The Dark Knight oder das große Thing
Als Tantchen mir vor ein paar Wochen erzählte, dass da so ein Treffen in Hannover sei, so mit allem Zippizappi, da dachte ich zunächst “jo, klar - ein Treffen….super…”. Ich bin ja nicht so der Forenfuzzi, noch nicht einmal ein Blogfuzzi. Letzteres vielleicht eher - wenn man denn berücksichtigt, dass ich mich primär in einem Blog bewege:
In diesem hier!
Dass Tantchen es durchaus ernst meinte, wurde mir dann klar, als sie sich auf Hotelsuche in Hannover begab. Aweia. Ernste Sache das.
Hannover. VW ist in Hannover. VW war mal ein Projekt dass ich beruflich betreuen “durfte”. Ich war oft in Hannover. Nicht immer aus den angenehmensten Gründen. Die Industriemesse ist auch in Hannover. War ich auch schon. Hab mir 12 Stunden täglich die Beine in den Bauch gestanden und verschiedensten Nationalitäten erklärt, was wir können - und sie nicht. Abends habe ich primär Ampeln gesehen die mich daran hindern wollten in mein Bett zu fallen und die qualmenden Füße hochzulegen.
Hannover hat einen Zoo - sehr lobenswert. Und das SeaLife - auch lobenswert. War ich aber noch nie, hatte immer Unangenehmeres zu tun. Nun also ein Treffen.
Habe Tantchen mal machen lassen. Und Tantchen wusste mal wieder sehr genau, wie man dem kleinen T-Punkt eine angenehme Umgebung schafft:
Man nehme ein Hotel mit empfohlen guten Frühstück, dass sinnigerweise neben einem Großraumkino platziert ist und im Keller einen Pizza-Hut hat. Wir wollen ja nicht mit Ansprüchen geizen und schön wäre noch eine flotte Disco direkt gegenüber. Zur innerstädtischen Saufmeile sollte es auch nicht weiter sein als 250 m und am besten noch mit integrierten Läden die ein Provinzei wie mich auf Touren bringen können. Um das Optimum nach oben abzurunden sollte ein Taxistand nebst U-Bahnhaltestelle in Sichtweite sein.
Tante Heinz wäre nicht Tante Heinz wenn sie das nicht mit Links erledigen würde und ich war schwer getörnt! Also üblicher Start. Koffer ins Zimmer geschmissen und erst mal was futtern. Ne Pizza auss’m Pizza-Hut. Was wohl sonst? Nicht das was ich unter Pizza verstehe, aber lecker. Und dann? Gegend checken! Wie kommen wir am besten zur großen Versammlung? U-Bahn? Taxi?
Viel trivialer! Latschen. Zu Fuß. Wie aufregend….
Gleich der erste Laden war der Knaller! Zweitausendeins! Hatte ich früher immer Kataloge von. Da kriegt man Dinge die mal unsäglich hip und teuer waren für’n Appel und nen Ei. Interessanterweise auch Dinge die mal hip gewesen sein müssen - von denen man aber noch nie was gehört hat. Auch für’n Appel und nen Ei. Und nun ein ganzer Laden. Also bin ich schnurstracks zum Schaufenster und gleich auf den ersten Blick 3 CD’s vom Mojoclub. Dancefloor-Jazz. Boah! Schwer selten und wirklich seeeehr coole Mucke! Für 6 € je Scheibe. Im Kopf bereits die Scheiben in meiner Tasche gesehen erblicke ich einen sichtlich genervten Ladenbesitzer der zur Tür schlurft und abschließt! Nein, der kann doch nicht…. Der wird doch nicht…. Doch! Der macht zu und schlurft ausser Sichtweite in die hinterste Ladenecke. Au mann. Gut das “ey Linda” auch just in diesem Augenblick zu machte und Tantchen den schicken blauen Schal ebenso in Erinnerung behalten wird, wie ich die 3 geilen Scheiben.
Also wieder zurück zum Hotel. Was macht das Provinzei mit so einem angebrochenen Abend? Genau! Man geht ins Großraumkino. In jenes dass eigentlich keinen Film bereithält, den man gerade sehen möchte - oder eigentlich nur Filme feilbietet, die ich ganz bestimmt nicht sehen möchte. Aber wenn man schonmal da ist? Also rein in den Palast, Logenkarten gekauft (wenn man schon mal da ist) und rein in den schwarzen Ritter.
Batman! Ein Held meiner Kindheit.
Zugegeben, die ersten 90 Minuten waren richtig nett, aber danach wurd es so unendlich schlecht, dass ich wirklich etwas säuerlich war. Tante dankte mir den Logenplatz mit einem ausgiebigen Nickerchen… Nach diesem fulminanten cineastischen Ereignis wieder zurück zum Hotel. Den besonders gut gelüfteten Aschenbecher an der Bordsteinkante noch einmal in Anspruch genommen und ab in die Falle.
Das Frühstück war wirklich gut. Nur etwas kurz. Denn wir hatten ja noch einen Termin!
Früher - also ganz früher, da haben sich die alten Germanen immer zu einem wichtigen Meeting (neudeutsch) unter einer Eiche versammelt und beraten, wo man die bösen Römer am besten wie vertrümmt. Das nannte man dann Thing (altdeutsch). So ähnlich war das nun auch mit Doc Breitbachs Treffen. Viele Interessierte oder auch einfach nur Leidensgenossen trafen sich zu einer netten Infoveranstaltung um ein bisschen was zu Dingen zu erfahren die zwar alle irgendwie schon kannten, aber irgendwie auch wieder nicht.
Tante und ich hatten den zweiten “Namenschilderverteilungsdienst” und haben Ewus28 nebst Mann vom ersten Dienst abgelöst. Einige Namen waren mir latent bekannt, andere wiederum nicht. Beim grauhaarigen Typen “Team Wunschkinder” musste ich erst mal überlegen.
*grübel grübel*
Ah, Doc Breitbach! Der der so laut auf die virtuelle Trommel eingedroschen hat, dass selbst ich die im fernen Westfalen nicht überhören konnte und mich eingefunden haben! So muss ein Thing sein!!! Nebenbei noch der Typ, der diese fulminante Website ins Leben gerufen hat und an selbigem erhält. Sollte man kennen. Eigentlich. Hab versucht die Contenance zu wahren und bis zur Veröffentlichung dieses Blogs bin ich wahrscheinlich auch ganz gut damit durchgekommen.
Man konnte (und ich habe) dort auch neue Gesichter zu neuen Namen getroffen und kennengelernt und schon allein deshalb hat sich die Reise wirklich gelohnt. (Gruß an nad77 und G-Punkt) ;o) Alles in allem hatte ich aber eher den Eindruck dass der Name Tante Heinz und TPunkt (Nein, ich habe wirklich nichts mit Telefonen zu tun) mehr Leuten bekannt ist als mir bewusst war. Ich kann mich sogar an ein Foto erinnern, dass von uns geknipst wurde…! Ich kann mich aber nicht mehr erinnern wer jetzt genau das Bedürfnis verspürte und bitte deshalb an dieser Stelle, dass dieses Foto nicht den Weg ins Internet findet oder nur dann, wenn wir vorher gefragt werden!!!! (Habe so einen kleinen Spleen und bin ausgesprochen zufrieden, dass mein oder Tante Heinzens Konterfei noch nicht den Weg ins Web gefunden hat. Danke also für diese Diskretion im Voraus)
Die Vorträge waren tatsächlich cool und im Nachhinien wäre ich etwas verärgert, hätte ich mir das entgehen lassen. Dr. Wischmanns Waorte haben mir ebenso zugesagt, wie der Vortrag von Doc Breitbach. Auch Frau Thorn war cool. Alles in allem also ein netter Nachmittag. Und es gab ne Tombola, wo man viele Nette Sachen gewinnen konnte: Kleine Modellautos. Oder Alkohol, oder Rucksäcke, Kugelschreiber, Dildos, Stofftiere, Bücher, Süssigkeiten, Gleitcreme und andere fulminante Dinge. Eine Teetasse mit Deckel zum Beispiel! Rundrum mit Eizellen in surrealen Farben bedruckt! Und einem fetten Deckel, was meinem heißgeliebten Yogi-Tee entgegen kommt. Darauf sieht man einen riesengroße rote Eizelle, die gerade von einem niedlichen, flink und agil ausschauenden Spermium bedrängt wird… Während ich diesen Blog tippe, dampft darin ein arabischer Gewürztee und ich linse ab und an auf das abgebildete Intermezzo vor himmelblauem Hintergrund und bewundere den Erfindungsgeist pharmazeutischer Werbestrategen! Diese Tasse muss einem doch den Tag erhellen!
Hach! Superteil. Wirklich!!
Irgendwo stand geschrieben, dass Getränke durchaus mitgebracht werden dürfen. Also habe ich meinen Festivalsack geschnürt und ne Festivalfüllung reingepackt. Okay, Getränke waren nun nicht das Problem, es gab wirklich reichlich davon. Zumindest so viele, dass mein Festivalsack wirklich deplatziert war. Natürlich, es war ja auch kein Festival, sondern ein großes Thing. Yogi-Tee wäre wohl angebrachter gewesen. Aber wie ich auf den Gedanken kommen konnte, mit einer Flasche Wodka, reichlich Redbull, Jägermeister, Wasabi-Nüssen und Cola dort aufzukreuzen, kann ich wirklich nicht mehr sagen aber ich bin mir sicher, dass G. durchaus nachvollziehen kann, dass genau jene Mischung durchaus einen lustigen Abend bescheren kann.
Nur halt nicht auf einem Thing mit KiWu-Hintergrund.
Also habe ich diesen mordschweren Rucksack nicht nur hin, sondern auch (nur geringfügig leichter) wieder zurück geschleppt. Alle Hannoveraner der Lister Meile wären vermutlich heute meine besten Freunde, hätte ich das Komplettpaket mit samt Bechern vorm “Pavillon” ausgepackt und zum Abschuss freigegeben. So werde ich gemächlich alles selber wegsüppeln und mich bis zum letzten Tropfen an die Schlepperei in Hannover erinnern.
Die nette Party hat dann mit einem gemütlichen Sit-In im hoteleigenen Bistro geendet, es gab nochmal etwas zu futtern, G. hat uns Sekt unterm Tisch kredenzt und irgendwann waren wir so oppe, dass wir langsamen Fußes durch die feierwütigen Hannoveraner zu unserem Hotel gedackelt sind. Das Wochenende in Hannover ist dann heute morgen mit einem opulenten Frühstück zuende gagangen und perfekterweise konnte ich bereits um 12:30Uhr meine Füße auf den eigenen Wohnzimmertisch hieven. Schlußendlich peilen wir nun einen Städtetrip nach Hannover an. Ich will ins Sealife und vielleicht auf der Lister Meile ne Pulle Jägermeister plätten. Und Einkaufen. 3 Cd’s und nen blauen Schal.
Zu Veranstaltung selbst muss ich noch sagen, dass diese wirklich hervorragend organisiert war. Es gab reichlich Platz, eine allgemein heitere und lockere Atmosphäre. Getränke waren ebenso üppig vorhanden wie Snacks, Obst und warmes Essen. Der Ort war wohlgewählt und im Nachhinein muss ich dem Doc auf die Schulterklopfen für diese Veranstaltung.
Respekt. Ganz im Ernst!
Sollte das zu 20ten Jubiläum wiederholt werden, komme ich mit Sicherheit wieder. Allerdings dann mit einem Sack voll Tee!
T.
