Wieso nicht mal ohne Strom?

Ich rufe keine Telefonhotlines mehr an. Nicht mehr die von AOL, nicht mehr die von der Telekom und seit Neuestem stehen auf meiner “Rufdortniewiederan”-Liste auch zwei Stromunternehmen.

Ja, gleich zwei. Denn auch, wenn ich den Vorteil noch immer nicht erkenne, bekommen wir anscheinend doppelt Strom. Die doppelte Power wartet in unseren Steckdosen darauf, in den Fön sausen zu dürfen.

Selbstverständlich zahlen wir auch doppelt. Warum wir das tun, weiß keiner, am wenigsten wir.

Seit März haben wir uns gegen den örtlichen Monopolisten entschieden, der sich mit den Flocken, die wir über neun Jahre lang wegen der Uralt-Nachtspeicheröfen an ihn überweisen mussten, schon mindestens ein Haus gebaut haben muss. Feierlich hatten wir den Zwischenstand an den neuen Anbieter gefaxt.

Ominös wurde es, als wir am Wochenende eine Ablesekarte im Briefkasten fanden. Vom alten Anbieter.

Bei mir läuteten alle Alarmglöckchen. Das Konto, auf das Geld ‘draufgeht, um danach komplett wieder an z.B. bedürftige Telekommunikations- und Stromunternehmen transferiert zu werden, hatte ich mir länger schon nicht mehr angesehen. Das läuft einfach so vor sich hin.

Jetzt wohl nicht mehr. Denn die Spacken buchen beide bei uns ab. Seit März.

Die Hotlines wussten von nichts. Tante Heinz ist offiziell Kundin von beiden. Tja. Wieso das so ist, konnten mir die Herrschaften am Telefon auch nicht erklären. Aber sie würden nachfragen. Und mich selbstverständlich zurückrufen. Innerhalb von zwei Tagen. Nein, Tante Heinz, Sie müssen zwischendurch nicht nochmal nachfragen. Sie können sich auf uns verlassen.

Wie schon bei AOL und der Telekom konnte ich mich verlassen. Darauf, dass nichts passiert.

Nach sechs Tagen hängen wir nun immer noch in der Luft und fragen uns: Wem kündigen wir denn jetzt die Lastschriftermächtigung? Und wer kann eigentlich den Strom abstellen, wenn er pinselig darüber ist, dass Tante Heinz und T. nicht mehr mit der Kohle rausrücken?

Und ich frage mich, wieso ich immer wieder von Kundenhotlines vergackeiert werde? Liegt das an mir? Oder sind die da generell einfach nur total bescheuert? Und wieso geht bei Strom, Telefon und Internet in diesem Haushalt alles schief?

Ich bezweifle, dass das Kündigen der Rechtschutzversicherung wirklich klug war. Immerhin, sie läuft noch bis Oktober. Bis dahin können wir schick noch die RWE verklagen. Oder die Düsseldorfer Stadtwerke. Oder gleich beide.

Den nächsten Anruf tätigt T. Der hat durch seinen plötzlichen Testosteronschub so viel Agressionspotential, dass denen die Ohren wackeln werden.

Was gibt’s sonst Neues? (….nur mal eben so als Kurzfassung, schließlich haben wir bald keine Energieversorgung mehr in diesem Haushalt… ;)

T. knabbert an den Testogel-Nebenwirkungen. Mit Kopfschmerzen, Übelkeit und anderen unangenehmen Dingen. Hoffe, dass sich das bald reguliert. Agressiver ist er nach eigenen Angaben auch. Ich persönlich merke davon nichts. Für mich ist er immer noch der alte T. Gegen eine echte Streitkultur, bei der nicht nur immer ich sauer werde, hätte ich allerdings nichts einzuwenden.

Am Samstag müssen wir zum Geburtstag unserer Schwägerin. Uah… Sie planen eine einstündige Wanderung (….huuuiiiii…. so lange….. da muss ich vorher noch meine Wanderschuhe auf Spur bringen….) mit nachfolgender Völlerei.

Weil wir uns ja seit Weihnachten aus allen Aktivitäten mit Kindern rausgehalten haben, wird diese plötzliche Familien-Wiedervereinigung für uns wahrscheinlich irre angenehm. Vielleicht sollte ich’s so halten, wie damals beim Waldlauf in der Schule. Alle vorgehen lassen und dann den Schleichweg Richtung Futterstation einschlagen…

Setzt voraus, dass man weiß, wo das große Futtern stattfindet. Aber da Frau Schwägerin immer alles ganz geheimnisvoll plant, weiß ich noch nicht mal das….

Meine große Hoffnung, der coole Neffe meines Gatten, mit dem alle Familienveranstaltungen besser auszuhalten sind, kommt wohl eher nicht. Also ich würde nicht kommen, wenn ich eine Woche zuvor durch’s Abi gefallen wäre und das eigentlich noch niemand so richtig weiß.

Generalprobe hatten wir letzte Woche bereits, denn da haben wir den Großteil der Familie auf der Beerdigung von Tante M. getroffen. Aufgrund der unermesslichen Größe meiner angeheirateten Familie bin ich ernsthaft durcheinandergekommen. 75% der Vettern und Cousinen waren mir vollkommen neu. Und der bekannte Rest, mit dem wir am Samstag die Wanderschuhe schnüren, konnte keine blöden Fragen stellen. Schließlich befanden wir uns auf dem Friedhof, und da gab es beileibe Wichtigeres.

Nebenbei bemerkt: Ich weiß nicht, ob’s am Testosteron liegt, aber mein T. kam vor der Beerdigung nach Hause, musterte meine schwarze zusammengewürfelte Kluft von oben bis unten und sagte: “Wow. Hab ich ne hübsche Frau…”

Ich habe es mir gespart, seine Körpertemperatur zu überprüfen. Solch Worte aus dem Mund meines Mannes habe ich zuletzt im letzten Jahrtausend gehört. Habe mich nicht weiter gewundert, sondern lasse mir das seither täglich auf der Zunge zergehen.

Heißen Dank an den Testosteron-Verschreiber.. Sollte das mit der angekündigten Wesensveränderung gemeint sein, vor der ich mich eigentlich ganz schön gefürchtet habe, kann ich gerne damit leben.

Die nächste Veränderung betrifft dann wieder mich, denn am Dienstag fange ich mit dem Suprecur-Nasenspray an, und wenn mir vorher noch jemand anbieten würde: “Lass gut sein, Tante Heinz. Hier, nimm mein Kind.”, dann würde ich das Angebot sofort wahrnehmen. Denn so langsam kriege ich echt Schiss. Vor allem davor, dass ich arbeitsmäßig eingeschränkt sein könnte. Denn das passt momentan so gar nicht. Ultraschalluntersuchungen und die Tage um die Punktion herum sind im Köpfchen schon als offizieller Urlaub eingeplant. (”Und, Tante Heinz? Wo und wann verbringen Sie denn ihren Urlaub?” “In Göttingen, aber ich weiß noch nicht, wann.” ;) Unvorhersehbare Unannehmlichkeiten nicht.

Aber auch das werden wir irgendwie hinkriegen.




2 Kommentare to “Wieso nicht mal ohne Strom?”

  1. Schweden schreibt:

    Boah, ich fasse es nicht.

    Gibt es bei den ganzen Servicenummern wirklich nur noch Knalltüten!!
    Ich bin leicht fassungslos, tut mir wirklich leid.

    Das Du langsam hibbelig wirst, ich kann es sehr gut verstehen.

    Ich denke doll an Dich und die Daumen sind weiterhin soo feste gedrückt.

  2. Rabies schreibt:

    Was die Callcenter anbelangt: Die Mitarbeiter sind tatsächlich meistens eher… sagen wir mal… unbedarft. Da kommen mit ein wenig Glück noch ganz andere Sachen zustande.

    Ach ja: Testosteron. Ich erinnere mich an den Satz meines Gatten: “Merkst du schon was?” Und ich meinte nur: “Du nimmst das Zeug doch!” Erst die Langzeitanwender kommen in den Genuss ganz witziger Geschichten. Aber die sollen ein anderes Mal erzählt werden…

    Liebe Grüße,
    Rabies.

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