Neulich beim Randgruppen-Screening
Wir standen auf dem besten Parkplatz der Welt. Von hier hat man einen fulminanten Ausblick auf die örtliche Tankstelle und kann seinen Burger futtern. Oder seinen Kaffee trinken. Im Schnellrestaurant selbst ist’s nämlich blöd. Im Auto macht’s Freude. Und wehe, der Parkplatz ist belegt. Dann haben wir beide schlechte Laune.
Ich erzählte meinem Mann gerade von meinem Tag. Unter anderem kommt jeden Mittwoch ein Vater (..was ich an sich immer sehr lobenswert finde, da ich ansonsten meist mit Müttern zu tun habe….) und bringt sein Kind. Beim kurzen Gespräch mit ihm irritiert mich immer wieder auf’s Neue, dass er mir nicht ins Gesicht schaut, sondern sein Blick mich 30 cm tiefer trifft. In der Zeit der Hormonstimulation hat es sich kurzzeitig mal für ihn gelohnt. Ansonsten sehe ich persönlich dafür keinen großen Anlass.
Nun ja, jedem das seine. Ich finde ihn amüsant.
Noch amüsanter fand ich die Tatsache, dass er an ebendiesem Mittwoch an der Tanke vorfuhr, ausstieg, die Tankstelle betrat und sich nach hinten links oben orientierte.
Hinten links oben stehen die pornographischen Höhepunkte der Literatur. Direkt neben der “Schöner Wohnen”. Wenn ich also dort eine Zeitung kaufen will, muss ich aufpassen wie ein Schießhund. Denn der Blick auf die “Schöner Wohnen” ist aufgrund besagter unmittelbarer Nachbarschaft hochgefährlich. Schließlich will ich mir nicht nachsagen lassen, ich interessierte mich für die aktuelle “Praline”.
Herrn P. waren solche Gedanken fremd. Er stellte sich direkt davor und begann zu blättern.
Wir amüsierten uns bereits köstlich, schließlich hatte ich T. zuvor noch von seinem unnachahmlichen Blick erzählt.
Nachdem er eine halbe Stunde lang jede Zeitung sorgfältig gelesen hatte und mittlerweile bei den richtig teuren Hochglanzmagazinen angekommen war, beschloss T., mich für die letzte Viertelstunde, die dieses Intermezzo noch dauern sollte, direkt vor der Tankstellentür zu parken, derweil seine Autoreifen mit Luft zu befüllen und den Ölstand zu überprüfen.
Ich hatte großen Spaß. Am Ende der Pornosession - er war oben rechts angelangt - kaufte er sich eine Dose Bier (…irgendwie muss man die Tankstellendamen ja schmieren, man will vielleicht nochmal unbehelligt einen kostenlosen 45minütigen Augenschmaus erleben…
, kam raus und blickte auf die Therapeutin seines Sohnes, die ihn wissend anlächelte.
Seitdem schickt er seine Frau und bleibt im Auto sitzen.
Das “GuckenSieMirBitteNichtMehrAufDieMöpse-Problem” wäre damit gelöst. T. hat manchmal grandiose Ideen.
Der nächste Akt. Gestern. Ich befand mich ausnahmsweise in der Tankstelle. Manchmal lässt sich das nicht vermeiden.
Von weitem sah ich ihn. Unseren Ex-Vermieter, der mit der nachträglichen Mieterhöhung, die nun leider aus juristischen Gründen doch keine geworden ist. Also der Vermieter, der 100 cm kleiner ist als ich.
Er kam auf den Eingang der Tankstelle zugewieselt und mir bleib nur ein kurzer Zeitraum, mich für oder gegen ein “Hallo” zu entscheiden.
Ein “Hallo” hätte ob der langen Schlange vor der Kasse weitere Konversation bedeutet. Zum Beispiel über die Tatsache, dass er T.’s wütenden Anruf am Tag nach meiner Punktion, bei dem dieser ihm mitgeteilt hat, dass er sein Vorgehen Scheiße findet, nicht mochte. So etwas bespricht er gerne mit mir. Schließlich bin ich die Frau, kann meinen Mann beruhigen und positiv auf ihn einwirken. Denkt er jedenfalls.
Ich entschied mich gegen das “Hallo”. Man kann ihn einfach so herrlich leicht übersehen. Wartete darauf, von hinten angesprochen zu werden. War leicht irritiert, denn nichts passierte. Ich zahlte, schaute mich um und was sehe ich hinten links (…von oben kann ich nicht sprechen, so leid es mir tut…
?
Den Herrn Vermieter. Der sich gerade von einem netten Herrn, der neben ihm stand, genau die Hochglanzmagazine heruntergeben ließ, die höchstwahrscheinlich Herr Porno-P. schon vorletzte Woche leergelesen hat.
Hach, war das schön. Damit kann man mein Herz erfreuen. Diese Porno-Abteilung erleichtert mein Leben ungemein. Habe mich kurzfristig doch für ein lautes, deutliches und grinsendes “Hallo, F.” entschieden.
Er schaute entsetzt bis beschämt.
In den letzten Monaten hat er sich angewöhnt, erst zu überprüfen, ob die Luft rein und der böse T. außer Haus ist, um dann bei der lieben Tante Heinz vorzusprechen.
Wenn ich seinen Blick richtig einschätze, klingelt er hier ab heute nicht mehr.
Das wäre also auch geritzt.
Mittwoch, 8 August 2007 um 2:46 nachmittags
Oh man, ich lach schon wieder Tränen!
Mittwoch, 8 August 2007 um 7:58 nachmittags
LG
Konny
Freitag, 10 August 2007 um 6:38 vormittags
Muss ich doch glatt heute mal schauen, was bei uns neben ‘Schöner Wohnen’ steht
Liebe Grüße, Annette