Erklärbär

Moderne Vollnarkosen sind seltsam. Man wird für 10 Minuten in einen seligen Schlummerzustand versetzt, plötzlich sagt jemand: “Tante Heinz…. Sie müssten nun doch langsam mal die Augen richtig aufmachen.”, man wankt auf die Liege, futtert sich die Wampe mit Keksen, Tee und Kaffee voll, kichert über T.’s blöde Scherze, fährt nach Hause und bis auf ein bisschen muskelkaterähnliches Gefühl im Bauch erinnert nichts daran, dass man morgens noch weggebeamt und seziert wurde und die Nacht zuvor nur drei Stündchen geschlummert hat…. (Das war ja nun mal ein richtig langer Satz… )

Jedenfalls verbringt man seine Zeit daheim und wartet darauf, dass man müde wird. Schließlich bekommt man von jedem Telefonpartner gesagt, dass man sicher müde ist und ins Bett gehört.

Aber man ist hellwach. Statt dessen schläft der Ehemann um 20:00 ein. Das nennt man wohl Übertragung.

Der Ehemann schläft immer noch. 12 Stunden, holla die Waldfee, das nenne ich mal einen guten Schnitt. Dabei war’s wirklich nur ein klitzekleines Schlückchen Whiskey.

Ich für meinen Teil habe gestern abend den Wunsch geäußert, bis 12:30 schlafen zu dürfen. Nach dem Tag hielt ich diese Schlafdauer für durchaus realistisch.

Pustekuchen. Heute morgen um 5 ist mir eingefallen, dass der Erklärbär, unser Freund und Helfer in der Not, weitgereist und immer zur Stelle, wenn man ihn braucht, sich noch in meiner Handtasche befindet.

Uah. Seine Mission hat doch gerade erst wieder angefangen.

Immerhin. Er hatte das leuchtende Glücksschweinchen neben sich. Dann hatte er’s nicht so dunkel.

Selbstverständlich bin ich sofort aufgestanden und habe ihn befreit. Hätte ja mal brummen können….

Mein Geisteszustand rechtfertigt jedenfalls die Tatsache, dass ich blau mache. Wer weiß, was ich heute meinen Patienten erzählen würde. Höchstwahrscheinlich gingen sie alle auf einen Schlag zur Konkurrenz und würden ihre Kinder prophylaktisch bei der Traumatherapie anmelden.

Außerdem muss ich die Zeit nutzen, meiner Schwester die Daumen zu drücken, die heute ihre Abschlussprüfung hat.

Gute Güte. An was man nicht alles denken muss.

Diese kugeligen Utrogest-Dinger, die ich mir auf Befehl des Herrn Doktors einführen soll, gehen im Übrigen schon vor der Aktion an sich verloren. Aus der Verpackung gedrückt, rausgehüpft, weg ist das Ding. Ins Nirvana gerollt, und die Katze lief freudig erregt hinterher. Na wunderbar, hoffentlich hat sie nicht reingebissen und mutiert.

Die Anwendung selbst ist mit hoher motorischer Geschicklichkeit verbunden. Können die Herren Produzenten (…und es können nur Herren sein, eine Frau würde so etwas nie im Leben auf den Markt werfen… ) nicht mal darüber nachdenken, dass die Form vollkommen falsch gewählt wurde? Wie soll man die bitteschön tief einführen, ohne sich dabei vor lauter Engagement schwer zu verletzen? Und das auch noch dreimal am Tag mit zwei Bällchen?

Nun gut. Was mache ich jetzt? Bin aufgeregt. Sollte die Wohnung putzen. Meinen Mann wecke ich mal lieber nicht, vielleicht hält er ja bis heute mittag durch, er hätte es sich verdient. Wir müssen ja nicht unbedingt gemeinsam die Wände hochgehen.

Gestern meinte er, er sei seit Januar zum ersten Mal wieder etwas entspannt. Gottlob. Das wurde aber auch mal Zeit. Man stelle sich vor, wir hätten noch länger gewartet…. Auch, wenn wir heute Mittag einen Schlag vor den Bug bekommen, die definitive Gewissheit, dass sich zumindest ein paar Spermien in seinem Gewebe tummeln, haben wir beide gebraucht. Auch wenn’s nicht klappt.

Klingt komisch, ist aber so. Ich glaube, der Erklärbär nickt zustimmend.




2 Kommentare to “Erklärbär”

  1. Schweden schreibt:

    Huhu Tante Heinz,

    bin gerade rechtzeitig nach Hause von meiner neuen NC-Stipvisite gekommen.

    Das Du nicht schlafen kannst, ich kann es gut verstehen, ich kann das nach einer VN nie.

    Utrogest finde ich persönlich nur bäh….ich schwöre mittlerweile auf Crinone, ist teuer, aber ich vertrage es wesentlich besser….stehe wohl eher aus künstliche Sachen. *g*

    Ich warte jetzt gedulig *g* , kleiner Scherz, auf das weiter was da so bei Euch passiert.

    LG
    Schweden, die hibbeliger ist als bei ihren eigenen Versuchen

  2. iratecherub schreibt:

    Hihi, Utrogest ist ja auch eigentlich für die orale Anwendung entwickelt worden und ich denke, schlucken lassen sich die kleinen Dinger prima (wenn man sie einma zwischen die Fingerbekommen hat). Das mit dem Einführen haben sich ja die KiWu-Docs ausgedacht, was schon zu einigen Verwirrungen bei den Patientinnen geführt hat, die erst den Beipackzetel lesen, so wie ich ;o)

    Unsere Daumen sind natürlich weiter gedrückt!

    LG
    Konny

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