Endspurt
So. Halb acht. Zeit, ein paar Millionen Kisten ins Auto zu schmeißen. Wenn sie nur schon voll wären. Hoffe, dieser Tag hat genügend Stunden.
Morgen um 11 kommt der Meister der Erbsenzähler, der mir die Erlaubnis erteilen soll, in genau diesen Räumen weiterzuarbeiten. Beim Gedanken daran wird mir dezent schlecht. Erstens kann ich mir einen entspannteren Sonntagmorgen vorstellen und zweitens gehe ich seit drei Nächten das Szenario durch, was passiert, wenn er etwas zu bekritteln hat. Erkennbar an meinem Kiefergelenk, dass nachts ganze Arbeit leistet, damit der Zahnarzt in den nächsten Wochen auch ordentlich was zu tun bekommt.
Mal wieder habe ich alles zeitlich sehr knapp bemessen. Aber weil man ja unter Druck am effektivsten arbeiten soll, wird das heute schon irgendwie gutgehen.
Gestern nachmittag hat sich der kleine Exvermieter in mein Ex-Blumenbeet gesetzt und klar Schiff gemacht. Muss ja zumindest von außen nett aussehen, deswegen wurden erstmal zwei Büsche eingepflanzt, die ihn um Längen überragten. Außerdem hatte ich es wochenlang geschafft, ihm gar nicht erst zu begegnen, das war überaus entspannend. Merke erst, seitdem ich meine Wäsche in den Keller transportieren kann, ohne von der Seite angelabert zu werden, wie sehr ich unter Verfolgungswahn gelitten habe. “F. ist da? Okay, ich wasche morgen.”
Gestern jedoch hatte er sich vorgenommen, mich abzufangen, um blöde Fragen zu stellen. Es hätte in Strömen regnen können, er wäre trotzdem im Beet sitzengeblieben.
Wieder meinte es das Schicksal gut mit mir. Denn bevor ich die Praxis verlassen konnte, kam T. am Blumenbeet vorbei. Armer T. Wieder einmal musste er Rede und Antwort stehen und die ein Meter hohe Neugierde befriedigen.
Nun denn. Er weiß jetzt, dass der Umzug für heute angesetzt ist, und wird es sich nicht nehmen lassen, zwischen den vielen geschäftigen Beinen durchzuwuseln, um sich in der Praxis festzutackern und uns aufzuhalten. So war’s schon beim Privatumzug. Und täglich grüßt das Murmeltier.
Das Dorf hat Mitleid mit dem armen kleinen Mann, dem nun auf gleich zwei Etagen gähnende Leere entgegenblickt. Böse Tante Heinz. Selbst meine Mutter ist beim Metzger nicht sicher davor, auf diesen gemeinen Umstand angesprochen zu werden.
Pfffff. Neun Jahre habe ich mich mit ihm abgeplagt. Mich hat er auch nicht geschont. Ein Frauenproblem hat er sowieso. Ein Problem mit selbständigen Frauen erst Recht. Und ein Problem mit Frauen, die über 1,80 sind, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
Kleinwüchsigen Vermietern lässt man einfach viel zu viel durchgehen. Aus purem Mitleid. Und genau deswegen benehmen sie sich auch wie die Axt im Wald. Habe lange gebraucht, um das einzusehen.
Heute heißt es also nochmal Zähne zusammenbeißen und blöde konservative Kommentare schlucken. Und danach die Segel streichen.
Heute erwarten uns zum letzten Mal sinnige Fragen, wie z.B. “Schwere Kiste?” wenn man mit allerletzter Kraft vollbeladen die Treppe hochstolpert. Oder “Habt ihr die Wände gelb gestrichen?”, während man in einem definitiv gelben Raum steht.
Mein Mann ist im Übrigen am Mittwoch zu Ikea gedüst, um Tischbeine umzutauschen. Der Gute. Ich hatte nämlich so gar keine Zeit. Und was bringt er mir neben den Tischbeinen mit? Vorhänge für’s Schlafzimmer. Bin beinahe zusammengebrochen. Das muss das zusätzliche X-Chromosom sein. So langsamwird es mir sympathisch. Kann man eigentlich nicht genug von haben, von so schnuckeligen kleinen Chromosömchen.
Da verzeiht man doch gerne die Tatsache, dass er, während ich unter Einsatz meines Lebens Schränke aufbaue, das Hubschrauberfliegen übt, weil die Räume so schön leer waren und die Absturzgefahr gen Null tendierte.
Im Ernst: Ohne T. hätte man mich in den letzten Wochen schon längst einweisen können. Die Erfahrung lehrt: Noch so eine Gewaltaktion, wie die noch nicht ganz vergangene, werden nicht wieder vorkommen. Das steht fest.
So. Und jetzt gehe ich wirklich Kisten packen. Und nächste Woche wird Termin in GÖ gemacht.
Samstag, 31 März 2007 um 9:12 vormittags
Huhu, mein liebes Tantchen,
vielen Dank für die Wünsche und ich hoffe, ich werde einige Deiner BÄREN sehen und sie mit der Fotomaschine beknipsen können! Obwohl ich bei den Stachelbären immer Angst hab, so nah ranzugehen… Naja, also ich wünsche Dir ein entspanntes WE mitsamt dem Fass und den neuen, schicken Vorhängen… hihi.
Lasst es Euch gutgehen.
Frau Mausebaer