Ärzte

…kann ich bald sammeln, wenn ich so darüber nachdenke. Gestern war ich bei Nummer soundsoviel. Rheumatologe. Erstaunlich, mit was man sich innerhalb von nur einigen Monaten so alles trifft: Urologen, Gynäkologen, Allgemeinmediziner, Endrikonologen, Andrologen und nicht zu vergessen mein argentinischer Zahnarzt, dessen Akzent zu Anfang leicht polnisch daher kam:

“Herrrr Ttäh Punkt, verrrrpasssse ich Ihnen Schipritzze was ausreicht für norwegisches Wal…! Habben Si nunn Füllung bibbblischen Aussssmasssssssessssss…”

Okay. Spritze hätte vermutlich für zwei Wale gereicht. Die Füllung möglicherweise auch. Schon doof, wenn man allerlei Getöse im Schlund stecken hat während dieser Bruder mit dem Hammerakzent einen Brüller nach dem anderen abfeuert….

Aber zurück zum Herrn Rheumatologen. Habe mir meine zarten Knöchelchen mittels DXA scannen lassen. Funktioniert mit Röntgenstrahlen. Allerdings wohl reduziert, denn die übliche Bleipackung gabs nicht…. ….nicht dass mir noch die Zeugungsfähigkeit abhanden käme *rofl* Das Ganze hat ca. 20 Minütchen gedauert, 40 fröhliche Öcken gekostet und noch knappe 90 Minuten Wartezeit auf den strubbeligen Mediziner, dessen Behandlungszimmer ähnlich durchgeschüttelt aussah, wie die kleine Stube eines kaffeesüchtigen Computerschraubers.

Erst hat der Bursche einige Zeit auf meine Knöchelchen gestarrt, um mich dann zu fragen, wass ich mit DEM Knochenbau denn nun eigentlich bei Ihm wolle. Ich habe Ihm erklärt, dass im Rahmen meines 360° Rundumchecks Seine hoffentlich wohlwollende Meinung noch auf meinem Zettel fehlt und habe Ihm einen Kurzabriss in Sachen “Klinefelter, aber trotzdem 3 Spermien” gereicht. Das fand er witzig der Doc und konterte gleich mit Seiner “Jugendzeit” als kleiner Assistensarzt. Damals, als Marburg noch ne Rheumaschule hatte, haben nämlich gewisse amerikanische Koryphäen der Ärzteschaft eine Reise nach Moskau unternommen um ein wenig fach-zu-simpeln. (….komisches Wort das… ;) Um den Jetlag im Rahmen zu halten wurde zunächst Deutschland angeflogen und Marburg besichtigt, was ja auf amerikanische Kitsch-Freaks durchaus einen Reiz hat. Als also unser kleiner Assistenzarzt einst zur Mensa flanellierte, hat ein Bus ein paar amerikanische Ärzte-Touries ausgespuckt. Darunter ein (ich erlaube mir hier ein Zitat) “klapperiger alter Greis”, der von dem kleinen Assistenzarzt sofort als der unvergleichliche Herr KLINEFELTER identifiziert wurde. Wenn der Herr damals nicht so schüchtern gewesen wäre, hätte er sich sicher noch mit Ihm ablichten lassen. Auf diese Begegnung ist der Herr Doktor mindestens so stolz, wie ich auf die Tatsache, dass ich Frank Zappa aus der dritten Reihe anhimmeln durfte…

Das die sogenannten Klinefelter-Patienten durchaus mal die ein oder andere Spermie bereithalten war Ihm allerdings ebenso neu, wie die Tatsache, dass es in Hamburg jemanden gibt, der diese Spermie zu finden gedenkt. Habe mal wieder ein bisschen Werbung für den (Hoden) Papst gemacht und war dann tatsächlich um 20°°Uhr fettich.

Also, obwohl mir mein heißgeliebter Testosteron-Dealer gestanden hat, dass mein Pegel dem eines 86jährigen Oppa entspricht, habe ich Knochen wie ein Saurier. Alles in Butter. Nächster check in 5 Jahren ausreichend. Das ist nett für die Psyche. Nett fürs Portemonai. Vor allem nett für mein Urlaubstagekonto.

So. Werde mich nun zu Tantchen gesellen. Die schleicht um die erste Spritze wie Herr Dracula um den Knoblauch…

T.




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