Hui…
…was kann der T. wütend werden, wenn es um Krankenkassen geht. Schon vorgestern mittag hat er am Telefon angekündigt, mit welch’ garstigen Foltermethoden er den Krankenkassenschnurzelpurzel traktieren wird. Nun ist es also Frau Schmidt. Auch gut.
Mir ist jetzt alles wurst. Das Gefühl, von der KK betuppt worden zu sein, bleibt, da können die Erklärungen vom Stapel lassen, wie sie lustig sind.
Immerhin: Rechnen wir das, was sie für’s extrakorporale gezahlt haben zusammen mit dem, was sie für T. gezahlt haben, kommen wir immerhin auf 50% der Kosten, mit denen wir für T. gerechnet haben.
Das ist fast schon Grund für eine Sause. Jetzt gönnen wir dem Heini ein bis zwei Monate Ruhe, und dann bringen wir ihm den Antrag für ICSI Nummer 2. Wir wissen ja nun, wie’s geht.
Heute morgen begrüßte mich T. mit den Worten “Na, Struppi?”. Sollte wohl doch mal wieder zum Friseur. Der Tag begann vielversprechend.
Danach wahrscheinlich eine Privatpatientin verloren, der ich gesagt habe, dass ihr Sohn sich schlecht benimmt. Oder wie nennt man das, wenn ein vierjähriger Junge Haba-Mohrenköpfe in Richtung Therapeutenkopf wirft, obwohl er diese eigentlich ganz nett findet? Ist das eventuell als Ausdruck von Zuneigung zu werten? Aufheben wollte er sie auch nicht. Hmpf. Manchmal werde ich aus Kindern nicht schlau.
Nun ja. Ich bin ja mittlerweile Fan von klaren Worten. Und bin gespannt, was nächste Woche passiert.
Der Nachmittag geht mit diversen anderen unerzogenen Kindern (…ja, unerzogen…. Und ich kann das tatsächlich beurteilen, obwohl ich keine eigenen habe….) weiter, denn heute ist der böse Donnerstag. An allen anderen Tagen kommen lauter nette Jungs und Mädels, die zwar manchmal der Hafer sticht, die grundsätzlich aber das Wort “Regel” kennen.
Und so viele Regeln gibt es bei mir gar nicht. Komisch. Muss das Regelwerk unbedingt erweitern. Für beide Seiten.
Z.B. Man haut seine Mama nicht. Oder: Man lässt sich von seinem Kind nicht unkommentiert hauen.
Man schubst keine Kinder von der Rutsche. Oder für Mamis: Man steht nicht neben der Rutsche, sieht dass der Sprössling jemanden ebendort runterschubst und sagt hinterher: Mein Sohn war das nicht. (Der größte Schenkelklopfer der letzten Woche.)
Man klaut keine Bücher.
Man geht einfach mal nicht zu McDonalds, wenn das Kind sich vorher benommen hat, wie die Axt im Wald.
Man reißt keine Kochrezepte aus Zeitschriften und beklagt sich zwei Wochen später darüber, dass keine aktuellen Exemplare mehr ausliegen.
Man nimmt einfach mal eine Klobürste, nachdem man fremde Toiletten benutzt hat.
Man schreitet ein, wenn Kinder ein Wartezimmer mit Salzstangenkrümeln (..wieso nicht gleich Popcorn?) verwüsten. Oder fragt nachher nett nach einem Handfeger.
Man beklagt sich nicht darüber, dass Tante Heinz mittags um 13 Uhr nicht ans Telefon geht. ( ??? )
Und man sagt Tante Heinz nicht, dass sie Erziehungsdefizite erst beurteilen kann, wenn sie eigene Kinder hat. Ganz großes Ausrufezeichen. Riesenausrufezeichen. Durchgefallen, setzen, Klappe halten. Oder durchgefallen, rausgehen und Kind bitte nicht vergessen.
Hachje. Manchmal fehlt mir wirklich jegliches Verständnis. Kein Wunder, dass die Super-Nanny so viel zu tun hat.
Brauche ich etwa Urlaub? Oder schicke ich die Donnerstag-Besucher alle mal ins Boot-Camp?
Noch eine Sache, die ich nicht verstehe: Stehe ich eben vor dem Küchenfenster, kommt der Altglaslaster. Vor unserem Haus stehen die Altglascontainer des Dorfes. Ich bin ja immer dafür, den Müll zu trennen. Ich bin eigentlich auch großer Fan vom gelben Sack.
Mein Mann nicht. Neulich haben wir eine Reportage gesehen, die mir klargemacht hat, dass mein Denken zu idealistisch ist. Stimmt alles nicht. Mülltrennung ist Arbeitsbeschaffung für arme alte Tanten, die denken, damit täten sie der Welt etwas Gutes.
Ich trenne jedoch immer noch, einzig und alleine aus dem Grund, dass die graue Tonne ansonsten sehr schnell an den Rand ihres Fassungsvermögens gebracht würde.
Was mir aber immer noch immensen Spaß bereitet, ist der Gang zum Altglascontainer. Grün - Braun - und Weißglas wird mit Freuden in die dafür vorgesehenen Löcher geschmissen.. Finde ich gut. Klirrt schön.
Lange Rede, kurzer Sinn: Der Kran hebt die Dinger hoch und schüttet alles zusammen in den Laster. Ich war Zeuge. Und nein, da ist keine Trennwand im Container gewesen. Das war eine große Fläche mit bunten Glasscherben. Mein letztes Stückchen aufrechterhaltenes Weltbild wäre somit auch zerstört. Keine Argumentation gegenüber T. mehr möglich, der mir das vor Jahren schon gepredigt hat, alles in eine Tonne schmiss und mich Öko-Trine nannte.
Soviel zum Tage. Die angekündigte Sonne lässt sich auch nicht blicken. Wir werden sehen, was der Tag uns noch bringt. Wahrscheinlich einen Tritt vor’s Schienbein. (”Das würde mein Junge nie tun…”
Heute abend ist’s definitiv mal wieder Zeit für den Wald.
Donnerstag, 13 September 2007 um 1:30 nachmittags
Wow!! Zeit für den Wald. Richtig. Ich habe mir schon überlegt, ob ich mir einen Sandsack in die Waschküche hänge. Ganz unauffällig neben die Schiesser Feinripp.
Aber Dein Praxis-Alltag ist exakt richtig formuliert. Wenn man schon Bremssteifen vom Bob Deutschland im Lokus hinterlässt, kann man die Rodelbahn auch ruhig wieder glatt polieren. Aber manche Leute kennen gar keine Klobürste. Keine Ahnung, was die denken, wofür der Mini-Besen da steht
Aber das schlimmste daran ist, dass diese (Über-)Mütter auch noch ihre Kinder schützen möchten. Das werden dann später mal die sogenannten Terroristen… also bleib schön hart, Tante Heinz, hörst Du?
Du gehörst somit schliesslich zum GSG 9.
Und immer schön locker durch die Hose atmen.
LG Frau Mausebaer
P. s.
Leider haben wir im Wartezimmer Seramis in den Töpfen (tolle Idee), das sich auch gerne größter Beliebtheit zum Ausstreuen erfreut. Aber: Keiner war´s!
Donnerstag, 13 September 2007 um 6:10 nachmittags
Ich finde schlimm, dass die Menschen mit den hinterlassenen Bremsspuren genau zu der Sorte gehören, deren Klo zu Hause jeden Tag mit Sagrotan geputzt wird. Und wo Krümel auf dem eigenen Fußboden einem Weltuntergang gleichen.
Aber woanders kann man’s ja machen. Und irgendein Depp macht’s schon weg.
Locker durch die Hose atmen. Das ist der Schlüssel zum Glück. Ich sach’s ja immer.
Freitag, 14 September 2007 um 8:24 vormittags
Warum ist das eigentlich so, dass Eltern verzogener Blagen immer denken, dass man das nicht beurteilen kann, wenn man “keine eigenen hat”? Denken die man wird dann blind dafür und SIEHT nicht mehr, wie sie sich benehmen? Oder müsste man so dankbar sein, dass andere Kinder haben, dass man das Verhalten tolleriert??? Oder glauben die, Kinderlose werden es nicht schaffen ihre späteren Kinder zu erziehen??? Ich seh den Zusammenhang nicht. Aber das macht ja nichts.
LG Schäfchen
Freitag, 14 September 2007 um 9:01 vormittags
Ich weiß nicht, ob sie das wirklich glauben. Ich denke immer, das ist die letzte Argumentation, die bleibt, wenn man in der Ecke steht und eigentlich weiß, dass man’s versaubeutelt hat.
Freitag, 14 September 2007 um 10:06 vormittags
Erstaunlicherweise gehen diese Eltern zu einem (kinderlosen) Therapeuten um Ihre kleinen Problemchen wieder geradeziehen zu lassen. DAS ist in Ordnung, aber wenn’s um allgemeine Erziehungsdefizite geht, dann hat der (kinderlose) Therapeut auf einmal keine Kompetenz mehr……
Im Bereich der QM sind Branchenfremde Auditoren (die Nervensägen, die regelmäßig ein Unternehmen auf Links ziehen und 500 Leute in Wallung bringen) gern gesehen! Denn die sehen eine Firma nicht aus verfahrenstechnischen Blickwinkeln sondern neutral im Sinne der zugrundegelegten Normen! Üblicherweise sind diese Leute dann die sog. “Bad Guys”, die immer den Finger in die offene Wunde stecken, Salz dazu streuen und ordentlich pruckeln….
Aber nur so gehts vorwärts!
In diesem Sinne sind kinderlose Therapeuten eher ein Gewinn, da die sich auf das Wesentliche (das Ergebnis) konzentrieren!
T.
Freitag, 14 September 2007 um 3:49 nachmittags
Liebe Tante Heinz!
Habe hier ein schönes Zitat für Dich:
“Schakkeline, kom wech von die Regale, Du Arsch!” (Mutter zu ihrer vierjährigen Tochter in der Süßwarenabteilung eines Kaufhauses)
Ist das nicht ganz liebreizend, pädagogisch sehr wertvoll und nachahmenswert?
Liebe Grüße von Kerstin
Freitag, 14 September 2007 um 4:07 nachmittags
Liebe Kerstin,
hrhrhr…. Das nenne ich tatsächlich nachahmenswert.
Allerdings: Mit den Schackeline-Eltern komme ich am besten klar. Denn die kommen ihrerseits damit klar, wenn sie nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Und meistens verstehen sie, was ich ihnen sagen will. Wenn sie manchmal auch nur einen Bruchteil davon umsetzen.
Schlimm sind die “Außen Hui - Innen Pfui” - Eltern, die sich immer wieder demonstrativ von den Schackeline-Eltern distanzieren und alles besser wissen. Und die machen mich bratzig.
Freitag, 14 September 2007 um 10:49 nachmittags
Wie sagte Günter Grünwald so schön?
“Hoid dei Fotzn, du Scheißkrüppel! Mama und Papa schaung si grad die Super-Nanny o.”