Müde
Mannomann. Schon relativ kaputt losgefahren und noch kaputter zurückgekommen.
Ich glaube, ich halte mich ganz gut. Der Herr Doktor ist einverstanden mit meinem Zustand. Sehr gesprächig war er heute nicht, dafür machte er aber ein hochzufriedenes Gesicht.
Auf einer Seite sind’s sechs, auf der anderen Seite fünf oder sechs. (Scheint gut zu sein, das habe ich begriffen…
Schleimhaut baut sich gut auf. Alles andere habe ich vergessen. Ich war froh, dass ich überhaupt angekommen bin.
Und da schickt der mich noch in eine Apotheke in so einem Riesenteil von Einkaufszentrum (…wirkte mir in etwa so groß wie das Dorf, in dem wir wohnen…
, in der Gonal immer vorrätig ist. Die Beschaffung könnte nämlich in heimatlichen Gefilden etwas schwierig werden.
Die gute Apothekendame hat sich tatsächlich sehr viel Mühe gegeben, die Kühlkette nicht zu unterbrechen und mich mit einem Riesenkarton durch diesen riesengroßen Einkaufsvergnügungspark geschickt. Vor dem dort ansässigen Douglas drückte mir ein netter Mitarbeiter noch einen einparfümierten türkisen Federpömpel in die Hand, der aussieht wie ein schlechtes Sexspielzeug und der mir auf der Rückfahrt komplett das Hirn vernebelt hat.
Leider hat die Pharma-Fachfrau mir statt der Multidose einen Pen in die Kiste gepackt. Na prima. Der ist nun mal nicht mit den einkalkulierten 150 Einheiten überfüllt. Das habe ich aber erst zu Hause bemerkt, als ich die Packung aufgerissen hatte. Und dafür plündere ich mein Konto (Monatsende, dingdong…
, renne schweißüberströmt und mit Federn behangen durch diesen Riesenladen, komme auf den Parkplatz und finde mein Auto nicht mehr…..
Toll, so’n Tomtom. Da hilft’s einem nun auch nicht weiter….
So. Und nun kommt Tschackeline ins Spiel. Die hat mich eben nämlich eben wegen der Blutwerte angerufen und ab sofort bin ich ihr Fan. Denn erstens hat sie mich ausführlich bemitleidet. Zweitens fand sie die Apothekenfrau auch blöd. Und drittens hat sie mir gesagt, dass es auch Miniminidosen Gonal gibt, die man mir am Dienstag beim zweiten Ultraschall aufschreiben könnte. “Damit Sie Geld sparen können, Tante Heinz, und nicht nochmal 276 Euro bezahlen müssen.” Ist sie nicht putzig? Sie denkt an meinen Geldbeutel. Ab sofort werde ich sie in meine Gebete einschließen.
Sollte ich noch erwähnen, dass ich und mein Dutzend töfte Follikel heute von einem polnischen LKW beinahe ins Jenseits befördert worden wäre? Der uralte cremefarbene Buckelvolvo (….rote Sitze….mjammi…
, der sich mit mir die Fahrbahn teilte und den ich kilometerlang angehimmelt habe, wäre mit draufgegangen. Und um dieses Auto wäre es tatsächlich schade gewesen.
Nun denn. Mein Mann ist mal wieder beim Zahnarzt. Wir könnten die Wohnung eigentlich auflösen, die Miete sparen und mit der Isomatte bei unseren Ärzten einziehen. Dann kann ich mir nächste Woche auch ne Maxidosis Gonal leisten.
Hatte ihm tags zuvor noch vorgeworfen, er könne doch ruhig mal Interesse zeigen an meinen abendlichen Vergnügungen. Kein Desinteresse war’s, vielmehr die pure Angst.
Das Ganze hat ca. 20 Minütchen gedauert, 40 fröhliche Öcken gekostet und noch knappe 90 Minuten Wartezeit auf den strubbeligen Mediziner, dessen Behandlungszimmer ähnlich durchgeschüttelt aussah, wie die kleine Stube eines kaffeesüchtigen Computerschraubers.
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