Da House

Eigentlich sind wir ja ganz zufrieden. “Eigentlich” unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir noch zu zweit sind. Wir sind vor überschaubaren drei Jahren umgezogen, vom Vermieterzwerg aus N. zum Vermieter aus V. der aber ein Haus in H. hat und weitestgehend normal tickt. Die Wohnung ist vom Schnitt her exakt das was wir uns unter einer Mietwohnung vorgestellt haben: Nicht zu großer Flur, alle Räume gut und großzügig, ein fettes Wohnzimmer, ein riesiger Balkon und – trara – eine schnuckelige schicke Wohnküche. Da passt die ganze Küche rein, sogar mein innig geliebter und eigenhändig restaurierter und riesiger Küchenschrank von Steins Oma Käthe. In der Mitte ein Tisch mit vier Stühlen und 90% dieser Zeit verbringen wir eben in dieser Küche.

Wohnküche halt.

Niemand wohnt über uns – wenn man mal die wenigen Besuche vom Vermieter aus V. in der Ferienwohnung vergisst, unten wohnen C. & K. und wir haben unsere Ruhe. Im ersten Stock. Wir beide wühlen gerne im Dreck und Gartenarbeit ist neben der Restauration von Altmobiliar etwas was sogar ich gern tue. Vom ersten Stock aus aber auch eher doof. Also wenn dort noch mal ausziehen, dann nur in einen Wohnraum der unseren – nun leicht abgehobenen Ansprüchen – genügt. Kinderzimmer/Büro haben wir gerade auch – wenn auch der kleine Bewohner noch nicht am Start ist. Also sollte das neue Etablissement gewisse Dinge bereithalten:

Niemand wohnt über uns (von einer nicht vermieteten FeWo mal abgesehen), niemand unter uns. Wir wohnen parterre. Es gibt einen groooooßen Garten. Eine Garage mit Platz für meinen Restaurationsbedarf. Die Nachbarn (wenn denn vorhanden) sind bestenfalls nicht oder nur selten da. Bitte Ortsrandlage, am besten Zugang zum Wald oder unverbaubare Aussicht. Straße bitte beruhigt. Durchgangsverkehr bitte nicht mal in Sichtweite. Garage trocken. Wir erwarten einen großen Kellerraum und eine Waschküche. Selbstredend eine Wohnküche. 100-125qm Fläche sollte das Anwesen bereithalten. Der Vermieter muss Minimum 50 KM entfernt wohnen und wir wollen dort lange wohnen. Kinderzimmer sollen natürlich ebenso vorhanden sein wie ein Kaminanschluss für die regional übliche Vernichtung von regenerativem Brennstoff in kalten Zeiten. Die Fenster bitte möglichst neu und dicht. Die Räumlichkeit sollte bereits renoviert sein oder soweit renoviert, dass der Aufwand überschaubar bleibt.

Wir haben uns damit abgefunden, dass diese Ansprüche so schnell nicht zu befriedigen sind und haben es uns in der ersten Etage muckelig gemacht…

Jaja, wir sollten bauen oder kaufen. Aber wir haben Geschwister. Teilweise mit Häusern. Oder weit entfernt wohnend. Wir haben Eltern mit Häusern in der Nähe und irgendwann – hoffentlich noch lange hin – stehen zwei größere Bauten frei. Vermietung ist inakzeptabel und irgendwann werden wir wohl eines dieser Häuser beziehen. Bis dahin also Miete. Und abgehobene Ansprüche. Und gerade keine Lust auf einen Umzug.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt….

In unmittelbarer Nähe wird ein Haus frei. Ortsrandlage. Unverbaubare Aussicht auf riesengroße Riesenwiese und Wald. Gigantischer Garten. Waschküche. Riesiger Keller. Gartenpavillon. Große Garage mit elektr. Tor. Dach neu. Fenster neu. Kaminofen ist bereits drin. Kein weiterer Mieter – abgesehen von der FeWo der Vermieterin. Niederländische FeWo als Nachbarhaus rechts, Essener Archtikten FeWo als Nachbarhaus links. Wendehammer davor, kleine Zufahrtsstraße und dahinter verkehrsberuhigt. Hatte ich das kleine Gartenhaus erwähnt? Den Korkboden im Schlafzimmer? Wohnzimmer groß, Terasse groß und windgeschützt. Kinderzimmer. Alles da, alles drin. Und Kosten? Weniger als bisher. FETT!!

Okay. Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Keine Wohnküche sondern eine kleine “Nur Küche Küche”. Bei uns kullern die Tränen. DAS finden wir richtig doof. Wir lieben unsere Küche. Ganz ehrlich. Das Badezimmer ist aus den späten 60ern und kleiner als bisher. Und hat keine eigene Dusche. Das Klo ist behindertengerecht. Hurra. Die ganze Wohnung ist rollstuhltauglich. Hui.

Aber: Wir haben den Daumen drauf und sind als potenzielle Mieter vorgemerkt. Weitere Mietgesuche starten erst dann, wenn unserer letztmöglicher Termin zur Einhaltung unserer aktuellen Kündigungsfrist abläuft. Auch FETT! Tante sucht bereits Gardinen aus. Wenn Sie das tut, ist die Entscheidung bereits gefallen. Ich weiß bereits wo sich das Salatbeet einfinden wird, kann mir vorstellen wie es wird wenn Tante die rügener Malvensaat in die Erde pfeffert und freue mich darauf den Kühen nächstes Jahr meinen abgemähten Rasen direkt in den Schlund zu stopfen. Die beiden Katzen können endlich raus und Mäuse nach Hause schleppen und der längstens geplante Nachwuchs kann sich bis zum Hals verschlammt durch die Blumenbeete wühlen.

Bleibt nur noch der Umzug auf den wir beide soviel Lust haben wie auf nasse Socken. Na gut, wir sind recht gut organisiert, aber immer noch haben wir….habe ich ein paar Leichen im Keller, die wir wieder hin und her zerren müssen. ZB den alten Powermixer von Bell (@Tastentiger: Genau, 12 Kanal mit 600 Watt Röhrenpower!!!), die vier Boxen mit Membranen so groß wie Kinderfahrräder. Wozu braucht TPunkt ne Bühnen-PA? TPunkt braucht keine Bühnen-PA. TPunkt hat aber eine – und dazu noch ne Gute. Immerhin hat TPunkt bereits vor Jahren den Subwoofer verkauft (Membrane ø100cm – mit 1.000Watt Endstufe….original ZECK – der Tiger weiß vermutlich wovon ich rede). Und nicht so ne pillepopp Wattleistung wie ne Stereoanlage….ne ne….das ist Rockbandequipment…. Groß, schwer wie Uschi und nicht wohnzimmertauglich. Immerhin wirkt die erst so in 10-15 Metern Entfernung. Da ist der Sound dann allerdings bombig. Habe die damals 5 Jahre im Wohnzimmer getestet. Die Nachbarhäuser hatten guten Sound…. *räusper*   Ich sollte die vielleicht verticken, denn ich mache keine Musik, habe nicht mehr das Bedürfnis mein Wohnhaus in eine gemauerte Bassreflexbox zu verwandeln, meine nicht mehr jede neue Technoscheibe auf maximale Lautstärke testen zu müssen und beim Gedanken an die Schlepperei kriege ich jetzt schon Rückenschmerzen. Aber irgendwie hänge ich daran.

In der alten “Hütte”, in der die Anlage einst in meinem Wohnzimmer stand, war das Anschalten ein Ritual:

Taschenlampe nehmen und zu Mischpult gehen. Den “ON” Schalter drücken. Dann ein sattes “KLACK”. Dann 3 Sekunden nichts. Dann gab der Mixer den Saft an die Endstufe weiter und…….die Sicherung flog raus. Lampe an, zum FI von 1950 gedackelt und umgelegt. Man musste die Sicherung festhalten, damit sie nicht wieder rausflog. Währenddessen zuckten blaue Blitze durch den Kasten. Wenn der FI drinblieb, Lampe aus und wieder zurück. Im Wohnzimmer bereits ein sonores Brummen und Rauschen. Fällt “on Stage” nicht auf. Zweiter Durchgang, Bassbox einschalten. Mit ein bisschen Glück blieb die Sicherung drin. CD auf, AC/DC rein, Output auf 25% und die Straße konnte kollektiv zu “Thunder” headbangen. Ob die mich deshalb teilweise immer nochnicht grüßen….?

Werde ich heute nicht mehr machen. Bin ja erwachsen. Statt dessen schleppe ich gefühlte zwei Tonnen Beschallungselektronik durch mein Leben weil ich es nicht übers Herz bringe mich davon zu trennen. Und in absehbarer Zeit ist es wieder so weit. Hurra.

Aber vorher fahren wir nach Göttingen. Weihnachtseinkauf? Kann man ein klitzekleines bisschen so sehen. Die dort ansässige ärztliche Fachkraft unseres Vetrauens darf uns zum Thema Kinderwunsch beraten und ein paar nette Vorschläge machen. Nächstes Jahr plane/n ich/wir Nachwuchsproduktion ein. Wir brauchen Nachwuchs…….ich hab da so nettes Equipment für einen Kindergeburtstag…..


T.






12 Kommentare to “Da House”

  1. sasakreta schreibt:

    Ist das schön, wieder von Dir/ Euch zu hören!

    Ich drücke Euch die Daumen für GÖ.

    lg an die Tante!

  2. Aurifex schreibt:

    Oh, schön, das Off meldet sich wieder. Wäre hier in dieser Form aber wohl nicht nötig gewesen … einfach Anlage einschalten und die Nachrichten wären wohl bis in unser Städtchen geschallt *g*
    LG und frohen Umzug, Annette

  3. Sheepchen schreibt:

    Ich freue mich von euch zu lesen..
    Die einzige Minidisko, die ich je hatte, war der Clio, dessen Bassrolle den ganzen Kofferraum ausfüllte.. Ist schon ein bisschen peinlich davon zu erzählen ;)

    Frohe Weihnachten!

  4. mausebaer schreibt:

    Ne wat schön, die T.´s sind wieder präsent – hab Euch wirklich schrecklich vermisst – vor allem Eure schönen Texte! Grüßle ans Tantchen… viel Glück für GÖ!

    LG Frau Mausebaer

  5. Eilein schreibt:

    Hallölle!

    2010 wird das Jahr der Jahre denn dann ist endlich T Nachwuchs unterwegs! GLG Eilein

  6. remis schreibt:

    Schön wieder von euch zu lesen!
    Auf der Anlage hätte ich ja mal zu gerne “Smoke on the water” gehört. :D

    Für sämtliche anstehenden Projekte wünsche ich euch allen erdenklichen Erfolg!

  7. Nad77 schreibt:

    Ich weiß `ne Band, die so `nen elektrischen, vollkommen übertriebenen Kram für ihren Proberaum sucht…. Weiß nur nicht, ob ich das freiwillig der Band erzähle, wir sind nämlich grade umgezogen, ohne andere Leute im Haus (wenn man von dem Kumpel absieht, der gelegentlich mal zum schlafen in sein günstig gemietetes Zimmer oben kommt), mit garten, 9m Garage, Kamin und Waschkeller! ;-) Hatten auch keinen Bock auf Umzug, aber kann sich wirklich lohnen! *g*
    Schön von euch zu lesen, grüß mir die Tante lieb! Hoffe, unsere Karte ist angekommen!
    Liebe Grüße! N.

  8. T-Punkt schreibt:

    Hallo Nad77,
    ich kenne mindestens eine weitere Band, die diesen elektrischen und überhaupt nicht übertriebenen Kram für Proberaum und Bühne sucht. Weißt Du was? Suchen lassen!
    Die Anlage ist nicht “available”. Ich weine jedem Dampfradio hinterher, von dem ich mich aus Platzgründen trennen musste. Röhrenverstärker sind im Soundsektor das Nonplusultra. (Jeder Marshall Gitarren-Amp ist ne Röhre!!) Die die keine haben träumen davon, die die eine haben sitzen drauf. Natürlich wäre es besser eine Röhre im Wohnzimmer zu haben – aber ein fetter Röhrenverstärker im Keller ist besser als keiner. Sollte ich jemals in den Genuss einer Stereoanlage mit Röhrenamp kommen, kenne ich ja nun die Band, der ich den “übertriebenen Kram” anbieten werde.
    Gruß an G.!
    T.

  9. Nad77 schreibt:

    Oh liebe T. ich wollte damit nicht deine wundervolle Anlage angreifen, sondern meinte das “übertrieben” nur im Bezug auf den Kabuff, den sie als Keller haben und das was sie Bassisten nennen…. Das deine Anlage der Hammer ist, weiß ich ja schon!! :-)
    Ich schicke ihn dann lieber mal zu dir, der du das Zeugs auch zu würdigen weißt, als auf unserem Konto `ne Dicke rote Zahl zu sehen und dabei zu denken, dass das Perlen vor die Säue ist… *g* aber lass ihn das ja nicht hören!
    Und, ist der Umzug beschlossene Sache? Falls ihr Hilfe braucht, sagt bescheid, fahren in letzter Zeit öfter in eure Richtung, weil ich eine liebe Kollegin und Freundin hinter der Landeskrenze besuche! ;-)
    Liebe Grüße! Auch von G.!
    N.

  10. Nad77 schreibt:

    lol, liebeR sollte das heißen…

  11. Wiwwi schreibt:

    Schön zu hören, daß es euch noch gibt!
    Tja, so ein Umzug will gut überlegt sein…. .
    Aber erstmal alles alles Gute für 2010!!
    Grüße an die Tante natürlich.

    LG Wiwwi

  12. T-Punkt schreibt:

    Huhu N.,
    das weiß ich doch!!! ;o)
    Und das Nichtmusizierende mit den Bedürfnissen von Musikern – insbesondere im Hinblick auf die Perlen – Verständnisschwierigkeiten haben, ist nicht neu. Ein Schulkollege von mir ist Gitarrist in diversen semiprofessionellen Bands. Selbst seine Homepage bietet mittlerweile nicht mehr genügend Platz die ganzen Klampfen abzubilden die er sein eigen nennt. Vom Studioequipment ganz zu schweigen.
    Seine Gattin hat aus der Not eine Tugend gemacht und prügelt ihn nun auf die Bühne – sollte der Ehrgeiz mal einknicken:
    “Die Kohle muss rein, Gatte. Mach Mucke, aber zack zack!”

    Der Umzug wird (von der Schlepperei der alten Muckekisten abgesehen) entspannt. Realentfernung zur jetzigen Wohnung ~300m. 1 ganzer Monat Zeit die Bude zu gestalten und das Zeug rüberzuwuchten. Jetzt fehlt nur noch der Handschlag und das Mietverhältnis (für das noch nichtmal ein Vertrag vorgesehen ist….) beginnt entspannt an Pfingsten mitten in den Feiertagen. Und anstelle von Schneefall mal mit Sonne. Suuuuuper!

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