Alltag, bitte
Jetzt kann Weihnachten aber auch mal aufhören. Mamas Pute schmeckt am zweiten Tag zwar noch besser als am ersten, aber danach sollte Schluss sein. Genug der Feierlichkeiten.
Aber nein. Heute muss die SchwagerSchwägerinnenundNeffen-Audienz abgehalten werden, vor der es uns alljährlich so graut. Nachdem wir uns ihm im letzten Jahr geschickt entziehen konnten, muss er heute sein. Momentan fühlt es sich auch nicht so an, als habe mich der erwünschte Noro-Virus heimgesucht. Weiß noch nicht, wie’s mit T. aussieht, vermute jedoch, der ist auch gesund.
Haben uns bereits gestern ein Zeitlimit von einer Stunde gesetzt, danach muss der Drops gelutscht sein.
Es stören mich weniger die Kinder, als die Zusammenkunft an sich. Der alljährliche Wutausbruch des zweitältesten Neffen ist jedenfalls schon mal sicher. Hoffe, er fängt in diesem Jahr nicht an, Dinge zu zertrümmern.
Erziehungsratschläge werde ich wie immer ‘runterschlucken. Aber ausgedehnt verdutzt gucken darf man auch als Kinderlose.
Was gibt’s sonst?
Einen Büchergutschein. Ich brech’ zusammen. Der morgige Tag wäre somit schon mal verplant. Kann man nur hoffen, dass der Herr Buchladenbesitzer seit meinem letzten Besuch ordentlich aufgerüstet hat.
Die Erfahrung, dass zwischen 30 Grad Wollwaschgang und Normalwäsche ein eklatanter Unterschied besteht. Leider musste ich das mit einem heißgeliebten Kleidungsstück meines Gatten ausprobieren. Ich sage nur “erster Pullover, den meine Frau mir gestrickt hat”. Soviel zur Stimmung am Nachmittag des Heiligen Abends.
Die Erfahrung, dass sich Weizenbier nicht mit Schampus verträgt. Zumindest nicht in der Tante.
Die Erfahrung, dass man, sollte Bier auf Schampus treffen, nicht zu T. ins Auto steigen darf, um über die Autobahn zu brettern.
Ich will das jetzt hier nicht genauer erläutern und besagte Erfahrung am liebsten vergessen, allerdings hindert mich die Beule an der Stirn bisher an der vollständigen Verdrängung. Immerhin habe ich mich nicht schlecht benommen.
Naja. Schlechtes Benehmen ist auch irgendwie relativ.
Mein Bruder hat beschlossen, mich nun alljährlich mit der ultimativen Peanuts-Werksausgabe zu überraschen. Letztes Jahr hatten wir 1950-1952, dieses Jahr 1953-1954. Im Regal sieht’s aus wie ein oberwichtiges Lexikon. Wenn man bedenkt, dass jährlich zwei Ausgaben erscheinen, muss er sich erst in zwölf Jahren wieder Gedanken machen, womit er mich erfreuen kann. Der Fuchs…
Im nächsten Band beginnt Linus zu sprechen. Welch’ Spannung. Ich kann’s kaum erwarten.
Diesen Tag kriegen wir jedenfalls auch noch ‘rum. Und danach haben wir vielleicht auch mal Zeit, uns vor unseren eigenen Baum zu setzen.
Ich gehe schon mal den verdutzten Blick üben. Der muss noch ein bisschen intensiver werden, als beim 70. Geburtstag meiner Schwiegermutter. Hoffentlich macht das Bürschchen mir keinen Strich durch die Rechnung und weiß plötzlich, sich zu benehmen.
Mittwoch, 26 Dezember 2007 um 3:58 nachmittags
Oje,
das hört sich fast genauso an wie bei uns….nur ist es bei uns schon ein wenig abgespeckter und wir sind schon durch.
Drücke Euch die Daumen, das es auch bald soweit ist.
Lg
Schweden