Schonen

Zyklustag 32. Hossa…. Das wird ja immer besser. Nun gut. Habe noch genug von den lustigen kleinen Sprühfläschchen im Kühlschrank stehen, mangeln soll es daran jedenfalls nicht.

Übermorgen ist Stichtag. Sollte sich das Ende meines Zyklus’ dann immer noch nicht eingestellt haben, soll ich mich telefonisch bei Tschackeline melden. Wahrscheinlich greift sie dann in die Hokuspokus-Schublade und alles wird gut.

So ganz unrecht ist mir das mit der Zyklusverschiebung ehrlich gesagt nicht. Am Wochenende ist T. nämlich nicht da, und ich bräuchte doch eine kleine moralische Unterstützung, wenn ich mir die erste Spritze ins Fell jage. Auch, wenn noch so viele Diabetiker in meinem Umfeld herumwuseln, ich brauche dabei meinen Mann.

Der Hokuspokus-Allgemeinmediziner, der mich immer so schön wunderheilt, griff mir heute hinter’s Ohr und entdeckte - na??? - einen geschwollenen Lymphknoten. So weit war ich ja nun auch schon.

“Ihr Lymphknoten arbeitet.” Na immerhin etwas, was in diesem Körper arbeitet, darüber kann ich mich ja gerade fast freuen….

Heiß ist er auch. Und eben verdammt dick. Und ein Indiz dafür, dass ich gerade oder vor kurzem eine fette Entzündung im HNO-Bereich habe oder hatte. Hmpf. So weit ist es also schon. Ich bemerke meine Kopferkrankungen nicht mehr. Hals ist rot. Schmerz keiner da. Das Öhrchen ist von innen gesund. Aber tut weh.

Leider geht der Herr Doktor, wie anscheinend gerade die halbe Nation, morgen in den Sommerurlaub. Mit viel Glück bekomme ich heute mittag noch die Blutergebnisse und die Startfreigabe für das Vorsichtshalber-Antibiotikum. Wenn, dann schlucke ich das Zeug doch lieber jetzt. In zwei Wochen habe ich da keinen Bock mehr drauf. Wenn keine Blutergebnisse, dann werde ich eben noch ein bisschen mit Knubbelohr durch die Gegend wanken.
Immerhin hat er mich nicht geschröpft. Das tut er ja sonst immer so gerne. Aber das scheint bei Knubbelohren nun doch nicht zu wirken. Kein Hokuspokus, wir weichen auf die Schulmedizin aus.

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Wir weichen nicht auf die Schulmedizin aus. Über voreilige Antibiotikagaben kann ich mich bei diesem Mann nun wirklich nicht beschweren. “Bitte zerreißen Sie Ihr Rezept. Blut toll. Knoten kühlen. Tante Heinz schonen.”

Besonders der letzte Befehl macht mir große Freude. Denn im Schonen bin ich so unheimlich gut.

Darauf einen Frauentee. Wäre doch gelacht, wenn sich daraufhin immer noch nichts täte. Vielleicht komme ich um Tschackeline ja noch einmal herum.




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