Okay. Hier also mein Beitrag zum gestrigen Tag. Schweden hatte Recht.
Ich war gestern geschlaucht. Jetzt geht’s wieder. Wobei man den Tag ja nicht vor dem Abend loben soll…
Nachdem ich auf der Fahrt eine Flasche Wasser gesüppelt hatte, kam, was kommen musste. Erstens war mir schlecht. Zweitens brauchte ich dringend ein Klo. Das rettende Klo war bei Doc M. Was zur Folge hatte, dass ich reingehen musste, wo ich eigentlich nicht reingehen wollte.
Verstehe seit gestern, dass T. jedesmal, bevor es ihm an die Hoden ging, mit Hundeblick fragte: “Sollen wir nicht lieber wieder nach Hause fahren?”
Dem T. ging es übrigens blendend. Zu Hause hatte er noch vorsichtig nachgefragt, ob die wider Erwarten doch noch eine Spermaprobe von ihm wollen könnten. Nach meinem klaren Nein war er richtig gut ‘drauf.
Als ich vom Klo kam, wälzte er sich schon auf der Dachterrasse. Mir war trotz Blasenleerung immer noch schlecht. Gottseidank sind wir Punkt 16 Uhr drangekommen. Länger hätte ich’s nicht ausgehalten.
Der Doc selbst ist ganz cool. Hat uns nichts versprochen, aber auch keine Eventualitäten ausgeschlossen. Das Schreiben vom Hodenpapst endete mit dem Satz “Auf eine längere Suchzeit wird man sich einstellen müssen.” Diese putzige Formulierung nahm er zum Anlass, uns zu erklären, dass da tatsächlich jemand stundenlang sitzt und sucht. Und zwar nicht vier Stunden, wie ich allerhöchstens vermutete, sondern durchaus länger. Viel länger, seiner Mimik nach zu urteilen.
Ich selbst hatte so’n bisschen Angst, dass wir da den Betrieb eher aufhalten mit unserem Fall. Nach dem Gespräch hatte ich jedoch das Gefühl, dass er sich tatsächlich schon ziemlich darauf freut, uns schwanger nach Hause zu schicken. Entweder, er hatte kurz vorher einen Kurs in professioneller Gesprächsführung gemacht, oder er meinte das wirklich so. Im allerbesten Fall - den wir allerdings alle drei belächelt haben - mit ein ein bis zwei Kryos für’s Geschwisterkind im Gepäck.
Keine Ahnung, was ihn mit dem Professor verbindet. Allerdings sprach er sehr rührend von ihm.
Kinderwunschdoktoren mögen jedenfalls Papier und kleine Adress-Aufkleberchen. Ich habe noch nie irgendjemanden so schnell so viele Papiere ausfüllen und bekleben sehen. Zackzackzack, da hatte ich meinen Formularwust schon in der Tasche.
Erwähnenswert sind mal wieder meine zwei Temperaturkurven, die ich im letzten Jahr zwangsweise geführt habe. In Minden hatte man mir schon unterstellt, ich hätte sie aus dem Lehrbuch abgemalt. Und der wuschelige Doc gestern hatte auch eine Träne im Knopfloch.
Ich für meinen Teil finde, sie sehen wild aus. Anscheinend sind sie doch ganz hübsch. (Aber wem nützt das was?)
Der Ultraschall war unspektakulär. Über mir hing ein Storchen-Mobilee, T. hatte die einmalige Gelegenheit, mein Innerstes zu betrachten und die drei Milliarden Eibläschen habe selbst ich erkennen können. Die volle Blase, die den einen Eierstock verdeckte, konnte ich mir allerdings nicht erklären; mein Körper schien gestern alles, was ihm zugeführt wurde, sehr schnell zu verwerten.
Auf der Rückfahrt hat T. mir mehrfach vorgeführt, wie der Doc den Ultraschall-Pömpel gehändelt hat. Scheint ihn beeindruckt zu haben. Hätte auch eine typische Handbewegung bei “Was bin ich” sein können.
Zum Zeitpunkt unseres Experiments lässt sich sagen: Es werden dann wohl doch schon die Sommerferien, die dieses Jahr tatsächlich im Juni anfangen. Ich muss mich dann nicht vierteilen, weil viele meiner Patienten im Urlaub verweilen und es mir zudem nicht angekreidet wird, wenn ich die Praxis urlaubsbedingt einfach ein paar Tage schließe.
Das heißt konkret: Diesen Zyklus warten wir noch ab, und danach starte ich am 23. ZT mit Suprecur. Also sprechen wir tatsächlich von Ende Juni. Uah…. Da wird mir doch ein bisschen schummerig. Danach spritze ich Gonal-F 150; das Vorgehen wurde mir gestern eindrucksvoll an einem Speckfalten-Imitat in Form eines gelben Balls erklärt, und wahrscheinlich habe ich bis dahin alles wieder vergessen. Schätze, es wird ein Frühlingskind. Harhar.
Und selbstverständlich habe ich keine geheimen Quellen, was die Kosten für das ganze Gedöns betrifft, sondern lediglich eine Freundin an der französischen Grenze, die schon mehrere ICSIS hinter sich hat und uns dementsprechend bei der Beschaffung der Drogen behilflich sein wird. Nix spektakuläres also.