Verdrehte Welt

Ich bin zu Hause.

T. auch.

Einziger Unterschied: T. hat Weihnachtsferien.

Ich habe nur Mittagspause.

Manchmal spielt das Leben mir übel mit.

Heute abend jedoch wird der Sekt gekillt. Erstens habe ich seit acht Nächten mal wieder durchgeschlafen (..das Antibiotikum hat ganz schön reingezimmert… ) und zweitens lassen mich 14 freie Tage doch dezent frohlocken. Noch ein halber Tag, dann bin ich fertig mit diesem Jahr.

Mittagspause heißt: Wenn ich nach Hause komme, gehen eine Etage unter mir die Jalousien hoch.

Seitdem C. und K. hier eingezogen sind, existiert in diesem Haus eine Parallelwelt:

Nachts, wenn ich ins Bett gehe, brutzeln die sich ein Schnitzel. Manchmal geht die Haustür auf, ein blasses Etwas mit einem unerzogenen aber schnuckeligen Hund spaziert heraus, geht einmal zur Kreuzung und zurück. Morgens um drei werden da unten Nägel in die Wand gehauen.

Hm. Was soll man davon halten… Angeblich hat man in Südeuropa ja eine andere Zeiteinteilung. Ich kann mir auch vorstellen, dass der Wechsel nach Deutschland erstmal verpackt werden will. Aber schlafen die Spanier tatsächlich bis 13:00 und verlassen ihr Haus nur zum Pipi-Machen des Hundes?

C. ist freiberuflicher IT-Fuzzi. Nachts zu arbeiten ist in diesem Beruf anscheinend nichts ungewöhnliches. C. hat Narrenfreiheit, denn C. ist T.’s Sandkastenkumpel.

C.’s Frau ist einfach nur seine Frau. Ich glaube, sie muss lediglich da sein. Manchmal ein Schnitzel in die Pfanne hauen. Der Serviettentechnik frönen. Und ansonsten ist da nicht so richtig viel Erhellendes. Zumindest will mir gerade partout nichts einfallen. Ihr Studium hat sie abgebrochen, um nach zwei Monaten zu ihm zu ziehen, der Gattinnen-Status reicht ihr anscheinend, denn sie spricht von Kindern in 2008. Na dann mal toitoitoi… Mit 23 Jahren tickt die biologische Uhr. Ganz laut. Ticktack….

Unsere Anwesenheit lässt sie regelmäßig zu Höchstformen auflaufen, wenn es darum geht, von ihrem Kinderwunsch zu philosophieren. Irgendwann kracht der Hammer auf ihren kleinen süßen Kopf. In verbaler Form. Hervorgebracht durch T. Ich sehe ihn regelmäßig mit sich ringen.

Gekillt vom Azoospermator, quasi.

Ich muss ihr unbedingt noch sagen, dass Kindergärten in Deutschland nur tagsüber öffnen.

Vielleicht kann ich das drohende Unheil ja noch verhindern.

Man muss in nächster Zeit die Augen und die Ohren aufhalten. Schließlich klingelt abends um halb zehn stets ihr Handy, damit sie ihre Pille nicht vergisst. Und solange das noch klingelt, können wir entspannt den Streitgesprächen zuhören, an denen wir immer öfter teilhaben dürfen.

C.’s Ehen sind bekannt für ihre kurze Dauer. Warten wir ab.

Wenn ich beim nächsten Mieterwechsel mitreden dürfte: Bringt mir die Omma wieder.




6 Kommentare to “Verdrehte Welt”

  1. Sheepchen schreibt:

    Ich kann dazu nichts sagen. Aber ich hab wie immer herzlich gelacht.
    Ich kenne niemanden, der mit seinen Kinderwunschproblemen so umgeht wie ihr und ich glaube ich will ein TShirt mit dem Azoospermator als Comicheld..
    LG Schäfchen

  2. Tastentiger schreibt:

    “Ich muss ihr unbedingt noch sagen, dass Kindergärten in Deutschland nur tagsüber öffnen.”

    damit kriegst du sie!

  3. mausebaer schreibt:

    Liebe Heinz-Familie! In Anbetracht Eurer Untermieter wird ein Treffen im neuen Jahr für mich immer unumgänglicher. Dann komme ich abends gegen 23 Uhr und Du machst ein Date mit denen aus, dann können wir gemütlich zu Mittag essen… Schnitzel mag ich. Auch wenn es mir etwas spanisch vorkommen könnte, liegt es bestimmt an der italienischen Sehnsucht. Aber dann könnte ich ja immer noch mit dem Sonderzug nach Pankow fahren, um dort am Flipper zu sehen, wenn beim Capri die rote Lampe vom Ölstand blinkt. Darauf genehmige ich mir dann erst mal griechischen Wein. Aber bitte mit Sahne.

    Frau Mausebaer

  4. iri schreibt:

    *ja* ist ganz sicher ‘ne Marktlücke, das Azoospermator-Shirt. Ich nehm dann auch eins. Dann hab ich schon ein Geburtstagsgeschenk für den Hasen *g*

    Euch beiden ein schönes Fest und einen guten Rutsch.
    Wir lesen uns nach den Feiertagen.

    LG
    die iri

  5. Azzrael schreibt:

    Bin per Zufall auf diesen Blog gestoßen und kann mir nach kurzer Lektüre doch den einen oder anderen Kommentar nicht verkneifen.

    “C. ist freiberuflicher IT-Fuzzi. Nachts zu arbeiten ist in diesem Beruf anscheinend nichts ungewöhnliches. C. hat Narrenfreiheit, denn C. ist T.’s Sandkastenkumpel.”

    Auch auf das Risiko hin, dass bei Dir nun ein Weltbild zusammenbricht: Ja, im IT-Umfeld ist es oft die Regel, dass zu den blödesten Zeiten gearbeitet wird. Zumeist deshalb, dass andere Leute zu normalen Tageszeiten ungestört ihren Dingen nachgehen können. Oder wie würdest Du es empfinden, wenn wegen Updates eine Webseite tagsüber deaktiviert wird? Oder Geldautomaten Nachmittags aufgrund von Wartungsarbeiten einfach kein Geld auszahlen würden? Ich arbeite auch im IT-Bereich doch der Begriff “Narrenfreiheit” ist mir nach 16h Arbeit um 5h in der früh noch nie in den Sinn gekommen.

    … und was Deine übrigen Äußerungen bzgl. Deinen Nachbarn angeht: Ab und an soll es hilfreich sein, offen miteinander über ein Problem zu reden und bei Differenzen einen Kompromiss zu suchen anstatt es aus Publicitysucht (oder was auch immer) mit spitzer Zunge in die Öffentlichkeit zu tragen. So wird das zumindest hier bei uns in der Gegend geregelt …

    Just my 2ct

  6. Tante Heinz schreibt:

    Hui, ein kritischer Kommentar… Da habe ich schon lange ‘drauf gewartet. Kann ja nicht immer nur Heititei hier herrschen…

    Ich mag IT-Fuzzis. Kenne zwar nicht viele, aber den genannten finde ich ziemlich cool. Deswegen hat er ja auch Narrenfreiheit im Umgang mit uns. Weil zumindest T. ihn schon sehr lange kennt und ebenso gerne mag. Und alte Freunde dürfen prinzipiell ganz nach ihrem Gusto leben und kriegen immer einen Kaffee.

    Zur Zunge: Jupp. Ganz schön spitz. Anders kann man Situationen, wie die, um die es in diesem Blog geht, nicht ertragen. Da eignet man sich eine gewisse Spitzzüngigkeit an. Ansonsten hat man wenig zu lachen. Insbesondere, wenn das eingeweihte und in den meisten Fällen sorgsam ausgesuchte Umfeld wenig einfühlsam mit dieser Problematik umgeht. Da hilft auch kein Gespräch, sondern da muss aus purem Selbstschutz aussortiert werden.

    Und zu diesem Blog: Entweder lesen oder lassen. Ich schreib’s für mich.

    Viele Grüße,
    Tante Heinz

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