Weinerliche Tante
Hmpf. Habe ich gestern noch gedacht, dass es mal wieder ganz nett sei, für zwei Tage als Strohwitwe mein Dasein zu gestalten, fand ich es heute direkt nach dem Aufwachen doof.
Und zwar so doof, dass ich beim Anblick der Uhrzeit schon die Krise bekommen habe und die ersten Tränchen flossen. Halb sieben…. Wie soll ich das bis zum durch T. angekündigten frühen Nachmittag bloß überstehen?
Tee getrunken, Frühstück alleine genossen (…noch nicht mal die Eier hatten die Konsistenz, die sie hätten haben sollen…
, wieder ins Bett gegangen. Keine Lust auf nix. Katzen leicht verstört. Erstmal deswegen, weil Betthälfte leer. Zweitens, weil das Tantchen komische Schwingungen verbreitet. Gottseidank wieder eingeschlafen. Jammerig wieder aufgewacht.
12:00. Super. Gleich ist früher Nachmittag. Der Blick in den Spiegel zeigt, dass ich mich nicht nur scheiße fühle, sondern auch ausgesprochen scheiße aussehe. Telefonat mit kleiner Schwester zeigt: Ich höre mich auch scheiße an. Immerhin, ich habe nicht geheult. Soviel Beherrschung muss sein.
Sollte ich vielleicht die Zeit nutzen, und ein bisschen durch den Wald spazieren? Was ich gestern noch ganz schick fand, war dann doch irgendwie heute nicht drin. Man könnte ja jemanden treffen. Der dann zu Hause erzählt: “Habe Tante Heinz gesehen. Alleine. Im Wald. Die sah ganz schön kacke aus.”
Brahms in den CD-Player geschmissen. Falsche Wahl.
Versucht, mein neues Handy zu verstehen. Sinnlos.
Lesen ist auch doof. Wurde gestern durch meine Mutter mit einem Buch versorgt, bei dem sie anscheinend nicht darüber nachgedacht hat, dass das eventuell nicht stimmungsförderlich ist: “Aufzeichnungen aus einem Erdloch - Ein jüdischer Geschäftsmann flieht vor der Verfolgung durch die Nazis aus München.”
Na töfte. Erdlöcher sind genau das, was ich heute brauche.
S. ruft an. Ich habe keine Lust, mit ihr zu sprechen. Seitdem sie mir beim letzten Telefonat in einem für mich recht missgünstigen Tonfall gesteckt hat, dass ich wahrscheinlich eher schwanger würde als sie, habe ich keine Lust, ihr zu erzählen, dass ich seit zwei Tagen unter den Junkeys bin.
Mal eben T. ansimsen, fragen, ob er schon losgefahren ist.
T. ruft an. Sagt, dass er erst um halb drei starten kann, weil er die Nacht durchgemacht hat.
Falsche Antwort. Tante Heinz heult mal wieder. Super, jetzt habe ich dem auch noch die Laune verdorben.
Und er hatte mich noch gefragt, ob es okay sei, wenn er am Wochenende wegfährt. “Klar,” habe ich gesagt, “fahr Du ruhig. Beziehungsgeschädigte Freunde müssen getröstet werden…”
Dass er mir allerdings gestern abend nette Bildchen von netten Musikern auf kleinen Bühnen schickt und sich anscheinend die ganze Nacht ohne mich köstlich amüsiert, das konnte ich ja nicht wissen. Und ich konnte auch nicht wissen, dass mich heute die geballte Trübsal einholt und ich mich richtig darüber ärgere, dass mein Mann in der Sonne herumspaziert, die Nacht durchmacht, eine nette Zeit hat und ich hormonmanipuliertes Etwas hier im Regen herumsitze und darüber nachdenke, mir mein eigenes kleines Erdloch im Garten zu schaufeln.
Boah… Ist das ätzend.
Sonntag, 24 Juni 2007 um 3:54 nachmittags
Hier ein ganz dickes Knuddeln für armes Tante Heinz *knuddelknuddelknuddelknuddeldrück*
Solche Tage und Stimmungen kenn ich auch nur zu gut!
Ich geb Dir noch ein bisschen von unserem Sonnenschein ab…
LG und Kopf hoch (das ist garantiert der doofste Spruch für so’ne Situation)
Martina
Sonntag, 24 Juni 2007 um 4:26 nachmittags
Komm her liebe Tante,
Es hat Dich also auch erwischt, der Hormonkoller gepaart mit der DR.
Wenn Du magst, dann
, falls Dein Held nicht da ist.
Es sind einfach nur schlimme Tage, ich kann das so gut nachvollziehen!!!