Die Themes hier werden auch immer besser. Das kannte ich ja noch gar nicht. Ne wohlproportionierte nackte Olle mit gebärfreudigem Becken auf ‘nem Besen. Warum wurde ich darüber bloß nicht rechtzeitig informiert? Ich hätte meinen Mann schon viel früher damit beglücken können.
Nun denn:
Email von einer alten Freundin. Seit vier Jahren haben wir den Kontakt schleifen, nun ja, eher einschlafen lassen. In der Berufsausbildung haben wir nebeneinander gesessen und es war so’n bisschen wie bei den beiden alten Herren in der Muppet-Show. Irgendwann war klar: Darf I. nicht neben der Tante sitzen, um gelassen schwarzhumorig dem Unterricht beizuwohnen, gibt es richtig Zoff.
Irgendwann ist I. in die entgegengesetzte Himmelrichtung verschwunden. Und weil sie die gleiche Kontaktsau ist wie ich, verstrichen tatsächlich einige Jahre bis zur besagten Email.
Ich muss sagen: Emails von alten Bekannten öffne ich seit eineinhalb Jahren sehr vorsichtig. Immerhin, von Kindern war in dieser Email nicht die Rede.
Trotzdem ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste, und daher musste ich, trotz eindeutiger Lust auf ein Telefonat, erst ausgiebig mit T. Schätzungen über die Anzahl der Kinder, die in vier Jahren geboren werden können, abgeben. Den Ernstfall durchsprechen. (”Wir machen mit unseren viereinhalb Kindern Urlaub in Eurer Gegend.”, oder ähnliche Horrorszenarien, die eine mehrtägige mentale Vorbereitung verlangen.)
Schließlich häufen sich in letzter Zeit Geburtsnachrichten von alten Bekannten. Allerdings scheint allen Fällen ein gewisser Automatismus zugrunde zu liegen:
Erstens: Allen Bescheid sagen, dass man schwanger ist.
Dann irgendwann die Email mit Geburtsverkündigung. Selbstverständlich inklusive Kreissaalfotos.
Und danach kommt irgendwie nicht mehr so richtig viel.
Nun gut. Das erste Telefonat dauerte nur zwei Minuten, denn nach dem ersten Geplänkel musste es leider abgebrochen werden. “Ich kann leider nicht mehr, mein Baby schreit.”
Okay. Mal wieder bekommt man die Fertilität anderer Paare mit dem großen Holzhammer verpasst.
Das zweite Telefonat lief allerdings schon etwas okayer ab, denn immerhin sind wir bis zu dem eigentlichen Grund des Anrufs gekommen, bevor es am anderen Ende der Leitung Essen gab: Eine Einladung an T. und mich zur Hochzeitsfeier. T.’s Begeisterung im Hinblick auf viele junge Familien mit frischgeborenen Kindern, die ebenfalls teilnehmen, lässt sich kaum zu Papier bringen.
Vor dem dritten Anruf habe ich T. prophezeit: Wird dieser auch wegen Baby abgebrochen, nehme ich nie wieder einen Telefonhörer in die Hand. Man wird mit der Zeit doch wirklich ein wenig wunderlich.
Unerwarteterweise konnten wir richtig lang sprechen. Unter anderem darüber, dass die Hochzeit bereits vor einigen Monaten stattgefunden hat, um kostenlosen Einlass in die Kinderwunschklinik zu bekommen.
Abgesehen davon, dass es dann trotzdem auf natürlichem Weg geklappt hat, war es sehr entspannend, nicht die obligatorische “Wirhabenunslangenichtgesehen-Frage” nach unserer Kinderplanung gestellt zu bekommen.
Kinderwunschfrauen bekommen vor genau dieser Frage anscheinend einen Heidenrespekt und sparen sie sich einfach.
Sehr angenehm, muss ich sagen. Prompt sitzt man etwas entspannter auf dem Stuhl.
Kein Philosophieren über Reportagen, die man eventuell mal bei einer Tüte Pommes auf irgendwelchen Trash-Sendern gesehen hat. (Erster Punkt auf der Minusliste.)
Kein Vorschlag, doch einfach zu adoptieren. (Zweites Minus.)
Kein Vorschlag, ins Ausland zu gehen, weil man da unproblematisch und günstig befruchtet wird. (Drittes Minus und Nachdenken über Kontaktabbruch für immer.)
Kein Hinweis darauf, dass man im schlimmsten Fall Zwillinge bis Drillinge bekommt. (Kontaktabbruch. Irgendwie muss man sich ja schützen.)
Und unter diesen Voraussetzungen nehmen wir natürlich auch an der Hochzeit teil, denn wir haben die Erlaubnis, uns jederzeit kommentarlos zu verdrücken, ohne dass es uns von der Braut übelgenommen wird.
Tschakka.
Und, wie geht’s sonst so, Tante Heinz?
Sonst alles ziemlich doof gerade. Aber bald wird’s besser. So Ende April circa. Das nenne ich mal einen absehbaren Zeitraum…