So. Dieser Geburtstag wäre schon mal geschafft. Mannomann. Bin ich erleichtert.
Auf der Hinfahrt habe ich zum wiederholten Male Namen auswendig gelernt, denn auch nach 10 Jahren komme ich mit den Verwandtschaftsverhältnissen einfach nicht klar. Zu viele Namen für die vergessliche Tante. Außerdem halten wir uns bekannterweise sehr gerne zurück, was große Familientreffen anbelangt.
Das Kind, das beim letzten Treffen noch gestillt wurde, ist mittlerweile drei, hat eine Schwester dazubekommen und ich habe die Mutter nicht erkannt, geschweige denn, mir ihren Namen gemerkt. Sie sich meinen aber auch nicht. So in etwa kann man sich mein Verhältnis zu den 1000 Cousins und Cousinen meines Mannes vorstellen. Zwar allesamt sehr nett, aber es ist nicht schlimm, wenn man sich jahrelang nicht sieht.
Und als ich mich mal wieder draußen aufhielt, unterhielt ich mich gerade mit dem Vater meines Patensohnes über das letzte Familientreffen. Damals saßen wir zusammen im Wald auf einem Baumstamm und mussten “Puff, the magic dragon” hoch und runter singen. Glücklicherweise war genau der Cousin, der diesen Singsang initiierte, gestern nicht vor Ort.
Unser Lachen verebbte, als Cousin Nummer 423 mit seiner Gitarre an uns vorbeischlich.
Na super. Immer diese Lehrer. Überall haben sie ihre Gitarren dabei. Schrappschrapp.
Liederzettel wurden verteilt, und der Gedanke an Flucht war aussichtslos. Mein Papa neben mir ist 1000 Tode gestorben und wird wahrscheinlich nie wieder eine Familienfeier der Gegenfraktion besuchen.
Ich singe wirklich gerne. Und ich mag Lagerfeuerromantik. Aber Dinge wie “Nimm mich an die Hand und lass und Freunde sein” machen mich wirklich fertig.
T. begann irgendwann, aus den Liederzetteln Papierflugzeuge zu bauen. Papa war nicht einverstanden mit der Gestaltung der Fliegerspitze und bastelte das Konkurrenzmodell. Böse Blicke von der Lehrerfraktion auf der rechten Seite. Wenn die wüssten, dass der Fliegerbauer selbst Lehrer war, hätten sie ihn wahrscheinlich öffentlich getadelt. Im Gästebuch mit roter Tinte.
Es hat Bindfäden geregnet. Es war kalt. Trotzdem traf man vereinzelt Gäste draußen. Oft mich, wenn ich eine kinderlose Zone brauchte. Oft T., aus demselben Grund. Unseren Patensohn, dessen allererste Freundin Schluss gemacht hat, die olle Bratze. Wenn die wüsste, was für ein Goldstück sie da hat laufen lassen. Oft den Vater meines Patensohnes, der seine Frau gerade mal wieder nicht leiden kann.
Tante E. hat noch schön ne Flasche Rotwein vom Tisch gefegt, die fatalerweise die weiße Wand bekleckert hat.
Auf dem Geschenketisch lag eine Karte, auf der meiner 70jährigen Schwiegermama zum 75. gratuliert wurde. (Sehr beruhigend, dass nicht nur ich durcheinanderkomme in dieser Familie.)
Der prollige laute Onkel, dessen Namen ich schon wieder verdrängt habe, machte mich darauf aufmerksam, dass die nächste Feier doch eine Taufe werden könnte. Jaja. Träum weiter, du doofer Onkel. Um Geistesgestörtheit bei unserem Kind auszuschließen, wird er mit Sicherheit nicht mit am Taufbecken stehen. Prävention ist alles.
Insgesamt war’s aber eigentlich recht nett. Jetzt ist aber auch erst einmal wieder Ruhe.
Meine Schwiegermama war am Ende fix und alle, aber sehr zufrieden. Und das war in der Tat die Hauptsache.
Heute fühle ich mich, als hätte man mir mit einem dicken Hammer auf den Kopf geschlagen, was allerdings nicht schlimm ist, denn ich habe ja den ganzen Tag Zeit, mich zu regenerieren. T. scheint auch noch ein bisschen zu brauchen, sein Schnarchen ist immer noch sehr sonor und regelmäßig.
Idealer Tag, um zum Beispiel gedanklich den Keller aufzuräumen. Denn in zwei Wochen sollen da die Wände gestrichen werden. Uah. Bis dahin müssen wir es erstmal schaffen, dass man die Wände wieder sehen kann.
Hat jemand Interesse an einem 160L-Aquarium mit allem Zippizappi? Bevor es der Maler versehentlich mitstreicht (…man muss ja immer vom Schlimmsten ausgehen…
, würden wir es doch lieber verkaufen….
Der letzte Maler ist mir noch in guter Erinnerung:
Am Donnerstag vor Ostern hat er alle Fenster von außen mit Folie zugeklebt und ist nach Hause gefahren. Wir haben das Osterwochenende bei 90%-iger Luftfeuchtigkeit in unserer Wohnung verbracht, ehe er am Dienstag wiederkam und anfing zu streichen.
Ich hoffe doch mal sehr, dass es diesmal ein anderer ist.
Gottseidank mit einem Gatten, der gestern Urlaub hatte, um den Umstand zu klären.