Schneckentempo

Es ist unglaublich. Mein Mann hat endlich die Lautstärke für einen Sonntagmorgen entdeckt, bei der ich das “Alan Parsons Project” aushalten kann, ohne den unstillbaren Drang zu verspüren, in den Tisch zu beißen.
Wobei seine Ruhe mal wieder umwerfend ist. Er sitzt auf dem Sofa in der Sonne. Vor einer Stunde sagte er: “Ich gehe gleich duschen. Danach gehen wir das Aquarium suchen.”

Jetzt ist es halb eins. Alan Parson fidelt immer noch. Höchstwahrscheinlich trommelt gleich noch Burundi Black. Dann wird er langsam das Wasser andrehen. Ziemlich lange unter der Brause stehen. Rasieren. Ausführlich die Zähne putzen. Im Idealfall beschließt er dann noch, sich den Kopf zu rasieren (das tut er immer, wenn ich das Badezimmer geputzt habe… ;) und dann kann ich so langsam aufhören, hier zu schreiben, denn dann ist er gewappnet für den Tag. (Gruß an Shusl, die Fotos kommen spätestens heute abend… Je mehr ich drängle, desto langsamer werden seine Putzbewegungen… ;)

Der Mann braucht im Badezimmer dreimal so lange wie ich. Erschreckend… Vermutlich ist das das zweite X-Chromosom, anders kann ich’s mir nicht erklären.

Hui. Ich höre Wasserrauschen. Wenn ich jetzt zum Plattenspieler gehe und die Asbach-Uralt-Genesis-Platte leiser mache, wird er es mitbekommen. Obwohl er sie unter der Dusche eigentlich gar nicht hören kann.

Phänomene des Alltags. Sie werden nicht weniger.

Der Vermieter ist mal wieder zu Besuch. Einen Tag früher als angekündigt. Fröhlich und nichtsahnend stapfte ich mit dem Wäschekorb gen Keller, als er vor mir stand.

Oh, Du schöner Samstagmorgen. Das war’s dann wohl mit Gemütlichkeit. Dabei haben wir uns jetzt so schön an die Einsamkeit im Haus gewöhnt.

Zweimal klingelt er mindestens. Darauf ist Verlass. Ich habe ja immerhin den Vorteil, dass ich entspannt in der Wohnung putzen kann. T., der arme Kerl, verbrachte den Tag in der Garage, unter ständiger Kommentierung des Herrn L..

Aber weil hier gestern sowieso ein wenig Stunk in der Bude war, geschah es T. Recht.

“Was machen Sie denn da?” “Oh,sie haben aber viel Holz.” “Montag kommt der Maler.” “Donnerstag fahre ich in Urlaub. Mal wieder (verdreht die Augen… ;) . Naja. Unsere Freunde haben uns einfach als Mitreisende eingetragen. 270 Euro. Tagesausflug inklusive. Die wissen ja, wir können es uns von der Zeit her erlauben. Und vom Geld her sowieso.” “Wollen sie sich mal die neuen Fliesen in der Omma-Wohnung anschauen?” “Mittwoch hat mein Sohn Geburtstag. Er wird 34. Gerade haben wir wieder seine Meerschweinchen in Pflege. Als das letzte gestorben ist, hat er tagelang geweint.”

So ähnlich. Immer wieder. Fast so wie ‘ne hängende Schallplatte. Womit wir wieder beim Thema wären. Wie lange dauert so ‘ne Seite einer LP eigentlich? Gibt’s da ne Repeat-Funktion?? Mir kommt es so vor, als sei kein Ende in Sicht.

Wollte ich ihn jetzt ärgern, würde ich Florence Foster Jenkins auflegen. So als Gegenprogramm. Aber dann wäre wieder Stunk in der Bude. *g*

Manchmal, aber nur ganz selten, haben wir nicht denselben Humor. Das betrifft erstens genannte Dame, und zweitens “Monty Pythons Flying Circus”.

Aber damit kann ich leben.




8 Kommentare to “Schneckentempo”

  1. Schweden schreibt:

    *ja*
    Unsere Herren können echt zur Schnecke mutieren, ich kenne das nur zu gut.
    Allerdings ertrage ich das selten so ruhig wie Du, sonder flippe dann regelmäßig aus!!

  2. Tante Heinz schreibt:

    Huhu, Frau Schweden,

    ich ertrage das nur manchmal. Meistens werde ich auch zum Tier. Immer dann, wenn wir einen gemeinsamen Termin haben, zum Beispiel. Er zögert es wirklich bis zum bitteren Ende hinaus. Aber wir haben uns einander angenähert: Er kam früher immer eine Viertelstunde zu spät zu Terminen, ich eine Viertelstunde zu früh.

    Seit ein paar Jahren kommen wir genau zur rechten Zeit. Ich bin dann zwar immer noch mit den Nerven am Ende und er fühlt sich unter Stress gesetzt, aber immerhin pünktlich.

    Viele Grüße,
    Deine Tante

  3. Schweden schreibt:

    Hi,

    meiner einer ist pünktlich, wenn es um Termine geht, die ihm wichtig sind….naja, aber wir wußten ja was auf uns zu kommt.

  4. T. schreibt:

    ….ist ganz klar dieses verflixte X dran Schuld…..
    Und, muss ich zur Ehrenrettung erklären, die alten Platten (also die gaaaaanz alten Scheiben) kommen nur noch höchst selten auf den Teller!! Schließlich kann selbst ich einen Oboe blasenden Peter Gabriel nur an bestimmten Tagen ertragen - so wie am Sonntag mit schick Sonne auf dem kleinen Bäuchlein!

    Und Florence - Foster - Jenkins ist definitiv harter Tobak! Bin mir aber nicht sicher, wer im Extremfall eher weich würde, wenn Grande Madame mit 50 Phon durchs Wohngebiet schallt - immerhin ist ein sonorer Presslufthammer deutlich angenehmer zu ertragen als Madame!!

    T.

  5. Sheepchen schreibt:

    Also.. Die Sache mit dem Meerschwein hat mich jetzt fast vom Sofa geworfen.. Ich musste mir vorstellen, dass mir das jemand ernsthaft erzählt.. Ich hätte mich nicht zusammenreißen können…
    lg schäfchen

  6. Tante Heinz schreibt:

    Nicht wahr? Das Meerschweinchen hat was. Immer wieder. Denn das bekommt man nicht nur einmal aufgetischt.

    Ich bin allerdings frohen Mutes, denn irgendwann ist definitv alles gesagt. Mehrfach. Und dann kehrt Ruhe ein. Bestimmt.

  7. Palisander schreibt:

    Hach-meiner ist auch so! Nerven tut es mich nicht immer, aber in besonderen Situationen schon. Vor Abfahrt in den Urlaub, vor Prüfungen, vor Verabredungen zum Essen usw. Äh… sagte ich gerade, es nervt nur manchmal? Und warum ist mein Süßer immer pünktlich, wenn es zu Mama geht? Hmm… ich muß nochmal darüber nachdenken! ;-)

    Lieben Gruß von Kerstin

  8. Schweden schreibt:

    Huhu Tante Heinz,

    alles Liebe und Gute zum Blog-Geburtstag!!! Vielen lieben Dank für die vielen Einträge und das wir an Deinem Leben teilhaben dürfen.

    Und ich Danke dem Stefan und der Tagebüchideefee Lonley Lovegood, weil ich sonst nie TH kennen gelernt hätte!!!!!

    LG,
    Schweden

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