Versicherungsonkel

Der Mann, der uns vor vier Jahren unsere Versicherungen verkauft hat, ist Geschichte. Damals haben wir unsere Unterschriften schon in dem Moment bereut, in dem klar war, dass wir mehrere Fünfjahresverträge abgeschlossen hatten, ohne dass wir darüber informiert worden wären.

Er hatte uns aber auch auf einem denkbar dankbaren Fuß erwischt, denn kulanterweise übernahm er einen Schaden, den wir definitiv selbst verschuldet hatten. Gob fahrlässig, sagt man dazu wohl. Man schließt einfach keine normale Armatur an einen Boiler an. Da muss so’n Spezialding ‘dran. Hätte uns der Boiler ja auch mal ‘drauf aufmerksam machen können. Jedenfalls hatte es einmal laut geknallt, und der Boiler, der dem Vermieter gehörte, war geplatzt.

So. Nun denke ich schon seit April darüber nach, dass ich diverse Versicherungen kündigen werde, denn bald sind die fünf Jahre um.

Zack, platzt dieses bescheuerte Rohr im Keller und macht uns einen Strich durch die Rechnung.
Gut, wir können diesmal eine strahlend weiße Weste präsentieren.

Jedoch mussten wir gestern den neuen Versicherungsonkel in unsere Gemächer lassen. Dem alten ist nämlich die Zusammenarbeit durch die Versicherung gekündigt worden.

Seit April wollte er uns “kennenlernen”. Seit April sage ich seiner Vorzimmerdame, dass es sich nicht lohnt, uns kennenzulernen, denn wir werden eh nicht mehr lange das Vergnügen miteinander haben.

Also eigentlich habe ich ihr gesagt, dass ich mit Versicherungen, die sich über fünf Jahre in mein unüberschaubares Leben drängen, nichts mehr zu tun haben will.

Höchstwahrscheinlich haben die ein großes Fass aufgemacht, als ich telefonisch durchgab, dass in diesem Haus ein klitzekleines Problemchen besteht.

Mannomann. War der gut vorbereitet. Und wie kooperativ er sich zeigte. Und wie wunderbar billig er unsere bestehenden Verträge machen kann. Über fünf Jahre, versteht sich. (Und wie doll er sich den Kopf an der Kellerdecke gestoßen hat. Und er hat gar nicht geweint, schließlich ging es um Einiges. Da markiert man schon mal gerne den harten Macker….)

Wir saßen also so in der Küche, er erzählte uns von den gebrochenen Genicken der Menschen, die ich beruflich betreue (…man muss wirklich immer mit dem Schlimmsten rechnen; nach diesen Szenarien gestern war ich heute ausnahmsweise mal nett zu meinen Patienten… ;) , Töpfen, die regelmäßig mit der scharfen Kante auf’s Ceranfeld knallen und meiner vermutlich eintretenden Altersarmut. Er hatte fast mein Herz erobert und ich war nahe daran, die Vertragsverlängerung zu unterschreiben.

Da sagte er: “Und stellen Sie sich vor, wenn Sie mal Kinder bekommen. Kann ja durchaus noch passieren. Wie alt sind Sie nochmal? 31 und 38? Naja… Das ist mit Ihrer Selbständigkeit natürlich eher schwierig, aber meine Frau hat ihre Tochter auch erst mit 39 bekommen.”

Da war die rosarote Wolke, auf die ich ihn nach zwei Stunden Gehirnwäsche vor lauter Zuneigung gesetzt hatte, aber ganz schnell tiefschwarz.

Tante Heinz war wieder wach. Und klar im Kopf.
T. war wieder wach.

Tante Heinz und T. wechseln einen kurzen Blick.

Versicherungsonkel schaut verunsichert.

Tante Heinz: “Sagen Sie mal, Herr Versicherungsfuzzi. Jetzt mal Butter bei die Fische und weg von meinem Ceranfeld. Gibt’s in Ihrem Laden auch Versicherungen gegen Unfruchtbarkeit? So’n nettes kleines kostengünstiges Modell, das zahlt, wenn’s mal nicht so klappt mit dem Nachwuchs? Da würden wir uns direkt auf 10 Jahre festlegen. Hand ‘drauf.”

(Und eins, das zahlt, nachdem man den Herrn Versicherungsheini eine Pfanne über den Kopf gezogen hat, mit der man zuvor der Vollständigkeit halber das Ceranfeld zertrümmerte, weil er uns eine Woche nach negativem Test die falscheste aller Fragen gestellt hat… ;)

Kerlekiste. Der Kerl war ein echter Profi. Er hat uns gesagt, dass wir uns doch beide privat versichern sollen. Dann bekämen wir alles bezahlt. Und die Unfruchtbarkeit müssen wir nicht angeben. Wir sollen einfach so tun, als wüssten wir von nix.

So einfach ist das. Habe seine Visitenkarte hierbehalten. Wirklich weiterzuempfehlen, der Kerl. Der hat wirklich die Lösung für alle Probleme. Und das Schönste ist: Er kommt nochmal. Bis dahin muss ich noch ein paar Messer wetzen und T. eine kleine Beruhigungspille verpassen.

T. selbst hat auf den gestrigen Besuch mit der ersten Magen-Darm-Grippe seit 10 Jahren reagiert. Heute morgen wollte er mir noch weismachen, es habe an der Serbischen Bohnensuppe von Aldi gelegen, die ich uns gestern liebevoll zubereitet habe. Und gekotzt habe er erst, nachdem er den Tee getrunken hat, den ich ihm heute morgen ans Bett gestellt hatte.

Heute abend zeigt er sich allerdings einsichtiger, denn laut seiner Mutter ist diese Seuche gerade Mode in der Umgebung.

Gerade eben meldete er ein Hüngerchen, also geht es anscheinend wieder aufwärts. Serbische Bohnensuppe ist aus. Salzstangen und Zwieback müssen heute reichen.




4 Kommentare to “Versicherungsonkel”

  1. Schweden schreibt:

    Oje, da bin ich froh, das wir gerade von einem netten Plausch von unserem Versicherungsonkel kommen….das ist immer sehr nett und garantiert in unserem Sinne….der Bruder der besten Freundin. *g*

    In der Frage bei der Überprüfung lügen…der hat sie doch nicht alle.

    Gute Besserung an T.

  2. lilleanni79 schreibt:

    Hallo Ihr beiden,

    mal davon abgesehn, dass ich euch für eure innere Kontrolle bewundere (ihm keine übern Schädel zu ziehen), verstehe ich gerade nicht was der mit eurem derzeitigen Schaden im keller zu tun hat. War doch nicht euer rohr was da geplatzt ist, sondern das des Vermieters oder?? Muss da nicht seine Haftpflicht oder evtl. Hausrat für den Schaden bei euch aufkommen??? 5-Jahresverträge sind jedenfalls echt sch….!
    Weiterhin wünsche ich euch viel Kraf ihm nicht den Kopf zu zertrümmern.

    Seid lieb gegrüßt! oder heisst das ab heute gegrüsst *?*

    Anni

  3. Tante Heinz schreibt:

    Ich glaube, es heißt weiterhin gegrüßt, weil da ein langes ü vor dem ß/ss ist.

    Übrigens zahlt der Versicherer des Vermieters nur den Schaden der fest mit dem Haus verbundenen Gegenstände. Teppiche und Parkett z.B. Oder Schränke, die an die Wand geschraubt wurden.
    Die beweglichen Gegenstände muss die Hausratversicherung des Mieters tragen. Wohl dem, der eine solche hat.

    Es kommt noch besser:
    Die Beseitigung des Wassers zahlt der Vermieter. Das Heraustragen der Möbel und Kisten, bevor man durch die Räume flitschen kann, zahlt wiederum der Mieter.

    Und am Allerbesten:
    Normalerweise darf man im Keller nix auf den Boden stellen, sondern der ganze Kram muss sich mindestens in Palettenhöhe befinden. Schließlich kann ein Wasserschaden ja täglich über uns hereinbrechen.

    Soviel dazu. Wir haben uns fortgebildet. Bald verklatschen wir auch Versicherungen. Scheint ein lukratives Geschäft zu sein.

  4. lilleanni79 schreibt:

    na was für eine sch…

    Dann mal gutes Duchhaltevermögen und gute Besserung für T.

    Grüße Anni

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