Archive forApril, 2008

Verschoben

Vier Wochen wie Quasimodo durch die Gegend geschlichen. Jetzt ist aber auch gut.

Habe beschlossen, mich wieder gesund zu fühlen. Restposten ist erwähnter Zickenzahn, der leider gerade nicht behandelt werden kann, weil der Zahnarzt sich in der Sonne brutzeln lässt. Lucky him…. Aber mein Zahn und ich erwarten seine Rückkehr und halten durch.

Deswegen haben wir beschlossen, nachdem der ICSI-Anfang in bedrohlicher Nähe auf unserem Kalender auftauchte - nämlich Anfang Mai - dass nichts so wichtig ist, dass man es nicht noch einen Monat nach hinten schieben kann.  Darin sind wir schließlich Meister und wollen uns auch dieses Jahr nicht lumpen lassen.

Juni ist eh schöner. Ich kann mir nichts besseres vorstellen, als T., der mich im geburtsbereiten Zustand durch hohe Schneewehen und Windstärke 12 ins nächstgelegene Krankenhaus fährt. Wenn wir schon nur ein Kind bekommen sollen, dann doch wenigstens hochdramatisch.

Vorher wird der Zahn saniert und eine Hochzeit gefeiert, bei der ich mir nochmal die Kante geben und mich schlecht benehmen kann, ohne zwischendurch mit dem Spritzenbesteck auf’s Klo zu verschwinden.

Im Übrigen habe ich festgestellt, dass ich eine Gebärmutterspiegelung hatte, die preislich ungefähr auf dem Niveau einer Lebertransplantation liegen dürfte. Womit mal wieder bewiesen wäre, dass ich den falschen Beruf ergriffen habe. Gruß an Oma, die hat’s schon immer gewusst.

Nebenbei war ich am Samstag bei der Friseurin, die über das Erzählen der vielen Schwänke aus ihrem Leben gerne mal meine Anweisungen überhört.

Wichtigste Anweisung: “Nur das ab, was muss.” Ich bin da ein bisschen eigen. Deswegen gehe ich auch nur alle sechs Monate, denn ich wittere zu Recht die Gefahr, die von der Dame ausgeht.

Anscheinend musste sehr viel. Der “Reicht der Pony noch bis zum Kinn, wenn man an den Haaren zieht - Test” fiel negativ aus. Der “Kann ich die Haare noch hinter die Ohren schieben, oder fallen sie wieder vor die Augen - Test” ebenfalls.

T. findet’s trotzdem ganz töfte. Ich eigentlich auch. Wurde quasi zur Typveränderung gezwungen und es ist gerade nochmal gut gegangen. Fraglich ist allerdings, ob die Friseurin diese Typveränderung beabsichtigte. Ich sollte sie beim nächsten Mal fragen. Auf Dauer wird mir das zu riskant.

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Tricky

An T.’s Spiegel hängt eine To-Do-Liste. Sie umfasst sechs Punkte und hängt da schon etwas länger. Einen Punkt hat er vor ca. drei Wochen erledigt und diesen mit tiefer Zufriedenheit rausgestrichen. In Rot.

Danach war wieder eine lange Pause. Ich habe es aufgegeben, ihn daran zu erinnern, dass diverse Dinge auf ihn warten.

Die Liste ist ganz schick. Jeden morgen beim Zähneputzen packt ihn das schlechte Gewissen. So meinte ich zumindest. Allerdings behaupte ich aus jetziger Sicht, er hat einen Trick gefunden, die linke Hälfte des Spiegels auszublenden. Dabei hatte ich die Liste so nett formuliert.

Dann kam der Freitag. Er hatte wegen eines Arzttermins Urlaub. Um 11 stand er vor der Arzttheke und erfuhr, dass er zwei Tage zu spät zu seinem Termin erschienen ist. Anscheinend hat ihn das so aus der Bahn geworfen, dass er den restlichen Tag damit verbracht hat, seine Altlasten zu beseitigen, die gerade dabei waren, ihren Jahrestag zu begehen.

Manchmal macht er mich sprachlos. Die ganze Prozedur war vielleicht eine Sache von drei Stunden. Und dafür rede ich mir wochenlang den Mund fusselig.

Apropos Mund: Weil ich vorletzte Woche ja krankheitsmäßig das goldene Los gezogen hatte, kam mir der Zahnarzttermin am Anfang der Woche gerade recht, um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen. Habe die Termine um das Zahnarztdate herum schön verlegt und sogar die Zahnseide mit zur Arbeit genommen. War innerlich soweit gefestigt, dass ich mit allen Operationen klargekommen wäre.

Und was macht der Herr Dentist? Er sagt mir ab.

Anscheinend hatte er mehr Angst vor mir als ich vor ihm. Jetzt hat er Pech. Der nächste Termin, den ich mache, ist der beim Frisör. Und danach denke ich nochmal über meinen Zahn nach.

Die Kommunion haben wir auch hinter uns gebracht. Wir wissen jetzt, wie’s geht, denn nächstes Jahr ist der nächste Neffe dran.

Alles in allem kann man sagen: Zumindest wir zwei hatten größtenteils guten sauberen Spaß.

Nebenbei durfte ich feststellen, dass eine Gruppe singender putziger Kinder rein emotional nichts für mich sind. Ich weiß ja, dass schon mein Job eigentlich nichts für ungewollt Kinderlose ist. Aber so viele Kinder auf einem Haufen sehe ich gottseidank nicht jeden Tag. Das drückt nämlich ganz schön auf’s Gemüt.

Ich traue mich fast nicht, es laut zu sagen, aber ich glaube, es kehrt nach neun Wochen Dauerstress zumindest im April wieder ein bisschen Ruhe ein im Hause T. und TH. Heute noch ein bisschen Bürokram erledigen, der zu kurz gekommen ist und dann ist’s auch erstmal gut, bevor Ende Mai ICSI-mäßig die Post abgeht.

So. Jetzt gibt’s ein Frühstück, das sich gewaschen hat. Abgearbeitete Listen müssen honoriert werden, schließlich folgt bald die nächste.

Positive Konditionierung nennt man das dann wohl, wenn ich mich dunkel erinnere.

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…Tante Heinz schreibt gerne, aber im Titelfinden ist sie unkreativ - Und wie lang darf ein Titel hier eigentlich sein?…. erstellt von Tante Heinz.
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