Archive forSeptember, 2007

So. Dieser Geburtstag wäre schon mal geschafft. Mannomann. Bin ich erleichtert.
Auf der Hinfahrt habe ich zum wiederholten Male Namen auswendig gelernt, denn auch nach 10 Jahren komme ich mit den Verwandtschaftsverhältnissen einfach nicht klar. Zu viele Namen für die vergessliche Tante. Außerdem halten wir uns bekannterweise sehr gerne zurück, was große Familientreffen anbelangt.

Das Kind, das beim letzten Treffen noch gestillt wurde, ist mittlerweile drei, hat eine Schwester dazubekommen und ich habe die Mutter nicht erkannt, geschweige denn, mir ihren Namen gemerkt. Sie sich meinen aber auch nicht. So in etwa kann man sich mein Verhältnis zu den 1000 Cousins und Cousinen meines Mannes vorstellen. Zwar allesamt sehr nett, aber es ist nicht schlimm, wenn man sich jahrelang nicht sieht.

Und als ich mich mal wieder draußen aufhielt, unterhielt ich mich gerade mit dem Vater meines Patensohnes über das letzte Familientreffen. Damals saßen wir zusammen im Wald auf einem Baumstamm und mussten “Puff, the magic dragon” hoch und runter singen. Glücklicherweise war genau der Cousin, der diesen Singsang initiierte, gestern nicht vor Ort.

Unser Lachen verebbte, als Cousin Nummer 423 mit seiner Gitarre an uns vorbeischlich.

Na super. Immer diese Lehrer. Überall haben sie ihre Gitarren dabei. Schrappschrapp.

Liederzettel wurden verteilt, und der Gedanke an Flucht war aussichtslos. Mein Papa neben mir ist 1000 Tode gestorben und wird wahrscheinlich nie wieder eine Familienfeier der Gegenfraktion besuchen.

Ich singe wirklich gerne. Und ich mag Lagerfeuerromantik. Aber Dinge wie “Nimm mich an die Hand und lass und Freunde sein” machen mich wirklich fertig.

T. begann irgendwann, aus den Liederzetteln Papierflugzeuge zu bauen. Papa war nicht einverstanden mit der Gestaltung der Fliegerspitze und bastelte das Konkurrenzmodell. Böse Blicke von der Lehrerfraktion auf der rechten Seite. Wenn die wüssten, dass der Fliegerbauer selbst Lehrer war, hätten sie ihn wahrscheinlich öffentlich getadelt. Im Gästebuch mit roter Tinte.

Es hat Bindfäden geregnet. Es war kalt. Trotzdem traf man vereinzelt Gäste draußen. Oft mich, wenn ich eine kinderlose Zone brauchte. Oft T., aus demselben Grund. Unseren Patensohn, dessen allererste Freundin Schluss gemacht hat, die olle Bratze. Wenn die wüsste, was für ein Goldstück sie da hat laufen lassen. Oft den Vater meines Patensohnes, der seine Frau gerade mal wieder nicht leiden kann.

Tante E. hat noch schön ne Flasche Rotwein vom Tisch gefegt, die fatalerweise die weiße Wand bekleckert hat.

Auf dem Geschenketisch lag eine Karte, auf der meiner 70jährigen Schwiegermama zum 75. gratuliert wurde. (Sehr beruhigend, dass nicht nur ich durcheinanderkomme in dieser Familie.)

Der prollige laute Onkel, dessen Namen ich schon wieder verdrängt habe, machte mich darauf aufmerksam, dass die nächste Feier doch eine Taufe werden könnte. Jaja. Träum weiter, du doofer Onkel. Um Geistesgestörtheit bei unserem Kind auszuschließen, wird er mit Sicherheit nicht mit am Taufbecken stehen. Prävention ist alles.

Insgesamt war’s aber eigentlich recht nett. Jetzt ist aber auch erst einmal wieder Ruhe.

Meine Schwiegermama war am Ende fix und alle, aber sehr zufrieden. Und das war in der Tat die Hauptsache.

Heute fühle ich mich, als hätte man mir mit einem dicken Hammer auf den Kopf geschlagen, was allerdings nicht schlimm ist, denn ich habe ja den ganzen Tag Zeit, mich zu regenerieren. T. scheint auch noch ein bisschen zu brauchen, sein Schnarchen ist immer noch sehr sonor und regelmäßig.

Idealer Tag, um zum Beispiel gedanklich den Keller aufzuräumen. Denn in zwei Wochen sollen da die Wände gestrichen werden. Uah. Bis dahin müssen wir es erstmal schaffen, dass man die Wände wieder sehen kann.

Hat jemand Interesse an einem 160L-Aquarium mit allem Zippizappi? Bevor es der Maler versehentlich mitstreicht (…man muss ja immer vom Schlimmsten ausgehen… ;) , würden wir es doch lieber verkaufen….

Der letzte Maler ist mir noch in guter Erinnerung:

Am Donnerstag vor Ostern hat er alle Fenster von außen mit Folie zugeklebt und ist nach Hause gefahren. Wir haben das Osterwochenende bei 90%-iger Luftfeuchtigkeit in unserer Wohnung verbracht, ehe er am Dienstag wiederkam und anfing zu streichen.

Ich hoffe doch mal sehr, dass es diesmal ein anderer ist.

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Tante G.

Wie gesagt, gestern war Mutters 70ter Geburtstag. Wie immer auf irgendwelchen Festivitäten, verschiebe ich den Besuchstermin gerne nach hinten, um so der bölkenden Kinderflut zu entkommen. Hat gestern leider nicht geklappt…
Und wie immer war auch der Neffe/die Nichte dort, der/die uns immer spüren lassen, dass wir auch so einen Zwerg wollen, weil einfach nur zuckersüß! Allerdings auch der Neffe, der uns jubilieren lässt,
dass dieser Kelch bisher an uns vorbeigezogen ist …

Neben einigen Vertretern der örtlichen Vereine, die Mutter immer noch tatkräftig unterstützt, einem Haufen Söhne nebst Stammhaltern war auch Tante G. da!
G. ist die Frau von Onkel K.! Onkel K. ist mein Patenonkel! ein Bilderbuchonkel, der als Kind mit einem Schraubenschlüssel in der Hand geboren wurde. Ein Bilderbuch-Handwerker und eine Seele von
Mensch!
Dummerweise ist er in früher Reife G. über den Weg gelaufen und hat mit dem ersten Techtelmechtel
gleich einen Sohn gezeugt. Damals hieß das Heirat und so kam G. in die Familie…
Nun, G. ist nicht sehr helle, vorsichtig formuliert ist sie “suboptimal intelligent”, quasi von sehr einfacher Natur. Zudem sammelt sie alles was man sammeln kann (man weiß ja nie… ;) Joghurtbecher, Zeitungen, Waschmittelverpackungen, halt Einwegverpackungen aller Art. Diese Gabe hat sie dann dem Erstgeborenen vererbt. Der hat sich jedoch spezialisiert:
Auf Autos und Motorenteile!
Nun ist das Elternhaus nicht nur mit Einwegverpackungen vollgestopft, sondern auch noch mit Motoren- und Autoteilen. (unter anderem ein 2,4l BMW-Motorblock im ehemaligen Kinderzimmer)
K. hat mittlerweile aufgegeben, ist arbeitslos und sitzt hauptsächlich in seiner kleinen Werkstatt,
in welcher er wegen starkem Knochenverschleiß aber auch nix mehr machen kann - immerhin lagert dort keine Sammelware….!
Die Autos von Sohn D. stehen überall im umkreis von 25Km herum. Dann kommt nach ein paar Monaten das Ordnungsamt, klebt einen roten Zettel drauf und wenn Sohn D. nicht schnell genug reagiert, kommt der Schrottsammler. Oder D. ist schneller, dann steht die Karre 2Km weiter. Tante G. findet das völlig in Ordnung!
Auch dass Sohn D. sich ein Haus gekauft hat, dass er aber nicht bewohnt. Denn das Haus ist prima! In den Garten passen nämlich 15 Autos, in die Garage 3, vor dem Haus nochmal 3. Etage 1 beinhaltet Karosserie- und Motorteile, Etage 2 ist für Motorräder reserviert. Der Schuppen beinhaltet?
Richtig! Ein Auto und Teile! Und mitunter sind die Wagen erst 3-4 Jahre alt, also eher teuer! Und kein Nippes, hauptsächlich BMW, allenfalls mal nen Ford!
Nein, er handelt nicht! Er sammelt!
Wofür? Weiß er nicht, man weiß ja nie….

Unter diesem Hintergrund ist das Familienverhältnis zu G. etwas angestrengt. Alle bemühen sich um
Nettigkeit, aber im Prinzip sind alle nur froh wenn es Onkel K. gut geht.

Und in einem Zusammenhang, der mir gerade nicht mehr einfallen will, wies mich Tante G. gestern
abend zurecht, dass ich sowieso nicht mitreden könne, denn ich hätte ja nun mal keine schulpflichtigen Kinder….
Mir fielen schlagartig 2.000 Dinge ein, die ich ihr zum Thema Kinder an den kopf schmeissen wollte,
aber Mutter feierte den 70ten und so kam nur ein giftiges “Bäbäbäbäbä” aus meinem Schlund und ein satter Tritt von Tante Heinz traf mein Schienbein!

Nein, Familienfeiern mit schlauen Eltern noch schlauerer Kinder sind wirklich anstrengend. Bei
unvorsichtig formulierter Kritik gerate ich sehr schnell in Zorn, den ich dann auch gleich noch formulieren muss. Blöderweise ist mein Gegenüber dann völlig am Ende, denn meine Verbalattacke ist dann nichts für zartbesaitete. Bin quasi ein Partykiller.

Nun denn. Samstag ist an 11°°Uhr Showtime mit der ganzen Mischpoke. Naja, ein reduzierter Teil meiner Mischpoke. Denn wenn die anderen auch noch alle anrücken würden, würde es aber richtig voll:
Mehr als 20 Cousins/Cousinen mit weit über 30 Schröcheln plus Ehegatten Onkeln und Tanten - Auweia!

Werde mich zusammenreissen und brav die Schnute mit Kuchen vollstopfen.

T.

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Vergessen

Vorgestern fuhr ich zur Bank, um den Rest unserer ICSI-Rechnungen zu zahlen.

Vor drei Wochen hatte uns T.’s Krankenkasse ja einen netten Brief zukommen lassen, in der sie uns die Überweisung der paar Kröten in den nächsten drei Tagen zusicherten. In Anbetracht der Gesamtrechnung zwar nur ein paar, aber fest eingeplante Kröten. 500, um genau zu sein.

Auf die Überweisung haben wir uns dann auch einfach mal verlassen.

Pustekuchen. Keine Kohle da.

Wütende Tante. Sehr wütend. Fast wäre sie geplatzt. *zorn* Gottseidank mit einem Gatten, der gestern Urlaub hatte, um den Umstand zu klären.

Der Umstand ist ein einfacher: Die Gesundheitskasse hat’s vergessen. Der Krankenkassenfuzzi ist in Urlaub gefahren. Höchstwahrscheinlich mit seiner Frau und seinen 45 Kindern, um entspannt die Nummer 46 zu produzieren. Keiner wusste Bescheid.

Bis Montag haben wir angeblich unser Geld. “Sie können sich auf uns verlassen, Herr T.” Jaja… Ist klar. *hintern*

Eins weiß ich nun: Die ICSI an sich war ein Spaziergang gegen das, was wir im Vor- und Nachhinein für einen Ärger mit dem gesamten Drumherum hatten.

Vor ein paar Wochen hätte ich direkt den nächsten Versuch starten wollen, um endlich Klarheit darüber zu haben, ob wir jemals eine hübsche kleine Tante Heinz und TPunkt-Mischung in unser Bürokinderzimmer einquartieren können.

Letzte Woche habe ich noch darüber nachgedacht, mal vorsichtig beim Gatten anzufragen, was er von der groben Planung November/Dezember hält.

Jetzt habe ich die Faxen einfach nur dicke. Keinesfalls mehr dieses Jahr.

Eher stecke ich meine Energie in den Ausdruck und das Binden dieses Tagebuchs, um dem Herrn von der Krankenkasse ein Weihnachtsgeschenk überreichen zu können. Mit Kündigung des Versicherungsverhältnisses als Epilog. Und Totenkopf auf dem Einband.
Seit der Klinefelter-Diagnose wird er uns jedoch wahrscheinlich nur freudestrahlend mit einem frischgewaschenen duftigen Taschentuch hinterherwinken und ein Fass mit der Belegschaft aufmachen.

Ansonsten kann man sagen: Uns geht’s ganz gut. Haben gestern den Vorlauf zum 70. Geburtstag meiner Schwiegermutter hinter uns gebracht und uns wacker den vielen Enkelkindern gestellt. Die eigentliche Bewährungsprobe findet morgen statt, denn dann steigt die Party. Mit noch mehr Kindern.

Gestern wurden sie bereits aufgezählt, mir ist schon mal prophylaktisch schlecht geworden. Aber das werden wir schon irgendwie wuppen.

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Die Omma ist weg

Heimlich still und leise hat sie sich davongemacht. Montagmorgen kam die Umzugsspedition, und als ich kurz in die Wohnung gegangen bin, um Guten Morgen zu wünschen, war sie schon fort.

Hmpf. Laut Tochter hat sie es genau so beabsichtigt, denn bevor sie ins Auto gestiegen ist, um ihre neue Bleibe im Altenstift aufzusuchen, hat sie schnell nochmal nach rechts und links gesehen, um ja niemanden verabschieden zu müssen.

Wäre ich die Omma, ich hätte es genauso gemacht. Wäre T. die Omma, er hätte es auch so gemacht. Aber traurig ist’s trotzdem, denn aktuell werden vom Quasi-Hausmeister schon die Teppiche rausgerupft, um Laminat reinzuzimmern. Und sie hat den ganzen Kitsch aus dem Gemeinschaftsflur mitgenommen, den ich tatsächlich ins Herz geschlossen hatte. Jetzt ist es hier ganz schön leer.

Immerhin: Die Wäscheleinen gehören für ganze vier Wochen mir allein, ich kann nun mitten in der Nacht die Waschmaschine anschmeißen, wir können die Türen knallen, uns schmutzige Wörter vom Keller ins Obergeschoss zurufen und uns rundherum schlecht benehmen.

Gestern ist mir aufgefallen, dass ich jetzt schon fast ein Jahr hier herumtreibe. Ganz schön schnell rum, so ein gruseliges Jahr.

Und verursacht gruselige Stimmung. Vielleicht ist es aber auch der Vollmond. Oder PMS. Oder die Omma. Oder die Kälte vor der Tür. Oder diese blöde Mandelentzündung, nie mir immer noch nachhängt. Was weiß ich. Ganz schön grau im Tantenkopf.

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Sehnsucht

…scheint unser Ex-Vermieter nach mir zu haben, denn vor der Tür, die ich nicht geöffnet habe, weil ich derweil kränkelnd im Bett lag, stand mal wieder ebendieser.

Beim letzten Mal, als er Einlass begehrte, lag ich ebenfalls im Bett. Am Tag nach meiner Punktion. Ich beging den Fehler, die Tür aufzumachen, weil ich dachte, T. habe den Schlüssel vergessen.

1/2m: “Hallo Tante. Ich bring Dir hier was Hübsches.” (Nebenkostenabrechnung mit eingeschummelter nachträglicher Mieterhöhung.) “War schon an Deiner Arbeitsstelle, aber da war schon zu.”

“Jupp. Wie man sieht, komme ich aus dem Bett.”

1/2m: “Wieso? Biste krank?”

“Ja.”

Tante Heinz wendet sich der Treppe zu.

1/2m: “Was haste denn? Fieber?”

“So ähnlich.” (”Nein, mir wurden heute sechs Eizellen abgesaugt, aber sonst ist alles supi. Soll ich dir etwas über die Beschaffenheit meiner Eierstöcke erzählen, dann komm doch rein…” ;)

Ich legte mich wieder ins Bett und war gerade dabei, nachzudenken, dass der Mann immer nur dann klingelt, wenn T.’s Auto nicht vor der Tür steht, da klingelte es schon wieder. Wieder der 1/2m. Wollte noch ne Unterschrift von mir. Kranke Tanten sind so leicht über’s Ohr zu hauen….

Fünf Minuten später kam mein Gatte wieder und bedachte mich mit vorwurfsvollen Blicken, weil ich meinen Namen unter diese ominösen Zettel gesetzt hatte.

Fast hätte ich meinen Verfolgungswahn vergessen. So ein Ortswechsel tut doch ganz schön gut.

Heute wieder krank. Zwar unpunktiert, dafür aber mit Medizin vollgestopft (…die wirklich hilft, ich gehe nun immer direkt am ersten Tag der Qual zum Doc… ;) .

Seit mittags lag ich im Bett. Erst machte die Katze Alarm. Dann klingelte das Telefon. Dann klopfte es laut an der Tür der Omma. Dann guckte Omma “Sturm der Liebe”, und das sehr laut. Dann schlief ich ein und träumte von diversen Dingen, die heute krankheitsbedingt unerledigt bleiben mussten. Wachte wieder auf.

Beschloss, mir etwas zu Essen zu machen, weil schlafen heute irgendwie nicht sein sollte.

Und da klingelte es. Zweimal.

Wenn es zweimal langsam klingelt, ist das immer ein Alarmzeichen. Dann sind das entweder die Mädchen aus der Straße unter uns, denen langweilig ist und die sich denken, wir zeigen Tante Heinz mal unser neues Fahrrad/dass wir Fahrrad fahren können/unsere neue Schultasche oder wir fragen sie, ob sie mit uns spielt. (?????? Mache anscheinend einen verspielten Eindruck und habe immer noch keine Ahnung, was die haben… ;) .

Oder es ist der halbe Meter. In beiden Fällen lässt man die Tür am besten zu.
Bingo. Er hatte freundlicherweise so geparkt, dass ich sein schnittiges Automobil sehen konnte.

Scheint ein Automatismus zu sein.

Tante krank, T. weg, Exvermieter da.

Da ist er wieder, der Verfolgungswahn. So langsam macht mir der Herr wirklich Kummer. Kann der nicht einfach anrufen? Kann er nicht mal eine Briefmarke auf seine ominösen Schreiben pappen und sie in den Kasten schmeißen?

Und kann ich nicht einfach mal sagen: “Hömma, Herr 1/2m, Schluss mit den Spässchen, wende dich an den Herrn des Hauses, der ist gemeinhin abends wieder da!?”

Nein. Geht nicht. Ging noch nie. Dieser Mann legt irgendeinen Schalter bei mir um, der jegliche gesunde Reaktionsmechanismen ausschaltet.

Gnagnagna… Und nun bin ich doch sehr neugierig, was er eigentlich wollte.

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Erwischt

Okay. Nun ist sie also da. Die Erkältung, die seit fast einem Jahr immer nur für die Dauer eines Strohfeuers bei mir Halt gemacht hat.

Mit voller Wucht kündigt sie sich an: Nase juckt und läuft, Hals tut weh, Kopf brummt, Ohren machen sich bemerkbar, Hörsinn unzuverlässig. Schlappe Tante.

Ich habe mich verkühlt, kann ich vornehm vermelden.

Dabei war heute morgen noch alles ganz töfte…
T. machte mich freundlicherweise darauf aufmerksam, dass mein Autoschlüssel in seinem Auto liegt. 25 km entfernt von mir. Hui. Den hatte ich gestern abend dort liegen gelassen. Ersatzschlüssel natürlich nicht auffindbar. Glücklicherweise konnte er ihn mir bringen, bevor er sich aufmachte, um bei irgendeiner ominösen Firma seine heilenden Hände auszupacken.

Meine Besucher am heutigen Morgen waren, wie soll ich sagen, sehr nett. Wobei ich nicht zu laut loben will, wer weiß, was heute nachmittag noch kommt. Nebenbei bemerkt waren sie alle erkältet, aber selbst in dieser Beziehung kann ich ihnen nicht die Schuld in die Schuhe schieben.

Wie blöd. Sollte ich selbst Schuld sein, weil ich immer barfuß durch die Bude renne, keine Jacke anziehe und noch nicht mal an einen Schal denke, weil ich mich seit Monaten für erkältungsresistent halte? Mal Mama fragen…. Die hat mich schon immer gewarnt.

Gut. Nun heißt es Zähne zusammenbeißen, den Rest des Tages auch noch wuppen und heute abend Tee trinken bis zum Umfallen, inhalieren, bis ich mich in Luft auflöse und die Oma-Wärmflasche unter die Decke schmeißen.

Wäre doch gelacht, wenn ich den morgigen Tag nicht auch noch schaffen würde. Freiberufler sind nun mal gerne am Wochenende bettlägerig.

Eigentlich wollte ich mich ja morgen gegen Grippe impfen lassen. Das kann ich wohl mal ganz gepflegt abhaken. Sehe mich eher beim Vertretungsdoc auf der Liege sitzen und um schnellstmögliche Heilung mit den größten, dicksten und stärksten Tabletten winseln, die er zu bieten hat.

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TomToms sind das Letzte…

….ich nehme zukünftig nur noch die Landkarte. Oder den Schwedenmann. 10 Minuten hat die kleine Dame im Navigationsgerät mich angezickt, während ich hinter Schwedens Auto hergedüst bin, das mich zur richtigen Autobahn geleitet hat. Hatte fast das Gefühl, sie wurde immer lauter. Und weil ich mich 10 Minuten geweigert habe, umzudrehen, hat sie irgendwann begriffen, dass mit mir nicht zu spaßen ist und hat sich umorientiert. Auf der Hinfahrt hat sie mir nämlich so ziemlich alle Autobahnen des Ruhrgebietes vorgeführt.

Hätten wir das auch geklärt. Lernen diese Geräte eigentlich? Oder bleibt die Frau so doof?

Das Wochenende, das wir eigentlich als “WirmachendieTürzuundstellendieKlingelab-Wochenende” geplant hatten, wird nun doch gestört durch eine Essenseinladung heute abend (Steak… Und ich muss es nicht braten? Da komme ich doch gerne… ;) und ein Brunch morgen früh. Auch sehr gerne.
Ich hoffe, das Steak wird nicht so schlecht wie der Braten, den ich letzte Woche den Gastgebern serviert habe. Lasse nie deinen Gatten die Zutaten für ein Abendessen besorgen, ohne vorher mit ihm abgesprochen zu haben, was du zu leisten bereit bist.

“Ich habe einen Braten mitgebracht.”

“Und, was machen wir dazu?”

“Wie, dazu?”…

Tanten-Überforderung von Anfang an, das konnte nur schiefgehen. Beim nächsten Mal gibt’s wieder Spaghetti. Darin bin ich firm.

Wieso müssen Briefträger eigentlich immer dann versagen, wenn ich ein Paket bekomme? Die Oma untendrunter nimmt eigentlich alles entgegen, was man ihr anbietet. Legt es entweder zuverlässig auf die Treppe oder (was öfter vorkommt… ;) sie wartet, bis sie die Haustür hört und nutzt die Chance für einen ausgedehnten Plausch.

Gestern war ich nicht da, wie immer, wenn Postbotenzeit ist. Jetzt liegt das Paket 10 km entfernt bei meiner Lieblingspoststelle. Leider nicht bei der Omma. Sondern bei den Damen, die immer noch einen Personalausweis von mir verlangen, obwohl ich zweimal die Woche dort für Probleme sorge. Oder gerade deswegen? Ich glaube, ich schicke heute T. dorthin und mache die Probe auf’s Exempel. Schätze, Männer haben bei denen ein leichteres Spiel.

Apropos Probleme: Gestern ist schon wieder ein Wasserrohr geplatzt. Diesmal allerdings im Außenbereich. Rauschrausch…. Der Bagger war sofort zur Stelle und hat erstmal schick das Gebüsch weggeschüppt. Anscheinend ist das Problem jetzt behoben, der Vermieter allerdings steht wahrscheinlich kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

Ich weiß schon, warum wir in die erste Etage gezogen sind. Hier bleibt wenigstens alles trocken, sollten die Wasserschäden sich in den nächsten Wochen weiterhin potenzieren.

Und die Omma wird selbstverständlich durch uns gerettet.

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Hui…

…was kann der T. wütend werden, wenn es um Krankenkassen geht. Schon vorgestern mittag hat er am Telefon angekündigt, mit welch’ garstigen Foltermethoden er den Krankenkassenschnurzelpurzel traktieren wird. Nun ist es also Frau Schmidt. Auch gut.

Mir ist jetzt alles wurst. Das Gefühl, von der KK betuppt worden zu sein, bleibt, da können die Erklärungen vom Stapel lassen, wie sie lustig sind.

Immerhin: Rechnen wir das, was sie für’s extrakorporale gezahlt haben zusammen mit dem, was sie für T. gezahlt haben, kommen wir immerhin auf 50% der Kosten, mit denen wir für T. gerechnet haben.

Das ist fast schon Grund für eine Sause. Jetzt gönnen wir dem Heini ein bis zwei Monate Ruhe, und dann bringen wir ihm den Antrag für ICSI Nummer 2. Wir wissen ja nun, wie’s geht.

Heute morgen begrüßte mich T. mit den Worten “Na, Struppi?”. Sollte wohl doch mal wieder zum Friseur. Der Tag begann vielversprechend.

Danach wahrscheinlich eine Privatpatientin verloren, der ich gesagt habe, dass ihr Sohn sich schlecht benimmt. Oder wie nennt man das, wenn ein vierjähriger Junge Haba-Mohrenköpfe in Richtung Therapeutenkopf wirft, obwohl er diese eigentlich ganz nett findet? Ist das eventuell als Ausdruck von Zuneigung zu werten? Aufheben wollte er sie auch nicht. Hmpf. Manchmal werde ich aus Kindern nicht schlau.

Nun ja. Ich bin ja mittlerweile Fan von klaren Worten. Und bin gespannt, was nächste Woche passiert.

Der Nachmittag geht mit diversen anderen unerzogenen Kindern (…ja, unerzogen…. Und ich kann das tatsächlich beurteilen, obwohl ich keine eigenen habe….) weiter, denn heute ist der böse Donnerstag. An allen anderen Tagen kommen lauter nette Jungs und Mädels, die zwar manchmal der Hafer sticht, die grundsätzlich aber das Wort “Regel” kennen.

Und so viele Regeln gibt es bei mir gar nicht. Komisch. Muss das Regelwerk unbedingt erweitern. Für beide Seiten.

Z.B. Man haut seine Mama nicht. Oder: Man lässt sich von seinem Kind nicht unkommentiert hauen.

Man schubst keine Kinder von der Rutsche. Oder für Mamis: Man steht nicht neben der Rutsche, sieht dass der Sprössling jemanden ebendort runterschubst und sagt hinterher: Mein Sohn war das nicht. (Der größte Schenkelklopfer der letzten Woche.)
Man klaut keine Bücher.

Man geht einfach mal nicht zu McDonalds, wenn das Kind sich vorher benommen hat, wie die Axt im Wald.

Man reißt keine Kochrezepte aus Zeitschriften und beklagt sich zwei Wochen später darüber, dass keine aktuellen Exemplare mehr ausliegen.

Man nimmt einfach mal eine Klobürste, nachdem man fremde Toiletten benutzt hat.

Man schreitet ein, wenn Kinder ein Wartezimmer mit Salzstangenkrümeln (..wieso nicht gleich Popcorn?) verwüsten. Oder fragt nachher nett nach einem Handfeger.

Man beklagt sich nicht darüber, dass Tante Heinz mittags um 13 Uhr nicht ans Telefon geht. ( ??? )

Und man sagt Tante Heinz nicht, dass sie Erziehungsdefizite erst beurteilen kann, wenn sie eigene Kinder hat. Ganz großes Ausrufezeichen. Riesenausrufezeichen. Durchgefallen, setzen, Klappe halten. Oder durchgefallen, rausgehen und Kind bitte nicht vergessen.

Hachje. Manchmal fehlt mir wirklich jegliches Verständnis. Kein Wunder, dass die Super-Nanny so viel zu tun hat.
Brauche ich etwa Urlaub? Oder schicke ich die Donnerstag-Besucher alle mal ins Boot-Camp?

Noch eine Sache, die ich nicht verstehe: Stehe ich eben vor dem Küchenfenster, kommt der Altglaslaster. Vor unserem Haus stehen die Altglascontainer des Dorfes. Ich bin ja immer dafür, den Müll zu trennen. Ich bin eigentlich auch großer Fan vom gelben Sack.

Mein Mann nicht. Neulich haben wir eine Reportage gesehen, die mir klargemacht hat, dass mein Denken zu idealistisch ist. Stimmt alles nicht. Mülltrennung ist Arbeitsbeschaffung für arme alte Tanten, die denken, damit täten sie der Welt etwas Gutes.

Ich trenne jedoch immer noch, einzig und alleine aus dem Grund, dass die graue Tonne ansonsten sehr schnell an den Rand ihres Fassungsvermögens gebracht würde.

Was mir aber immer noch immensen Spaß bereitet, ist der Gang zum Altglascontainer. Grün - Braun - und Weißglas wird mit Freuden in die dafür vorgesehenen Löcher geschmissen.. Finde ich gut. Klirrt schön.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Kran hebt die Dinger hoch und schüttet alles zusammen in den Laster. Ich war Zeuge. Und nein, da ist keine Trennwand im Container gewesen. Das war eine große Fläche mit bunten Glasscherben. Mein letztes Stückchen aufrechterhaltenes Weltbild wäre somit auch zerstört. Keine Argumentation gegenüber T. mehr möglich, der mir das vor Jahren schon gepredigt hat, alles in eine Tonne schmiss und mich Öko-Trine nannte.

Soviel zum Tage. Die angekündigte Sonne lässt sich auch nicht blicken. Wir werden sehen, was der Tag uns noch bringt. Wahrscheinlich einen Tritt vor’s Schienbein. (”Das würde mein Junge nie tun…” ;)

Heute abend ist’s definitiv mal wieder Zeit für den Wald.

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Olle Bratze

So. Gerade mal wieder mit Kassenschnurzelpurzel telefoniert.
In unserer Rechnung tauchen extrakorporale Verbrauchsmedien auf, die die Kasse natürlich nicht übenimmt!
Und warum übernimmt die Kasse diese Kosten nicht?
Weil Ulla Schmidt (die blöde Bratze) mal wieder vorgesorgt hat, denn:

1. Für die gesetzlich versicherte Frau wird für eben diese Kosten ein deutlich höherer EBM Betrag angesetzt, der sich aus den bekannten Durchschnittskosten vieler ICSI’s zusammensetzt, und in dem auch die Verbrauchsmaterialien erfasst sind. Dieser Betrag wird Rechnungsunabhängig gezahlt und je nach Effizienz der behandelnden Ärzte machen diese mit diesem EBM Betrag entweder ein materielles Plus oder ein Minus!

2. Ist ein Ehepartner privatversichert, sind die Ärzte berechtigt nach GOÄ alle Positionen einzeln zu berechnen und fahren (je nach Aufwand) so in der Regel besser mit den tatsächlichen Kosten, bzw. dem dadurch zu realisierenden Gewinn.

3. Die gesetzlichen Kassen können dann ergo nicht mehr nach EBM die höhere Pauschale ansetzen und der “Patient” ist schlussendlich der Gelackmeierte.


4. Bleibt noch die Frage nach der Qualität, der unter Punkt 1 ausgeführten Behandlungen. Schätze, dass ein festgeschriebener Satz nicht unbedingt zur Qualitätssteigerung einer Behandlung führt….. Das mit der Planwirtschaft hat ja schließlich nachweislich zu nix geführt. Frage mich, wie das in einem so sensiblen Bereich funktionieren soll…..

Danke Frau Schmidt.
Danke für diesen tagesfüllenden Kotzreiz und möge Gott Ihnen gestatten, dass Sie mir nie vor laufender Kamera vor die Flinte laufen…..

Denn dann gibts Karbid!

Boah bin ich angefressen…..

T.

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Versprechungen

Nachdem wir beschlossen hatten, dass wir im Wechsel einmal pro Woche bei dem Krankenkassenschnurzelpurzel auflaufen, war gestern T. dran.

Mission: Mal fragen, wo die Öcken für den Gatten bleiben. Dass die extrakorporalen Kosten in der Rechtsabteilung verstauben, war uns ja klar. Aber die T-Kosten, die waren ja sogar dem Herrn MachtleereVersprechungen-Teamleiter sonnenklar. Und ebendiese kündigte er uns mit einer Bearbeitungszeit von 2-4 Tagen an. Hrhrhr…

Es ist, wie ich es vermutet habe: Vorsichtshalber hat er alles, was ich ihm in die Finger gedrückt habe, zu den Juristen geschickt. T-Kosten, Tante-Heinz-Kosten, hauptsache, weg vom Tisch. Die Finger, die ich genau darauf verwettet habe, kann ich demnach behalten.

Dafür, dass er keine Ahnung hat, war er recht keck mit seiner Ankündigung, dass Anfang nächster Woche ein Scheck in unserem Briefkasten landen werde. Mit allen fragwürdigen Kosten. Harhar. Die verwetteten Finger bleiben wieder dran, das steht fest. “Herr T., sie müssen sich mal vorstellen… Die haben da alles angegeben. Sogar Kanülen sollen wir bezahlen. Für so etwas gibt es gar keine EBM-Positionen…”

Na sowas… Ist ja wirklich frech… Da berechnen die tatsächlich Verbrauchsmaterialien. Tztztz. Hätten die Eizellen doch nun auch wirklich in der hohlen Hand transportieren können, die Nepper-Schlepper-Bauernfänger….

Nächsten Mittwoch bin ich wieder dran. Man gönnt sich ja sonst nichts. Wir müssen da jetzt so oft auftauchen, dass er uns durch die Tür sieht und uns direkt mit einem 50-Euro-Schein entgegeneilt, damit wir schnell wieder gehen. Das sollten wir spätestens in zwei Wochen geschafft haben, ich bin da mittlerweile sehr zuversichtlich.

Und, was gibt’s sonst so, Tante Heinz?

Och. Nix. Ich glaube, mein Bauchumfang nimmt ab. Danke, Krankenkassenfuzzi. Irgendwie kriege ich die Hose einfacher zu. Aber schwabbeln tut’s immer noch.

Nebenbei baue ich mir gerade einen kleinen Qualitätszirkel mit anderen armen Tanten auf, die genauso einsam vor sich hin arbeiten wie ich. Momentan finde ich das sehr erfrischend. Erfrischender wäre natürlich eine nette Tante, die direkt mit mir unter einem Dach arbeiten würde. Aber anscheinend bin ich furchteinflößender, als ich dachte.

Der Zahnarzt will mich nicht mehr sehen. Nur zum Kaffeetrinken könnte ich vorbeikommen, gab er mir mit auf den Weg. Und das meint der tatsächlich ernst.

Versuche gerade, mich darin zu üben, gewisse Situationen heldenhaft zu übersehen. Zum Beispiel macht es mir unheimlich schlechte Laune, wenn ich Väter treffe, die mit dem Kinderwagen und den darin enthaltenen fröhlich plappernden Söhnen neben mir an der Ampel stehen. Oder Väter, die im Wartezimmer ihren blondgelockten schnuckeligen Töchtern die Funktion eines Fisherprice-Telefons erklären, das mit den Augen rollt, wenn man es über den Boden zieht.

Auf Väter reagiere ich sehr empfindlich.

Aber auch Mütter, die es wagen, “Komm-in-meine-Arme” auf offener Straße und in meinem Sichtfeld zu praktizieren, kommen gerade sehr schlecht weg. Oder Mütter, die man anruft und die mir dann sagen, sie wären gerade dabei, zu stillen, aber mein Anruf würde nicht stören.

Das nennt man dann wohl Neid. Beißt ganz schön. Auaaua.

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…Tante Heinz schreibt gerne, aber im Titelfinden ist sie unkreativ - Und wie lang darf ein Titel hier eigentlich sein?…. erstellt von Tante Heinz.
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