Wie wäre es denn mal…
Mein “Wie wäre es denn mal, wenn wir-Tag” beginnt normalerweiser erst samstags. Vorzugsweise dann, wenn ich um 7 senkrecht stehe, und drei bis vier Stunden Zeit habe, ein bisschen vor mich hin zu spinnen.
Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, dass wir mal in die Berge fahren sollten.
Ich persönlich habe keine Eltern, die mich jeden Sommer ins Gebirge geschleppt haben. T. schon. Dementsprechend hat er da diverse Erinnerungen, von denen er mir scheinbar immer nur die Positiven aufgetischt hat.
Meine Eltern haben uns wochenlang auf einem Campingplatz an der französischen Atlantikküste im aufklappbaren Wohnanhänger schlafen lasssen. Das war sehr nett. 12 Stunden am FKK-Strand rumgesprungen, abends lecker gefuttert und danach bin ich immer noch mit meinem Vater heimlich eine Schale Muscheln essen gegangen, während mein Bruder den Abwasch gemacht hat. (Er wollte das unbedingt… Nicht, dass das jetzt gegen mich ausgelegt wird. Außerdem mochte er keine Muscheln… )
So. Um es kurz zu machen: Tante war immer am Meer, T. immer in den Bergen.
Tante will auch mal in die Berge. Deswegen hat sie sich gleich mal nach ein paar Locations umgesehen. So ohne Ahnung von Nix macht ein kleines Brainstorming ganz besonders Freude.
Und da war auch schon das Objekt meiner Begierde gefunden:
Hütte. Aus Holz. So ähnlich wie im Film “Der Sommer des Falken”. Wo die obligatorischen Holzlatschen, die selbstverständlich vorher gekauft werden, so richtig klackern auf dem Boden. Oben auf einem Berg. Mit sehr viel Nichts in der Umgebung, mal abgesehen von dem Ziegen-Peter, der quasi als Highlight des Tages zweimal mit seinem Getier vorbeikommt. Ein Brunnen im Hof und selbstverständlich kein Strom. Stattdessen so einen niedlichen alten Ofen. Das Plumpsklo steht auf dem Balkon und man hat beim Pinkeln einen phänomenalen Blick über die Alm.
Fußmarsch zur Hütte eineinhalb Stunden. Alternativ dazu kann man sich auch vom Bauern hochfahren lassen. Selbstverständlich will ich laufen, wenn schon, denn schon.
Prima. Eine Woche Heidi-Feeling sollte für den Anfang reichen. Fast hätte ich für den Zeitraum X gebucht. Da stand er auf.
Der arme Kerl. Ich verstehe schon, wieso er sich samstags immer so irrsinnig viel Zeit lässt, bis er den Weg vom Bett zur Kaffeemaschine findet. Der Mann hat einfach nur Angst.
“T. Ich habe da was Tolles. Wie wäre es denn, wenn… Kuckma, diese nette Hütte. Wir zwei beiden… Ein paar Bücher mitnehmen… Kein Telefon… Brot aus dem Ofen…. Abends vor dem Feuer am Brunnen… Ich hole auch die Milch und die Butter vom Bauern…. Falken beobachten…. Und schau mal, die niedlichen Vorhänge… ”
Sein Blick war ernüchternd. Immerhin, ich hatte drei Stunden guten sauberen Spaß. Gottseidank hatte ich das Hüttchen noch nicht reserviert.
“WasndasfürnTeil? Wer hackt Holz? Du?…. Wie willst du denn da hochkommen?… In solchen Öfen zu backen ist total schwierig… Den musst du erstmal ankriegen… Das Mehl schleppst du da hoch…. Kaltes Wasser… Dich will ich sehen, wie du drei Tage mit niemanden sprichst, außer mit mir… Keine Kondition…. Wir brauchen gute Wanderstiefel…. Und du solltest schnellstens anfangen, in genau den Schuhen zu üben…. Nicht nur so’n bisschen spazierengehen…. Urlaub in den Bergen fand ich immer zum Kotzen… So viele Bücher kannst du gar nicht mitnehmen…. Plumpsklo auf dem Balkon, hrhr…. Und die Betten sind ja hintereinander in die Wand eingelassen, was sollndas?…”
Na gut. Dann eben nicht. Manchmal ist T. so furchtbar pragmatisch.
Eben hatte ich wieder so eine klitzekleine Idee. Fatalerweise habe ich sie direkt vor mich hin gemurmelt. Was soll ich sagen? Sie wurde im Keim erstickt.
Dabei war noch nicht mal Samstag.
Freitag, 25 Januar 2008 um 10:23 nachmittags
Nun mach den armen T. nicht so nieder. Er hat vollkommen recht! Berge sind ätzend. Einsamkeit kannste auch knicken. Wo Du wohnst, ist es einsam und bergig genug. Tut Euch einen Gefallen und fahrt nach La Palma. Da haste Berge und Meer zusammen auf einer Insel, wo’s auch noch schön warm ist. Und einsam ist es da an vielen Stellen auch, sagt mein Kollege, der sich da mit Familie schon mal furchtbar verlaufen hat

Sag T. einen schönen Gruß, das mit dem Passwort funktioniert so nicht. Er soll Dich nochmal fragen, wie es wirklich heißt
lg
shusl
Samstag, 26 Januar 2008 um 9:38 vormittags
…..klitzekleine Idee:
Gibt es Camper auf Kreta? Sollen wir uns nicht einen Camper mieten und damit 14 Tage über die Insel zuckeln?
Gute Idee Tante! Wer fährt das Ding? Na T., wer denn sonst?
Die Idee ist nicht gänzlich schlecht. Entweder mieten wir uns eine Nuckelpinne im VW-Bus-Format, dann bin ich nach einer Woche fettich, weil mich Tante rausprügelt ob meiner Schnarcherei oder ein Riesenbaby mit allem zip & zap mit dem wir dann aber nirgendwo mehr hinkommen. Und Kreta geht nur mit Klimaanlage, Kühlschrank und einem wendigen kleinen Autochen, damit wir die Winkel noch finden, die wir uns das letzte mal gespart haben!
Wobei ich die Alternative unterstützen sollte: Kreta hat fette Berge und supidupi Strände. Außerdem will ich da noch ma’ hin!
T.
Samstag, 26 Januar 2008 um 12:20 nachmittags
Noch besser: Kreta auf dem Motorrad
Das hat auch den Vorteil, dass man das Gepäck schon von vorneherein ein klein wenig reduzieren muss. Wenn man das kann. Kann ich nur empfehlen. Vor ca. 25 Jahren war es auf jeden Fall sehr schön…
Sonntag, 27 Januar 2008 um 2:42 nachmittags
Also ob euch am Wilden Kaiser kaltes Wasser des Morgens wachküsst oder in Kretas Weiten der kalte Nachtregen durchs Zeltdach zärtlich auf die Nase tropft ist völlig egal. Tante: Latsch auf die Hütte in Holzpantinen und back dein Brot, T.: Fahr nach Kreta und stell fest, dass es südlich von Rom eng wird mit der Ersatzteilversorgung für die zerbröselte Kardanwelle einer gemieteten BMW. Hauptsache, ihr macht die Erfahrung, zur Not auch getrennt voneinander, um euch hinterher zu Hause wieder in den Armen zu liegen und gegenseitig zu schwören: “Unter vier Sterne denk ich gar nicht mehr dran, meine Zahnbürste einzupacken.”
Dienstag, 29 Januar 2008 um 9:58 vormittags
@ Doc:
Meine Eltern waren immer strikt gegen motorisierte Zweiräder, weshalb meine Brüder Rennräder bekamen und ich ein wirklich fettes Tourenbike. Ich brauch ne Automatik. Das einzige Motorrad, das mich jemals ernsthaft interessiert hat, war eine Enfield Bullet.
Als Diesel!
Wenn Tante selbst fährt, dann Motorrad. Ansonsten Nuckelpinne. Mit 4 Rädern komme ich eh fast überall hin!
@Tastentiger:
Ich lasse Tante auf keinen Fall alleine in die Berge! Am Ende wird sie noch geklaut, ne ne ne!
Und Kreta hat alles:
Berge
Landschaft
Kultur
Sonne
Verdammt leckeres Essen
Meer
Strand
Einsamkeit
Trubel
Geschichte
Ein stolzes Volk
Ganz wichtig: Esel (Tante und ich, wir lieben Esel!)
Und Raki!
Nicht den türkischen. Das Wort “türkisch oder Türkei” sollte man dort eh nicht in den Mund nehmen - da werden die Kreter sehr schnell sehr bockig!
DEN kretischen Raki gibt es nicht. Jeder brennt den selbst und überall schmeckt er anders. Selbst brennen ist zwar auch dort verboten, aber das ist wie mit den Waffen: Nationalgefühl!
Nein, eine weitere Kretareise ist schon gebongt - wir wissen nur noch nicht wann!
Dienstag, 29 Januar 2008 um 10:03 vormittags
Ach ja - Hotel!
Hotel ist fein und ab und an finden wir so’n 4**** Hotel passend. Aber wir mögen Touristen nur dann, wenn wir vor denen flüchten können - schließlich wohnen wir in einem Touristengebiet! Also sind die kleinen versteckten Hotels schon recht. Und das nächste mal wollen wir den Mietwagen vorab hier chartern und für 2-3 Nächte vorbuchen. Den Rest erledigen wir vor Ort! Auf Kreta kriegt man immer ein Zimmer. Selbst in der Hochsaison!