Betrachtungsweisen

Sitze gerade vorm PC und spiele ausnahmsweise mal nicht mein abendliches Ründchen WOW. Nach dem ganzen Desaster in Gö bin ich virtuell zum rasenden Troll mutiert, habe den Wichtel aufgemotzt bis unters Dach und bin wie ein irrer Killer durch die virtuelle Welt gefetzt und habe bei Gelegenheit alles und jeden umgenietet, dessen ich habhaft werden konnte.

Früher habe ich Holz gehackt, waren die Stunden mal düster. Aber nach Kyrill ist hier nicht mehr viel mit Holz hacken. Das was man bekommt, ist bereits gehackt.

Und mittlerweile hat die virtuelle Welt nachgezogen und ich kriege sie genauso auf die Mütze wie vorher auch. Vielleicht bin ich auch nicht mehr wütend genug.  Was geblieben ist, ist mein hypergenialer Tombolagewinn vom Hannover-KiWu-Festival:

Die GONAL-Tasse.

Diese gnadenlos häßlich designte und mit unsäglich vielen Ein-, Zwei-, Drei- und Vielfachzellhaufen rundrum, welche mich in den schönen klinisch blassen Mikroskopfarben immer leicht an etwas erinnern, an das ich gar nicht erinnert werden möchte. Aber sie ist praktisch. Und ich hatte immer schon ein Faible für praktische Dinge. Und Tassen mit Deckel sind nunmal unsäglich praktisch. Auch dann noch, wenn der Deckel ebenfalls mit einem Foto geschmückt ist. Darauf sieht man eine gigantische Eizelle. In knalligem Rot liegt die fett und feist in der Ecke und erinnert eher an einen überreifen Granatapfel als an eine Eizelle. Aber damit man nicht vergisst, dass es sich dabei um eine Eizelle handelt, hat Gonal gleich noch so ein hyperagiles Edelspermium vor der Zelle mitten auf dem Deckel geparkt. Für alle Fälle. Man weiß ja nie ob sich beim Nutzer der Tasse nicht doch noch der Gedanke einschleicht, es könnte sich um einen Granatapfel handeln…

Wäre ich für dieses schäbige Design verantwortlich, ich hätte auf dem Tassenboden nochmal die Eizelle geparkt. Allerdings wäre das Spermium bis auf zwei Zentimeter Spermienschwänzchen komplett in der Zelle verschwunden. So quasi als Befruchtungsersatzritual für Teetrinker: Tee alle - Zelle befruchtet - toll!

Aber wie gesagt ist die Tasse so häßlich, dass man nicht erwarten kann, dass die Geschmacklosigkeitmöglichkeiten bis ultimo ausgereizt werden. Denn dann wäre sie ja fast wieder schön.

Aber praktisch ist sie. Der einzige Grund der sie davor bewahrt im Wutrausch mit einem lauten Scheppern an der Wand zu enden. Denn weder Eizellen kurz vor der Befruchtung, noch hyperagile Edelspermien gehören zu den Dingen die ich mir gerade gerne ansehe. 

Ich weiß, demnächst steht noch ein ausgeprägtes Gespräch mit der Tante an, wie es denn jetzt wohl weitergeht. Ich kann nicht sagen, dass ich mich mit den Geschehnissen soweit arrangiert habe, dass ich ohne Probleme damit klarkomme. Wenn ich mich damit auseinandersetze bin ich nach einigen Minuten wieder verdammt nah am Wasser und einige Minuten später linse ich bereits wieder in Richtung Axt. Natürlich nicht der optimale Zustand. Aber es geht schon besser. Manchmal ertappe ich mich, wie ich darüber nachdenke, wie denn wohl das Süppchen eines begnadeten Spenders in meine Tante kommt und ob in den (hoffentlich) riesiggroßen Spenderdatenbanken irgendwo ein Typ versteckt ist, der wenigstens ein paar von jenen Dingen sein eigen nennt, die ich an mir nicht unflott finde.

Hätte mir vor ein paar Monaten jemand gesagt, dass ich mich freiwillig derartigen Gedanken hingebe, ich hätte den Notarzt gerufen. Aber den hätte ich auch gerufen, wenn er mir das erzählt hätte, was in Gö passiert - bzw. nicht passiert ist. 

Ich glaube ich mache mir noch einen Tee.

 

T. 

 

 




5 Kommentare to “Betrachtungsweisen”

  1. Nad77 schreibt:

    Hallo lieber T.,
    also wir hatten diese Tasse ja auch. Um genau zu sein, haben wir die Tasse schon noch, aber der Deckel ist mir kaputt gegangen, als ich meine Arbeitstasche mit eben der Tasse drin etwas zu schwungvoll darniederließ. Ich habe das einzige Spermium zerstört, dass wir noch hatten! Ich sage dir, lass sie leben, mein schlechtes Gewissen ist schon grenzenlos… Okok, nachts um vier bin ich vielleicht etwas gaga, aber kaputt ist der Deckel schon und nun ist die Tasse nurnoch eine Werbefläche für tolle Zellhaufen, schöne Schei..! Was die Idee mit dem Bild am Grund angeht: SUPER! das hätte doch was her gemacht!!! Werd doch Gonal-Tassendesigner! *g*

    Ich wünsche euch beiden, dass ihr dieses in der Luft liegende Gespräch “schafft” und finde es toll, das du schon soweit drüber nachdenkst. Erinnerte mich neulich schon ein paarmal an unser Gespräch in Hannover, direkt vor dem Beitrag von Fr. Trohn. Lass die liebe Tante nicht zu lange warten, aber schon so lange, bis sie alle Weihnachtsgeschenke fertig gesiedet und gestrickt/gemalt oder was auch immer hat! ;-) (kleiner Scherz liebe Tante, nicht das ich nu`haue krieg!).
    Ich drück euch und grüß euch lieb! die N.

  2. Lola schreibt:

    Lieber T.,
    doofe Situation, doofe Gefühle, ganz viel Wut, ganz viel Traurigkeit, jeden Menge “Warum”s und irgendwie kein Lichtstreif am Horizont - Tatsachen sind eben so …
    Ich kann mich noch gut daran erinnern und hab leider kein Patentrezept. Aber sicher ist: nehmt Euch Zeit! Strickt, hackt Holz, trinkt Tee, redet und weint miteinander (und nicht nur zur Entscheidungsfindung) und lasst Euch Zeit! Ganz leise wird dann irgendwann eine Entscheidung reifen, ein Gefühl im Bauch Oberhand gewinnen. Und dann könnt ihr vielleicht einen neuen Plan machen.
    Ich wünsche es Euch sehr! Und bis dahin wünsche ich Euch ganz viel Kraft, Geduld und Liebe!
    Liebe Grüße, Lola

  3. Zuckerschnute1408 schreibt:

    Was für eine Scheiß Situation, die wir leider auch kennen. Nicht mit Schnipp-Schnapp aber sonst schon.
    Irgendwann sagt der Bauch schon was - früher oder später.
    Mein Bauch war erst einmal beleidigt und enttäuscht, weil eine TESE so riskant war und der Mann an meiner Seite sie nicht machen wollte.
    “Warum nicht?” Hab ich mich 1000e mal gefragt und dann hat der Bauch zusammen mit dem Kopf entschieden, daß es besser so ist.
    Es folgten Tage des Schweigens, des Redens, des Jammerns und des Rumheulens und irgendwann sagte der Mann an meiner Seite, daß er es mir nicht antun kann und will mir den Wunsch nach einem Kind zu nehmen und das er mit der Samenspende einverstanden ist, wenn das für mich auch ok wäre.
    Ich liebe diesen Mann - mit oder ohne Spermien - und ich liebe ihn auch dafür, daß er es möglich macht mit mir zusammen ein Kind zu bekommen, daß es ohne ihn nicht geben würde.

    Ich wünsche euch die Kraft es für Euch richtig zu entscheiden.

    LG vom Schnütchen

  4. shusl schreibt:

    Ach Mensch. Ich hack hier auch seit Tagen unser Brennholz zu Zahnstochern. Langsam geht mir der Nachschub aus. An Brennholz. Nicht an Holzhackbedürfnis.
    Komm aufn Arm. Ich bin Zimmermannstocher. Ich schaff das schon.
    lg
    shusl (die Euch in H. total nett fand!)

  5. Stolbist schreibt:

    Lieber T.,

    Dein letzter Beitrag und die Kommentare dazu, symbolisiert für mich “Entscheidungsphasen” der TESE-Paare…….man wird erstmal mit Diagnose Azoopsermie umgehauen…….Man setzt sich mit TESE auseinander………Irgendwo im Hinterkopf (so ist der Mensch), denkt man: “was ist, wenn es nichts ist?”….Die Spannung steigt…..TESE positiv…ICSI…die SPannung steigt….Negativ…….noch eine ICSI….die SPannung ist unerträglich….negativ…….
    Deine Frau hat richtig geschrieben, eigentlich verabschiedet man sich viel früher von Gedanke, jemails einen gemeinsamen Kind zu haben…..Man braucht “nur” diese blöde, letzte Gewissheit………Diese verdammte Ungewissheit treibt uns alle dazu, die Hoffnung immer weider aufflammen zu lassen……
    Was ich heute, nach 1.negativen ICSI denke: lass das Geschehen, wie es sein soll…..Dieser Weg, durch TESE,ICSI, Depression und Enttäuschung - ist es wirklich unser WEg????? Wenn ich Beitrag von Zuckerschnute1408 lese, ehrlich, beneide ich fast, dass ihr Mann die Entscheidung selber getroffen hat. Mein Mann hat zwar gleich gesagt, dass er gegen HI nichts hat, allerdings sehe ich, wieviel Hoffnung er noch hat, dass wir mit TESE-ICSI unser Ziel erreichen………
    Nach unserem ersten negativen ICSI, wo mich die schlimmsten Depressionen und Bocklosigkeit meines Lebens erwischt haben und wo ich Angst um meine Psyche hatte, sagte er mir, dass ich das selber entscheiden muss, ob ich noch eine ICSI mache…..Weiss Du, wie imens-schwer mir diese Entscheidung fällt????????? Ich bewundere Frauen, die das mehrmals durchziehen (auch deine Frau)….Ich fühle mich wie Versagerin, die dem Mann die Chance auf gemeinsames Kind… raubt, wenn ich jetzt gegen ICSI mich entscheide………………………….

    .Aber irgendwo im tieferen Inneren glaube ich, dass es nicht unser Weg ist und dass dieser Weg unsere Beziehung ganz schon strapazieren wird, wenn wir wie Amok-Menschen diesen WEg folgen……….(Bitte nicht falsch verstehen - ich wollte immerschon NUR von meinem Mann die Kinder haben, die Gedanke mit HI war für mich am Anfang sehr verletzend und unerträglich)………………………..

    Uff, lang geworden.. Was ich sagen möchte -so krass wie es klingt - diese verdammte Gewissheit, kein gemeinsames Kind haben zu können, ist sehr hart….Aber ihr steht jetzt frei - von Unertträglichkeit des Unwissens! Und nur die freie Menschen haben Wahl!

    Nimmt Euch Zeit, wünsche euch viel Kraft!!!

    P.S. Sorry für Deutsch, bin nicht Muttersprachlerin

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