Archive forJuni, 2008

Wochenende

Das Finanzamt bittet uns um unsere Steuererklärung. Hrhr. Dachten wohl, sie könnten mich mit diesem Schreiben zur Weißglut treiben, können sie aber nicht. Schon alles fertig, nur noch nicht abgeschickt. Mensch, was bin ich ein fleißiges Bienchen.

Die Zyste ist meinem Gefühl nach weg und in Form einer Rieseneiterbeule an der Stirn wiedergeboren worden. Da kann sie meinetwegen auch bleiben.

Meine Angestellte leistet sich eine Reinigungskraft, wie sie mir gestern freudestrahlend eröffnete. Irgendetwas mache ich falsch.

Einzige Aufgabe in den nächsten Tagen: Blumen gießen im elterlichen Garten. Es regnet. Das nenne ich mal praktisch.

Gegenleistung: Der alte Ford mit durchgehender Sitzbank und Lenkradschaltung sowie das Benutzen der Sauna.

Herr Ford ist 10 Jahre älter als ich. Manchmal tut’s der Anlasser nicht, dafür gibt es einen Knüppel im Kofferraum, mit dem Frau Tante auf ein ganz bestimmtes Bauteil drischt und danach ist alles töfte. In keinem anderen Auto kann man so angenehm fläzen.

Einigermaßen junge Tanten mit diesem Gefährt stoßen auf besondere Liebe bei Männern jenseits der 50 und können großspurige Reden schwingen. „Ihre Bremslichter leuchten nur sehr schwach.“ „Tatsächlich? Dann muss ich da wohl nochmal ran…“ Nach Aussagen dieser Art wollen sie mich nicht mehr heiraten, sondern es blitzt die nackte Angst aus ihren Augen.

Werde am Wochenende mit T. bestenfalls ein Autokino finden. Wahrscheinlich wird das mangels Angebot nicht klappen. Stattdessen kann man bei MacDonalds das altbewährte Randgruppenscreening betreiben. Diesmal jedoch liegend mit Beinen aus dem Fenster.

Kerlekiste, was haben wir’s schick.

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Verschoben

Wir diagnostizieren eine halbierte Zyste. Mittlerweile ist sie mir etwas sympathischer, schließlich hat sie eingesehen, dass ihr Platz nicht in meinen Eingeweiden ist.

Was uns allerdings davon abhält, diesen Versuch durchzuziehen. Wir warten mal lieber noch einen Monat, sagt der Herr Arzt. In drei Wochen ist der nächste Ultraschall und dann fangen wir nochmal von vorne an.

Wir reden schließlich vom guten, fleißigen, linken Eierstock. Wo kommen wir denn da hin, wenn der zystentechnisch eh keine Produktionschance hat, und der rechte ja schon letztes Jahr versucht hat, unser Projekt zu boykottieren.

Dramavorstellung: Tante Heinz steuert drei Eizellen bei, T. 28 Spermien.

Finanziell gesehen haben wir die Goldnuggets ja noch nicht verplempert, ist also okay. Gefühlstechnisch waren wir beide gestern ein bisschen beleidigt, aber heute sehe zumindest ich die Geschichte nicht als Drama an. Insgesamt wäre es uns aber ganz lieb gewesen, endlich und ein für alle Male durchzusein.  So weit sind wir also schon.

Statt Spritzen haue ich mir daher heute Wein, Chipse und Flipse in den Bauch, schaue mir das Gewitter draußen an und finde die Welt trotzdem ganz gut.

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Noch ist Polen nicht verloren

Wir diagnostizieren die erste schmerzhafte Ovarialzyste in Tante Heinzens jungen Leben. Was das jetzt schon wieder soll, weiß der liebe Himmel.
Frau Gynäkologin meint: Das gibt nix.

Herr Kinderwunschdoktor meint: Weiterschniefen und Ruhe bewahren…

Männer sind einfach immer so unglaublich entspannt.

Am ersten Zyklustag schön easy zum Ultraschall - ich weiß schon, warum ich kein Arzt geworden bin. Da läuft es mir ja jetzt schon kalt den Rücken runter, obwohl es mein eigener erster Zyklustag  ist.

Und mir dann entweder ‘ne Packung abholen und den Versuch Versuch sein lassen, oder weitermachen.

Anscheinend gehen die manchmal von alleine weg? Wer weiß, wie viele Abermillionen ich schon hatte.. Allerdings habe ich das Gefühl, diese hier ist gekommen, um zu bleiben. Auaaua.
Ich werde sie ein wenig besprechen. Was mit Warzen geht, sollte doch auch mit Zysten funktionieren.

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Hmpf

Nachdem wir die ICSI im April ja wegen Dauererkältung nach hinten verschoben hatten, konnte ich mich im Mai nun wirklich nicht über gesundheitliche Probleme beklagen.

Wie das blühende Leben bin ich durch die Gegend gehoppelt.

Gestern: Kopf dick. Schnupfen. Ohren zu. Husten.

Alles klar. Scheint wohl mein Schicksal zu sein. Es ist mir vollkommen unerklärlich, wieso ich drei Jahre lang erkältungsfrei überlebe, und mir das Jahr 2008 permanent einen über die Rübe haut.

Apropos Schicksal: Einen Tag, bevor ich mit der Downregulation angefangen habe, meldete sich mein linker Eierstock. Komisch, das hat er bisher noch nie getan. Dachte ich anfangs noch, er würde nur mal kurz ein Lebenszeichen von sich geben, wächst er sich mittlerweile zu einem Querulanten der übelsten Sorte aus.

Sechs Tage reichen, habe ich gestern beschlossen. Wenn ich mir darauf Ende der Woche noch Gonal gebe, wird hier niemand mehr etwas von mir hören, weil ich von einem Tag auf den anderen geplatzt bin.

Meine Frauenärztin ist immer recht gut besucht, daher habe ich ab halb acht versucht, telefonisch mein Leiden zu schildern.

Besetzt.

Fahre ich doch einfach mal hin, dachte ich mir. Einen halben Arbeitstag abgesagt und hingedüst.

Wartezimmer voll. Tante Heinz keinen Termin. (”Hätten Sie doch mal angerufen.” “Ich habe Schmerzen, ich muss irgendwie dazwischen.” “Sie können nicht irgendwie dazwischen. ( …empörter Blick… ) Meinetwegen können Sie sich ins Wartezimmer setzen, wenn Ihnen das was bringt, aber besser wäre es, wenn Sie um 12 nochmal wiederkommen, dann müssen Sie auch nicht mehr so lange warten.” )

Mein Nervenkostüm ist dank Nasenspray mal wieder etwas - sagen wir mal labil. Wenn mir etwas querkommt, reagiere ich z.Z. mit brüchiger Stimme und Träne im Knopfloch. Letztes Jahr habe ich das noch nicht so richtig wahrgenommen.

T. weiß das gottseidank einzuordnen.

Der Drache hinter der Theke hatte kein Erbarmen. Frage mich, wie die reagiert, wenn es um Leib und Leben geht. Ich kann mich ja immerhin noch mit Schmerztablette und gekreuzten Beinen aufrecht halten.

Normalerweise hätte ich bemerkt, dass ich privat versichert bin. Normalerweise hätte ich auch gesagt, dass ich kurz vor meiner letzten ICSI stehe und diese gerade den Bach runtergehen sehe und es zumindest ganz anständig gewesen wäre, mich zu fragen, ob ich’s bis 12 aushalte.

Heute ist aber nicht normalerweise. Heute ist Tal der Tränen angesagt.

Mir geht’s Scheiße. Ich finde wichtigtuerische Sprechstundenhilfen zum Kotzen. Auch, wenn sie einfach nur ihren Job machen und nun wirklich nichts dafür können, dass ich einen schlechten Tag habe und ein Veto heute einem Weltuntergang gleicht.

Grmpf.

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Post

“Leistungen, die an Ihrer Ehefrau erbracht werden, können leider nicht erstattet werden.”

Alles klar. Das Wissen, das ich dem Herrn Absender letztes Jahr mit dem Paragraphen-Holzhammer eingeprügelt habe, scheint in einem schwarzen Loch überdimensionaler Größe verschwunden zu sein. Und ich bin gar nicht überrascht darüber. Eher hätte er mich beleidigt, wenn der Brief keine Lücken aufgewiesen hätte.

“Huch - total vergessen, Tante Heinz. Na sowas… Ob Sie es mir bitte noch einmal erklären könnten? Wie ist das mit extrakorporal und Dingens?”

“Nein. Nicht in diesem Jahr. In diesem Jahr ist T. ‘dran mit dem Füllen diverser Wissenslücken bei dicken Jungen. Ich habe genug damit zu tun, dunkle Gedanken zu bekämpfen und mein Nasenspray immer schön kühl zu halten.”

Habe festgestellt: Der aktuelle Versuch läuft zeitgleich minus einen Tag mit dem letzten. Ist das nun ein Omen? Gar ein Schlechtes? Wir werden sehen..

Immerhin muss ich nicht viel rechnen und kann wunderbar in meinen Blogeinträgen vom letzten Jahr nachlesen, wie es mir wohl morgen geht.

Sapperlot, das nenne ich perfekte Planung.

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…Tante Heinz schreibt gerne, aber im Titelfinden ist sie unkreativ - Und wie lang darf ein Titel hier eigentlich sein?…. erstellt von Tante Heinz.
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