himmel, um daran zu erinnern, dass ihr alle in Frieden miteinander leben könnt. Der Regenbogen ist ein Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung.”
Freundschaft ist wie ein Regenbogen - Rot wie ein Apfel und süß bis ins Innerste. Orange, wie eine brennende Flamme, die niemals verlöscht. Gelb, wie die Sonne, die deinen Tag erhellt. Grün, wie eine Pflanze, die nicht aufhört zu wachsen. Blau, wie das Wasser, das so rein ist. Purpur, wie eine Blume, die erblüht und Indigo, wie die Träume, die dein Herz erfüllen. Möget ihr Freundschaften finden, die dem Regenbogen gleichen.
(Quelle: nach Schiralee Cooper)
31.05.07
geschrieben in Geschichten ,Gedichte... um 10:05 vormittags von gumpy
Das Herz
Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt
und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe.
Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt.
Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm recht, es war wirklich das schönste Herz, was sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz
und prahlte lauter über sein schönes Herz.
Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: “Nun, dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines.” Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren.
Aber sie passen nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken. Genauer an einigen Stellen waren tiefe Furchen,
wo ganze Teile fehlten.Die Leute starrten ihn an: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?
Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz,
sah dessen Zustand und lachte: “Du musst scherzen”, sagte er, “Dein Herz mit meinem zu vergleichen.
Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander
aus Narben und Tränen.”"Ja”, sagte der alte Mann, “deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen.
Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt.
Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt,
was wahre Schönheit ist?”
Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen.
Sie umarmten sich und gingen weg,
Seite an Seite.
16.05.07
geschrieben in Geschichten ,Gedichte... um 11:39 vormittags von gumpy
Zeichen auf dem Weg
Ein Mann schickte sein beiden Söhne Tambu und Rafki hinaus, um sich in den Dörfern umzusehen. Sein Auftrag: “Hinterlasst Zeichen auf eurem Weg!” Die beiden Söhne machten sich auf den Weg.
Nach wenigen Schritten schon begann Tambu Zeichen zu machen. Er knüpfte einen Knoten in ein hohes Grasbüschel, dann ging er ein Stück weiter und knickte einen Zweig an einem Busch. Dann knüpfte er wieder einen Knoten ins Grasbüschel. So war der ganze Weg, den er ging, voll Zeichen. Aber er zog sich von allen Menschen zurück und sprach mit niemandem.
Ganz anders verhielt sich sein Bruder Rafiki. Er machte keine Zeichen am Weg. Aber im ersten Dorf setzte er sich zu den Männern im großen Palaverhaus, hörte zu, aß und trank mit ihnen und erzählte aus seinem Leben
Im nächsten Dorf schloss Rafiki Kontakt mit einem Jungen, der ihn in seine Familie mitnahm und in die Dorfgemeinschaft einführte.
Im dritten Dorf bekam Rafiki von einem Mädchen bei sengenden Hitze einen kühlen Trunk angeboten und durfte das Dorffest mitfeiern.
Tambu bekam von alledem nichts mit; er hatte Arbeit mit seinen Grasbüscheln und geknickten Zweigen.
Als die beiden Brüder nach ihrer Heimkehr dem Vater von ihren Erlebnissen erzählten, machte er sich mit ihnen auf den Weg.
Überall wurde Rafiki mit seinem Vater herzlich aufgenommen, Tambu aber kannte kein Mensch.
“Ich verstehe nicht, warum mich keiner kennt”, sagte Tambu “alle sind zu Rafiki freundlich, der nichts anderes als geschaut und unnützes Zeug gesprochen und so die Zeit vertan hat. Kein einziges Grasbüschel hat er geknüpft und wird von allen gekannt und geehrt.
Da sagte sein Vater: “Es gibt noch andere Zeichen als Grasbüschel, mein Kind: Das sind Zeichen, die ein Mensch in den Herzen anderer Menschen hinterlässt, wenn er zu ihnen geht, mit ihnen spricht und ihnen seine Freundschaft zeigt. Solche Zeichen in den Herzen der Menschen bleiben, wenn die Grasbüschel längst von Tieren gefressen oder vom Wind weggetragen sind.”
Da sagte Tambu: “Ich will auch lernen, solche Zeichen auf meinem Weg zu hinterlassen, wie Rafiki.”
afrikanische Erzählung
14.05.07
geschrieben in Geschichten ,Gedichte... um 11:57 vormittags von gumpy
Auf dem Weg zur Geduld
Es war einmal ein ungeduldiger, jähzorniger, aggressiver Junge mit einem schwierigen Charakter. Sein Vater gab ihm einen Sack mit Nägeln und den Rat, jedesmal, wenn er dabei sei die Geduld zu verlieren, oder mit jemandem in Streit zu geraten, doch einen davon in den Gartenzaun zu schlagen.
Am ersten Tag schlug der Junge 37 Nägel in den Gartenzaun. In den folgenden Wochen lernte der Junge sich zu beherrschen, und die Anzahl der Nägel, die er in den Gartenzaun schlagen musste, wurde von Tag zu Tag geringer. Der Junge hatte herausgefunden, dass es einfacher ist, sich zu beherrschen, als Nägel in den Gartenzaun zu schlagen.
Schließlich kam der Tag, an dem er überhaupt keine Nägel mehr in den Zaun schlagen musste. Da ging er zu seinem Vater und erzählte ihm davon, dass er heute Hammer und Nägel noch nicht benutzen musste.
Sein Vater sagte, dass er nun für jeden Tag, an dem es ihm gelungen sei, sein Temperament zu kontrollieren und ruhig zu handeln, einen Nagel wieder aus dem Zaun herausziehen solle.
Viele Tage vergingen bis der Junge endlich seinem Vater sagen konnte, dass nun wieder alle Nägel aus dem Zaun entfernt seien.
Da führte der Vater den Sohn zum Zaun und sprach: “Mein Sohn, du hast diese Aufgabe gut gemeistert, aber sieh, wie viele Löcher du im Zaun hinterlassen hast.”
“Nie wieder wird es so sein wie vorher. Wenn du jemanden im Streit mit bösen Worten verletzt, hinterlässt du Wunden wie diese.
Du kannst das Messer herausziehen, wenn du einem Menschen einen Messerstich zugefügt hast. Aber der Schmerz, die Wunde, die Narbe werden bleiben. Keine Entschuldigung kann die Verletzung je wieder rückgängig machen. Eine Verletzung mit Worten schmerzt genau so wie eine physische. Denke vor allem im Umgang mit deinen Freunden daran. Freunde sind seltene Edelsteine. Sie können ein Lächeln auf dein Gesicht zaubern und dir in vielen Bereichen helfen. Sie sind bereit dir zuzuhören, stehen hinter dir und öffnen dir ihr Herz. Zeige ihnen, wie sehr du sie liebst.”
(Quelle: leicht geändert nach Isabelle Guerry)