Die Omma ist weg

Heimlich still und leise hat sie sich davongemacht. Montagmorgen kam die Umzugsspedition, und als ich kurz in die Wohnung gegangen bin, um Guten Morgen zu wünschen, war sie schon fort.

Hmpf. Laut Tochter hat sie es genau so beabsichtigt, denn bevor sie ins Auto gestiegen ist, um ihre neue Bleibe im Altenstift aufzusuchen, hat sie schnell nochmal nach rechts und links gesehen, um ja niemanden verabschieden zu müssen.

Wäre ich die Omma, ich hätte es genauso gemacht. Wäre T. die Omma, er hätte es auch so gemacht. Aber traurig ist’s trotzdem, denn aktuell werden vom Quasi-Hausmeister schon die Teppiche rausgerupft, um Laminat reinzuzimmern. Und sie hat den ganzen Kitsch aus dem Gemeinschaftsflur mitgenommen, den ich tatsächlich ins Herz geschlossen hatte. Jetzt ist es hier ganz schön leer.

Immerhin: Die Wäscheleinen gehören für ganze vier Wochen mir allein, ich kann nun mitten in der Nacht die Waschmaschine anschmeißen, wir können die Türen knallen, uns schmutzige Wörter vom Keller ins Obergeschoss zurufen und uns rundherum schlecht benehmen.

Gestern ist mir aufgefallen, dass ich jetzt schon fast ein Jahr hier herumtreibe. Ganz schön schnell rum, so ein gruseliges Jahr.

Und verursacht gruselige Stimmung. Vielleicht ist es aber auch der Vollmond. Oder PMS. Oder die Omma. Oder die Kälte vor der Tür. Oder diese blöde Mandelentzündung, nie mir immer noch nachhängt. Was weiß ich. Ganz schön grau im Tantenkopf.




2 Kommentare to “Die Omma ist weg”

  1. Sheepchen schreibt:

    Ich bin auch mandelgeplagt..
    Schade, dass ich soweit wegwohne, sonst könnten wir gemeinsam unseren Schmerz durchs Treppenhaus jammern wie zwei olle Schloßgespenster.. *jauuuuul*

    LG Schäfchen

  2. T-Punkt schreibt:

    Ach Tantchen…..
    (*pat pat pat aufdieSchulterklopf*)

    Vorbei die Zeit, als uns unfassbar leckere Bratendüfte im Hausflur entgegenwehten und der ohnehin zwischen den Knien baumelnde Magen endgültig auf dem harten Boden unseres leeren Kühlschranks aufschlug…..

    Vorbei die Zeit, wo wir beide Ommas tigergestreifte und leopardengetupfte Negligès im Wäschekeller staunend bewunderten…..

    Vorbei die Zeit in der wir uns wunderten, in welchen Ecken Omma mit 82 Jährchen noch rumstrauchelt um sauberzumachen …..

    Dafür haben wir jetzt Ommas alten Küchenschrank, dem ich im Winter zu Leibe rücken werde, damit man das hübsche Buchenholz sieht und der manch neidvollen Blick produzieren wird, wenn er fettich den Flur ziert…..
    Und nicht zu vergessen den original Graupner Bügelsägenkasten mit 70er Jahre Indianervorlagen der eigentlich auf den Müll sollte…..

    Verabschieden werden wir uns von Ommas riesiggroßer waschechter Palisander Wohnzimmerwand. Vermutlich sündhaft teuer und heutzutage mangels Palisanderholz nicht mehr zu bekommen……
    (ich werde heute vorm Sperrmüllhaufen noch ein Tränchen wegdrücken)

    Und ehrlich gesagt wird mir auch der Rollator fehlen, der immer so hübsch auf der Terasse parkte!

    Und nun? Nun kommt “Bruder Posaune”! Dieser kleine Terror-Terrier, den die Katzen meiden, obwohl sie ihn eigentlich schon ziemlich lieben…
    Dazu die beiden PC verliebten “WorldOfWarcraft-Zocker”! (Ob die wohl Ingame heiraten - Troll heiratet Ork??)
    Und mein Account ist gestern abend ausgelaufen und ich habe ihn nicht verlängert - erstmal - *schnief*!
    Dafür kommt heute Holz! Satt Holz!
    Wir vergrößern noch den Sperrmüllhaufen und danach machen wir erstmal ordenlich Feuer im Kamin!

    Hurra!

    T.

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